Samstag, 17.06.2017

Ich gehe zum x-ten Mal meinen Merkzettel durch und beschäftige mich auch noch ausgiebig mit meiner neuen Kamera, die ich zum 60. Geburtstag von meiner Mutter geschenkt bekommen habe.

Es handelt sich dabei um eine Sony RX 100, von der es zwar schon im Zeitpunkt des Kaufs Nachfolgemodelle gab, aber die Ergebnisse der RX 100 sind immer noch so ausgezeichnet, dass kein Grund vorlag, mehr Geld auszugeben. Bei den Speicherkarten kommen mir dann aber Zweifel, ob sie ausreichend sind, denn lediglich zwei 8 GB-Karten scheinen mir ein wenig dürftig zu sein. Ich fahre daher schnell im Saturn-Markt um die Ecke vorbei und besorge mir ein 16 GB-Teil, auf dem etwa 6.000 Bilder Platz haben, das MUSS einfach reichen! Wenn nicht, kommt die Löschtaste zum Einsatz.

Sonntag, 18.06.2017

Heute passiert nicht mehr viel. Alles ist gerichtet für die große Reise. Es wird vermutlich die längste und anstrengendste Tour, die wir jemals unternommen haben, aber wir haben es ja so gewollt.

Montag, 19.06.2017

Es ist so weit. Die Fahrt nach Waldkirchen zur Automobilvermietung Schmöller steht an. Ich gebe zu, die Nacht war kurz, ich habe sehr schlecht geschlafen. Zu groß war die innere Unruhe, die Fragen: komme ich mit dem Wohnmobil auch klar oder hätten wir das nicht besser bleiben lassen sollen? Das ganz normale "Sich selbst verrückt machen" also, nichts Besonderes. Oder vielleicht doch?

Die Fahrt in den Bayerischen Wald dauert etwa 90 Minuten. Die Autovermietung entpuppt sich als veritables Unternehmen. Die "Schmöller-Brüder" empfangen uns fast herzlich, die Formalitäten sind schnell erledigt und dann führt uns Thomas auch schon zu "unserem" Weinsberg-Wohnmobil. Nagelneu ist das Teil, hat gerade mal 2.500 Kilometer auf dem Buckel. Thomas zeigt uns alles, was man wissen muss, dafür nimmt er sich viel Zeit und wir haben nie den Eindruck, dass wir hier so schnell wie möglich "abgefertigt" werden sollen. Dann sind natürlich auch gleich die Zweifel wieder da, denn so ein Wohnmobil, auch wenn unseres nur 6 Meter lang ist, beinhaltet doch jede Menge: Frischwassertank, Abwasserbehälter, Gasflaschen (wir nehmen derer zwei mit), Stromkabel (25 Meter) mit Adapter, Jalousien, Armaturen, Kochfeld, Toilette usw. usw. Nach den Erfahrungen im Jahr 2012 habe ich mir meine Fragen notiert und diese abgearbeitet. Alles kein Problem, bei den Schmöllers legt man viel Wert auf Service und Freundlichkeit. Klasse! Ja, und so sah unser Womo aus:

Unseren Golf lassen wir auf dem Firmengelände, dann wird es spannend. Ich klemme mich hinter das Steuer und fahre los. Ich bin schnell drin im "Womo-Modus", wenngleich die Schaltung des Fiat Ducato schon recht knorrig ist. Das Schalten grenzt tatsächlich an Arbeit. Aber das Fahren macht Spaß, die erhöhte Sitzposition bietet einen tollen Überblick, den wir sonst nicht haben. In nicht einmal zwei Stunden sind wir wieder zuhause. Die Fahrt war ein gutes Training.

Dann geht's noch kurz in den Baumarkt, wir kaufen noch spezielles Toilettenpapier, das sich schneller auflöst im Behälter und bei Saturn schauen wir auch auch nochmal vorbei: die neue Helene-Fischer-CD muss unbedingt mit und einen Besteckeinsatz haben wir auch noch gekauft! In den folgenden zwei Stunden wird das Womo dann beladen. Dabei bekommen wir noch Besuch von unserer ganzen Familie: Kinder, Schwiegertochter, Enkel und meine Mutter bestaunen das schöne Wohnmobil und jeder betont: "Für uns wär das nichts!".

Die zwei folgenden Bilder machen nicht einmal ansatzweise klar, was es bedeutet, ein Wohnmobil für eine 30-Tage-Reise zu bestücken:

Nicht im Bild sieht man u.a. die 54 Liter Mineralwasser, die wir mitgenommen haben und die vielen Lebensmittel, wie Salami, Miracoli, Bockwürste, Gewürze, Öle usw. usw. Mit den guten Wünschen der Familie geht der Tag zu Ende und wir schlafen dann einen ganzen Monat lang nicht mehr in unserem eigenen Bett. Diese Nacht falle ich jedoch schnell in einen erholsamen Schlaf. Die Reise kann beginnen!

Dienstag, 20.06.2017

Tagesziel: Kiel, gefahrene km: 917 ÜN: Stellplatz "Drathenhof" (keine Gebühren)

 

 

 

Ausgeruht und erholt wache ich gegen 7.00 Uhr auf. Tochter und Enkel, die fast nebenan wohnen, kommen zum ultimativen Abschied vorbei. Um 8.15 Uhr beginnt dann endlich das "Abenteuer Nordkap 2017". Wir fahren nach Siegenburg, dort geht's dann auf die Autobahn. Wir haben uns für die ruhigere "Ost-Variante" entschieden: Regensburg, Hof, Halle, Braunschweig, Hannover, Hamburg, Kiel. Die Sonne brennt schon bald erbarmungslos vom Himmel. Wir sind froh, dieser Gluthitze, die in Bayern in diesen Tagen des Jahres 2017 an die 40 Grad erreichen soll, entfliehen zu können.

In Bayern hält sich der Verkehr noch in erfreulichen Grenzen. Aber je weiter nordwärts wir kommen, umso stärker wird vor allem das Lkw-Aufkommen. Manche Autobahnabschnitte sind auf der rechten Spur ausschließlich den Brummis vorbehalten. Wahnsinn! In Eisenberg legen wir bei McDonalds eine längere Pause ein. Ausgerechnet im Urlaub muss ich ja keine Diät anfangen. Dann fahren wir weiter. Der Ducati-Motor, ein Diesel mit 130 PS, fährt ruhig und gleichmäßig dahin. Ich halte meistens eine Geschwindigkeit von 110 bis 115 kmh. Sparsam ist das Womo bei diesem Tempo noch nicht, aber in Norwegen wird sich das ja ändern.

Nach Braunschweig machen wir noch eine zweite Pause und nach etwa 600 gefahrenen Kilometern macht mir doch allmählich die Hitze zu schaffen. Die Augen beginnen zu brennen, aber jammern hilft auch nicht weiter. Von Hamburg sehen wir nicht viel. Die Umrisse der Köhlbrandbrücke  sausen vorbei und dann verschluckt uns auch schon der Elbtunnel. Ohne Stau geht es zügig durch und ich bin guter Hoffnung, dass es so flott weiter geht. Es bleibt leider bei der Hoffnung, denn in Hamburg ist offensichtlich ein Bauboom ausgebrochen. Jedenfalls erscheint uns die Elbmetropole nicht als das sprichwörtliche Tor zur Welt, sondern als Baustellenportal. Es geht nur noch zäh voran und wir waren erst nach 19.00 Uhr in dem kleinen Ort, in dem es laut ADAC-Stellplatzführer einen Anbieter von Stellplätzen geben sollte. Die letzten Kilometer dorthin waren aber schon so abenteuerlich (ultraschmale Straße, überhängende Büsche), dass uns Übles schwant. Und richtig. Unter der angegebenen Adresse fand sich zwar ein Restaurant, das aber leider geschlossen war. Nachbarn erklärten auf Nachfrage, dass hier nur am Wochenende Stellplätze vermietet werden. Na großartig! Der erste Tag fing ja schon mal sehr vielversprechend an.

Im Stellplatzführer sucht Sonja fieberhaft nach einer Alternative und wird prompt fündig. Der Drahtenhof vor den Toren Kiels in dem verträumten Örtchen Molfsee. Nur wenige Kilometer entfernt und tatsächlich schlagen wir hier unser erstes Nachtlager auf. Und einen tollen mediterranen Salatteller im angeschlossenen Restaurant gönnen uns auch noch.

Vor dem Restaurant befindet sich ein riesiger Parkplatz, der auch als Stellplatz für etliche Wohnmobile dient. Wie man auf dem folgenden Bild sieht, gehörte uns der Parkplatz fast allein:

Wir stehen nur wenige Meter vom Restaurant-Eingang enffernt und sehen der ersten Nacht im Womo jetzt schon wesentlich entspannter entgegen. Kein Wunder bei diesen Aussichten:

Damit geht der erste Tag der Reise zu Ende. Hundemüde fallen wir gegen 21.30 Uhr in die Federn.

Mittwoch, 21.06.2017

Tagesziel: Oslo, Beförderungsmittel: Color Magic Kosten für die ÜN: 590,00 Euro für 2 Erw. + Wohnmobil inkl. Frühstück

 

 

 

 

Wir haben gut geschlafen in dieser ersten Nacht im Womo und wollen so um 08.00 Uhr frühstücken, als Sonja feststellt, dass Wurst und Brot gefroren sind. Der Kühlschrank war zu kalt eingestellt. Ja, auch Wohnmobilist wird man nicht von heute auf morgen. Wir trödeln noch etwas herum und überlegen, was wir dann an Bord der Color Magic mitnehmen sollen und beschließen, sofort zum Norwegenkai nach Kiel zu fahren. Um 10.00 Uhr lassen wir uns die Bordkarte für die Color Magic aushändigen, die schon eingeparkt hat.

Vor ihr steht die im Vergleich kleine Ocean Majesty, es gibt also viel zu sehen bis wir an Bord können. Wir sind die Ersten vor der Schranke, aber bis es mit dem Einfahren los geht, können wir noch in Ruhe frühstücken. Brot und Wurst sind endlich aufgetaut und auch der selbst gebrühte Kaffee schmeckt prima. Wohnmobilfeeling macht sich breit. Wir gehen in den Terminal, fahren mit dem Aufzug in den 3. Stock und machen Fotos von der Color Magic, der Ocean Majesty und der Skyline von Kiel. Die Sonne scheint bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad und die Zeit bis zum Einfahren vergeht wie im Flug.

Das beginnt dann pünktlich um 12.00 Uhr. Pkws und Motorräder haben Vorrang, wir müssen über eine Stunde warten, aber dann dürfen wir auch in den Schlund der Color Magic eintauchen. Die Erfahrung ist nicht ganz neu für uns, denn schon 2009 waren wir an Bord einer ähnlich großen Fähre, der Silja Symphony. Mit ihr fuhren wir damals die Strecke Stockholm-Helsinki. Aber die Magic ist noch moderner und macht einen äußerst gepflegten Eindruck. Eine Bewertung kann bei Holidaycheck nachgelesen werden.

Ich freue mich vor allem auf eine Dusche. Unsere Kabine liegt auf Deck 9 innen. Wir können auf die Promenade blicken, wo sich das Leben der Magic abspielt. Pizzeria, Cafeteria, Monkey Pub, Casino und und und. Alles was man sich von einem Kreuzfahrtschiff erwartet, gibt es auch an Bord dieser Fähre. Wirklich beeindruckend!

Pünktlich um 14.00 Uhr verlassen wir Kiel bei strahlendem Sonnenschein. Passend dazu dröhnt aus den Lautsprechern auch noch "I am sailing" von Rod Stewart. Da gerade die Kieler Woche läuft, sind viele Segler unterwegs. Ausflugsboote begleiten die Color Magic und es gibt das eine oder andere Hupkonzert.

Und Kiel selbst kann sich natürlich auch sehen lassen:

Ein beeindruckendes Schauspiel, das von der "Queen" selbst persönlich beäugt wird. Im Hafen liegt nämlich auch noch die "Queen Elizabeth", flankiert von der "Arcadia". Das ist wahrlich eine Ausfahrt, wie man sie sich nur wünschen kann.

Kurz darauf kommen wir am Nord-Ostsee-Kanal vorbei und an den olympischen Regattastrecken von 1972. Alles Neuland für uns und sehr spannend.

Unser Magen beginnt zu knurren und wir gönnen uns eine Pizza auf norwegische Art mit Lachs, Porree und Schlagrahm. Sehr eigenwillige Komposition, aber trotzdem sehr lecker. Außerdem war der Preis akzeptabel und so ließen wir es uns schmecken. Um 18.30 Uhr fahren wir unter der Großer-Belt-Brücke hindurch. Ein Spektakel, das nur wenige Passagiere life miterleben wollten oder konnten, weil es unglaublich stark wehte und man seinen Fotoapparat schon gut festhalten musste.

Zeitgleich ist Sonja zur Show Lounge aufgebrochen, um sich einen guten Platz für die Vorstellung um 19.00 Uhr zu sichern. Ich folge ihr, nachdem ich meine Fotos geschossen habe. Das Theater geht über zwei Decks und bietet gute Sicht auf fast allen Plätzen. Das engagierte achtköpfige Ensemble bietet einen flotten Mix aus Tanz und Gesang mit dem Titel "Jukebox Magic". Die Show dauert 45 Minuten und wir gehen anschließend gleich schlafen. Der Wecker wird uns morgen um 06.30 Uhr aus den Federn holen, dann geht's zum Frühstück in's "Grand Büffet" und dann wartet der Oslofjord.

Obwohl die Überfahrt mit der Color Magic wirklich ein unvergessliches Erlebnis war, beginnt die eigentliche Nordkap-Tour aber erst in Oslo. Wenn Sie sehen möchten, wie es uns in Teil 2 der Reise ergangen ist, klicken Sie auf "Oslo".

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Mit dem folgenden Bild möchte ich mich von Teil 1 der Reise verabschieden: