Sonntag, 26.04.2015 (Genua, Italien - Anreise, Check-In, Auslaufen)

Der Wecker läutete erwartungsgemäß viel zu früh, aber schließlich war heute der Tag, auf den wir monatelang hingefiebert hatten. Schwiegersohn und Tochter kamen vorbei, verluden die nicht gerade leichten Koffer und los ging's Richtung München. Der dortige "Zentrale Omnibusbahnhof", kurz ZOB, war unser erstes Ziel. Gegen 6.15 Uhr waren wir in der Arnulfstraße und stellten schnell fest, dass wir nicht die ersten und schon gar nicht die einzigen waren. Der Abschied fiel kurz und schmerzlos aus, denn schon wenig später fuhr der Doppelstock-Bus der Firma "Steck-Touristik" vor, die wir schon von unserer Reise im Jahr 2013 mit der Berlin kannten, und die offensichtlich auch im Verbund mit der Firma "Hebbel-Reisen" zusammen arbeitet, bei der ich im Vorfeld der Kreuzfahrt die Sitze reservierte.

Wir verließen den ungemütlichen Busbahnhof und begaben uns auf die 850 Kilometer lange Reise nach Genua. Unsere beiden Fahrer Christian und Kaspar informierten uns über die Route, die uns über den San Bernardino führte. Zunächst ging es aber auf der Autobahn Richtung Lindau, in Diepoldsau überquerten wir die Grenze in die Schweiz. Dort machten wir dann in der Raststätte "Heidiland" Pause, die WC-Benutzung kostete hier einen Euro: Willkommen in der Schweiz!

Der 6,6 Kilometer lange San Bernardino-Tunnel ist Teil des gleichnamigen Passes, der in Graubünden liegt, über eine beachtliche Scheitelhöhe von 2.065 Metern verfügt und die Täler Rheinwald und Misox verbindet. Im weiteren Verlauf der Strecke kamen wir an Bellinzona, Lugano und Mailand vorbei. Im Übrigen ist die Route um etwa 50 Kilometer kürzer als jene über den Brenner, darüber hinaus ist es auch günstiger, weil man sich einen Teil der hohen italienischen Autobahngebühren spart. Und schließlich, das konnten wir live miterleben, ist die Route auch landschaftlich reizvoller, so dass die Zeit etwas schneller vergeht.

Bei der letzten Pause machten wir unsere Fahrer darauf aufmerksam, dass sie Gepäck für zwei Schiffe, nämlich die Albatros und die Artania, geladen hatten. Wir würden daher aufpassen müssen, ob wir auch alles auf die Kabine geliefert bekommen.

Wir erreichten Genua gegen 16.00 Uhr, beide Schiffe waren schon da. Der ägyptische Reiseleiter Hassan begrüßte uns kurz im Bus und wies uns den Weg zur Albatros. Alles geht zack-zack und flott wie 2014. Die Organisation ist vorbildlich, es gibt keine Wartezeiten, zumindest nicht für die Gäste der Albatros. Nachdem wir die Bordkarte erhalten haben, erwartet uns im nächsten Raum schon Mary-Jane, unsere Getränkekellnerin der Vorjahres-Reise. Es gibt einen Begrüßungssekt, bevor man uns dann zum obligatorischen Willkommens-Foto bittet.

Dann geht's weiter zur Albatros, wo wir schon von Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger begrüßt werden. Das sind die kleinen, aber feinen Details, die manchem möglicherweis unwichtig erscheinen, ich halte das durchaus für erwähnenswert, weil es zeigt, dass Phoenix auf das persönliche Verhältnis zwischen Verantworlichen und Passagieren größten Wert legt. Das beginnt beim Kofferträger und endet, wie in diesem Fall, beim Kreuzfahrtdirektor, der an diesem Tag wieder viele hundert Hände geschüttelt haben dürfte.

Im Sauseschritt geht es zur Kabine Nr. 3002, den Weg kannten wir noch bestens aus dem letzten Jahr, schließlich trennen die beiden Kabinen nur wenige Meter. Bevor wir auspacken, gehen wir kurz hoch auf Deck 6 ins Restaurant Möwe, wo wir einen kleinen Snack zu uns nehmen.

Mittlerweile haben wir auch erfahren, dass wir während der Kreuzfahrt zwei Kapitäne haben werden. Bis Istanbul würde Jarle Flatebo den Kurs bestimmen, im Anschluss wird dann Elmar Mühlebach, früher auf der MS Deutschland auf der Brücke, das Kommando übernehmen.

Zurück auf der Kabine verschafften wir uns erst einmal einen Überblick:

Eine detaillierte Beschreibung zur Kabine gibt es hier! Auf dem Bett waren diverse Kuverts bereit gelegt worden, u.a. für die Ausflugstickets. Die Landausflüge hatten wir etwa zwei Wochen vor Antritt der Kreuzfahrt über das Internet gebucht. Für die Busrundfahrt an die Amalfi-Küste wurden wir lediglich auf die Warteliste gesetzt, weil das Interesse hier offenbar so groß war. Umso größer war jetzt die Freude, als wir auch die Tickets für diesen Ausflug vorfanden.

Die größte Herausforderung stand uns aber noch bevor: das Auspacken! Kleidung, Schuhe, Kosmetikartikel usw. für 18 Tage. Das braucht Platz und uns verlangte es viel Fantasie und Geduld ab, um alles zu verstauen. Die ersten Nachteile unserer Kabine machten wir auch schnell aus. Es war sehr dunkel und wir sahen nirgends auch nur einen Garderobenhaken, um wenigstens die Tagesjacken aufhängen zu können. Im Bad gab es statt der Wanne wie im Vorjahr eine Dusche, diese mussten wir jedoch über zwei Armaturen für Kalt- und Warmwasser bedienen. Eine mühsame Angelegenheit!

Vor dem ersten Abendessen machten wir noch schnell ein paar Außenaufnahmen. Genua präsentierte sich wolkig, aber angenehm warm. Eine Wetterlage, die Hoffnung auf morgen machte. Gegenüber sahen wir noch die Artania liegen, die schon vor uns abfahren würde.

Gespannt waren wir auf das erste Abendessen und unsere Tischnachbarn. Mit letzteren hatten wir wieder Glück, es entwickelten sich sofort lockere Gespräche. Dann wurde das Menü von unseren Waitern Nelberto und Roy, beide von den Philippinen, serviert. Unterstützt wurden sie von der reizenden Emelyn, die für die Getränke zuständig war.

Der neue Caterer "Seachefs" ist seit ein paar Monaten für das leibliche Wohl der Phoenix-Gäste verantwortlich. Kreuzfahrtdirektor Liemberger bat meine Frau um eine kritische Bewertung, denn schließlich wollte man mit dem Wechsel eine Verbesserung erreichen. Zumindest am ersten Abend gab es keinen Grund zur Klage. Meine Lammschulter, rosa gebraten, war zart und schmackhaft. Vielleicht eine Spur zu kalt serviert, aber die Servicekräfte mühten sich sichtlich und bei 741 Passagieren kann einfach nicht alles perfekt sein. Das Dessert rundete einen gelungenen Abend ab, auch die Tischnachbarn waren zufrieden.

Der erste Tag war lang und wir waren rechtschaffen müde. Das Auslaufen der Albatros um 23.00 Uhr erlebten wir nicht mehr, wir verabschiedeten uns in die Federn, denn am Montag hieß es gleich früh aufstehen. In Calvi (Korsika) startete der erste Ausflug in die "Dörfer der Balagne" schon kurz nach acht Uhr.

Montag, 27.04.2015 (Calvi - Korsika, Frankreich)

In der Nacht hatte MS Albatros leichtes Spiel. Bis Calvi waren nur 123 Seemeilen zurückzulegen. Ein Klacks. Wir wurden, wie am Vorabend vereinbart, um 6.45 Uhr telefonisch geweckt.

Beim Frühstück gab es dann doch die erste kleine Enttäuschung. Rühreier müssen extra bestellt werden, am Büffet werden sie nicht mehr angeboten. Schade!  Ansonsten war das Frühstücksbüffet gut und reichlich bestückt. Besonders der Lachs schmeckt mir vorzüglich. Der Kaffee wird unverändert von den Kellnern aus Kannen eingeschenkt. Der Service ist schnell und aufmerksam. Brot- und Wurstauswahl sind in Ordnung, besonders die frisch gebackenen Brötchen oder Semmeln, wie man bei uns sagt, schmecken uns prima.

Um 8.15 Uhr finden sich die Ausflügler in der Atlantik-Lounge ein. Wir bekommen die Nummer 1 und dürfen damit im ersten Bus mitfahren. Wir haben uns für den Ausflug "Dörfer der Balagne" entschieden. Hilfreich bei der Auswahl der Ausflüge war der von Phoenix mitgelieferte Reiseführer:

In Calvi ist es um diese Zeit sehr stark bewölkt. Die Hoffnung auf Sonne, die wir gestern Abend noch hatten, erwies sich leider als unbegründet. Trotzdem erfreute das, was wir sahen, das Auge. Auf einem mächtigen Granitfelsen thronte die beeindruckende Zitadelle und zog alle Blicke auf sich.

Bevor wir uns die Sache aus der Nähe anschauen können, wird aber erst noch getendert. Dieses Erlebnis würde uns während dieser Kreuzfahrt noch öfter bevorstehen, weil viele Häfen, die wir ansteuerten, noch nicht einmal für ein überschaubares Schiff von der Größe der Albatros ausgelegt waren. 

An Bus Nr. 1 werden wir von Dina, einer auf Korsika lebenden Deutschen, freundlich empfangen. In den folgenden knapp vier Stunden hören wir nicht nur viel Wissenswertes über Korsika, sondern wir erleben auch eine teilweise abenteuerliche Busfahrt durch uns völlig unbekanntes Terrain. Die Straßen sind schmal, holprig und extrem kurvig. Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass Korsika das bergigste Land (92%) in Europa ist und  alleine über 50 Berge zählt, die höher als 2000 Meter sind. Beeindruckende Zahlen, die wir vorher nicht kannten. Außerdem ist Korsika die grünste Insel Europas. Das sehen auch wir auf den ersten Blick: sattes Grün so weit das Auge reicht. Wir verlassen Calvi und fahren ins Hinterland. Die immergrüne und manchmal undurchdringliche Macchia gibt immer wieder den Blick auf Dörfer frei, die, Schwalbennestern gleich, an den Berghängen kleben.

Wir machen einen ersten Stopp in Calenzana. Dazu fahren wir auf geradezu halsbrecherischen Straßen und unser Busfahrer ist sogar gezwungen, einmal rückwärts in den Ort zu fahren, weil anders ein Einlenken in die Kurve nicht möglich war. In der folgenden halben Stunde können wir die überschaubar liegenden Sehenswürdigkeiten in dem nur 12 Kilometer von Calvi entfernt liegenden Dörfchen ergehen, z. B. die Stiftskirche St. Blasius.

Während der Weiterfahrt staunen wir immer wieder über die zum Teil wirklich atemberaubend in die Höhe gebauten Dörfer. Tolle Ausblicke, die wir so nicht erwartet hatten. Zwischendrin lockt die üppige Natur und von Weitem erhaschen wir auch immer mal einen Blick auf das in der Ferne liegende Calvi mit unserem Schiff.

Die Straße wird dann noch enger und man ist gut beraten, nicht nach unten zu schauen, denn so etwas wie eine Befestigung gibt es in dieser Gegend nicht und so könnte jede unbedachte Lenkbewegung die letzte sein. Aber wie Dina uns versichert hat, sitzt in unserem Bus natürlich der beste Fahrer Korsikas am Steuer (diesen Spruch hörten wir in den kommenden fast zwei Wochen übrigens noch öfter!). Die Rumpelfahrt führte uns schließlich in das 500 Meter hoch gelegene Saint Antonino, eine Mini-Gemeinde mit knapp 100 Einwohnern, aber einem pittoresken Ortskern, der herrliche Panoramaaussichten offeriert.

Saint Antonino thront geradezu majestätisch auf einem Hügel und hin und wieder ist uns glücklicherweise auch der Wettergott hold, so dass wir die Schönheit des Ortes auch bei angedeutetem Sonnenlicht bewundern können. Immerhin regnet es nicht und wir haben jeden Grund, dankbar zu sein.

Die Rückfahrt führt uns zu "Chez Leon", einem Hotel-Restaurant mitten im Nirgendwo. Hier stärken wir uns mit regionalen Spezialitäten wie Schinken, Salami, Käse, Baguette und einem vorzüglichen Rotwein. Auch Busfahren macht bekanntlich hungrig und so nutzen wir das Angebot, das im Ausflugspreis enthalten war. Die Rast rundet einen gelungenen Ausflug ab. Kurz nach 12.00 Uhr kehren wir nach Calvi zurück. 

Das Meer ist jetzt schon leicht bewegt und plötzlich geht ein  heftiger Platzregen nieder, der zum Teil ins Tenderboot wirbelt. Wir sind froh, auf die Albatros zurückkehren zu können. Nach einem kurzen Frischmachen gehen wir dann zum Mittagessen ins Möwe. Klippenbarsch und gefüllte Paprika schmecken ganz wunderbar und nachdem sich auch die Gewitterwolken wieder verzogen haben, fahren wir mit dem Tenderboot erneut nach Calvi, um uns die Stadt ein wenig anzusehen.

Calvi mit seinen ca. 5.600 Einwohnern ist u.a. auch als Familienbadeort bekannt und lockt darüber hinaus zahlreiche Segler an. Wer von immergrüner Natur die Nase voll hat und am Strand faulenzen möchte, ist hier genau richtig, der von Calvi ist nämlich satte sechs Kilometer lang.

Uns interessieren aber die Palmen an der Promenade in der Unterstadt viel mehr. Sie säumen den Weg zu den Eisdielen, Cafes und Restaurants. In der Vorsaison ist hier zwar noch nicht all zu viel los, aber ein Blick auf Speise- und Getränkekarten verschreckt vielleicht den einen oder anderen Touristen. Ich wäre jedenfalls nicht bereit, 7,50 Euro für ein Weißbier zu bezahlen.

Weil Sonja der Weg zur Zitadelle zu steil und beschwerlich ist, nehme ich die Oberstadt alleine in Angriff. Außerdem brauche ich ja auch noch ein Foto der Albatros. Die mächtigen Mauern der Bastion erinnern mich an jene von Cagliari, das wir 2013 besucht hatten. Auf meinem Weg nach oben begegnet mir unser Schiff immer wieder. Majestätisch liegt sie da, die klassische Linie der Albatros ist aber auch zu schön.

Auf dem Rückweg bleibe ich mehrmals stehen, um den Ausblick auf Calvi zu genießen. Eine wirklich schöne Stadt und ein mehr als gelungener Auftakt unserer Reise.

Um 15.00 Uhr fahre ich mit dem Tender zurück zur Albatros. Nach einem Nachmittagskaffee stähle ich meinen Körper eine halbe Stunde auf dem Crosstrainer auf Deck 8 (Apollo-Deck) mit herrlichem Blick aufs Meer oder zumindest, wenn das Schiff im Hafen liegt, aufs Promenadendeck. Ein besserer Trainingsplatz ist kaum vorstellbar!

Wir verlassen Calvi zu den Klängen von "Conquest of Paradise" kurz nach 18.00 Uhr.

Auch das zweite Abendessen nehmen wir wieder im Möwe ein. Obwohl das Restaurant praktisch voll besetzt ist, sind Unterhaltungen auch dann jederzeit möglich, der Lautstärkepegel ist nicht so hoch, wie man das bei den vielen Menschen vielleicht erwarten könnte. Nach dem Menü (u.a. ein paar sparsame Spaghetti al Olio als Hauptgericht) halten wir uns nicht mehr lange auf, weil in der Atlantik-Lounge um 21.15 Uhr das Showensemble vorgestellt wird. Und tatsächlich ergattern wir einen Platz in der ersten Reihe. Da schmeckte der Singapore Sling zum angenehmen Preis von 3,70 Euro doch gleich doppelt so gut. Die Show selbst entsprach dann nicht so ganz unseren Erwartungen, die Musikeinlagen im Stile der Andrew-Sisters sind einfach nicht unser Geschmack. Der Zauberkünstler Wolf Stein hingegen, der auch als Moderator fungierte, gefiel uns da wesentlich besser. Alles in allem aber eine eher durchwachsene Angelegenheit. Auch am zweiten Abend mussten wir ohne ein Lebenszeichen unseres Kapitäns schlafen gehen. Die Nacht selbst war dann auch noch ausgesprochen unruhig, weil die See stark bewegt war. Keine guten Aussichten für Olbia, den zweiten Hafen unserer Kreuzfahrt.

 

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