Teil 10 hat nur ein Ziel: Stockholm. Von Sandarne geht es wieder zurück auf die E 4. Auf der bleiben wir, bis wir in der Nähe von Uppsala einen Schlenker zum Schloss Skokloster machen. Anschließend setzen wir unsere Fahrt in Schwedens Hauptstadt fort, wo wir drei Nächte bleiben.

Samstag, 08.07.2017

Tagesziel: Stockholm, gefahrene Kilometer: 315, Übernachtung: Bredäng Camping (350 SEK mit Strom)


 

 

Heute scheint bei unserer Abreise erfreulicherweise wieder die Sonne. Noch erfreulicher ist die Tatsache, dass ich eine telefonische Zusage für die nächsten drei Tage vom Campingplatz Bredäng bekomme. Vor drei Tagen hatte ich uns auf die Warteliste setzen lassen, weil der Platz in der Hochsaison stark frequentiert ist und da noch ausgebucht war. Insofern ist eine telefonische Vorreservierung immer zu empfehlen. Denkbar wäre auch eine Vorbestellung per Mail, aber dann ist man terminlich natürlich stark eingeengt. Mit der Zusage haben wir jedenfalls eine Sorge weniger, vor allem wenn ich an die chaotische Campingplatzsuche im Jahr 2012 zurückdenke.

Das Fahren ist heute das pure Vergnügen, zumal die Strecke mit etwas mehr als 300 Kilometern auch überschaubar ist. Und weil das Wetter schön ist, kein Vergleich zum Dauerregen in Finnland, haben wir auch wieder mehr Lust, uns auf die wirklich schöne Landschaft zu konzentrieren. Endlich sehen wir die bunten Häuser mit Wasser drumherum.

Besonders gelungen auf dem linken Bild sind die Wasserspiegelungen, derart ruhiges Wasser bekommt man auch nicht immer zu Gesicht. Bevor wir uns in den Großstadtverkehr von Stockholm stürzen, hat Sonja noch einen Sightseeingtermin ausgesucht: Schloss Skokloster, das etwa 80 Kilometer vor Stockholm liegt. Zur wesentlich umfangreicheren Homepage, allerdings in Englisch, geht es hier!

Bei dem Schloss handelt es sich um einen monumentalen Bau aus der schwedischen Großmachtszeit. Es hat einen quadratischen Grundriss mit vier achteckigen Türmen. Eine Besichtigung mit einem englischsprachigen Guide wollten wir uns aber nicht antun, so dass ich an dieser Stelle nur mit Außenaufnahmen dienen kann. Das Schloss befindet sich auf einem wirklich riesigen und unüberschaubaren Areal. Eine große Kirche, die wir auch innen besichtigt haben, gehört ebenfalls dazu.

Da im Schlosscafe keine Waffeln angeboten werden, setzen wir unsere Fahrt nach Stockholm fort. Dabei fahren wir zunächst auf der 263, die später zur 269 wird, bevor wir auf die E 18 wechseln. Wir haben noch eine Wegstrecke von etwa 80 Kilometern vor uns, die wir in gut einer Stunde bewältigen. Dass durch Stockholm derart viele Autobahnen durchführen, war mir nicht mehr so präsent. Der Verkehr ist auf alle Fälle mörderisch und ohne Navi wären wir komplett aufgeschmissen. Trotzdem kommen wir gegen 15.00 Uhr am Bredäng Campingplatz an, wo man nach einer kurzen Suche schon unsere Namen auf einer Liste parat hat. Die junge Dame an der Rezeption spricht sogar Deutsch und versorgt uns gleich mit allen wichtigen Infos zum Platz.

Ich bin froh, in den nächsten Tagen kein Lenkrad anrühren zu müssen. Wir haben jetzt Zeit uns über Stockholm eingehend zu informieren und ein grobes Sightseeing-Programm auszuarbeiten. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist einigermaßen vielversprechend, zumindest soll es keinen Regen geben.

Sonntag, 09.07.2017

Die Nacht war, übrigens zum ersten Mal während unserer Reise, extrem unruhig. Gegen 23.00 Uhr wurden wir durch laute Discomusik geweckt. Wir versuchten sie eine Zeitlang zu ignorieren, aber gegen halb eins sah ich draußen dann doch einmal nach dem Rechten. Ich musste auch nicht weit gehen, denn die Lärmquelle befand sich unmittelbar vor unserem Stellplatz. Drei Arbeiter aus Polen, die in einem uralten Wohnwagen übernachteten, gaben sich bei Klängen zu Modern Talking seit Stunden die Kante. Ein anderer Nachbar klopfte an den Wohnwagen, vergeblich, und holte dann einen Security-Mann, der schließlich für Ruhe sorgte. Ja, auf dem Campingplatz in Bredäng gibt es tatsächlich einen durchgehenden Nachtdienst. Der "Sicherheitsbeauftragte" sorgte zwar für Ruhe, aber irgendwie war die Nacht trotzdem gelaufen. Jedenfalls wachten wir wie gerädert auf und waren schon kaputt bevor es mit Sightseeing überhaupt losging.

Wir erkundigen uns an der Rezeption nach den nächtlichen Ruhestörern. Dort teilt man uns mit, dass die Krawallmacher des Platzes verwiesen worden sind und abreisen müssen. Was für ein Glück! Dann machen wir uns auf den Weg zur U-Bahnstation Bredäng, gehen vorbei an nicht gerade einladend wirkenden Hochhäusern. Nach etwa 800 Metern Fußmarsch sind wir auch schon am Ziel.

An der U-Bahn-Station erstehen wir zwei 72-Stundenkarten, die man jederzeit wieder aufladen kann. Ein praktisches System, wie wir finden. Seit 2013 gibt es keine Papiertickets (förköpsremsa) mehr, sondern fast nur noch elektronische Tickets, die auf die so genannten SL Access Card aufgeladen werden müssen. Diese  blaue Plastikkarte bekommt man für 20 SEK an allen SL-Verkaufsstellen (nicht an Automaten!). Einmal gekauft, kann man die Karte bei jedem Besuch in Stockholm wiederverwenden. Detailinfos dazu gibt es hier! Mit der Karte ist praktisch der gesamte öffentliche Nahverkehr, also Bus, Zug, U-/S-Bahn und sogar einige Fähren, abgedeckt. ABER: Die Fähre nach Schloss Drottningholm muss extra bezahlt werden!

Wir steigen in die U-Bahn und fahren bis T-Centralen. Unser Ziel ist die Haltestelle der historischen Tram Nr. 7. Eine Schnapsidee, wie sich herausstellt. Als wir ans Tageslicht kommen, sind wir erst einmal umzingelt. Von Baustellen! An dieser Stelle ist der Charme von Stockholm nur schwer zu erkennen.

Wir gehen los, marschieren hierhin, biegen nach dorthin ab, steigen wieder in die U-Bahn ein und sind schon wieder falsch. Ich frage unzählige Menschen, die mir mehr oder weniger bereitwillig Auskunft geben und bin erstaunt wie wenig die Einheimischen ihre eigene Stadt kennen. Am Ende finden wir die Haltestelle ganz in der Nähe von Sergels torg, gegenüber von McDonalds. Der Platz nennt sich Norrmalmstorg.

Die Bahn selbst, wenngleich historisch, haut uns nicht gerade vom Hocker. Die Suche nach ihr hätten wir uns wirklich sparen können. Die Streckenführung ist jetzt auch nicht so außergewöhnlich, dass man unbedingt mit der Linie 7 fahren muss, das geht alternativ auch mit Bussen oder Tram oder zu Fuß.

Es zeigt sich, dass nicht alle Tipps, die man im Internet liest, lohnend sind. Um den Tag aber trotzdem noch versöhnlich zu gestalten, fahren wir zurück nach Gamla Stan, der Altstadt. Hier kennen wir schon viel und wir finden uns gleich wieder zurecht. Am geschichtsträchtigen Stortorget ergattern wir ein schönes Plätzchen in einem Straßencafe und essen einen ultrasüßen Schokokuchen.

Auch das gehört zu einem gelungenen Urlaub! Wir werfen einen Blick in die Kirche Storkyrkan und schauen natürlich auch am riesigen königlichen Palast vorbei.

 

 

Wenn man am Wasser steht, bekommt die Stadt noch einmal eine ganz andere Wirkung, der man sich einfach nicht entziehen kann. Das folgende kurze Filmchen verdeutlicht das.

Nach diesem "Seh-Genuss" bekommt unsere arme Touristenseele doch noch ihre Ruhe. Wir schlendern zur U-Bahn-Station "Gamla Stan" und fahren zurück nach Bredäng. Am Campingplatz angekommen stellen wir erfreut fest, dass die Randalierer der letzten Nacht tatsächlich verschwunden sind und wir freuen uns auf eine geruhsame Nacht.

Montag, 10.07.2017

Die Nacht verlief tatsächlich ruhig und das obwohl der Platz in Bredäng wirklich sehr groß ist und die Stellplätze maximal ausgelastet sind. Trotzdem herrscht hier eine angenehme Atmosphäre (die Rabauken von vorletzter Nacht sind wirklich die absolute Ausnahme und wir haben Vergleichbares zum Glück nirgendwo sonst erleben müssen!).

Frisch ausgeschlafen nehmen wir den neuen Tag in Angriff, der mit Sightseeing vollgepackt ist. Zunächst fahren wir wieder zum Stortorget, wo wir gegen 10.00 Uhr eintreffen. Um diese Zeit sind noch kaum Touristen hier und außerdem steht jetzt auch die Sonne genau richtig, um die bunten Häuser ins rechte Licht zu setzen.

Was für ein Unterschied zu gestern, nicht wahr? Während eines Stockholm-Aufenthaltes kommt man zwangsläufig öfter nach Gamla Stan, der ursprünglichste Teil der Stadt. Um dahin zu kommen, muss man auch durch die eine oder andere Gasse gehen, die am Vormittag noch nicht mit Touristen geflutet ist.

Der königliche Palast liegt hier sozusagen um die Ecke und daher steht er auch heute wieder auf der "To do"-Liste. Das geringe Touristenaufkommen nutzen wir gleich noch, um die Schlosskapelle genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, hier überhaupt fotografieren zu dürfen und natürlich haben wir die Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt.

Unser nächstes Ziel ist das imposante Stadshuset, das Rathaus Stockholms, das etwa einen knappen Kilometer von Gamla Stan entfernt ist. Es kommt Google Maps zum Einsatz und zwar das Tool für Fußgänger und 20 Minuten später stehen wir vor dem 106 Meter hohen Turm, auf den 365 Stufen zur Spitze führen. Man muss diesen Bau, der 1923 fertiggestellt wurde nicht unbedingt schön finden, ich persönlich meine auch, dass der gewaltige Turm in keiner Relation zum übrigen Gebäude steht und die Proportionen irgendwie nicht passen, aber das ist alles Geschmackssache. Urteilen Sie selbst.

Heute erstrahlen die acht Millionen Ziegel, mit denen das Rathaus gebaut wurde, jedenfalls im schönsten Licht und das ist das Einzige was zählt. Und ganz egal, ob einem das Bauwerk gefällt oder nicht, der Standplatz am Riddarfjärden ist in jedem Fall großartig gewählt. Um diese Aussicht noch spektakulärer genießen zu können, wollen wir dem Rathaus aufs Dach steigen. Der Turmbesuch erfolgt zu festgesetzten Zeiten. Unten an der Eingangstür zum Turm erstehen wir für 50 SEK Tickets für die Aussichtsplattform. Der Aufzug fährt übrigens nur zur Hälfte des Turms, dann ist Muskelkraft gefragt, die Treppen müssen zu Fuß bewältigt werden. Allein der Turm besteht aus fast 2,5 Millionen Ziegelsteinen und mit einem Gewicht von 24.000 Tonnen ist er fast doppelt so schwer wie der Eiffelturm.

Bei unserem Aufstieg kommen wir am Turmmuseum vorbei, in dem sich Modelle von Büsten und Statuen befinden. Oben angekommen sehen wir neun Glocken, die Größte wiegt 3.000 kg. Seit dem 14. Jahrhundet sind die drei Kronen das Symbol für Schweden, diese drei Kronen befinden sich auch auf der Turmspitze. Sie zeigen zur Altstadt, wo sich bis 1697 die Burg "Drei Kronen" befand.

Nach dem Ausstieg aus dem Aufzug haben wir noch 150 Treppen zu bewältigen. Alle Mühen sind aber vergessen, wenn Sie oben angekommen sind und diese Aussicht genießen können. Hier zeigt sich einmal mehr die Faszination, die von Stockholm ausgeht.

Diesen Rundblick kann man übrigens in 73 Meter Höhe genießen. Die Zeiten sind zwar eng getaktet, aber sie sind trotzdem ausreichend und ich kann einen Rundgang auf dem Turm nur wärmstens empfehlen.

Nach der Rückkehr auf den Boden der Tatsachen haben wir Lust auf einen Eiskaffee und erleben eine Überraschung. In dem kleinen Kiosk unmittelbar am Stadshuset und dem Anlegeplatz für die Fähren nach Drottningholm bestelle ich zwei Eiskaffee. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Ein Becher Milch mit drei "Kaffee-Eis-Würfeln", fertig ist der Eiskaffee. Auf die Idee muss man auch erst einmal kommen. Aber auch wenn das Ergebnis mäßig war, der Spaßfaktor war hoch! Nach dieser kurzen Pause erstehen wir Tickets für die Schifffahrt zu Schloss Drottningholm. Nachdem wir das 2009 lediglich im Dauerregen erleben durften, sind heute die Voraussetzungen denkbar günstiger: Sonne satt!

Das Ticket für die Hin- und Rückfahrt ist mit 200 SEK (ca. 21 Euro) zwar kein Schnäppchen, aber die Fahrt durch das Labyrinth der Schären ist schon ein Erlebnis für sich. Schon der Beginn ist reizvoll, weil man u.a. das Stadshuset in seiner ganzen Pracht noch einmal vom Wasser aus betrachten kann.

Während der Fahrt sehen wir viele Segelboote, auch Motorjachten kreuzen unseren Weg. Wir sehen prächtige Villen und kommen auch an dem einen oder anderen Strand vorbei. Stockholm bietet eine wirklich hohe Lebensqualität.

Dann blinzeln die gelben Mauern von Drottningholm zwischen zwei Inselchen hindurch.

Den privaten Wohnsitz der schwedischen Königsfamilie von der Wasserseite anzusteuern, ist schon ein besonderes Erlebnis.

Aber auch von der Landseite kann sich das Schloss, das als schwedisches Kulturdenkmal in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde, sehen lassen. Nicht umsonst wird es auch als "schwedisches Versailles" bezeichnet.

Wir spazieren durch die herrlichen Gartenanlagen, das macht bei Sonnenschein naturgemäß deutlich mehr Spaß als bei Regen.

Dann gehen wir durch den Haupteingang des prachtvollen Schlosses, um auch einmal einen Blick von innen zu erhaschen. Da der Ticketschalter im ersten Stock liegt, kann man zumindest noch das auch schon beeindruckende Treppenhaus, das mit vielen Büsten bestückt ist, bewundern.

Um 17.00 Uhr nehmen wir dann das letzte Schiff, die MS Prins Carl Philip:

Ein letztes Mal genossen wir die gemächtliche Fahrt über den Mälarsee und stiegen an der Haltestelle Mälarhöjdsbadet, die nur 350 Meter von unserem Campingplatz entfernt ist, aus. Zum aktuellen Fahrplan der Fähre geht es hier! Allerdings gab es vom Anlegeplatz keine Hinweisschilder und wir sahen auch nicht das, was man als "Weg" bezeichnen könnte. So fragen wir uns wieder mal durch und am Ende sind wir zwar erschöpft aber glücklich am Campingplatz angekommen. Vielleicht tut sich der eine oder andere Besucher leichter, wenn er eine Übersichtskarte von Bredäng Camping griffbereit hat, zu einem Link dazu geht es hier! Rechts oben sieht man den schmalen Weg, der auf die Haltestelle Mälarhöjdsbadet hinweist.

Die schönen Tage in Stockholm neigen sich damit dem Ende zu. Nach anfänglichen Orientierungsproblemen haben wir aber alles gefunden, was zu besuchen wir uns vorgenommen hatten. Auch wenn es derzeit arg viele Baustellen in Stockholm gibt, hat die Stadt nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.

Morgen fahren wir weiter nach Süden. Bevor wir auf die Insel Öland kommen, machen wir noch einen Halt in Linköping und im Virum Elchpark. Wenn Sie Lust haben, begleiten Sie uns.

Rovaniemi Linköping und Virum Elchpark Start Reisebericht

 


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