Tag 2: Lindos, Monolithos, Prassonisi, Kap Fourni

Wer Rhodos sagt, denkt auch an Lindos. Während viele Touristenzentren schon froh sind, über eine Attraktion zu verfügen, protzt Lindos gleich mit mehreren. Man ist daher gut beraten, wenn man sich schon sehr früh auf den heißen Weg macht.

Wir starteten die zweite Tagestour von unserem Hotel, dem Calimera Porto Angeli, am Montagmorgen um 8.00 Uhr, wollten wir doch unbedingt vor den zu erwartenden Touristenströmen vor Ort sein. Auf der Küstenstraße waren es auch nur etwa 22km, die wir zurückzulegen hatten. Nach kaum einer halben Stunde erreichten wir Lindos, das im 8. Jahrhundert vor Christus zusammen mit Kamiros und Jalyssos zu einem der drei mächtigsten Stadtstaaten auf Rhodos aufgestiegen war. Einen ersten Halt sollte man freilich schon einlegen, bevor man den Parkplatz erreicht, etwa einen Kilometer Luftlinie von Lindos entfernt. Hier kann man völlig gefahrlos an den Seitenstreifen fahren und nach Herzenslust fotografieren. Sie werden nicht die Einzigen sein!

 

Erfreuen Sie sich an dem großartigen Panorama, das Ihnen Lindos zu bieten hat: die Akropolis mit den mittelalterlichen Zinnen seiner Festung, die herrlichen weißen Häuser, die sich wie ein schutzsuchendes Kleinkind an den mächtigen Bergblock anschmiegen und natürlich die Pallas-Bay mit den einzigartigen Badeplätzen und dem türkisblauen, an manchen Tagen spiegelglatten Wasser. Derart eingestimmt ist man gespannt darauf, wie die Stadt aus der Nähe aussieht. Der Parkplatz befindet sich oberhalb der Stadt. Lindos selbst ist autofreie Zone. Lediglich die Taxen fahren wie geschäftige Ameisen unablässig von oben nach unten und umgekehrt. Der kurze Fußmarsch vom Parkplatz nach unten ist allerdings nicht so anstrengend, dass man unbedingt eines Taxis bedürfte. Um 8.30 Uhr standen wir dann staunend vor der „Esel-Garage“. So nenne ich salopp den Platz an dem die vierbeinigen Träger bereit sind, um ihre gehfaule Truppe aufzunehmen. Es hat aber nicht nur mit Faulheit zu tun, denn der Ritt mit dem „Lindos“-Taxi ist eine Attraktion für sich. Wir waren tatsächlich die ersten Touristen an diesem Morgen, die die freie Wahl hatten.

Ich habe sie nicht gezählt, aber ich denke so um die 30 Tiere werden es wohl gewesen sein, die da gelangweilt auf ihre Fracht warteten. Fünf Euro kostete das Vergnügen.

Der Eingang zur Akropolis (Mo 1.20 – 18.40 Uhr, Di. – So. 8 – 18.40 Uhr) war fast menschenleer. Zum Eintrittspreis kann ich nichts sagen, denn aufgrund eines kirchlichen Feiertages mussten wir wieder nichts zahlen. Auch die Touristenmassen blieben uns um diese frühe Zeit noch erspart. Schnellen Schrittes stiegen wir daher hinauf und erfreuten uns an der Burg, die vom Johanniterorden 1312 erbaut wurde, unter Federführung des Großmeisters Pierre d’Aubusson, der auch in Rhodos-Stadt seine Spuren hinterlassen hat.

Die Akropolis von Lindos bietet ein Sammelsurium von Bauwerken, die Byzantiner, Johanniter und Osmanen hinterlassen haben. Wenn man die steile Treppe zum Torturm der Johanniterfestung hinaufsteigt, kommt einem unweigerlich der Gedanke, dass die Menschen damals sicher nicht an Übergewicht gelitten haben. Es war ein beschwerliches Leben, im wahrsten Sinne des Wortes ein Auf und Ab, das hier geherrscht hat. Im Herzen der Burg angekommen, verschwendet man daran aber keinen Gedanken mehr. Zu beeindruckend sind die Aussichten nach allen Seiten, zu blau ist der Himmel, zu faszinierend das an diesem Tag fast glatte Meer.

Aber Lindos klotzt nicht nur mit der Akropolis, zu empfehlen ist auch ein Besuch des antiken Theaters, das in der Antike 1.800 Zuschauern Platz bot und das sich am Fuße des Akropolisfelsen befindet, gleich neben den allgegenwärtigen weißen Häusern, die für sich betrachtet schon die nächste Attraktion darstellen. Genauso wie die Pallas Bay und die Apostel Paulus Bucht.

Diese einzigartigen Panoramen waren es auch, die uns veranlassten, Lindos bei Nacht einen weiteren Besuch abzustatten. Da wir, wie oben bereits einmal erwähnt, den Wagen schon um 20.00 Uhr am Vorabend zur Verfügung hatten, wollten wir uns diese Möglichkeit nicht entgehen lassen und haben uns verzaubern lassen von den unzähligen Lichtern, die diese Stadt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden ließen.

Von Lindos, wo wir einen Aufenthalt von etwa zwei Stunden einkalkuliert haben, geht die Fahrt weiter Richtung Süden über Lardos, Kiotari, Gennadi nach Kattavia, das wir jedoch rechts liegen lassen. Hier heißt es aufpassen, denn sonst verpasst man die völlig unscheinbare nach links abgehende Abfahrt zum „Prasonisi Beach“. Bis zur Abzweigung sind es ca. 35km und von dort dann noch etwa sieben Kilometer bis zu unserem zweiten Tagesziel

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Prasonisi

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Wenn man die letzte Anhöhe überwunden hat, muss man nur noch einer relativ flach nach unten führenden Straße folgen. Aber man sieht die einem Ameisenheer gleich nach unten wuselnde Blechkarawane der Pandas, Micras und Atos natürlich schon früher. Auf dem größten Parkplatz der Welt, dem Strand von Prasonisi, kommen dann alle Leihautos, die Rhodos aufzubieten hat, zum Stillstand. Wir haben es geschafft, reihen unseren Wagen ein in die nicht enden wollende Karawane derer, die sagen können: Wir haben Rhodos „wirklich“ gesehen, denn wir waren am „most southern point“ der Insel.

Was ist nun so besonders an Prasonisi?

Nun, es ist schon ein beinahe bizarres Schauspiel, das sich hier bietet. Immerhin fließen hier zwei Meere, wenn man so will, ineinander. Auf der einen Seite die Ägäis, auf der anderen das lykische Meer. Und das Zusammenspiel, das sich beide liefern, ist in der Tat spektakulär. Nicht umsonst geben sich hier Surfer und Kiter die Klinke in die Hand. Die Winde sind rekordverdächtig und ich empfehle, den Mund, und sei es nur zum Staunen, nicht zu öffnen. Man könnte eine Wagenladung Sand abbekommen, eine derartige Brise pfeift hier um die Ecke.

Die Wellen liefern hier wirklich ein Erste-Klasse-Spiel, die Gischt wartet mit ständig neuen Formationen auf und fast scheint es, als haben die beiden Meere Berührungsängste. Aber die Natur hatte eben anderes vor und so kann man diese Sanddüne, die das Festland mit dem Inselchen Prasonisi verband, nicht mehr trockenen Fußes begehen. Wir haben aber dennoch viele Urlauber gesehen, die unerschrocken, lediglich mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch das Wasser gewatet sind und ..... am Ende doch hüfthoch im feuchten Element standen.

Nachdem wir unser sandgestrahltes Auto erreicht hatten und losfahren wollten, erlebte ich selbst eine böse Überraschung. In der Annahme, einfach das in Fahrtrichtung geparkte Fahrzeug fortbewegen zu können, startete ich frohen Mutes, legte den ersten Gang ein, fuhr los .... und stand nach drei Metern im Sand von Prasonisi. Die Umstehenden, die mein Tun beobachteten, hatten derartig Kurzweiliges erwartet und bogen sich vor Lachen. Ich war wohl der nicht der Erste, dem dieses Missgeschick passierte und wohl auch nicht der Letzte. Es bedurfte allerdings dann nur einer kurzen bittenden Geste meinerseits und ein paar helfende Hände schoben unseren Panda flugs raus auf festeren Boden. 

Wir konnten unsere Fahrt fortsetzen, fuhren die sieben Kilometer zur Abzweigung nach Kattavia, wo wir dann links abbogen und fortan an der Westküste von Rhodos entlang fuhren, unserem nächsten Ziel entgegen:

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Monolithos

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Auf dem Weg nach Monolithos, der etwa 30km schnurstracks nach Norden führt, kommen wir auch an Apolakkia vorbei, das von Olivenhainen umgeben ist. Der Ort selbst bietet keine Besonderheiten, so dass wir einfach weiter gefahren sind, denn wir wollten unbedingt die grandiose Aussicht der Felsenburg am Südhang des Akramitis (825m) geniessen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Wenn ich hier von Monolithos spreche, ist die Rede von der Felsenburg, die auf einem Bergkegel in etwa 240m Höhe thront, genauer gesagt vom Kastro Monolithos. Zuvor durchfahren wir die Ortschaft Monolithos, die selbst vernachlässigt werden kann. Die letzten Kilometer zur Felsenburg sind für sich gesehen schon wieder ein Erlebnis. Kurz nach Verlassen des Ortes folgen wir der guten Beschilderung, dann geht es über Serpentinen abwärts bis zu einem Parkplatz. Von dort führt ein relativ steiler Treppenweg zum Kastro. Oben angekommen heißt es dann wieder „Klick, klick, hurra!“, denn ab sofort werden die Fotografenherzen höher schlagen. Geboten wird ein Panoramablick über die gesamte Westküste. Einmalig!

Eine kleine schneeweiße Kapelle lädt zu einem kurzen Gebet ein. Lassen Sie sich Zeit und schlendern Sie ein wenig umher, denn es besteht die Gefahr, das Gewölbe der noch teilweise erhaltenen Kirche Agios Pantelemon zu übersehen. Von dort drinnen kann man schöne Fotos schießen mit einem wunderbaren Bildausschnitt, weil die hintere Mauer fehlt. Die zum Teil gut erhaltenen Neubauten stammen, wie so Vieles, aus der Johanniterzeit und auch für das Kastro Monolithos war der Großmeister Pierre d’Aubusson verantwortlich.

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Kap Fourni

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Nachdem wir den fantastischen Panoramaausblick am Kastro Monolithos ausgiebig genossen haben, machen wir uns weiter auf den Weg zum Kap Fourni. Dort finden sich noch antike Spuren wie eine Höhlenkirche und Grabkammern. Am Zielpunkt angekommen erwarten den Besucher nicht nur eine felsgesäumte Sand-/Kiesbucht, sondern auch heftige Windböen.

Sehenswert am Kap Fourni ist vor allem der verfallene Turm, der vermutlich in frühchristlicher Zeit als Leuchtturm diente. Da seine Form an einen rhodischen Backofen („fournos“) erinnert, stand er Pate für die Namensgebung des Kaps. Neben den Ruinen aus der Antike finden sich aber natürlich auch Sonnenanbeter, die die Abgeschiedenheit und das klare Meerwasser einfach nur genießen.  

Tag 2 unserer Rundreise neigt sich damit dem Ende zu. Über Monolithos, Apolakia, Gennadi, Kalathos und Archangelos machen wir uns auf den Rückweg nach Porto Angeli in unser Hotel. Wenn sie auch noch bei der dritten Tagesetappe dabei sein wollen, dann klicken Sie einfach auf den entsprechenden Link:

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