Samstag, 07.07.2018

Gegen 08.30 starteten wir unser „Abenteuer Spitzbergen“. Nachdem wir in den letzten Jahren zu den Abfahrtshäfen immer mit dem Bus angereist waren, fuhren wir diesmal mit dem eigenen Pkw in den hohen Norden, genauer gesagt nach Bremerhaven. Das hieß: 800 Kilometer Entfernung. Leider bot Phoenix keinen Bus zur Anreise für die Gäste aus Süddeutschland an. Eine Rückfrage ergab, dass dieses Angebot zu wenig angenommen würde. Merkwürdig, die Busse, die wir in der Vergangenheit nutzten, waren immer voll. Aber sei’s drum, es war nun nicht mehr zu ändern.

Eine Reise in den hohen Norden, auch in den Sommermonaten, bedeutet auch, dass man an Kleidung denkt, die alle Jahreszeiten abdeckt. Sowohl auf Island wie auch in Norwegen, erst recht auf Spitzbergen, ist mit Temperaturen nahe des Gefrierpunkts zu rechnen, Wind und Regen, sind immer einzukalkulieren. Handschuhe, Schal, Mützen und Winterjacken gehörten daher genauso zum Gepäck wie leichtere Kleidung sowie Anzug, Sakko und Krawatten für die Gala-Abende, nicht zu vergessen die sperrigen Trachten. Es wird daher schnell klar, dass ein Trolley wohl nicht reichen dürfte. Insgesamt haben wir zwei große und einen mittleren Koffer sowie einen kleineren dabei. Das alles im eigenen Auto unterzubringen, bereitete keine größeren Probleme und so fuhren wir zunächst Richtung Regensburg. Wegen des Beginns der Sommerferien in vielen Bundesländern waren wir etwas skeptisch und befürchteten Staus und Verzögerungen.

Glücklicherweise kam es jedoch ganz anders. Das Wetter war herrlich, keine Wolke trübte den tiefblauen bayerischen Sommerhimmel. Wir passierten Regensburg und fuhren dann weiter in Richtung Hof, im Anschluss orientierten wir uns nach Leipzig, setzten die Fahrt über Wolfsburg und Hannover fort, bevor es an das letzte Stück, vorbei an Bremen nach Bremerhaven ging. Nach nicht einmal acht Stunden reiner Fahrzeit erreichten wir die „Stadt der Phoenix-Schiffe“. Da wir eine Vorübernachtung eingeplant hatten, lenkte ich unseren Golf aber zunächst in die Herwigstraße zum Hotel Comfort, einem guten Mittelklassehotel am alten Fischereihafen. Die Temperaturen waren hier zwar um einige Grad niedriger als in Bayern, aber es hatte immer noch angenehme 20 Grad, es war etwas bewölkt, aber die Sonne hatte noch genug Kraft, um uns zu wärmen. Das Auto stellte ich am Parkplatz ab, der unmittelbar am Hotel liegt, nur durch eine kaum befahrene Straße getrennt. Der Stellplatz ist im Übernachtungspreis inbegriffen, der 89,00 Euro betrug. Ein sehr guter Preis, wie wir fanden.

Der Check-In ging schnell und problemlos über die Bühne. Wir hatten das Hotel im Vorfeld über Phoenix gebucht, es machte einen guten Eindruck, die Bewertungen waren ebenfalls in Ordnung und als wir den Blick von unserem Zimmer im vierten Stock über den alten Fischereihafen und die Zeile mit den Restaurants schweifen ließen, war die Welt vollends in Ordnung.

Eine derart entspannte Anreise mit dem eigenen Pkw hatten wir wirklich noch selten erlebt. Das Abendessen (wir begnügten uns mit einem Salat mit Putenstreifen) nahmen wir in einem der nahegelegenen Restaurants ein, dann zogen wir uns auf das Zimmer zurück, das sehr gut ausgestattet war.

Besonders der große Samsung-Fernseher ist für ein Hotel dieser Preisklasse eher ungewöhnlich. Die Matratzen passten uns ebenfalls gut und so stand einem erholsamen Schlaf nichts mehr im Weg.

Sonntag, 08.07.2018 (Bremerhaven)

An diesem sonnigen Morgen wurden wir von den Möwen geweckt, die hier emsig in der Nähe der vor uns im Hafen liegenden Schiffe herumfliegen, um Essbares zu ergattern. Wir gingen in den voll besetzten Frühstücksraum im Erdgeschoss und waren angenehm überrascht vom sehr guten Angebot, welches das Büffet bereithielt. Frische Eierspeisen waren ebenso vorhanden wie ein reichliches Wurst- und Käseangebot, Säfte, Brötchen, Marmeladen usw. Ein freundlicher aufmerksamer Service rundete den sehr guten Eindruck des Hotels Comfort ab. Im Anschluss verbrachten wir noch etwas Zeit auf dem Zimmer, genossen den wirklich tollen Ausblick von unserem „Penthouse“ und dann machten wir uns mit dem ganzen Gepäck auf dem Weg nach unten, wo der Bus um 11.45 Uhr bereitstand und die Gäste zur Artania brachte.

Alles war wirklich perfekt organisiert, wir gaben unsere Voucher ab und konnten einsteigen, nachdem ich die Koffer vorher dem Fahrer übergeben hatte, der sie im Anhänger verstaute.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir die Columbuskaje und das Cruise Terminal. Die Mein Schiff 3 und die deutlich kleinere Artania standen schon da und warteten auf neue Gäste. Im Terminal wimmelte es nur so von Passagieren, die meisten hatten sich schon brav einsortiert. Wir mussten uns in die längste Schlange einreihen, weil wir lediglich eine Glückskabine gebucht hatten und daher keine bevorzugte Behandlung beim Check-In erhielten. Trotzdem ging auch dieses Prozedere relativ zügig über die Bühne. Nach gut 30 Minuten hielten wir unsere Bordkarte (mit ziemlich unscharfem Foto) und die Schlüsselkarte in Händen. Bis zum Boarding mussten wir uns allerdings noch gedulden. Ich spazierte im Terminal herum und versuchte ihrgendwie die Zeit totzuschlagen.

Um 14.45 Uhr durften wir dann endlich an Bord. Auf dem Weg dorthin wurde uns von hilfreichen Phoenix-Geistern schon ein Gläschen Sekt angeboten, wir stießen auf eine gute Reise an. Bevor das Einschiffungsfoto gemacht wurde, sahen wir Kathrin Wiedmann-Gleiß, die für das Showprogramm auf den Phoenix-Schiffen verantwortlich zeichnet, wie sie mit ihren beiden Kindern gerade die Artania verließ. Dann wurden wir hinter einem Steuerrad stehend abgelichtet und endlich konnten wir die Artania dann betreten. Seit der Buchung der Reise waren immerhin schon 20 Monate ins Land gezogen.

Von einer jungen Dame wurden wir zu unserer Kabine auf Deck 4 begleitet. Sie lag im vorderen Bereich und sah so aus, wie wir das erwartet hatten. Große Überraschungen kann man hier ausschließen, da die Artania (wie auch die Amadea) ausschließlich über Außenkabinen verfügt und die Bilder auf der Phoenix-Seite sehr aussagekräftig sind. Einzig die Lage unweit des Wäschesalons bereitete uns etwas Kopfzerbrechen, aber nach der ersten Nacht lösten sich auch diese Bedenken in Wohlgefallen auf. Unsere Koffer waren auch schon da, aber da wir noch keine Lust auf Auspacken hatten, gingen wir zunächst ins Lido Büffetrestaurant auf Deck 8, suchten uns einen gemütlichen Tisch im Freien und genossen die erste Tasse Kaffee auf unserem schwimmenden Zuhause. Dazu gönnte ich mir ein Stück Apfelkuchen und verfluchte die Kalorien, die mich schon zynisch angrinsten. Von hier oben hat man auch einen guten Überblick auf die darunter liegenden Decks, die nach hinten abfallend terrassenförmig angeordnet sind.

Eine Bauart, die alle Phoenix-Schiffe auszeichnet, was wir sehr schätzen. Ob wir allerdings gerade auf dieser Reise, die Außendecks nutzen können, würde sich zeigen. Wir saßen noch eine Weile und beobachteten die langen Arme der Kräne, die eine Fuhre Koffer nach der anderen auf die Artania luden. Ganze Berge davon landeten auf den unteren Decks, von wo sie Crewmitglieder dann auf die Kabinen verteilten. Ein Knochenjob, der unsere Anerkennung verdient!

Dann gingen wir zurück auf die Kabine, zu dem Zeitpunkt hatten wir uns bestimmt schon zweimal verlaufen und sehr früh bemerkt, dass die Artania doch deutlich größer war als die Amadea, die Laufwege waren damit entsprechend länger. Schließlich vernahmen wir über den Bordlautsprecher die vertraute Stimme von Kreuzfahrtdirektor Thomas Gleiß (auch bekannt aus der Fernseh-Doku „Verrückt nach Meer“), der uns auf die Seenotrettungsübung, die um 17.30 Uhr beginnen sollte, hinwies. Diesen Hinweis hatten wir im Übrigen schon dem Tagesprogramm entnommen, das in der Kabine für uns bereitgelegt worden war.

Wenig später ertönte dann das Signal. Mit nicht angelegten Rettungswesten machten wir uns auf den Weg zur Atlantik-Lounge auf Deck 3. Es dauerte etwas bis jeder auf seinem Platz war. Die Vollständigkeit der Passagiere wurde überprüft, aber etwa eine handvoll fehlte aus uns nicht bekannten Gründen. Rücksichtslos wäre es vor allem dann, wenn es pure Ignoranz wäre, die zur Abwesenheit geführt hätte. Wie wir später erfuhren, kommt dies jedoch leider durchaus vor. Vermutlich machen sich solche Zeitgenossen keine Gedanken darüber, dass ihr Verhalten von allen anderen ausgebadet werden muss und dadurch womöglich Verspätungen entstehen. Aber wir haben ja Urlaub, es lohnt sich nicht, sich weiter darüber aufzuregen!

Dann werden wir ausführlich über das Anlegen der Rettungswesten informiert. Wir sind schon einigermaßen routiniert und haben keine Probleme. Bei meiner Nachbarin muss ich allerdings helfen, sie kommt mit dem scheinbar zu engen Gurt nicht klar. Schließlich gehen wir alle im Gänsemarsch zu unserer Musterstation, stellen uns in Reih und Glied auf und warten bis unser Kapitän Morten Hansen auftaucht. Dass er unser Kapitän sein würde, war dann doch eine schöne Überraschung. Bis Tromsö ist er der Chef auf der Brücke, dann, in seiner Heimatstadt geht er in den sicher lange herbei gesehnten und verdienten Urlaub. Er wird dann von Kapitän Robert Fronenbroek abgelöst.

Nachdem wir unsere Rettungswesten wieder in der Kabine verstaut hatten, machten wir uns auf den Weg nach oben, um das Auslaufen zu beobachten. Kapitän Hansen ließ es ruhig angehen. Wir verloren die Mein Schiff 3 allmählich aus den Augen. Die Ausfahrt war natürlich bei weitem nicht so stimmungsvoll wie z.B. in Venedig oder Malta. Bremerhaven hat nun mal keinen Campanile oder ähnlich Spektakuläres.  Das in der Form eines Segels gebaute Hotel Atlantic war zu weit weg und taugte nur bedingt für atemberaubende Abschiedsfotos. 

Jetzt war es aber an der Zeit fürs Abendessen. Wir machten uns auf den Weg ins Restaurant. Dabei begegneten wir einem Ehepaar aus Freiburg, das ebenfalls im Hotel Comfort übernachtet hatte. Sie sprachen uns an und fragten, ob wir Lust hätten auf ein gemeinsames Abendessen. Die hatten wir und so suchten wir das Restaurant „Artania“ auf Deck 3 auf. Eine gute Wahl. Die Räumlichkeit wurde wohl erst im November umfangreich renoviert. Alles machte einen sehr guten Eindruck, das Mobiliar wirkte gediegen bis edel und so suchten wir uns einen noch freien Vierer-Tisch und freuten uns auf das erste Abendessen an Bord von MS Artania.

Wir plauderten angeregt über dieses und jenes, tranken das eine oder andere Gläschen Weißwein und auch die kulinarischen Genüsse aus der Küche um das Team von Tamara Richter erfüllte unsere Erwartungen. Kaninchenkeule und die „Pasta Toskana“ mundeten vorzüglich. Der sehr aufmerksame Service vervollständigte den ersten guten Eindruck, den die Artania bis dahin machte. Wir unterhielten uns noch ein wenig und zogen uns dann auf die Kabine zurück. Unsere Koffer warteten immer noch darauf, ausgepackt zu werden. In unserem Postfach vor der Türe lag schon das Tagesprogramm für den nächsten Tag bereit. Wir staunten nicht schlecht, als wir lasen, dass gleich am ersten Seetag ein Gala-Dinner und ein Begrüßungscocktail auf dem Programm standen.

Jetzt aber hieß es erst einmal alles zu verstauen, was wir da eingepackt hatten. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber mit etwas Fantasie bekamen wir alles rein in die Schränke, die uns auf der Amadea größer vorkamen. Wie üblich waren zu wenig Kleiderbügel vorhanden, da müssten morgen noch welche geordert werden. Aber für heute war es erst einmal genug, schließlich waren wir noch gar nicht richtig angekommen auf dem Schiff. Von stark bewegter See ließen wir uns in den Schlaf der ersten Nacht schaukeln.

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