In Teil 8 des Reiseberichts erreichen wir das nördlichste Ziel unserer Reise: das Nordkap. Von unserem letzten Campingplatz in Skibotn fahren wir auf der E 6 unaufhörlich nach Norden. Bei Olderfjord wechseln wir auf die E 69. Schließlich erreichen wir auf der Insel Mageroya den Nordkapfelsen. Am nächsten Tag verlassen wir das Nordkap-Areal und fahren auf der E 69 bzw. später auf der 94 nach Hammerfest.

Montag, 03.07.2017

Tagesziel: Nordkap, gefahrene Kilometer: 523, Übernachtung auf dem Nordkap-Parkplatz (kein Strom), Eintritt Nordkap: 540 NOK = 57,26 Euro

 

 

 

 

Der Regen, der irgendwann in der Nacht einsetzte, weckte uns auch am Morgen. Ein Grund mehr, schnell das Weite zu suchen. Sonja duschte allerdings vorher noch und fand dann auch ein Haar in der "Vier-Sterne-Campingplatz-Suppe". In den Duschräumen gab es keine Steckdosen für Fön etc. Tatsächlich ein Schwachpunkt. Ich war in der Zwischenzeit mit der chemischen Toieltte und dem Frischwassertank beschäftigt. Ein Kontrollblick auf www.yr.no bestätigt unverändert Sonnenschein am Nordkap ab etwa 17.00 Uhr bis Mitternacht. Damit war klar, dass wir vom ursprünglichen Plan erneut abweichen, denn Sonne an diesem geradezu mystischen Felsen kann man sich einfach nicht entgehen lassen, wenngleich ich zugeben muss, dass eine Tagesroute von mehr als 500 Kilometern schon verdammt lang ist, zumal die E 6 nicht gerade eine Vorzeigestraße ist.

Dass die Norweger Meister im Tunnelbau sind, wurde schon häufiger erwähnt. Auch heute kommen wir wieder an zwei drei Baustellen vorbei, eine hatte eine unglaubliche Länge von 23 Kilometern, wo große Projekte im Entstehen sind. Das kostet natürlich auch Zeit und so muss ich an diesem Tag auf eine Waffel verzichten. Als wir bei Olderfjord die E 6 verlassen und auf die E 69 wechseln, macht mein Herz vor Freude ein paar Luftsprünge. Der Grund: Sonne über dem Eismeer. Die letzten 100 Kilometer zum Nordkap fallen mir da gleich viel leichter.

Auch wenn noch ein sehr unangenehmer Tunnel zu durchfahren ist, der wirklich extrem eng ist, steigt die Vorfreude unvermindert an. Mein Blick wechselt ständig zwischen der uns begleitenden dichten Wolkendecke über uns und dem blauen Himmel vor uns. Wer wird dieses Duell am Ende gewinnen?

Auf den obigen Bildern kann man sehr schön die Entwicklung des Wetters mitverfolgen. Auch die karge Landschaft, man sieht nur vereinzelt Häuser oder ein Trockengestell, ist in ihrer Einfachheit und Ruhe durchaus reizvoll.

Als wir 2009 den Nordkaptunnel durchfuhren, mussten wir noch dafür bezahlen. In diesem Jahr ist die Durchfahrt kostenfrei, das haben wir dem cleveren System der Norweger zu verdanken. Danach sind Verkehrsprojekte mit einem entsprechenden "Wegezoll" zu finanzieren, bis sie abbezahlt sind. Der 6.870 Meter lange Nordkaptunnel ist mautfrei, immerhin schon mal eine gute Nachricht.

Als wir an Honningsvag vorbeifahren, sehe ich ein Exemplar der Mein Schiff-Flotte vor Anker liegen. Sonja schießt ein Foto für mich. Aber viel eindrucksvoller als dieses Kreuzfahrtschiff der neuesten Generation ist die Landschaft, sie ist der eigentliche Star dieser Gegend.

Gegen 18.00 Uhr kommen wir schließlich auf dem großen Nordkap-Parkplatz an. Von weitem erkennen wir, dass er schon gut gefüllt ist.

Der Preis von 540 NOK für das 24-Stunden-Ticket ist jetzt zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber angesichts der sonnigen Aussichten nur eine Randnotiz. Meine Müdigkeit ist wie weggeblasen und so stellen wir unser Womo in die Reihe der anderen und machen uns unverzüglich auf zum "Sehnsuchtsziel 2017".

Da um diese Zeit noch keine Passagiere von irgendwelchen Kreuzfahrtschiffen hier sind, gehört uns der Nordkap-Globus fast allein. Was für ein tolles Gefühl! Natürlich machen wir gerade hier Fotos ohne Ende: den Globus von vorne, von der Seite, aus der Nähe, aus der Ferne. Viele davon landen dann wieder im Papierkorb. Für den Nordkapfelsen gilt Ähnliches.

Damit es nicht langweilig wird, wechseln wir auch immer wieder den Standort, werfen einen Blick in die Nordkaphalle, in der u.a. ein Flügel steht, der auch gerne von dem einen oder anderen mehr oder weniger begabten Klavierspieler "malträtiert" wird.

Im angrenzenden ebenso unvermeidlichen Souvenirshop erstehen wir neben einem T-Shirt auch Postkarten, die ich im Anschluss ausfülle und in den Briefkasten am Eingang werfe. Wir tauchen ein in die Katakomben der Nordkaphalle, ein in den Fels gebautes Erlebniszentrum. Hier sehen wir uns zum wiederholten Mal einen spektakulären Panoramafilm an und besuchen das Thai-Museum, das sich ebenfalls hier befindet.

Auf dem Weg zum Thai-Museum kommen wir auch an ein paar niedlichen Puffins vorbei, die ganz still da sitzen und sich ablichten lassen.

Na schön, ich gebe es ja zu, die sind nur ausgestopft. Aber nachdem wir auf Runde nicht ansatzweise so nah an diese putzigen Vögel heran gekommen sind, waren wir für jeden akzeptablen Ersatz dankbar. In der Nordkaphalle begegnen wir dann auch noch unseren speziellen besonderen norwegischen Freunden, den Trollen.

Dann gehen wir wieder raus in die Kälte zum Denkmal "Kinder der Welt", das von sieben Kindern aus verschiedenen Teilen der Welt geschaffen wurde und Freundschaft, Zusammenarbeit, Hoffnung und Freude über die Grenzen hinweg symbolisieren soll. 

Hier vergeht die Zeit buchstäblich wie im Flug und die Anstrengungen der Anreise sind längst vergessen. Im Laufe der Stunden kommen immer mehr Menschen zum Nordkap-Globus und plötzlich bemerke ich an mir einen ganz eigenartigen Stimmungswandel. Ich stehe am Geländer mit dem Blick auf die Weiten des Eismeers und bemerke die Menschen um mich herum gar nicht mehr. Mit meinen Gedanken bin ich plötzlich ganz weit weg vom Gewusel der Kreuzfahrer, dem Gekreische einiger Dauer-Selfie-auf-Facebook-Hochlader, und sehe einige Stationen meines Lebens Revue passieren. Das ist einer dieser wahrlich mystischen Augenblicke, die man nur an ganz wenigen Orten erlebt. Das Nordkap ist einer davon.

Aber dann kehre ich wieder in die Gegenwart zurück. Das Farbenspiel am Himmel und am Wasser ist zu beeindruckend, als das man es ignorieren könnte.

Man mag sich gar nicht losreissen von dieser Szenerie mit dem imposanten Farbenspiel und doch ist uns ein Tanz der Sonne am Horizont nicht vergönnt. Die Wolkendecke hat es nun bis an den Rand des Horizonts geschafft. Gegen 23.45 Uhr machen wir die letzten brauchbaren Aufnahmen.

Wir stehen noch eine Zeitlang staunend auf dem Plateau und versuchen all die Eindrücke aufzusaugen und mitzunehmen. Gegen 00.30 Uhr kehren wir zurück zu unserem Wohnmobil. Ein fantastischer Tag mit unvergesslichen Erinnerungen liegt hinter uns und weil viele Bilder einfach zu schön sind, um sie auf der Festplatte unbeachtet zu lassen, habe ich noch ein gesondertes Album angelegt.

Zu denen, die ganz genau aufpassen, wer kommt und geht, gehören auch diese beiden, die aufmerksam verfolgen, ob Frauchen und Herrchen bald zurück kommen.

Bei all den Eindrücken war es dann auch egal, dass wir auf dem Parkplatz des Nordkapareals keinen Strom haben. Wir schlafen auch so ganz hervorragend.

Dienstag, 04.07.2017

Tagesziel: Hammerfest, gefahrene Kilometer: 227, ÜN:  Storvannet Camping Hammerfest (30 Euro bar inkl. Strom)

 

 

 

Heute war ausschlafen angesagt, denn der lange gestrige Tag forderte schließlich doch seinen Tribut. Überdies versäumten wir nichts, denn www.yr.no lag wieder einmal goldrichtig mit der Vorhersage. Leider. Als ich aufwache sehe ich: Nichts! Meine erste Reaktion: "Du, die sind alle weg!" sage ich zu Sonja und bemerke erst dann, dass die anderen Wohnmobile durchaus noch da sind, ich habe sie in der Nebelsuppe lediglich nicht gleich gesehen.

Mit der Morgentoilette in der Nordkaphalle warten wir zu lange, weil wir der Annahme unterliegen, die Sanitäranlagen könnten erst um 11.00 Uhr, also ab Öffnung der Nordkaphalle benutzt werden. Tatsächlich ist das aber bereits ab 06.30 Uhr möglich. Wir müssen aber aufpassen, dass wir den Weg zur Nordkaphalle auch finden und nicht versehentlich gegen eine Glastür rennen.

Na ja, beim nächsten Mal wissen wir das dann auch. Wegen des grottenschlechten Wetters müssen wir wenigstens nicht lange überlegen, was wir an diesem Tag machen. Auf alle Fälle weg von hier.

Noch nachträglich freuen wir uns wie kleine Kinder über den gestrigen Glückstag und bedauern jene ein wenig, die erst heute oder morgen am Nordkap ankommen würden. Da wir Zeit haben, frischen wir unsere Erinnerungen an die erste Nordkapreise im Jahr 2009 auf und machen uns auf den Weg nach Skarsvag, dem angeblich nördlichsten Fischerdorf der Welt. Zuerst machen wir einen kurzen Abstecher zu unserem damaligen Quartier, dem Mini-Pris-Motelett. Das gibt es in dieser Form schon seit einigen Jahren nicht mehr, jetzt firmiert das Haus unter "North Star Fishing Camp".

Das Häuschen ist immer noch so klein und schnuckelig wie damals und auch der Hafen hat nichts von seinem Charme verloren, wenngleich das Wetter nicht gerade einladend ist.

In Skarsvag haben sie darüber hinaus noch eine andere"Sehenswürdigkeit" und zwar Heidi's "Jul und Vinterhus". Wie der Name schon sagt, ist hier das ganze Jahr über Weihnachten. Das Vinterhus wird auch von Kreuzfahrtpassagieren besucht, die Ausflüge zum Nordkap unternehmen. Als wir kommen, sind nur eine handvoll Gäste da und wir können nach Herzenslust herum stöbern. Erleichtert wird uns das durch eine frisch zubereitete Waffel und eine Tasse Kaffee.

Für zwei Personen kostet uns das Vergnügen 100 NOK, da gibt es keinen Grund zu meckern. In der Hoffnung, das eine oder andere Kreuzfahrtschiff ablichten zu können, fahren wir dann auch noch die paar Kilometer nach Honningsvag. Dort wartet die "Kong Harald" vermutlich auf die Passagiere, die auf einem Ausflug zum Nordkap unterwegs sind. Im Übrigen erscheint uns die Stadt heute noch hässlicher als bei schönem Wetter. Hier wirkt vieles herunter gekommen und ungepflegt, kein Ort, an dem man sich länger aufhalten möchte. Wir machen noch ein Foto vom Riesentroll, der vor dem großen Souvenirgeschäft im Hafengelände steht und fahren dann auf der E 69 weiter nach Süden.

Bei Skaidi biegen wir dann auf die 94 nach Hammerfest ab. Eine Schnapsidee, wie sich später herausstellen sollte. Die Stadt begrüßt uns mit einer durchgehenden Wolkendecke und kühlen 9 Grad, auch ein starker Wind pfeift um alle Ecken. Wir machen einen kurzen Abstecher zur Tourist-Info, wo man sich auch beim Eisbärenclub anmelden kann, aber irgendwie sind wir nicht in der rechten Stimmung. Nach einigen Pflichtfotos verschwinden wir wieder in die Kälte.

Bevor wir den Campingplatz ansteuern, fahren wir kurz zur wirklich sehenswerten Kirche. Auf der Suche nach einem Parkplatz beachte ich das Rechts-vor-links-Gebot nicht und hätte beinahe einen schweren Crash verursacht. Der betroffene norwegische Autofahrer reagiert aber glüchklicherweise schnell und es passiert nichts. Also merke: wer in Hammerfest abseits der Hauptstraße unterwegs ist, sollte IMMER die "Rechts-vor-links-Regel" beachten. Mit dem Parkplatz klappt es dann aber doch, denn außer uns, so das Gefühl, sind an diesem ungastlichen Tag keine Fremden in der Stadt unterwegs.

In der Kirche sind wir die einzigen Besucher und können daher fotografieren, ohne darauf achten zu müssen, ob jemand ins Bild läuft. Die Dreiecksform der Kirche soll übrigens an die Trockenfischgestelle erinnern, von denen sich der Architekt Harald Magnus inspirieren ließ. Unser nächstes Ziel ist der Campingplatz Storvannet, der zwar sehr idyllisch am Wasser liegt, aber ansonsten nicht viel zu bieten hat. Immerhin habe wir Strom, Toiletten und eine funktionierende Dusche und das zu einem Preis von 30,00 Euro, die wir merkwürdigerweise in bar bezahlen müssen. Angeblich würde das Kreditkartengerät nicht funktionieren. Auch das passt irgendwie zum heutigen Tag, der eher zum vergessen ist.

Die Tage in Norwegen neigen sich mit dem Aufenthalt in Hammerfest ihrem Ende zu. Morgen werden wir die Grenze zu Finnland überqueren und den Weihnachtsmann in Rovaniemi besuchen. Wenn Sie Lust haben, begleiten Sie uns doch einfach.

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