Samstag, 4. Juli 2026

Am Abreisetag ging plötzlich alles ganz schnell. Da wir Selbstfahrer waren, mussten wir nicht erst auf einen Aufruf zum Verlassen des Schiffes warten. Gegen 7.45 Uhr kamen die Türme des Kölner Doms in Sicht und dann hieß es nach dem Frühstück Abschied nehmen. Von der Anesha, der wunderbaren Crew und von unseren sympathischen Tischnachbarn, die in Münster zuhause und mit dem Zug gefahren sind.

Entgegen der vollmundigen Ankündigung hatte sich unser Parkplatzbetreiber nicht rechtzeitig telefonisch bei uns gemeldet. Wir fuhren daher mit einem Taxi und mit einem weiteren Ehepaar, das zusammen mit uns auf der Anesha war, zum Gelände des Betreibers Parking  Area am Poller Holzweg 7. Das Büro oder besser gesagt der Verschlag war nicht besetzt, allerdings konnte man über den Hintereingang problemlos hineingehen. Hier lagerten vermutlich mehrere hundert Autoschlüssel. Die Videokameras nützen hier relativ wenig, wenn keiner da ist, der auch nur irgendetwas kontrolliert. Zwischenzeitlich hatte sich dann doch noch ein Mitarbeiter von Parking Area gemeldet und nach etwa 15 Minuten Wartezeit kam jemand, um uns den Autoschlüssel auszuhändigen. Sollten wir noch einmal von Köln aus eine Flusskreuzfahrt machen, werden wir unser Auto vermutlich bei Globus parken, das ist der deutlich seriösere Anbieter, auch wenn es dort mehr kostet.

Gegen 9.30 Uhr fuhren wir dann zunächst nach Lahnau in Hessen, um eine alte Freundin von uns zu besuchen, die wir schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen hatten. Von dort ging es dann weiter in das Taubertal nach Rothenburg. Vor den Toren dieser schönen Stadt, genauer gesagt im Gasthaus Zum Stern in Gollhofen, hatten wir uns für zwei Tage eingebucht. Es waren fast 250 Kilometer zu fahren, so dass wir erst am späten Nachmittag in der kleinen Gemeinde in Mittelfranken ankamen. Unser Zimmer lag im Neubau, war modern und komfortabel eingerichtet und vor allem die Regenfalldusche machte großen Eindruck. 

Weil es für ein Abendessen noch zu früh war, beschlossen wir noch nach Rothenburg zu fahren und einen ersten kleinen Stadtbummel zu unternehmen. Die Temperaturen waren angenehm und wir mussten lediglich eine halbe Stunde mit dem Auto fahren und bekamen auch noch einen Parkplatz im Bereich P4 vor dem Galgentor. In der mit Fachwerkhäusern gespickten Stadt stehen insgesamt 46 historische Türme, da konnten wir von Glück reden, das Galgentor gefunden zu haben. Angesichts dieser schieren Anzahl von Türmen muss sich Rothenburg hinter San Gimignano, dem "Manhattan der Toskana" nicht verstecken. Wir haben diese Stadt bislang zweimal besucht und können das daher beurteilen.

Nach dem ersten Gang durch die engen Altstadtgassen dauerte es nicht lange, bis wir den Rathausplatz erreichten. Im Zentrum der Stadt, am Marktplatz, wurden wir von einem riesigen Gebäudekomplex, dem Rathaus, empfangen. Im Vergleich zu den umliegenden Geschäften und Wohnhäusern wirkt dieses geradezu gigantisch. Weil es mittlerweile nach 18.00 Uhr war und wir gehörig Hunger hatten, suchten wir uns am dicht bevölkerten Rathausplatz ein Gasthaus. Die Ratsstube machte einen einladenden Eindruck, das Essen war jedoch weitgehend aufgewärmt, das Fleisch trocken, aber es machte immerhin satt.  Anschließend schlenderten wir noch etwas durch die allmählich leerer werdenden Gassen in Rothenburg, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Morgen hatten wir den ganzen Tag Zeit, um alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern.

Das waren unsere ersten Eindrücke von dieser wirklich außergewöhnlichen Stadt. Nach gut zwei Stunden fuhren wir zurück in unser Quartier nach Gollhofen. Glücklicherweise war es im Ort ruhig, so dass wir die Fenster öffnen und gut schlafen konnten.

Sonntag, 5. Juli 2026

Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück fuhren wir kurz nach zehn los in Richtung Rothenburg, wo wir unser Auto erneut auf dem Parkplatz P4 abstellten. Parkplätze gibt es hier wirklich reichlich und niemand muss Sorge haben, endlos zu kreiseln. Trotz der vielen Touristen sollte man ein Plätzchen finden. Dann stürzten wir uns ins Geschehen, denn schon bald merkten wir, dass außer uns noch tausende weitere Touristen u.a. auf der Suche nach dem "Plönlein" waren, dem bekanntesten Motiv der Stadt. Zunächst ging es aber vorbei an dem einen oder anderen Turm, denn davon hat Rothenburg, das gerade deshalb auch "Fränkisches Jerusalem" genannt wird, mehr als genug

Nach den vielen Touristen am, vor und um das Plönlein, zog es uns zur Stadtmauer, denn hier waren so gut wie keine Menschen unterwegs. Merkwürdig, ist die historische Stadtmauer mit ihrem Rundweg doch eines der Wahrzeichen von Rothenburg. Uns konnte es nur recht sein, denn so war es möglich, Pausen zu machen, die Stadt aus unzähligen Blickwinkeln zu betrachten und nach Herzenslust zu fotografieren.

Zur Mittagszeit suchten wir uns ein Restaurant in der Nähe des Plönleins, wo wir uns einen Flammkuchen schmecken ließen. Leider verfinsterte sich der Himmel zunehmend und wir hatten Sorge, dass es zu regnen anfangen könnte. Aber der Regen kam erst später, so dass wir unsere Rast beendeten und uns wieder ins Gassengewirr stürzten. Wir gingen zur St. Jakobskirche, die am gleichnamigen Weg liegt. Ein bronzener Pilger weist den Weg. In der Kirche selbst ist der berühmte Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider das bekannteste Fotomotiv.

Weil nicht sicher war, wann und ob es regnen würde, entschied ich mich kurzfristig für einen Aufstieg auf den Rathausturm, um Rothenburg aus der Vogelperspektive zu bewundern. Sonja hatte ohnehin Lust auf ein Eis, sie wartete unter einem Sonnenschirm auf meine Rückkehr. Ich spazierte zum Rathausturm, zahlte vier Euro Eintritt, stieg über insgesamt 220 Stufen auf die Aussichtsplattform hoch und genoss die herrlichen Ausblicke von hier oben. 

Ich kann wirklich nur allen empfehlen, die es sich zutrauen, die Chance zu nutzen und auf den Rathausturm zu gehen. Es lohnt sich wirklich, weil einem praktisch die ganze Stadt zu Füßen liegt. Das Bild in der ersten Reihe rechts erinnert tatsächlich sehr stark an San Gimignano, auch der Blick auf die St. Jakobskirche ist fast ungetrübt möglich und schließlich der Marktplatz unmittelbar unter mir. Auch die bekannte Doppelbrücke konnte ich von hier oben gut erkennen (siehe Foto in der ersten Reihe, das zweite von rechts!). Man sollte natürlich einigermaßen fit und beweglich sein, um den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Das folgende Bild verdeutlicht vielleicht wie schmal die letzten Stufen sind. Der Abstieg war mir hier nur rückwärts möglich, sozusagen wie bei einer Leiter, aber das klappte ganz gut.

Einigermaßen erschöpft, aber zufrieden ging ich zurück zur Eisdiele, in der ich Sonja zurückgelassen hatte. Sie saß entspannt auf ihrem Stuhl, umzingelt von Touristen aus aller Welt. Alle drängelten sich unter die großen Sonnenschirme, weil die ersten Regentropfen zu spüren waren. So richtig nass wurde es dann aber doch nicht, im Gegenteil, die Sonne traute sich schon wieder vorwitzig durch die grauen Wolken zu spitzen. Wir nutzten das Zeitfenster, um erneut das Plönlein vor (etwas) blauem Himmel zu fotografieren.

Der aufmerksame Betrachter erkennt natürlich sofort, dass auf dem Bild links keine Menschen sind. So erlebt man Rothenburg vermutlich nur selten, aber die geeignete Software sorgt hier für die entsprechende Illusion. Und schön ist es ja, oder? Wir nutzten die (noch) regenfreie Zeit, um auf weitere Motivsuche zu gehen. Und stellten dabei fest, dass es den Störchen hier auch gefällt.

Wir kamen vorbei am Markusturm, neben dem sich ein schönes Romantik-Hotel befindet und gingen weiter zum Klingentorturm, der mit 37 Metern Höhe einer der imposantesten ist. Dort gingen wir die Treppen hoch und folgten dem Rundweg, den die Stadtmauer vorgab.

Mittlerweile war es 17.00 Uhr geworden und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich auch einigermaßen erschöpft war. Immerhin mehr als 12 Kilometer hatte ich an diesem ereignisreichen Tag zurückgelegt. In Sichtweite zum Plönlein in der Unteren Schmiedgasse setzten wir uns an einen Zweier-Tisch. Dort hatten wir schon zu Mittag gegessen und weil es so gut geschmeckt hatte, nahmen wir hier auch das Abendessen ein. Das Essen wurde frisch zubereitet, es war schmackhaft und die Preise waren absolut in Ordnung. 

Kurz vor 18.00 Uhr gab es dann doch noch einen regelrechten Wolkenbruch. Wir flüchteten ins Innere des Lokals und aßen unseren pikanten Flammkuchen. Dann brachen wir unsere Zelte ab und kehrten bei leichtem Regenschauer zum Parkplatz P 4 zurück. Immerhin war unser Auto jetzt wieder einigermaßen sauber. Zurück in Gollhofen freuten wir uns auf eine Dusche und unser bequemes Bett. Morgen früh wollten wir nach dem Frühstück die Heimreise antreten.

Montag, 6. Juli 2026

Heute war Ruhetag im Gasthaus "Zum Stern" und wir waren die einzigen Gäste. Es war mucksmäuschenstill im ganzen Haus. Wir suchten den Frühstücksraum auf und waren überrascht, was hier alles für uns vorbereitet worden war: eine große Kaffeekanne, ein Brotkorb, reichlich Butter, eine viel zu große Wurstplatte und das alles für zwei Personen. Wir waren beeindruckt und dankbar. Diese Unterkunft können wir mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

Gegen neun Uhr verließen wir Gollhofen und machten uns auf den Heimweg. Für die etwa 170 Kilometer benötigten wir keine drei Stunden, der Verkehr hielt sich auch in Grenzen, es war wirklich gut zu fahren, so dass wir entspannt zur Mittagszeit wieder heimischen Boden unter den Füßen hatte. Die Flusskreuzfahrt mit dem anschließenden Nachprogramm war zu Ende und wir um viele Erinnerungen reicher.

 

Fazit:

Die Reise hatten wir aufgrund der interessanten Route gebucht. Natürlich war auch das Schiff, in diesem Fall das First-Class-Schiff MS Anesha von Phoenix Reisen, nicht ganz unwichtig und ein großer Faktor, der zum Wohlfühlen beigetragen hat. Zugegeben, die Erwartungen waren nach unseren Erfahrungen mit den Viereinhalb-Sterne-Schiffen MS Asara 2022 und MS Adora 2024 hoch. Niemand will sich schließlich verschlechtern. Andererseits war die Anesha das älteste Schiff, aber sie ist nur, glaubt man der Beschreibung auf den Seiten von Phoenix-Reisen für 180 Passagiere ausgelegt, während die anderen Schiffe für mehr Menschen gedacht sind. Tatsächlich waren, so hat man uns gesagt, 160 Passagiere an Bord. Das merkte man vor allem im Restaurant Vier Jahreszeiten, wo man sich gut bewegen konnte und nicht aufpassen musste, dass man beim Aufstehen vom Tisch den Hintermann rempelt. Das war in der Tat komfortabel. Alles andere wie Ausstattung, Service, Kulinarik usw. hatte aus unserer Sicht bewährte Phoenix-Qualität und so kann man schlussendlich sagen, dass wir rundum zufrieden waren. Den Rest besorgte der Wettergott, der es vielleicht sogar etwas zu gut gemeint hat, wenn ich an die Hitze-Rekord-Tage in Speyer denke. Aber natürlich möchte man als Reisender, wenn möglich, immer blauen Himmel haben, damit die Erinnerungsfotos besser werden. Und den hatten wir während der Reise wirklich oft, so dass die Ausflüge in Straßburg, Basel, Luzern oder Colmar zu dem wurden, was sich immer erhofft: zu unvergesslichen Erinnerungen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für das Lesen meines Berichts, der natürlich höchst subjektiv ist und unsere Eindrücke so schildert wie wir sie empfunden haben. Jemand, der zufällig dieselbe Reise mitgemacht hat, mag dies u.U. anders erlebt haben. Wenn Sie jetzt noch mehr Lust auf Kreuzfahrten bekommen haben, verweise ich auf die entsprechenden Unterseiten bei "Reiseberichte und Meer". Ich sage "Danke" und "Auf Wiederlesen" an anderer Stelle!

 

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