Donnerstag, 22.06.017

Tagesziel: Hokksund, gefahrene Kilometer: 82, Übernachtung bei Hokksund Camping, 330 NOK mit Strom

 

 

 

Das mit dem Aufstehen um 06.30 Uhr war keine leer Drohung, sondern ernst gemeint. Denn ab 07.00 Uhr gibt es Frühstück im Grand Büffet, das gegenüber der Show Lounge liegt. Wir sind natürlich bei den ersten Gästen und ergattern einen schönen Fensterplatz. Das Wetter ist (noch) so lala, stark bewölkt und überhaupt nicht so wie vorhergesagt. Obwohl ich trotz fast glatter See sehr schlecht geschlafen habe, ist mein Appetit ungebrochen. Das Angebot am Büffet ist fast unüberschaubar und der Preis von 15,00 Euro im Rahmen der Buchung beinahe ein Schnäppchen. Ich bediene mich reichlich am warmen Büffet, das Rühreier, Spiegeleier, gekochte Eier, Würstchen und  noch viel mehr bereit hält. Natürlich darf der Speck nicht fehlen und einen geräucherten Lachs gönne ich mir auch.

Auch der Kaffee schmeckt uns vorzüglich und in gleichem Maße wie der Hunger gestillt wird, verbessert sich auch das Wetter. Zaghaft lässt sich die Sonne blicken und gegen 08.45 Uhr gehen wir nach oben, um den Oslo-Fjord zu genießen.

Wir fahren an kleinen Inselchen vorbei, die jeder von Bildern und aus dem Fernsehen kennt. Die typischen roten Häuser sehen wir allerdings eher selten. Ein Highlight der besonderen Art ist das ehemalige Leuchtfeuer Dyna Fyr, das geradezu wie auf einen Felsen geklebt wirkt und seit 1992 als Restaurant genutzt wird.

Dann kommt allmählich die Skyline von Oslo ins Blickfeld. Wir erkennen das charakteristische Rathaus mit den zwei Türmen. Auf der linken Seite fahren wir am Fram-Museum vorbei und in der Ferne ist der Holmenkollen zu erahnen, unser heutiges Tagesziel.

Die Color Magic fährt nun immer langsamer und weil es schon kurz vor 10.00 Uhr ist, machen wir uns auf den Weg zu Deck A 3, wo unser Wohnmobil abgestellt ist. Leider machen wir dabei den Fehler und nehmen gleich einen der ersten Aufzüge vorne, die fahren aber nur bis Deck 6, also hoch auf Deck 7, die Hurtigruten-Gäste, die hier aussteigen, stehen in Massen vor dem Ausgang und wir müssen uns im wahrsten Sinne des Wortes durchquetschen.  Als ich endlich das Womo aufschließe, setzt sich die Kolonne auch schon in Bewegung. Und weil es sich um eine so genannte Ro-Ro-Fähre handelt, fahren wir in gleicher Fahrtrichtung von Bord. Das war auf alle Fälle knapp! Das nächste Mal gehen wir 10 Minuten früher los, dann haben wir keinen Stress.

Nur wenige Minuten nach 10.00 Uhr sind wir in Norwegens Hauptstadt und Sonja hat das Navi in Windeseile startklar gemacht. Zum Holmenkollen sind es etwa 7 Kilometer und die legen wir auch zügig zurück. Dann sehen wir ihn auch schon, diesen stählernen Kolossalbau, der das Herz jedes Wintersportfans höher schlagen lässt. Die Sonne hat jetzt deutlich die Oberhand gewonnen und die meisten Wolken vertrieben. Darauf hatten wir natürlich gehofft. Ein toller Anblick, wie ich gestehen muss und dass es beim dritten Besuch Oslos endlich geklappt hat, freut uns umso mehr. Bevor wir der Schanze aufs Dach steigen, fahren wir aber noch ein paar Meter zur Holmenkollenkapelle, die zwar geschlossen ist, die aber auch von Außen schön anzusehen ist. Schon der Blick von hier auf den Fjord ist fantastisch. Wie mag es da erst vom Sprungturm sein.

Wir sehen einige Sportler, die zum Teil mit freiem Oberkörper ihre Runden auf den Rollskiern drehen.

Ein paar Damen trainieren ihre Oberschenkel mit Läufen auf den Tribünen des Skisprungstadions. Alles sehr schweißtreibend, aber schön anzuschauen. Es ist wirklich viel geboten hier oben.

Dann versuchen wir die steilen Treppen zum Holmenkollen-Museum hochzusteigen. Aber Sonja hat sich zu viel zugemutet, sie schafft es nicht. Die Steilheit des Geländes kann man auf dem folgenden Bild vielleicht ahnen.

Eine Frau, die uns entgegen kommt, erklärt  uns, dass man auch mit dem Auto bis zum Parkplatz des Museums fahren könnte. Von dort geht's dann bequem mit dem Schrägaufzug nach oben. Und so machen wir das dann auch. Wir folgen dem Wegweiser "Holmenkollenmuseum" und stehen nach zwei Minuten unmittelbar im Schatten des Schanzengiganten. Was für ein Anblick.

Im angegliederten Souvenirshop erstehen wir die ersten Mitbringsel für die Lieben daheim. Leider funktionert  wegen eines Defekts  im Internet die Kreditkarte nicht und ich muss bar zahlen. Das Gleiche passiert dann auch beim Kauf der Tickets für den Sprungturm. Sie kosten 260 NOK (etwa 28 Euro). Für zwei Erwachsene ist der Preis durchaus akzeptabel, im Übrigen können wir das ohnehin nicht ändern. Wartezeiten gibt es ebenfalls nicht und so stehen wir wenig später auf der Aussichtsplattform ganz oben auf der Sprungschanze. Im dritten Anlauf nach 2009 und 2012 hat es endlich geklappt. Was für ein toller Auftakt unserer Nordkap-Tour!

Wir machen unzählige Aufnahmen und staunen auch noch über die Wagemutigen, die sich von hier oben an ein Stahlseil hängen und dann über der Anlaufspur nach unten auf die andere Seite des Stadions rauschen.

Einige juchzen vor Freude oder aus Angst, so genau weiß man das nicht. Als alle Fotos geschossen sind, fahren wir dem stylischen Schrägaufzug wieder nach unten.

Einen kleinen Abstecher ins angeschlossene Museum machen wir natürlich auch. Allein der gelbe Sprunganzug von Noriaki Kasai signalisiert schon von Weitem, dass sich ein Besuch lohnen könnte. Man kann aber auch die Latten von Kjetil Andre Amodt oder Aksel Lund Svindal und anderen Skigrößen bewundern. Wer sich für den Wintersport begeistern kann, findet hier sicher  die eine oder andere Rarität.

Eigentlich war mit dem Besuch des Holmenkollens meine größte Sehnsucht schon gestillt. Aber natürlich hat Oslo noch viel mehr zu bieten. Wir fahren daher zum Vigeland-Park  und erfreuen uns schon das dritte Mal an den außergewöhnlichen Skulputuren, die Gustav Vigeland geschaffen hat. Auch wenn jetzt die Sonne nicht mehr schien, war es doch wieder sehr schön, denn die Figuren von Vigeland ziehen den Betrachter unweigerlich in ihren Bann. Das Womo parkten wir übrigens am Riksweg 161 vor dem Tennisplatz, der sich unmittelbar am Park befindet. Die Zahlung erfolgte unkompliziert über die Kreditkarte.

Ein kurzes Filmchen gibt es auch noch:

Und weil's so schön war, sind im folgenden Fotoalbum noch viele weitere Bilder der einmaligen Skulpturen von Vigeland zu sehen.

Wir waren von den Eindrücken und den Anstrengungen dieses ersten Tages bereits einigermaßen geplättet, so dass wir uns gegen 16.30 Uhr auf dem Weg zum Campingplatz am Drammensveien 164 machen, dem einzigen Stellplatz (nicht Campingplatz!) für Wohnmobile in Oslo. Leider führte uns das Navi nicht zum gewünschten Zielort und so flüchten wir schließlich aus der Stadt, zumal der Verkehr mörderisch ist. Zusammen mit tausenden von Pendlern, die ihren Heimweg vom Arbeitsplatz antraten, fuhren wir auf der E 18 in südöstlicher Richtung. In Drammen geht es rechts ab auf die E 134 nach Hokksund. Sonja war schnell fündig geworden auf der Suche nach einem Ersatz für den Übernachtungsplatz in Oslo. Da es sich zwischenzeitlich aber auch noch eingetrübt hatte und die Vorhersage ohnehin nicht sehr vielversprechend war, gab es keinen Grund, länger in Oslo zu bleiben.

Stattdessen stehen wir nach etwa einer Stunde Fahrtzeit vor dem Vier-Sterne-Campingplatz in Hokksund. Die freundliche junge Dame am Empfang erklärt uns in bestem Deutsch die Vorzüge des Platzes, der über modernste Sanitäreinrichtungen verfügt. Die Kosten belaufen sich auf 300 NOK (mit Strom).

   

Da schmecken dann auch die Spagheti mit Pesto und der Bataviasalat doppelt gut. Nach einem Rundgang über den schönen Campingplatz geht dieser ereignisreiche erste Tag zu Ende.

 

Anreise Vikersund Start Reisebericht

 

Das hat uns in Oslo mit am meisten beeindruckt: der umwerfende Blick auf den Oslo-Fjord!