Dienstag, 7. Mai 2013 (Cagliari)

Wieder war an ausschlafen nicht zu denken, weil die FTI.Berlin bereits um 7.00 Uhr in Cagliari, der 150.000 Einwohner zählenden Hauptstadt Sardiniens erwartet wurde. Und Kapitän Oleg Panchenco steuerte sein Schiff pünktlich wie (fast) immer in den Hafen der im 7. Jahrhundert von den Phöniziern gegründeten Stadt. Und wie fast immer hatten wir auch heute wieder einen blauen Himmel, der das markante historische Castello einrahmte. So entstand das erste Foto bereits wenige Minuten nach sieben Uhr.

Die Lichtverhältnisse waren gut, aber längst nicht perfekt. Das würde sich bestimmt ändern, wenn wir erst mal dort waren. Einen Ausflug hatten wir nicht gebucht und wenn man sich die Stadt so ansah, war das wohl auch nicht nötig. Wir wollten zum Castello hochmarschieren und ein wenig in den Straßen Cagliaris herum schlendern, sardische Luft atmen und mit den Augen und dem Herzen spazieren gehen. Cagliari hat vielleicht nicht "die" berühmte Sehenswürdigkeit, die man unbedingt gesehen haben muss, aber die Stadt hat Flair, Atmosphäre und viele Aussichtspunkte, von denen aus die Träume auf Reisen gehen können.

Wir fotografieren aber erst einmal unser schönes Schiff, das heute ganz wunderbar angestrahlt wird.

Kaum haben wir den Hafenbereich verlassen, kommen wir zur "Via Roma", an der schon wie bestellt die ersten Palmen stehen, um die Gäste aus Bayern zu begrüßen. Wir gehen die stark befahrene Straße bei noch frischen Temperaturen um 14 Grad in westlicher Richtung bis zum Rathaus, das im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil aus Marmor erbaut wurde.

 

Unser Ziel war der Dom von Cagiliari, Santa Maria di Castello, der, wie der Name schon vermuten lässt, etwas oberhalb liegt. Wir bogen beim Rathaus rechts ab und marschierten geradeaus. An der Piazza Yenne legten wir einen kurzen Halt ein. Die Beschilderung war leider sehr mäßig und der von FTI zur Verfügung gestellte kopierte Stadtplan für eine Stadterkundung auch nicht optimal. Der einzige Orientierungspunkt war der "Torre dell'Elefante".

   

Zum Elefantenturm führte ein Aufzug, den wir dankbar benutzten. Ständiges Bergaufgehen geht an die Kondition. Der Elefantenturm ist Teil der pisanischen Militäranlage aus dem 14. Jahrhundert. Über dem Tor soll sich ein kleiner Marmorelefant befinden, der angeblich der Namensgeber für den Turm war. Ich habe ihn leider nicht erspäht. Von ganz oben wäre die Aussicht auf Cagliari sicher wunderbar gewesen, aber wir hatten ja ohnehin vor, zum Castello hoch zu gehen, so dass wir auf diese Mühsal verzichteten. Stattdessen lenkten wir unsere Schritte zum Parkplatz der Universität von Cagliari, die nur einen Steinwurf vom Elefantenturm entfernt liegt. Auch von hier kann man die Blicke über den Horizont wandern lassen.

 

Von hier oben gefiel uns die Stadt immer besser, leider hatten wir nach wie vor keinen Schimmer, wo genau wir uns eigentlich befanden. Wir fragten einige Passanten nach dem Weg zum Dom, aber es war ein schwieriges Unterfangen. Stattdessen verirrten wir uns in den verwinkelten Gassen und Straßen von Sardiniens Hauptstadt und bekamen Einblicke in das ganz normale Leben.

 

Man glaubt, die Straßen sind so eng, dass sie gerade für Fußgänger und Radfahrer reichen. Weit gefehlt, auch Autos kommen hier noch durch. Wetten?

Sollte aber tatsächlich ein Auto des Weges kommen, empfiehlt es sich, Zuflucht im nächsten Hauseingang zu suchen. Wir gingen weiter planlos in der Gegend um den Dom, von dem wir vermutlich keine 200 Meter Luftlinie entfernt waren. Ein junger Mann, der im Laufschritt auf dem Weg zur Uni unterwegs war, erbarmte sich dann meiner und erklärte mir, wie wir gehen mussten. Endlich! Erst kamen wir an der Präfektur vorbei, dann sah ich die neoromanische Fassade und den Campanile des im 13. Jahrhundert erbauten Doms Santa Maria di Castello. Die schmalen Portale und die dreistöckigen Galerien, in schlichtem Stil erbaut, ziehen viele Touristen an. Auch die Mariendarstellung über dem Eingang beeindruckt den Betrachter.

 

Auch wenn das Kircheninnere nicht mit dem Prunk von St. John's Co-Cathedral auf Malta mithalten konnte, so glänzte auch Santa Maria di Castello mit kunstvollen Mosaiken und herrlichen Deckengemälden. Ein Schmuckstück ist auch die auf dunklen Marmorsäulen angebrachte Kanzel des Meisters Guglielmo, die bis 1312 im Dom von Pisa war.

 

 

Fast übersehen hätten wir die außergewöhnliche Krypta, ein Gewölbe mit sage und schreibe 600 Rosetten verziert, in dem sich die Überreste von annähernd 300 sardischen Märtyrern befinden.

Nachdem alle Fotos im Kasten waren, verließen wir den Dom und machten noch einige Außenaufnahmen. Dann ging es zurück in das Gassengewirr von Cagliari und neuen Fotomotiven. Wir bekamen eine kontrastreiche sardische Architektur zu sehen. Mal gingen unansehnliche Abbruchbauten in schmucke Wohnhäuser über, mal gab es Einblicke in die sardische Lebensart.

 

Für den Spaziergang zur Bastione Saint Remy war unser DIN-A 4-Stadtplan wieder besser geeignet, wir fanden den Weg ohne weitere Rückfragen bei den Einheimischen.

   

Der im klassizistischen Stil im Jahr 1901 erbaute Platz gehört zu den schönsten seiner Art auf ganz Sardinien. Die Einheimischen treffen sich hier in den umliegenden Restaurants und Cafes und genießen, wie wir, die herrlichen Ausblicke auf die sardische Hauptstadt.

 

Von der Bastione Saint Remy führen ausladende Marmortreppen nach unten zur Piazza Costituzione. Wenn man direkt davor steht, wirken die imposanten Befestigungsanlagen noch größer und beinahe bedrohlich.

Da wir in Cagliari nur viereinhalb Stunden Aufenthalt hatten, wurde es allmählich Zeit sich wieder Richtung Hafen zu orientieren. Wir bogen nach links in die Via Manno ab, in der beliebten Einkaufsmeile findet man viele Gold- und Silberschmiede. Nachdem wir uns aber bereits auf Rhodos mit Schmuck versorgt hatten, erübrigten sich hier Blicke in die Auslagen .... wenn "frau" mitspielt! Am Ende der Via Manno bogen wir erneut links ab in die Largo Carlo Felice, die Straße, die wir bereits am frühen Morgen in die entgegen gesetzte Richtung marschiert waren. Dann kamen wir erneut am Rathaus vorbei, wo wir  unseren Stadtbummel unter den schattigen Arkaden von Cagliari schließlich beendeten.

Kurz nach elf waren waren wir dann wieder am Ausgangspunkt unseres Bummels durch die sardische Hauptstadt angekommen. Die überall präsenten Palmen gefielen uns dabei genau so wie Bäume, an denen die Blüten von den Hauptästen herauszuwachsen scheinen und natürlich rundet ein letzter Blick auf Castello, das historische Zentrum von Cagliari, ab.

 

Kurz vor halb zwölf waren wir wieder zurück an Bord der FTI.Berlin, die pünktlich um 12.00 Uhr Kurs Richtung Ajaccio nahm, das 243 Seemeilen in nördlicher Richtung lag. An diesem Tag ließen wir es ruhig angehen und genossen die auch heute noch angenehmen Temperaturen an Deck. Mit Riesenschritten ging es jetzt weiter, nur noch zwei Häfen und dann war diese Kreuzfahrt schon wieder vorbei.

Wenn Sie noch neugierig auf Napoleon's Geburtsstadt sind, dann klicken Sie auf Ajaccio oder einen Link Ihrer Wahl.

 

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