Dienstag, 28.04.2015 (Olbia - Sardinien, Italien)

Auch heute hieß es wieder früh aufstehen, denn der telefonische Weckdienst trat neuerlich um 6.45 Uhr in Aktion. MS Albatros hatte in der Nacht auf dem Weg nach Olbia eine Strecke von 162 Seemeilen zurück gelegt.

Ausgeschlafen waren wir also nicht, erst recht nicht nach der doch einigermaßen unruhigen Fahrt. Dem Hunger tat das natürlich keinen Abbruch und ich bestellte mir zum Frühstück meine geliebten Rühreier. Aber leider war die Portion erstens sehr überschaubar und zweitens kam mir die Konsistenz etwas "bröselig" vor. Doch Sparmaßnahmen des neuen Caterers?

Mit unseren Tischnachbarn verplauderten wir uns bis kurz nach acht, bevor wir den Treffpunkt in der Atlantik-Lounge aufsuchen, um unsere Busnummer für den heutigen Ausflug "Costa Esmeralda" entgegen zu nehmen. Am Bus begrüßte uns die deutsche Reiseleiterin Carina, die auf Sardinien lebt und für die kommenden viereinhalb Stunden unsere Begleiterin sein würde. Der Himmel ist auch heute noch wolkenverhangen und es bläst ein starker Wind mit 6 Beaufort (etwa 44kmh).

Wir verlassen Olbia, die viertgrößte Stadt Sardiniens und fahren 45 Minuten im Regen bis nach Arzachena. Unweit davon entfernt besichtigen wir das Gigantengrab bei Coddu Vecchiu. Die 1966 ausgegrabene Megalithanlage mag von großer historischer Bedeutung sein, wir fanden sie, man möge mir den Ausdruck verzeihen, etwas mickrig. Schuld hatte sicher auch der teilweise einsetzende Regen.

Die meisten Besucher waren froh, als die Fahrt nach einer halben Stunde weiter ging. Es lockten nämlich die Behausungen der Schönen und Reichen an der Costa Smeralda. Zuvor machten wir aber erst einmal einen Abstecher nach Baja Sardinia im nordöstlichen Zipfel von Sardinien. Der Wind blies unverändert, aber der Himmel gab jetzt hin und wieder ein paar blaue Fenster frei. Das ergab ein malerisches Bild. Vor uns das smaragdgrüne Wasser, davor die edlen Cafes und Restaurants und außer unserer Gruppe keine Touristen. Die Vorsaison hat durchaus ihre Vorteile.

Unter anderen Vorzeichen würde sich ein längerer Aufenthalt, vielleicht sogar ein Urlaub, in dieser Ecke sicher lohnen. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt!  

Eine stark zerklüftete Küste, eine einsame abgelegene Gegend, smaragdfarbenes Wasser, das waren die Zutaten für ein Projekt, das die Marketingabteilungen internationaler Investmenthäuser später auf den Namen "Costa Smeralda" tauften. Da der 55 Kilometer lange Küstenstreifen zu den isoliertesten Gebieten Sardiniens zählte, schien er Prinz Aga Khan ideal für sein Vorhaben, ein Refugium der Reichen und Schönen zu schaffen. Und auch wenn der Glanz der 70er und 80er Jahr etwas verblasst ist, wer etwas auf sich hält, nennt hier ein "kleines Häuschen" sein eigen.

Wir kommen uns ein wenig wie Einbrecher vor, als wir Porto Cervo besuchen. Der Ort wird schick gemacht, Handwerker so weit das Auge reicht. Aber George Clooney oder Brad Pitt? Die kommen erst später, wenn wir wieder weg sind. Es könnte ja jemand die Champagnerduschen stören. So schlendern wir mit Carina durch eine wahre Traumwelt, die zumindest eines deutlich macht: hier residieren Menschen mit Geschmack. So gilt auch heute noch, dass keine dreistöckigen Gebäude errichtet werden dürfen. Alles muss in die Landschaft passen. Und so weit wir das beurteilen können, haben die Architekten das prima hinbekommen!

Das Bild in der zweiten Reihe links zeigt das Anwesen von Prinz Aga Khan. Auch Torwarttitan Oliver Kahn hat hier eine Villa. Kein Wunder bei der Namensähnlichkeit, oder?  Sollte Angelina Jolie schnell mal einen Fummel brauchen, kann ihr natürlich auch geholfen werden:

Preisschilder konnten wir nicht entdeckten. Wozu auch, wer hier wohnt, fragt nicht nach Geld, der hat es!

Nach einem etwa einstündigen Aufenthalt ging es auf landschaftlich sehr reizvoller Strecke zurück nach Olbia. Dabei kamen wir u.a. am "Billionaire-Club" von Flavio Briatore vorbei. Nach Aussage von Reiseleiterin Carina gebe es dort einen "goldenen Thron", der für Meister Flavio reserviert wäre. Ein interessanter Ausflug in die Welt der Reichen und Schönen aus den Glamour-Magazinen ging damit zu Ende. Ehrlich gesagt waren wir ganz froh, dieses "Millionärs-Ghetto" hinter uns lassen zu können, es passte irgendwie nicht in diese Welt.

Im Hafen lag natürlich nicht nur die Albatros, sondern auch viele Fährschiffe, die ins nahe Korsika oder nach Italien fahren.

Den Nachmittag verbrachten wir mit Faulenzen. Den Shuttlebus in die Stadt verschmähten wir, weil der Wind stark auffrischte und uns der Provinzcharakter von Olbia nicht so sehr reizte. Stattdessen nutzten wir die Annehmlichkeiten der Albatros einschließlich der vorzüglichen Waffeln zum Nachmittagskaffee.

Das dritte Abendessen bestätigte den Eindruck der ersten Abende. Die Prioritäten haben sich verschoben und man setzt nach meinem Dafürhalten zu oft auf die Masche "Mehr Schein als Sein". Als Vorspeise servierte mir Nelberto heute zwei garnierte Miesmuscheln. Auch die andere Variante "Hackepeter auf Schwarzbrot" ist bestenfalls als "Gruß aus der Küche" zu bezeichnen. Der Hauptgang, ein Spanferkel-Rollbraten war zwar schmackhaft, aber erneut nur lauwarm und die einsame schmale Scheibe Serviettenknödel war leider wegen der zu langen Standzeit gänzlich ausgetrocknet. Der neue Chefkoch scheint auch eine Vorliebe für Einweckgläser zu haben. Denn egal ob Pudding, Creme oder Parfait, alles wird in diesen nicht gerade elegant wirkenden Gläsern serviert. Wenig einfallsreich und fast schon lustlos. Dass der FC Bayern dann auch noch das Halbfinale des DFB-Pokals gegen Dortmund verlor, passte da irgendwie ins Bild.

Die See war leider auch in dieser Nacht wieder sehr unruhig, so dass der Schlaf nur kurz und wenig erholsam war. Aber nachdem die Albatros weiterhin in südlicher Richtung unterwegs war, bestand die berechtigte Hoffnung auf Besserung. Wir näherten uns Sizilien, dem nächsten Ziel der Reise.

 

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