In Teil 3 der Reise tauchen wir tief ein in das berühmte Fjord-Norwegen. Wir setzen die Reise fort über die Rv 35, machen einen Abstecher nach Vikersund, kehren nach Hokksund zurück, um auf "Stabkirchen-Tour" über die 40 zu gehen. Wir besichtigen die Kirchen Flesberg, Rollag, Nore und Uvdal. Über die 13 fahren wir nach Voss, wo wir übernachen. Am nächsten Tag warten dann weitere Highlights der Reise: die Fährfahrt durch den Naeroyfjord und der Besuch des Aussichtspunktes Stegastein.

Freitag, 23.06.2017

Tagesziel: Voss, gefahrene Kilometer: 375, ÜN: Voss Camping, 200 NOK inkl. Strom (ca. 21 Euro)

 

 

 

Nach dem Aufstehen sind wir noch guter Dinge. Die Sonne lacht uns ins Gesicht. Doch dann treffen wir auf dem Campingplatz auf einen Deutschen, der mit seinem Ultraleichtflugzeug in der Nähe war und hier auf dem schönen Platz in Hokksund übernachtet hat. Dieser Mann verfügt über Wetterinformationen auf erster Hand, weil er nur auf Sicht fliegt und insofern auf genaue Wetterdaten angewiesen ist. Er hat jedenfalls keine guten Nachrichten für uns. Regen wird einsetzen und uns heute begleiten.

Wir beschließen daher kurzfristig, auf der 35  von Hokksund nach Vikersund zu fahren, dort wo sich die berühmte Skiflugschanze befindert. So lange das Wetter einigermaßen hält, wollen wir die Zeit nutzen. Das klappt auch gut. Die etwa 30 Kilometer dorthin sind kein Problem und wir die einzigen Besucher.

Die Anlage dort ist natürlich in keiner Weise mit der auf dem Holmenkollen zu vergleichen. Das sind Welten. Es sieht alles ein bißchen "unsortiert" aus. Trotzdem beeindruckend. Vor allem dieser Monsterbakken, über den die wagemutigen Skiflieger in die Tiefe rauschen. Stefan Kraft aus Österreich hat es in diesem Jahr besonders gut  gemacht und den Weltrekord auf sagenhafte 253,50 Meter geschraubt. Diese Weltrekordmarke haben wir natürlich auch im Bild festgehalten.

 

Dann fängt es pünktlich an zu regnen und wir beginnen unsere Stabirchen-Tournee, die uns auf der 40 über Flesberg, Rollag, Nore und Uvdal führt. Zunächst fahren wir auf der 35 von Vikersund in südlicher Richtung, wo wir nach einigen Kilometern bei Amot auf die 287 abbiegen. Auf Höhe Simostranda werden wir auf eine Hinweistafel aufmerksam. Die weist auf eine "Ole Einar Björndalen-Statue" hin. Da müssen wir natürlich stehen bleiben und Fotos machen.

Nach diesem kurzen Fotostop geht es zunächst weiter auf der 287, bevor wir links auf die Fv 131 abbiegen. Auch hier  kommen wir nur ein paar Kilometer weit und stehen dann vor einer Kirche, die wir überhaupt nicht auf dem Schirm hatten, die zunächst aussieht wie eine Stabkirche.

 

Recherchen ergeben jedoch, dass es sich nicht um eine Stabkirche handelt, vielmehr wurde sie als  Langkirche etwa in den Jahren 1660 bis 1665 erbaut. Auch auf den Seiten von Otto und Mechthild Reuber bin ich dazu fündig geworden. Es ist jetzt noch nicht einmal 12.00 Uhr und wir haben schon einige interessante Sehenswürdigkeiten vor die Linse bekommen.

Gegen 12.30 Uhr setzt der angekündigte Regen ein. Wir sind zwischenzeitlich auf die 40 abgebogen und erreichen die erste Stabkirche in Flesberg. Die Türen sind leider geschlossen, aber der Regen hält uns natürlich nicht vom Fotografieren ab. 

Detailinfos zu dieser Kirche gibt es hier!

Der Regen hält unvermindert an und wir sind ganz froh, dass an der Strecke Kirchen liegen, die man auch von Innen besichtigen kann. Das nächste Exemplar erwartet uns dann in Rollag. Die Kirche wurde um 1150 erbaut und gehört zu den am reichsten ausgeschmückten Stabkirchen Norwegens. Die folgenden Bilder zeigen das eindrucksvoll. In dieser und den beiden folgenden Kirchen waren auch Guides, die für Fragen zur Verfügung standen und Eintrittskarten verkauften. Die kosteten im Schnitt etwa 60 NOK pro Person, für uns gut angelegtes Geld, weil uns diese seltenen Exemplare, von denen es nur noch 28 gibt, von Anfang an begeistert haben. 

Angesichts der heutigen Tour könnte man fast denken, Norwegen wäre touristenfrei, so wenig Leute sind unterwegs. Dass wir uns da gewaltig täuschen, sollten wir noch erleben. 

Die nächste Stabkirche erwartet uns in Nore. An der 40 liegen diese Kirchen aufgereiht wie auf einer Perlenkette. Jene in Nore wurde 1167 erbaut, hier hat mich vor allem das schöne Altarbild fasziniert.

Das letzte Kleinod dieser seltenen Art steht in Uvdal, ebenfalls an der 40. Sie erinnert mich in ihrer Gestaltung sofort an die Kirche in Urnes. Diese hier wurde 1168 erbaut und ist reich an Verzierungen. Aber was uns hier natürlich besonders gut gefällt, ist nicht nur die Kirche selbst, sondern dass auch noch eine Organistin spielt, während wir die kleine Kirche besichtigen. Die Krönung war aber dann die angebotene Waffel mit Erdbeermarmelade. So viel Besichtigung macht schließlich auch hungrig.

Wir haben das Beste aus dem Tag gemacht, denn in unserem Tourbook, das Sonja so detailliert vor dem Antritt der Reise angefertigt hat, standen heute ursprünglich die Wasserfälle (Latefoss, Voringsvossen) auf dem Programm. Aber bei Regen kennen wir die schon, siehe hier! Norwegen "erleben" war schon immer anders als die graue Theorie. Trotzdem kann man natürlich auch bei schlechtem Wetter schöne Fotos machen.

Aber auch die größte Hochebene Europas macht bei Dauerregen keinen besonderen Spaß, so dass wir uns weiter durch peitschenden Wind und Nebel kämpfen, schließlich brauchen wir noch einen Übernachtungsplatz. In Geilo fahren wir auf die 7, die später zur 13 wird. Unser Ziel: Voss.

Bis wir Voss erreichen, haben wir allerdings noch ein Erlebnis der besonderen Art. Dass die Norweger in Sachen Brücken- und Tunnelbau wahre Meister sind, wird jeder bestätigen, der schon einmal in Norwegen unterwegs war. So war auch die Überquerung der Hardangerbrua für uns fast schon nichts Besonderes mehr. Diese Brücke kannten wir von unseren früheren Besuchen, aber der Hardangertunnel mit seinem Kreisverkehr, das war dann doch noch eine andere Sache.

Wir kommen erst nach 21.00 Uhr in Voss auf dem gleichnamigen Campingplatz an und die vor der Schranke stehenden Wohnmobile lassen nichts Gutes ahnen. Und richtig, der Platz ist voll und wir müssen auf dem Parkplatz vor dem Camping-Areal stehen bleiben. Für Strom und nicht funktionierendes Wifi knöpft man uns 200 NOK ab. Wir sind hundemüde und bedient. Angesichts dieser Aussichten kommen sofort wehmütige Erinnerungen an den geradezu komfortablen gestrigen Platz in Hokksund auf.

Immerhin ist der Parkplatz geteert und wir müssen nicht durch lehmiges Geläuf chauffieren. Aber es werden immer mehr Womos, die am Ende alle ihr Stromkabel an einer einzigen Stelle im Eck des Parkplatzes anschließen wollen. Und am Ende kommt auch noch ein wildgewordener Norweger, der mit seinem Uralt-Womo abenteuerlich rangiert und unseren Kotflüger nur um Haaresbreite verfehlt. Zum Glück ist dann aber Ruhe und wir können endlich schlafen.

Samstag, 24.06.2017

Tagesziel Sogndal, gefahrene Kilometer: 193, ÜN Kjornes Camping (310 NOK = 33 Euro), Fährüberfahrten: Gudvangen-Kaupanger (1.250 NOK = 144,60 Euro), Manheller-Fodnes (114 NOK = 12 Euro), Fodnes Manheller (114 NOK = 12 Euro)

 

 

 

 

 

 

Immerhin haben wir gut geschlafen. Vermutlich, weil wir derart geschafft waren von den Anstrengungen des Tages, so dass wir den schäbigen Platz einfach ignorierten. Eigentlich kann es heute nur besser werden, zumal wir etwas Besonderes vorhaben: eine Fährfahrt von Gudvangen nach Kaupanger durch den schmalen Naeroyfjord. Eine Reservierung für die Fähre hatte ich gestern telefonisch vorgenommen, wobei das schwierig war. Online im Fahrzeug ohne Internet war es nicht möglich, also habe ich angerufen und der freundlichen Dame am Telefon versucht klar zu machen, dass eine Online-Vorbestellung schlichtweg nicht möglich ist. Irgendwann hatte sie das dann so akzeptiert.

Nach der Abfahrt aus Voss orientieren wir uns auf der E 16 in nördlicher Richtung. Etwa 11 Kilometer weiter stehen wir vor dem tosenden Tvindefossen.

Hier befinden wir uns wieder in einem Gebiet, das stark von Touristen frequentiert ist. Busse stehen auf dem angrenzenden Parkplatz ebenso wie Pkws und einige Womos. Aus dem verträumten Urlaubsland, das Norwegen noch vor einigen Jahren war, ist mittlerweile ein touristischer Hotspot geworden. Mit allen Nebenwirkungen, die der Massentourismus mit sich bringt. Der Schönheit des Tvindefossen tut dies allerdings keinen Abbruch.

Der Besuch des ca. 150 Meter hohen Tvindevossen war eine nette Abwechslung bevor wir uns in die Schlange der Wartenden in Gudvangen einreihen. Als wir gegen 10.00 Uhr dort ankommen, ist das Wetter sogar ganz passabel. Es regnet nicht und die Sonne blinzelt zögerlich durch die zum Teil dicken Wolken. Wir stellen uns in Reihe 2, sind hier die Ersten, haben aber trotzdem ein mulmiges Gefühl. Ob mit der Reservierung alles geklappt hat? Es wimmelt nur so vor Touristen aus aller Herren Länder und daher wird es uns auch nicht langweilig.

Endlich beginnt auch die Kassiererin ihre Runde, da ist es schon halb zwölf, also 30 Minuten vor der geplanten Abfahrt. Neuerlich beschleichen uns Zweifel, ob wir mitkommen dürfen. Offensichtlich stehen in Reihe 1 alle Fahrzeuge mit Reservierungen. Als die Beladung beginnt, haben wir immer noch nicht bezahlt. Sonja geht kurzentschlossen zur Kassiererin in der gelben Weste. Sie macht ihr klar, dass wir telefonisch vorbestellt hätten. Es handelt sich womöglich sogar um jene Dame, mit der ich telefoniert habe. Jedenfalls winkt sie mich darauf hin in Reihe 1 und wir dürfen auf die Fähre, andernfalls hätten wir auf die nächste Fähre um 18.00 Uhr warten müssen. So ein Erfolgserlebnis steigert die Laune gleich ganz erheblich. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, eine Online-Vorausbuchung vorzunehmen. über die Internetseite von "Fjord 2". Das spart Zeit und Nerven.

Gegen 12.15 Uhr geht es dann los. Nach ein paar Metern sieht man, dass der kleine Ort Gudvangen von Wasserfällen eingerahmt ist, ein im wahrsten Wortsinn schönes Bild.

Je weiter wir uns von Gudvangen entfernen, um so blauer zeigt sich der Himmel und die Sonne wärmt unser Herz, so dass die zweieinhalb Stunden dauernde Fahrt zu einem echten Erlebnis wird. Wir sehen Wasserfälle, die aus schwindelerregender Höhe in die Tiefe stürzen, malerische kleine Orte oder Gehöfte, die nur über das Wasser zu erreichen sind. Eine atemberaubende Fahrt, die wir hier genießen dürfen.

Man kann auf einer solchen Fährfahrt aber auch Möven füttern oder sie fotografieren. Dabei habe ich das besondere Glück, dass eine von ihnen regelrecht darauf wartet, von mir abgelichtet zu werden. Oder was würden Sie dazu sagen:

Die Möwen, die Wasserfälle, die zum Teil steil aufragenden Felsen, die kleinen abgelegenen Höfe, all das ist Teil eines ganz besonderen Schauspiels, das man im Naeroyfjord bewundern kann. Eine kurze Filmsequenz dazu gibt es auch noch:

Den Reisepreis in Höhe von 1.250 NOK zahlen wir schließlich im Büffet-Restaurant. Dort gibt es nicht nur eine reiche Auswahl an Speisen und Getränken, man kann auch die Fährpassage bezahlen. Und das funktioniert alles ohne kompliziertes Computer-Maut-System.

Zurück auf dem Festland verlieren wir keine Zeit, denn wir haben uns vorgenommen, den Aussichtspunkt Stegastein anzufahren. Von Kaupanger geht es zunächst Richtung Manheller. Dort wartet schon die kleine Fähre nach Fodnes. Die Überfahrt dauert vielleicht 10 Minuten. Dann suchen wir den Abzweig zum Aurlandsvegen. Aber schon nach weniger als einem Kilometer kehre ich wieder um, weil mir die Fahrt mit dem Womo zu gefährlich erscheint. Die Straße ist hier mehr als schmal und am Anfang auch kurvig. Stattdessen wählen wir den Weg durch den 24,5 Kilometer langen Laerdalstunnel, der als der längste der Welt gilt und fast schnurgerade verläuft.

Highlight sind drei beleuchtete Hallen, die die eintönige Fahrt etwas abwechslungsreicher gestalteten. Nach dem Tunnel fahren wir weiter nach Aurland, bevor wir auf den Snovegen abbiegen. Hier beginnt dann das nächste Abenteuer. Die sechs Kilometer lange Auffahrt zum Aussichtspunkt ist sehr schmal und bietet meist nur Platz für ein Fahrzeug. Aber nachdem hier sogar Busse hochfahren, werde ich das doch auch schaffen, so meine Überlegung. Ich muss zwar ein-, zweimal zurücksetzen, aber alles in allem komme ich ohne Probleme nach oben, auch wenn Sonja den einen oder anderen spitzen Schrei losläßt.

Und nachdem ich auch noch einen Parkplatz ergattere, was hier oben nicht selbstverständlich ist, gehen wir zu der Rampe aus Lärchenholz, die einen atemberaubenden Blick nach Aurlandsvangen, 640 Meter unter uns, eröffnet.

Die Sonne hat sich zwar vor unserer Ankunft mal wieder verabschiedet, trotzdem ist dieser Aussichtspunkt immer noch beeindruckend genug. Ich habe auch noch Glück, denn in dem Moment wo ich meine Kamera zur Hand nehme, kommt ein Gleitschirmflieger auch mich zu. Er grüßt mich sogar und ruft mir irgendetwas zu.

Einen kurzen Ausschnitt des Gleitschirmfluges gibt es auch im folgenden Filmbeitrag.

Die Aussichtsplattform selbst ist schon außergewöhnlich, schließt sie nach vorne doch mit einer Glasplatte ab, die auch noch leicht nach vorne geneigt ist. Klar, dass man auch das im Bild festhalten muss.

Aber am schönsten ist doch der atemberaubende Blick nach unten in den Aurlandsfjord.

Mit der Aussicht auf den Fjord geht der heutige Tag zu Ende, der wieder vollgepackt ist mit neuen Eindrücken. Schon jetzt haben wir Schwierigkeiten, all das Erlebte einzuordnen, dabei stehen wir immer noch ziemlich am Anfang unserer 30-tägigen Reise. Jetzt brauchen wir aber noch einen Campingplatz. Dazu fahren wir denselben Weg, den wir hoch gekommen sind, wieder zurück. Wir müssen also wieder durch den Laerdalstunnel und auch die Fähre von Fodnes nach Manheller ist unverzichtbar. Auf der 5 fahren wir dann von Kaupanger 12 Kilometer nach Sogndal. Dort kleben unsere Blicke förmlich an den gelben Häuschen von "Kjornes Camping".

Ein fantastischer Platz mit einer fantastischen Aussicht. Wir sind wirklich begeistert. Auch unser Womo wird verwöhnt, parkt es doch heute auf einem geteerten Platz.

Gefühlsmäßig würde ich sagen, das ist der beste Campingplatz, auf dem ich je übernachtet habe. Toll am Wasser gelegen, leicht erhöht, praktisch jeder Stellplatz mit Fjordblick und dazu Sanitäranlagen, die mit einem Vier-Sterne-Hotel konkurrieren können. Nicht umsonst wurde der Platz zu "Norwegens Campingplatz des Jahres 2014" gewählt.

Klar, dass wir bei solchen Aussichten glänzend geschlafen haben:

 

 

An dieser Stelle verabschieden wir uns vom Aurlandsfjord. In Teil 4 der Reise überqueren wir das Sognefjell. Wenn Sie mitkommen wollen, klicken Sie sich einfach rein.

Oslo Sognefjell-Briksdalsbreen Start Reisebericht