Tag 4 (Donnerstag, 31. Mai 2007)

Heute mußten wir früh raus aus den Federn. Um 7.30 würde die CM in der Caldera von Santorin vor Anker gehen. Ein Tag, auf den wir uns schon Wochen vorher gefreut und dem wir regelrecht entgegen gefiebert hatten. Bislang kannten wir die herrlichen Aussichten von Thira oder Oia nur von Kalendern oder aus unzähligen Internetfotos. Und wir hatten beschlossen, heute selbst so viele Fotos zu schießen, dass es für mehrere Kalender reichen sollte.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir außer in Bari keinen organsierten Ausflug mitgemacht haben. Das hatte übrigens nicht nur finanzielle Gründe, sondern lag in erster Linie auch daran, dass wir uns einen Großteil an Eigenständigkeit bewahren wollten. Gerade an Orten wie Santorin, Mykonos oder später auch Dubrovnik wollten wir uns nicht dem Zeitdruck durch einen Reiseleiter ausgesetzt sehen. Wer unabhängig sein will, kann auch auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen. Auf der Seite von "cruise-chat.com" hatten wir bereits in Erfahrung gebracht, dass man durchaus mit dem Taxi vergleichsweise preiswert von Thira nach Oia fahren kann. Zunächst galt es aber, erst einmal in den Hafen zu kommen. Heute wurde wieder getendert.  

Die CM war anscheinend überpünktlich an diesem herrlichen Morgen. Jedenfalls standen wir als erste Gruppe an der Kasse der Kleinkabinenbahn, noch bevor überhaupt geöffnet war. Die einfache Fahrt kostete überschaubare 4,-- € und wir genossen den Luxus, mit der ersten Kabine nach oben zu rauschen. Zu diesem Zeitpunkt wußten wir noch nicht, dass wir einige Stunden später den beschwerlichen Weg nach unten zu Fuß antreten würden. Bevor es mit dem Bericht weiter geht, eine kleine Erholung für die Augen.

Unzählige Esel standen in Karawanen bereit, um die Kreuzfahrer nach oben zu tragen. Wir haben auf dieses fragwürdige Spektakel verzichtet. Zuviel hatten wir über das traurige Schicksal der geschundenen Tiere gelesen. Ein Blick in ihre Augen sagte mir deutlich: Lass es bleiben! Wenige Minuten später schwebten wir in Thira ein. Hier oben, dem lieben Gott und dem blauen Himmel ein gutes Stück näher, war um diese Zeit noch nichts los. Die kleine Stadt wartete auf den Ansturm der Kreuzfahrer, die in Hochsaisonzeiten wie Heuschrecken hier einfallen. Wir verloren daher keine Zeit und machten uns auf Richtung Stadtmitte, um einen Taxistand zu suchen. Wir wollten so schnell wie möglich nach Oia, der 10km von Thira entfernte Ort, an der Nordspitze Santorins gelegen.

Kommentare über angebliche horrende Preise von bis zu 90,-- € für eine einfache Taxifahrt wurden schnell ad absurdum geführt. Man sagte uns sofort und ohne Umschweife, dass die Fahrt für drei Erwachsene 15,-- € kosten würde. Im Vergleich zu einem organisierten Ausflug ein wahres Schnäppchen. Dass man dabei u.U. nicht soviel über die geschichtlichen Hintergründe usw. erfährt, liegt auf der Hand. Aber wir wollten im Grunde ohnehin nur unseren Augen und Sinnen etwas Besonderes gönnen. Fotoapparate haben auf Santorin Hochkonjunktur. Und wir haben Material ohne Ende geschossen. die Fahrt nach Oia dauerte etwa 25 Minuten und bei der Ankunft machten wir uns noch keine Gedanken, dass wir irgendwann auch wieder zurück müssen. Stattdessen tauchten wir ein in die Farbenpracht des Meeres, des Himmels, der weiß getünchten Häuser und Kirchen. Fantastisch!

Um 13.30 Uhr mußten wir spätestens wieder an Bord sein, dann würde die CM ihre Fahrt nach Mykonos fortsetzen. Da wir zeitig in Oia waren und nach Herzenslust schauen und fotografieren konnten, blieb noch genügend Zeit, um anschließend nach Thira zurückzukehren und dort weitere Eindrücke zu sammeln. Wir kehrten an den Dorfplatz zurück, wo uns der Taxifahrer aussteigen ließ. Zu unserem Erstaunen fanden sich dort jedoch keine Taxen. Eine Rückfrage bei einer freundlichen deutschsprechenden Besitzerin eines Mietwagenverleihs ergab, dass ein Taxi nur nach telefonischer Bestellung kommen würde. Sie war sogar so nett und ging noch einen Schritt weiter. Sie telefonierte nach Thira (kostenlos für uns!) und erklärte uns, dass alle Taxen im Einsatz wären. Sie empfahl uns die Rückfahrt mit dem Inselbus. Und wieder hatten wir Glück, nur Minuten später fuhr er uns förmlich über die Füße. Die Fahrertür öffnete sich, ein sonnenbebrillter Kopf lugte kurz heraus und schrie aus Leibeskräften: "Bus nach Thira. Einsteigen! Schnell, schnell!" Dieser Aufforderung folgten wir natürlich umgehend und zahlten auch gerne den äußerst günstigen Obolus von 1,20 € für einen Erwachsenen. Dann folgte eine einigermaßen aufregende Rückfahrt über die Straße, die wir bereits kannten. Allerdings ist so ein Bus doch um einiges größer als ein Pkw und so kam es immer wieder vor, dass wir halten und rangieren mußten, wenn Gegenverkehr war oder umgekehrt. Die Rückfahrt dauerte daher auch etwa 40 Minuten. Aber es war unterhaltsam und vor allem preiswert!

Mittlerweile erreichten die Temperaturen sommerliche Werte, es war heiß und die engen Gassen und Straßen von Thira waren zwischenzeitlich mit Touristen förmlich übersät. Es war eine goldrichtige Entscheidung, nach Oia zu fahren und dort den Inselgeist zu atmen. Thira ist zwar die touristische Hauptstadt, größer, lärmender, aber eben auch schon überlaufener. Trotzdem kann man auch in Thira tolle Fotos schießen, wie das folgende Beispiel beweist:

So schön der Aufenthalt auf Santorin auch war, irgendwann hieß es auch hier wieder Abschied zu nehmen. Die Frage war aber, per Kleinkabinenbahn, zu Fuß oder mit Eseln. Letztere Transportmöglichkeit hatten wir von Anfang an ausgeschlossen. Nachdem zur fraglichen Zeit jedoch viele Gleichgesinnte an der bequemen Seilbahn gewartet haben, nahmen wir die 571 Stufen zu Fuß in Angriff. Der Geruch war teilweise etwas streng, aber auszuhalten, nur den Eseln stand man mitunter Auge in Auge gegenüber. Das war zum Teil wesentlich schwerer zu ertragen. Jedenfalls ist ein bißchen Kondition schon erforderlich, dann steht jedoch einem Marsch nach unten nichts mehr im Weg. Wir schafften es daher locker rechtzeitig an Bord und die Fahrt konnte wie immer pünktlich weiter Richtung Mykonos gehen. 

Dort gingen wir gegen 18.00 Uhr von Bord und stiegen in die bereitstehenden Busse, die uns gegen einen Unkostenbeitrag von 5,-- € zur Stadt brachten. Ein Service, den wir gar nicht erwartet hätten und der auch nicht notwendig gewesen wäre. Im Gegensatz zu Santorin ist Mykonos ja wesentlich flacher angelegt und daher auch gut zu "begehen". In diversen Reiseführern las ich, dass man sich zwangsläufig im Straßengewirr von Mykonos nach kürzester Zeit verlaufen würde. Ganz so schlimm war es nun wieder nicht. Wir orientierten uns, soweit das möglich war, am Meer. Natürlich wollten wir die berühmten Windmühlen aus der Nähe sehen und Kleinvenedig. Dass uns bei dieser Gelegenheit auch noch der Pelikan Petros, das Inselmaskottchen über den Weg laufen würde, war ein netter Zufall, den wir natürlich ebenfalls fotografisch dokumentiert haben. 

Als wir nach Sonnenuntergang vollgepackt mit Eindrücken wieder zur CM zurück kehrten, auch hier durften wir wieder den angenehmen Service des Buszubringers nutzen, kamen wir sogar noch in den seltenen Genuss, unser Schiff beleuchtet bewundern zu dürfen:

Mit diesem Bild gingen wir Schlafen. Ein anstrengender Tag war zu Ende gegangen. Rückblickend betrachtet war es vielleicht der schönste der ganzen Kreuzfahrt, weil wir mit Santorin und Mykonos zwei herrliche Inseln zu sehen bekamen, die wir bis dahin noch nicht kannten. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir auch alle anderen Tage genüsslich in uns aufsogen. Denn es folgte

Tag 5 (Freitag, 1. Juni 2007)

und damit der Geburtstag unserer Tochter Katrin. Ein wirklich besonderer Tag für die Familie, denn unsere Tochter feierte auf  Rhodos, das war das nächste Ziel der CM, ihren 20. Geburtstag. Sie war schon etwas traurig, weil ihr Freund Robert nicht dabei sein konnte, stattdessen "mußte" sie mit ihren alten Herrschaften eine Kreuzfahrt durch's östliche Mittelmeer machen. Es war klar, dass ihre Handyrechnung am Ende beinahe höher ausfallen würde als der Preis für die Reise. An dieser Stelle sei daher angemerkt, dass von Telefonaten mit dem Handy tunlichst Abstand genommen werden sollte. Zumindest so lange die Roaminggebühren sich noch in diesen astronomischen Höhen bewegen wie zum Zeitpunkt unserer Kreuzfahrt. Abzuraten ist übrgens auch von der Nutzung des Internets. Ich wollte einmal während der Reise eine Email nach Deutschland senden, habe dieses vergebliche Unterfangen dann aber nach 90 Sekunden und 1,50 € Gebühren beendet. Zu diesem Zeitpunkt war die Seite noch nicht einmal richtig aufgebaut, also auch hier gilt: Finger weg! Stattdessen lieber mal eine SMS schreiben oder die gute alte Postkarte.

Zurück zum Aufenthalt in Rhodos. Wir hatten 2005 einen herrlichen zweiwöchigen Urlaub in Archangelos im dortigen Calimera Porto Angeli verlebt, kannten daher sowohl Rhodos-Stadt als auch die übrige Insel sehr gut. Wer die Erfahrungen des damaligen Urlaubs lesen möchte, kann dies bei Holidaycheck unter diesem Link tun:

Hotel Calimera Porto Angeli

Auf einen längeren Ausflug haben wir daher verzichtet. Stattdessen habe ich mich (leichtsinnigerweise!) bereit erklärt, mit Katrin und meiner Gattin einen ausgiebigen Stadtbummel, der am Ende etwa sechs Stunden gedauert hat, zu unternehmen. Schließlich gibt es in Rhodos-Stadt Unmengen Geschäfte zu entdecken, also auch hier ist Kondition gefragt. Als wir von Bord gingen und unsere Costa Cards vorzeigen mußten, wurde von einem Verantwortlichen natürlich sofort entdeckt, dass Katrin Geburtstag hat. Er nahm sie dann ohne Vorwarnung in den Arm und gratulierte ihr ganz herzlich. Bereits am Morgen dieses Tages fand sich in unserem Briefkasten an der Kabinentür eine Glückwunschkarte mit der Unterschrift von "Il Commandante". Eine nette Aufmerksamkeit. Da die Altstadt von Rhodos nur einen Steinwurf vom Hafen entfernt ist, kamen auch viele Touristen, allerdings nicht, um unserer Tochter zum Geburtstag zu gratulieren, sondern einfach nur um das Schiff zu fotografieren.

Wir orientierten uns wie gesagt stadteinwärts. Noch wärend der Einfahrt in den Hafen von Rhodos ergaben sich aber wiederum fantastische Ausblicke, u.a. dieser:

All jene, die keinerlei Rhodos-Erfahrung haben, sollten unbedingt das große Ausflugsangebot nutzen. Eine Besichtigung des Großmeisterpalastes bietet sich an, bei dieser Gelegenheit schlendert man dann ohnehin durch die "Ritterstraße".  Das kann man alles problemlos zu Fuß bewältigen. Größere Sightseeing-touren erfordern dann aber doch einen fahrbaren Untersatz. Wer möchte, kann Rhodos nämlich auch "auf's Dach" steigen und den 111m hohen Monte Smith aus der Nähe erkunden. Die Akropolis, die einen Apollotempel bietet, sowie ein restauriertes Theater, ist allemal einen Besuch wert. Anbieten würde sich auch ein Besuch von Lindos, wo sich schneeweise Häuser um den Burgberg schlängeln und an ihn schmiegen. Wir wollen es aber an dieser Stelle mit ein paar Bildern von Rhodos-Stadt bewenden lassen.

Wem das immer noch nicht reicht, der wird auch auf meiner Homepage fündig. Ich habe u.a. einen Bericht "Rhodos in drei Tagen" geschrieben mit vielen Detailinfos zu dieser wunderschönen Insel. Wer Lust hat, klickt zunächst im Linkmenü auf "Reisebericht - Spezial" und anschließend auf "Rhodos in drei Tagen".

Bei der Rückkehr auf die CM ließen wir ein Bild beim Betreten der Gangway von uns dreien machen. Es hat uns immer wieder erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit die Bediensteten (meistens aus eigenem Antrieb) nach den Fotoapparaten gefragt haben und jederzeit gerne bereit waren, derartige Momente im Bild festzuhalten. Auch dafür noch einmal ein herzlicher Dank.

Ich verkrümelte mich dann für ein Stündchen ins Fitnesscenter und stellte bei meiner Rückkehr fest, dass unser Kabinensteward Henry eine Geburtstagstorte für Katrin vorbeigebracht hatte (auf eigene Kosten wohlgemerkt!). Da er ohnehin mehr oder weniger ständig auf unserem Kabinengang herum wuselte, habe ich mir erlaubt, ihn zu fragen, ob er nicht Lust auf ein Stück Torte hätte und ihn auf die Kabine eingeladen.

Die Feier ging dann im Degli Argentieri beim Abendessen weiter. Unsere reizenden Tischnachbarn aus St. Ingbert hatten für Katrin ebenfalls ein kleines Geschenk besorgt und schließlich marschierte eine Abordnung von Kellnern mit Torte und Prosecco zu unserer Tochter und sang ihr ein herzliches "Happy Birthday".

Als ob wir alle ohnehin nicht schon bis zum Platzen voll gewesen wären, reichte das immer noch nicht und die Küchenbrigade trug mit ihrem überragenden Mitternachtsbuffet dazu bei, dass die Hose noch enger wurde als sie eh schon war. Von Schinken bis Roast Beef, alles garniert und verpackt in den ausgefallensten und abenteuerlichsten Eis- und anderen Dekorationen schlugen die Magennerven noch einmal Purzelbäume. Es war, so das Motto des Buffets, wirklich "Macnific"! Endlich durften auch die Kellner zeigen, dass sie außer Servieren zum Teil hervorragend tanzen können. Ihre Einlagen waren fast so eindrucksvoll wie das Buffet. Jedenfalls hatten alle dabei sichtlich ihren Spaß. 

Ein wunderschöner Tag ging wieder zu Ende und wir freuten uns jetzt erst einmal auf Tag sechs: Erholung auf See!

 

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