Casablanca, 2. Nov. 2008

Wir kamen mit ein wenig Verspätung in Casablanca an, weil am Vorabend in Barcelona ein halbes Dutzend Kreuzfahrtschiffe Betriebsstoffe bunkerte und die Victoria deshalb warten musste, bis sie an der Reihe war. Unser Tagesplan würde durch die geringe Verspätung jedoch nicht durcheinander gewirbelt werden, schließlich sollte heute der 10-stündige Ausflug nach Casablanca und Rabat durchgeführt werden. Wir hatten im Vorfeld ob der doch relativ hohen Kosten lange diskutiert, haben uns dann aber letzten Endes doch für eine Führung unter Costa entschieden und diese Entscheidung sollten wir nicht bereuen.

Nach dem Frühstück, das wir wie immer im Sinfonia einnahmen, begaben wir uns zum Treffpunkt und ab diesem Zeitpunkt lief es wie geschmiert. Die Busse warteten bereits, als wir zum ersten Mal afrikanischen Boden betraten. Casablanca präsentierte sich leicht regnerisch, etwa 20 Grad warm und wirkte auf den ersten Blick eher wie eine moderne europäische Großstadt. Heute leben dort etwa 3 Millionen Einwohner, in den Vorstädten etwa 5 Millionen (die Schätzungen gehen hier zum Teil weit auseinander), Casablanca (spanisch: "das weiße Haus") ist damit eine der größten Städte Afrikas mit dem wichtigsten Hafen Marokkos. Die Stadt ist geprägt vom Kolonialismus, man findet breit angelegte Boulevards ebenso wie z.B. ein 18-stöckiges Haus. Marokkanische Kulturelemente mögen gering sein, aber wir haben doch noch einige davon gesehen.

Es war schon einigermaßen aufregend, vom Hafen aus in der Entfernung das gigantische Minarett der Hassan II-Moschee zu sehen. Aber so weit war es noch nicht. Wir wurden zunächst von unserem marokkanischen Tourguide Yussef und seinem "Gehilfen" Maurice erwartet. Beide sprachen fließend deutsch und waren mit der marokkanischen Geschichte bestens vertraut. Yussef amüsierte uns gleich zu Beginn, weil er mit einem dicken Mantel erschien, 20 Grad sind für Marokkaner Temperaturen, die an den Winter erinnern.

Dann machten wir uns im voll besetzten Bus auf zu unserer ersten Station: dem Markt. Weil wir doch noch einigermaßen früh vor Ort waren, konnten wir das Treiben der Standbeschicker sehr gut verfolgen. Es waren nur wenige Kunden da, vielleicht war es den Einheimischen ja wirklich zu kalt? Wir sahen Obststände, deren Farbenpracht uns förmlich erschlug und natürlich, typisch für diese Länder, sehr viele Gewürzhändler, die in ihren Behältnissen wahre Türme ihrer duftenden Waren bauten. Weniger angenehm roch der feilgebotene Fisch und auch die Präsentation der einen oder anderen Fleischkeule war für mitteleuropäische Augen und vor allem Nasen gewöhnungsbedürftig. Faszinierend war es in jedem Fall. Aber sehen Sie selbst:

Nach dem Besuch auf dem Markt ging es dann endlich dort hin, wo es die Touristen am häufigsten hintreibt, aber in erster Linie natürlich die Gläubigen: zur Moschee Hassan II. Das Minarett zeigt 200 Meter in die Höhe, es ist damit das höchste religiöse Bauwerk der Welt. Aber nicht nur die Höhe ist atemberaubend. Die gesamten Ausmaße der Moschee, die anläßlich des 60. Geburtstages von König Hassan II. 1993 fertiggestellt wurde, sind gigantisch: Im Innenraum finden 25.000 Gläubige Platz, auf dem Vorplatz noch einmal ca. 80.000 weitere Gläubige. Aber allein dieser "Zeigefinger Allahs", wie ich ihn nenne, ist nicht nur beeindruckend und entsprechend fotogen,  es beschleicht einen auch ein etwas beklemmendes Gefühl, wenn man die Moschee betritt. Wenigstens erging es mir so. Ich stellte mir vor, wie die Gläubigen auf dem Teppich knien und zu Allah beten, allein der Lärmpegel muss dann gewaltig sein. Unser Guide Yussef erzählte uns sehr viel über die Entstehung der Moschee, über die Baukosten, die angeblich allein über Spenden aufgebracht wurden und etwa 500 Millionen Euro betragen haben sollen (ich habe allerdings auch von Schätzungen gelesen, die von nahezu einer Milliarde Euro sprechen!) und er erklärte uns die Rituale der Moslems. Allein die Waschungen, die jeder Gläubige vornehmen muss, zeigen ein hohes Maß an Respekt, das Gott hier entgegen gebracht wird. Schon erstaunlich, wenn man die Umstände bedenkt, die jeder auf sich nimmt, um zu seinem Gott zu beten. Jetzt wird es aber höchste Zeit für ein erstes Bild des einmaligen Bauwerks:

Dass wir überhaupt das Innere der Moschee betreten durften, war an sich schon ein einmaliges Erlebnis. Yussef war in seinen Schilderungen denn auch sehr engagiert und freute sich über das Interesse unter seinen Zuhörern. Spätestens jetzt war klar, dass es eine gute und richtige Entscheidung war, diesen Ausflug zu buchen. Wir erfuhren Einzelheiten über die filigranen Intarsienarbeiten, über die Baumaterialien, u.a. italienischer Marmor wurde hier verarbeitet. Die Holzschnitzereien umfassen unglaubliche 53.000 qm, Stuck wurde gar auf 67.000 qm herausgearbeitet. Weitere Superlative gefällig: die Gläubigen können 124 Brunnen nutzen, zur Moschee gehören eine islamische Schule, Hamams, Schwimmbäder, eine Bibliothek und ein Museum. Wir durften uns sehr glücklich schätzen, Vieles davon sehen zu dürfen und erklärt zu bekommen. Der gesamte Moscheebereich erstreckt sich im Übrigen auf 90.000 qm an exponierter Stelle, weil das Bauwerk quasi ins Meer gebaut wurde. Ein Teil der Gläubigen kniet auf einem Glasboden, unter dem der Ozean fliest. Auch neueste Technik kam zum Einsatz, z.B. läßt sich das Dach öffnen und sogar an einen Laser hat man gedacht. Der weist den Weg nach Mekka und ist nachts über 30km zu sehen. Überflüssig zu erwähnen, dass trotz der vielen Besucher kein Staubkorn den Glanz trübt, alles erstrahlt immer im schönsten Licht, auch bei Regen. Und damit genug der Worte, mit dem nächsten Link geht es jetzt zu einer kleinen Fotoshow. Viel Spaß beim Betrachten!

Fotoshow Casablanca

Dann hieß es Abschied nehmen von diesem beeindruckenden Monument. Draußen wurden wir wieder, zur Abwechslung, von Regen erwartet, so heftig, dass sich schon mal Schirme verselbständigten. Aber das Wetter besserte sich allmählich und so kamen wir doch tatsächlich während unserer Fahrt zum Justizpalast in den Genuss von ein paar Sonnenstrahlen. Auch den Königspalast bekamen wir zu Gesicht und die eine oder andere Gasse, die nicht ganz so herausgeputzt war. Am Justizpalast wurden wir u.a. von diesen beiden "Wasserträgern" begrüßt:

Wasser verkaufen sie natürlich nicht mehr, denn sie haben längst erkannt, dass sie in ihren schmucken Gewändern ein formidables Fotomotiv abgeben und so lassen sie sich, gegen Bares versteht sich, gerne ablichten. Der Rechte der beiden geschäftstüchtigen Zeitgenossen reibt gerade Daumen und Zeigefinger aneinander und verlangte anschließend doch glatt 2,00 Euro (!). Ich habe ihm einen Euro gegeben, damit war er auch zufrieden. Wir machten auch noch Halt an einer Polizeiwache, die unweit des Königspalastes stand, durften dort aber keine Besichtigung vornehmen. Vor unserer Weiterfahrt nach Rabat ließ uns Yussef noch in einem Souvenirladen einkaufen. Dort gab es allerhand "nützliche" Dinge, wie z.B. Krummsäbel im Postkartenformat und ähnliche Mitbringsel. Wir suchten uns auch ein paar Kleinigkeiten wie z.B. Lesezeichen aus, die man für kleines Geld erwerben konnte. Diesen letzten Einkaufsstopp haben wir übrigens nicht als "lästige Verkaufsveranstaltung" gesehen. Wir fanden es durchaus angebracht, schließlich ist man ja auch nicht alle Tage in Casablanca, das übrigens nur den Titel für den gleichnamigen Film mit "Bogey" und Ingrid Bergman lieferte, tatsächlich wurde dieser Streifen in Hollywood abgedreht. Damit verabschieden wir uns von dieser Metropole  und wenden uns anderen Dingen zu, z.B. unserem Magen, der sich schon knurrend bemerkbar machte und nach seinem Recht verlangte. Wir mussten uns aber noch gedulden, denn Mittagessen stand erst in Rabat, der zweiten Station unseres Ausflugs, auf dem Plan. Die Fahrt dorthin dauerte etwa eine Stunde und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass Casablancas Ausläufer bis nach Tanger reichen, die Stadt wollte und wollte einfach kein Ende nehmen. Aber nach ca. 80 Kilometern Fahrt erreichen wir die marokkanische Hauptstadt doch und Yussef machte uns richtig Appetit, als er uns erklärt, dass wir im Hotel "Golden Tulip Farah", einem 5-Sterne-Haus, speisen würden. Schon von Außen machte das Tulip einen sehr guten Eindruck. Auch die Umgebung mit den Palmen und dem schönen Ausblick ließen darauf hoffen, dass Costa bei der Wahl des Hotel-Restaurants ein glückliches Händchen hatte.

Im "Golden Tulip Farah" erwartete uns dann ein geradezu opulentes Bufett mit mehreren warmen Gerichten, Salaten und kleine Kuchenstückchen. Auch Wasser und Wein wurden gereicht. Wir waren davon sehr angetan, es hat geschmeckt, das Ambiente war sehr schön und einmal mehr reifte die Überzeugung, den richtigen Ausflug gewählt zu haben.

Dann scheuchte uns Yussef wieder in den Bus und das "Sightseeing" von Rabat begann. Rabat, die so genannte "weiße Königsstadt", am linken Ufer des Flusses Bou Regreg gelegen, ist mit seinen heute ca. 1,6 Millionen Einwohnern seit 1912 Hauptstadt von Marokko. Zunächst steuerten wird das Gelände des Königspalastes an, der in großen Teilen erst im 20. Jahrhundert vollendet worden ist. Schon von weitem sichtbar sind die grünen Dächer. Grün ist die Farbe des Islam, außerdem soll jeder sehen, dass die Herrscher-Dynastie der Alouiten auf dem Islam gründet. Der aktuelle König, Mohammed VI., reist seit seiner Thronbesteigung im Jahr 1999 von Palast zu Palast, sein Vater, König Hassan II., residierte hingegen noch überwiegend in dem beeindruckenden Palast, den Touristen allerdings nur von Außen besichtigen dürfen. Auch das war interessant genug. Die üppige, ja geradezu verschwenderische Dekoration der Portale und Torbögen im maurischen Stil bedient sich der Elemente marokkanischer Baugeschichte, die selbst über Jahrhunderte weitgehend unverändert geblieben sind.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Palast steht, man ist geneigt zu sagen "wie aus dem Ei gepellt", die Mosche El-Fahs, das Gebetshaus des Königs, das ebenfalls nicht von Innen besichtigt werden darf. Die Schönheit des Bauwerks läßt sich nur erahnen, aber eines dürfte sicher sein: wenn der Vorplatz schon wie ein riesiger frisch polierter Tisch wirkt, kann es Innen kaum schlechter sein. Man benötigt geraume Zeit, um die gesamte Anlage zu "ergehen". Yussef ließ sie uns glücklicherweise. Wir fotografierten nach Herzenslust und beobachteten das Geschehen vor dem Palast. Dabei erlebten wir eine Wachablösung, die aber keinesfalls so steif und militärisch streng wie z.B. vor dem Buckingham Palast ablief. Die Soldaten waren locker, auf Gleichschritt wurde nur nebenbei geachtet und man lachte und scherzte. Auch den einen oder anderen Palastdiener bekamen wir zu sehen. Sie sind unverkennbar gekleidet mit ihren weißen Djellabas, den Kapuzengewändern, den gelben Lederschuhen und den roten spitzen Kappen. Was diese Diener eigentlich wollten, blieb unklar. Vielleicht hatten Sie auch einfach nur Lust, frische Luft zu schnappen um anschließend wieder in den geheimen Gängen des Königspalastes zu verschwinden.

Wir verschwanden auch und zwar Richtung Mausoleum König Mohammed V. Hier ruhen der Großvater des heutigen Königs, sowie dessen verstorbene Söhne Moulay Abdallah und Hassan II. Der Sakralbau, dessen Schönheit gerühmt wird, stammt von dem vietnamesischen Architekten Vo Toan und wurde 1971 eingeweiht. Unter dem, natürlich grünen, pyramidenförmigen Dach kann der staunende Betrachter feinste Stuck- und Fliesenarbeiten bewundern. In der Kuppel befinden sich Glasfenster aus geschnitztem Mahagoni und der Sarkophag besteht aus weißem pakistanischem Onyx. Und das Beste daran ist: auch die "Ungläubigen" dürfen diese Ruhestätten betreten und sogar fotografieren. Dass man sich bei aller Euphorie und verständlichem Staunen ruhig verhalten soll, ist dabei eigentlich selbstverständlich.

Das eigentliche Wahrzeichen von Rabat ist jedoch nicht der Königspalast, auch nicht das wunderbare Mausoleum, sondern die "Tour Hassan", das unvollendete Minarett, das unmittelbar neben dem Mausoleum zu bewundern ist, was wir auch reichlich getan haben.

Der Hassan-Turm, der einst stolze 85 Meter in den Himmel ragen sollte, das Vorbild war das Minarett von Marrakesch, ist leider nur halb fertig geworden und "nur" 44 Meter hoch. Aber auch das ist beeindruckend genug. Der Turm wäre jedoch nur halb so schön, wäre er nicht von einer imponierenden Säulenstadt umgeben, die dem Ganzen einen eigenen Reiz gibt . Mit den Arbeiten zu dieser wahrlich gigantischen Anlage wurde bereits Ende des 12. Jahrhunderts begonnen und mit einem Grundriss von 183 x 139m wäre die damals zweitgrößte Moschee des Islam entstanden. Aber aus den hochtrabenden Plänen ist nichts geworden, die Residenz des Herrschers wurde nach Marrakesch verlegt und man gab die Pläne auf. Geblieben ist ein halbfertiger Turm, der so festgemauert scheint, als ob ihn nichts erschüttern könnte.

Wir verließen den Hassan-Turm und das Mausoleum mit einer gewissen Wehmut und freuten uns auf das letzte Ziel des Tages: die Kasbah des Oudaia. Ich weiß nicht, ob man im Zusammenhang mit einem Gebäude von "wohlproportioniert" sprechen sollte, aber auf das schmucke Eingangsportal der Kasbah trifft dieser Ausdruck zweifellos zu:

Schon vor dem Eingang herrschte reges Treiben. Eine handvoll junger Mädchen, bewaffnet mit Malwerkzeugen, stürmte förmlich auf unsere Gruppe los, um vorzugsweise die weiblichen Reiseteilnehmerinnen mit ihren "Henna"-Kunstwerken zu verschönern. Schließlich wartete zahlungskräftige Kundschaft, dachten sie. Yussef hatte uns jedoch schon vorgewarnt, wir sollten keineswegs auf das "günstige" Angebot eingehen, denn die Materialien wären alles andere als unschädlich. Abgesehen davon hatte ich auch nicht die Absicht, mich "verzieren" zu lassen. Darüber hinaus fiel mir noch ein heruntergekommener Einheimischer auf, der sich immer wieder von hinten an einige von uns heranschlich. Offensichtlich wollte er sein Glück als Taschendieb versuchen, aber selbiges war ihm an diesem Tag nicht hold. Wir hielten uns nicht lang hier auf, sondern machten uns gleich auf den Weg. Wir schlenderten noch ein wenig durch die romantischen Gässchen und erkundeten die Umgebung, natürlich nicht ohne auf die unvermeidlichen Fotos zu verzichten.

Es dämmerte allmählich und ein aufregender Ausflugstag neigte sich dem Ende zu. Wir hatten ungeheuer viel erlebt und waren glücklich, dass wir mit Yussef einen erfahrenen, leut- und redseligen Begleiter an unserer Seite hatten, der uns ein paar Geheimnisse seines faszinierenden Heimatlandes näher gebracht hat. Nach der späten Rückkehr im Hafen war es für ein Abendessen im Sinfonia schon zu spät. Wir entschieden uns daher, die Pizzeria auf Deck 12 (Butterfly) auszuprobieren. Wir hatten einen Riesenhunger und verschlangen daher gleich drei Pizzen zur Freude der Kellner und des Pizzabäckers. Um diese Zeit war es ruhig auf dem Butterfly-Deck und wir genossen daher noch das farbenprächtige Panorama mit der beleuchteten Moschee im Hintergrund:

Mit diesen letzten Eindrücken verlassen wir Casablanca und Rabat. Aber wer noch einige Bilder sehen möchte, der kann mit dem folgenden Link auf "Sightseeing-Tour" gehen:

Fotoshow Rabat
Start Reisebericht Agadir

Reiseberichte.com