Donnerstag, 07.05.2015 (Santorin, Griechenland)

Von Kavala bis in die Kaldera von Santorin hat die Albatros bei unverändert ruhiger See 289 Seemeilen zurückgelegt.

Die Sonne war längst aufgegangen, nämlich um 6.19 Uhr, als wir noch immer schlummerten. Das war allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass die Nacht wegen des Stromausfalls für uns etwas unruhig war. All das war nach dem Aufstehen aber schon wieder vergessen, denn heute stand ein weiteres Highlight auf dem Routenplan: Santorini!

Nach dem Frühstück auf dem Salon-Deck blieb keine Zeit zum Faulenzen, denn um 11.45 Uhr hatten wir in der Atlantik-Lounge einen Termin. Phoenix hatte zur Geburtstagsparty eingeladen. Und weil sowohl Sonja als auch ich während der Kreuzfahrt unseren Geburtstag feiern, war das natürlich ein Pflichttermin für uns. Zuvor bestätigte Kapitän Mühlebach noch die am Vorabend ausgesprochene Vermutung, dass für den Blackout wohl die kürzlich durchgeführte Übung verantworlich gewesen sei. Mein technisches Verständnis reicht leider nicht aus, um die Zusammenhänge zu verstehen, uns genügte die Erklärung des Kaptiäns jedoch vollkommen.

Zur Geburtstagsparty begrüßte uns Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger, der uns bei dieser Gelegenheit in launigen Worten von seinem "erfolgreich abgebrochenen" Jurastudium erzählte und seinen weiteren Weg beschrieb, der ihn schlussendlich auf die Albatros führte. Auch Kapitän Mühlebach stieß kurz auf das Wohl der Geburtstagskinder an, von denen 251 an Bord waren. Bei insgesamt 741 Passagieren ist das also etwa ein Drittel, eine stolze Zahl.

Der Kapitän informierte uns auch darüber, dass die Albatros so zeitig für Santorin gemeldet hatte, dass sie den einzigen Ankerplatz, der eine Wassertiefe von nur etwa 50 Meter voraussetzt, bekommen hat. Alle später ankommenden Schiffe sind gezwungen zu manövrieren.

Dann konnten wir aber anstoßen und die "Big Band" der Albatros, die stimmgewaltigen Kellner und Servicekräfte, hatten ihren Auftritt. Es ist immer eine Freude das zu beobachten und mitzuklatschen, denn wenn uns der Alltag wieder eingeholt hat, wird uns Ähnliches nur selten widerfahren.

Ein kurzes Filmchen zu diesem Auftritt gibt es auch noch:

Das Mittagessen nahmen wir wieder im Möwe ein, weil die Menükarte einfach zu verlockend war. Der Zwiebelrostbraten schmeckte auch prima und bot damit eine gute Grundlage für den Spaziergang, den wir in Fira geplant hatten.

Und dann tauchte der schwarze Kraterrand mit seiner Steilküste auf, die mehr als 300 Meter aufragt mit den weißen Häusern, die, Schwalbennestern gleich, am Rand kleben. Ein atemberaubender Anblick!

Wir warteten darauf, an Bord eines der Tenderboote gehen zu dürfen. Da wir keinen Ausflug gebucht hatten, kamen wir erst etwas später an die Reihe. Aber das ist natürlich auch ein großer Vorteil eines kleineren Schiffes: das Ausschiffen dauert nicht sehr lange! Dank der ruhigen See (auch das ist beileibe in dieser Ecke der Ägäis nicht immer so!) konnte ich auch ein kleines Filmchen drehen.

Unbewusst habe ich hier den Santorini-Aha-Effekt einfangen können. Erst wandert das Auge am eleganten Schiffskörper der Albatros entlang und plötzlich wird die Aufmerksamkeit auf etwas ganz Außergewöhnliches gelenkt, eben jenen berühmten Kraterrand mit den terrassenförmig "hingeklebten" Häusern.

Gegen 15.00 Uhr betraten wir dann eine der äußergewöhnlichsten und schönsten Inseln, die wir kennen. Ein gewaltiger Vulkanausbruch vor 3.500 Jahren modellierte einen Krater mit einem Ausmaß von 7,5 x 11 Kilometer. Um diesen Krater hat sich die Insel Santorin sichelförmig ausgebreitet.

Wir hatten heute in mehrerlei Hinsicht Glück: der Himmel war blau, das Meer spiegelglatt und die Albatros zu diesem Zeitpunkt das einzige Kreuzfahrtschiff!

Das hatte natürlich einen weiteren entscheidenden Vorteil: an der Seilbahn gab es keinerlei Wartezeiten. Lediglich einige überforderte Rentner machten wieder Ärger, weil sie nicht einsehen wollten, dass man die Treppen in der Seilbahnstation hoch gehen muss, um in die Gondeln zu kommen, weil mehrere Kabinen zusammen gehängt sind.

In der Gondel konnten wir dann gleich den ersten Blick auf die Caldera genießen. Und mittendrin die Albatros.

Der Seilbahnspaß kostet allerdings um einen Euro mehr als im Jahr 2013 bei unserem letzten Besuch, also fünf Euro. Auch das ist noch ein überschaubarer Preis, denn die Alternative wären 587 Treppen, die man zu Fuß bewältigen müsste. Und wer will das schon? Auch die Variante mit einem Esel wäre möglich, aber das wollen wir weder uns geschweige denn den Tieren antun.

Bei unseren bisherigen Besuchen in den Jahren 2007 und 2013 waren wir jeweils in Oia, heute wollten wir daher ausschließlich Fira erkunden und Souvenirs für unsere Lieben daheim besorgen.

Oben angekommen wollten wir erst einmal die unvergleichliche Aussicht auskosten. Außerdem war gerade "Coffeetime", so dass wir einen frischen Frappe tranken und einen wirklich riesigen Apfelkuchen mit "Volcano View" verdrückten. Den Eselspfad konnten wir von unserem Standort auch gut einsehen.

 

Dann stürzten wir uns in das kaum überschaubare Gewirr aus Gassen und Gässchen. Anders als in Istanbul kann man sich auf Santorini nur schwer verlaufen, weil man immer wieder einen Blick aufs Meer oder die Kathedrale erhascht und sich so ganz gut orientieren kann. Wer allerdings auf der Suche nach blauen Dächern ist, wird enttäuscht sein, es finden sich kaum welche. Die vorherrschende Farbe ist weiß. Auch Friedensreich Hundertwasser würde sich freuen, denn gerade Linien sucht man weitgehend vergebens. Trotzdem ist die Architektur anmutig, was man bei der rauen Natur nicht unbedingt erwarten kann.

Wir durchpflügten Fira und Sonja blieb dabei gefühlt an 50 Juwelierläden stehen. Gekauft haben wir dann aber doch nur deutlich preiswertere Mitbringsel wie Schals für die Damen, Schneekugeln für den Sohn, Postkarten oder einen Ledergürtel. Die Shoppingtour wurde natürlich immer wieder unterbrochen von herrlichen Ausblicken auf das Meer und die Stadt.

   

Nachdem wir eine Zeitlang unterwegs waren, genehmigten wir uns dann an einem neuerlich postkartenträchtigen Aussichtspunkt einen weiteren Frappe, bevor wir uns wieder zur Seilbahnstation begaben. Auch bei der Talfahrt waren keine weiteren Gäste vor Ort. Im Laufe des Tages gesellte sich lediglich ein weiteres Kreuzfahrtschiff in die Kaldera, so dass die Menschenmenge mehr als überschaubar blieb.

Mit Tüten voller Souvenirs und fast vollen Speicherkarten schlenderten wir zu den Tenderbooten. Dabei gingen wir, natürlich rein zufällig, noch in einen kleinen Laden, der Unmengen von Drucken und Bildern aus Santorin anbot. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und haben dann ein Werk erstanden, das jetzt in unserem Flur hängt. Und jedes Mal, wenn wir kommen oder gehen, werden wir an dieses herrliche Kykladen-Eiland erinnert.

Dann schaukelten wir mit dem Tender zurück auf die Albatros, die sich gegen 19.00 Uhr von Santorini verabschiedete. Ein letzter Blick auf die Häuser hoch über der Caldera und das noch auf Reede liegende "Celestial"-Schiff machten den Abschied nicht gerade leichter.

Passagiere von gerade mal zwei Schiffen fallen im Straßengewirr von Santorini kaum auf. Man konnte daher ungestört nach Herzenslust stöbern und schauen. Ein weiterer Pluspunkt der Kreuzfahrt-Planung bei Phoenix! Klasse!

Da wir natürlich auch die Ausfahrt aus der Caldera gegen 19.00 Uhr live mitverfolgen wollten, fiel das Abendessen im Möwe aus. Zum Ausgleich für entgangene Gaumenfreuden gab es einen Augenschmaus, auf den wir jetzt vermutlich wieder lange verzichten müssen. Die am Kraterrand klebenden Häuser nickten uns unmerklich zu und die untergehende Sonne schien uns zuzurufen: "Avtio - Auf Wiedersehen!"

Der 12. Tag der Reise ging damit spektakulär zu Ende, unsere Kreuzfahrt glücklicherweise noch nicht. Unser nächstes Ziel war Pylos im Südpeloponnes.

 

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