Die MS Switzerland wurde 1988 in Sliedrecht (Holland) gebaut, sie ist 100 Meter lang, 11,10 Meter breit, über Wasser 7 Meter hoch und hat einen Tiefgang von rund 1,30 Meter. Das Schiff verfügt über drei Caterpillar-Motoren mit je 500 PS und bietet bis zu 115 Gästen Platz, die von eine 30-köpfigen Crew aus neun verschiedenen Nationen betreut werden.

MS Switzerland bietet 3 Passagierdecks, ein Panoramarestaurant (eine Tischzeit), einen Treppenlift zum Restaurant (nur über das Rubindeck zu erreichen), einen behaglichen Panoramasalon, Bar, Souvenirshop, Wäschereiservice und Infrarot-Sauna sowie ein großes Sonnendeck mit Liege- und Gartenstühlen. 
Surfen im Internet war während unserer Reise praktisch nur über die mobilen Daten möglich.
 
Unsere Kabine lag auf dem Rubindeck und verfügte über einen französischen Balkon. Die Schiebetür war leicht zu öffnen und so konnte man ganz bequem vom Bett aus die Landschaft an sich vorüber ziehen lassen. Große Schaukelbewegungen gibt es auf einen Flusskreuzer im Gegensatz zu einem Hochseeschiff nicht. Auch die insgesamt 44 Ein- und Ausfahrten in die Schleusen auf dem Neckar gingen weitgehend geräuschlos vonstatten. Was wir allerdings nicht bedacht haben waren die Motorengeräusche, die im hinteren Teil des Schiffes deutlich lauter zu hören sind als im vorderen Bereich. Hier macht sich doch das Alter der Switzerland bemerkbar. Ebenfalls störend bis äußerst unangenehm wurden die Lautsprecherdurchsagen empfunden. Unsere Kabine war die vorletzte auf der Steuerbordseite, hier waren die Durchsagen so laut, dass man buchstäblich sein eigenes Wort nicht mehr verstand. Schon am ersten Tag sind wir deshalb bei Hoteldirektor Sandor vorstellig geworden, um ihm dieses Problem zu schildern. Er erklärte uns, dass die Anlage lediglich mit einem Ein-/Ausschalter ausgestattet wäre, eine Regelung der Lautstärke von der Kabine aus ist nicht möglich, auch ein Ausschalten in der Kabine ist nicht vorgesehen. Je nach Lage der Kabine würde sich die Lautstärke verändern. Während die Passagiere im hinteren Bereich die volle Dröhnung abbekämen, müsste man in den vorderen Kabinen die Ohren spitzen. Wir baten daher darum, dass man unsere Kabine gänzlich vom System kappen würde, denn wir hörten die Durchsagen ja auch noch über den Kabinengang.
 
Negativ fiel uns in der Kabine noch der arg strapazierte und sehr in die Jahre gekommene Teppichboden, ein Utensiel aus längst vergangenen Zeiten, das unseres Erachtens zwingend entsorgt gehört.
 
Geschlafen haben wir weitgehend gut, auch wenn die Betten nur 80 cm in der Breite maßen. Die Betten stehen überdies links und rechts an der Wand. Zwischen den Betten befand sich ein Glastisch, der jedoch unmittelbar an der Schiebetür des französischen Balkons platziert war und uns so den Zugang versperrte. Wir haben ihn daher umgehend unter  den Tisch der Spiegelkommode gestellt, wo er die nächsten elf Tage verbrachte.
 
Erfreulich war die Tatsache, dass es viele Steckdosen in der Kabine gab, so dass man praktisch jederzeit die diversen elektronischen Reisebegleiter aufladen konnte. Allerdings war die Kabine insgesamt sehr klein und bot mit ihren 11 qm nicht wirklich viel Platz. Mit Geschick und viel Fantasie verstauten wir aber nicht nur unsere Kleidung, sondern auch unsere Koffer. Ebenfalls nicht sehr groß war das sehr überschaubare Bad mit WC. Hervorzuheben ist jedoch die sehr gut funktionierende Dusche.
 
Die Mahlzeiten wurden im Panoramarestaurant auf dem Smaragddeck eingenommen, wo wir zu viert coronabedingt an Sechsertischen saßen. Dieses Hygienekonzept führte dazu, dass einige Passagiere (es waren nach Aussage der Kreuzfahrtleitung 98) ihre Mahlzeiten im Panoramasalon einnehmen mussten, wo die Aussichten zwar besser waren, aber die Tische nicht so bequem sind wie im Restaurant. Bereits kurz nach dem Einschiffen konnte man beim Restaurantleiter vorstellig werden und die Tischwünsche vortragen.
 
Die Kulinarik selbst hat uns durchaus überzeugt. Das Frühstück wurde am Tisch serviert. Hier konnte man bereits am Vortag mittels auf der Kabine verteiltem Formular angeben was man haben möchte. Vom Orangensaft bis zum Brotkorb, Wurst, Käse, Marmelade, Eierspeisen und sogar Lachs konnte man wirklich alles haben, was das Herz begehrt. Unsere flotten Kellner Marius und Heri machten einen wirklich großartigen Job und hatten immer ein Auge auf ihre Gäste.
 
Die Ausflüge sind zeitlich so gelegt, dass man zu den Mahlzeiten immer an Bord ist. Eine Tatsache, die wir wirklich sehr genossen haben, denn stundenlange Fußmärsche sind ohnehin nicht unsere Sache. Es ist angenehm, wenn man nach zwei bis drei Stunden Ausflug wieder zurück zum Schiff kommt und zwar entweder zum Mittag- oder zum Abendessen. Nicht nur zu den Mahlzeiten, sondern den ganzen Tag über bis 24.00 Uhr werden kostenlose Getränke (Faßbier, Weiß- und Rotwein, Softdrinks, Mineralwasser, Kaffee, Tee) ausgeschenkt. Auch das ist wirklich angenehm, weil man sich über eventuell anfallende Nebenkosten fast keine Gedanken mehr machen muss. Mittag- und Abendessen. Die Menüs bestanden aus vier Gängen (Vorspeise, Suppe, Hauptgericht, Dessert) und waren ausnahmslos sehr schmackhaft zubereitet. Kulinarisches Highlight war aus meiner Sicht das Abschieds-Gala-Abendessen mit einem hervorragenden Stück argentinischer Rinderrücken, aber ich habe u.a. auch noch einen butterweichen Tafelspitz oder eine wirklich üppige Lammkeule in bester Erinnerung. Insgesamt würden wir die Küche als "gute Hausmannskost" einordnen und dafür die Note 2+ vergeben.
 
Leider nicht sehr oft nutzen konnten wir das Sonnendeck. Das lag nicht nur am Wetter, sondern auch daran, dass hauptsächlich auf dem Neckar viele Schleusen und Brücken passiert werden müssen und hier die Aufbauten oft zusammengeklappt werden mussten, damit Durchfahrten überhaupt möglich waren. Wenn man sich hier auf seine Kabine mit dem französischen Balkon zurückziehen kann, stört das allerdings kaum. Wir haben es jedenfalls nicht als Nachteil empfunden.
 
Im Panoramasalon wurden nachmittags Kaffee und Kuchen gereicht und die Kreuzfahrtleitung (Elke Sprengel und Michael van Oosterhout) lud hier zu Informationsveranstaltungen oder zum Cocktail ein. Das war alles ganz nett und unterhaltsam, nur wenn der Bordmusiker am Abend dann auch noch versuchte Beatles- oder Abba-Songs zu intonieren, ergriffen wir meistens schnell die Flucht.
 
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die MS Switzerland mit ihren 33 Jahren sicher nicht mehr ganz taufrisch ist und die Kabinen wenig Platz bieten. Das Boutiqueschiff hat aber seinen eigenen Charme und ist obendrein gemütlich. Die Ausstattung erinnert mit ihren güldenen Spielereien durchaus an die MS Deutschland, aber über Geschmack lässt sich bekanntlich ja immer trefflich streiten. Sicher gibt es auf dem Schiff Vieles, das erneuert werden müsste und auch wenn wir uns durchaus wohlgefühlt haben, werden wir bei der nächsten Buchung ein Schiff der neueren Generation favorisieren.
 
Im Anschluss folgt jetzt noch eine Bilderauswahl mit Eindrücken zum Schiff, zur Kabine und zur Kulinarik.

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