Sonntag, 4. September 2011

Von Warnemünde bis nach Kopenhagen, unserer ersten Kreuzfahrt-Station, sind es lediglich 226 Seemeilen, ein Spaziergang sozusagen. Die erste Nacht haben wir ganz wunderbar geschlafen, die Matratzen sind ideal und wenn man beim Rauschen des Meeres auch noch in der ersten Reihe ist, dann sind die Träume gleich noch viel schöner. Kapitän Giuseppe Russo führte die Costa Atlantica durch ruhige Gewässer und wir kamen überpünktlich in der Hauptstadt von Dänemark an. Hier, in der Heimat der weltbekannten kleinen Meerjungfrau, waren wir im Rahmen unserer großen Skandinavien-Rundreise im Jahr 2009 das erste Mal. Kopenhagen, auf Dänemarks größter Insel Seeland gelegen, zählt heute ca. 540.000 Einwohner und ist ein wahrer Touristenmagnet. Als wir die Stadt im Jahr 2009 "erobern" wollten, hatten wir mit dem Auto größte Probleme. Parkplatz? Utopisch! Fahren? Selten. Eine Annäherung mit dem Schiff war daher doch einmal etwas anderes. Wir waren deshalb gespannt, ob uns die dänische Hauptstadt auch im Jahr 2011 noch mit ihrem Charme verzaubern würde. Die Neugier trieb uns daher schon gegen 6.45 Uhr auf den Balkon, um erste Fotos zu machen. Die waren allerdings noch nicht allzu vielversprechend.

Immerhin blinzelte uns die Sonne schon vorsichtig zu und so gingen wir erst einmal ins Tiziano zum frühstücken. Das erste Frühstück an Bord der Costa Atlantica im Bedienrestaurant wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen. Wir genießen den vorbildlichen Service, das Glück, vielleicht an einem Fenster einen Platz zugewiesen zu bekommen und womöglich den Vorzug mit dem einen oder anderen Passagier ins Gespräch zu kommen. Alles klappt, fast wie bestellt. Erwartet werden wir von einer Armada bestens gelaunter Waiter und Waiterinnen und einen Fensterplatz bekommen wir tatsächlich. Eine höflich mit einem Lächeln begleitete Bitte wirkt manchmal wahre Wunder.

Ohne Hektik und Trubel, die im Selstbedienungs-Restaurant fast unvermeidlich ist, bekommen wir hier unseren Kaffee serviert. Auch Orangensaft wird, gerne auch mehrfach, sehr schnell geliefert. Brötchen, Weißbrot, Marmelade, Wurst, natürlich Melonen und Ananas satt holt man sich selbst am Büffet. Eierspeisen, auch mit Lachs, ordert man beim Waiter. Die Auswahl ist überraschend groß und für die Skeptiker unter den Lesern habe ich hier eine Frühstückskarte eingefügt:

Für Kopenhagen hatten wir keinen Ausflug gebucht, weil wir die Stadt von unserem Besuch schon ein wenig kannten. Problematisch war allein die Fahrt ins Zentrum. Da der Liegeplatz der Costa Atlantica im  "Frihavn" war, wäre ein Fußmarsch viel zu weit gewesen. Zur kleinen Meerjungfrau ca. 2km. Wir erkundigten uns daher bei der deutschen Hostess Dietlinde nach einem Hop on-Hop off-Bus. Sie empfahl uns den Kauf eines Shuttlebus-Tickets von Costa. Da wären wir auf der sicheren Seite, so die Aussage der Hostess. Wir investierten also die 10,00 Euro pro Person und bemerkten den Fehler unmittelbar nach Verlassen des Terminals. Auf der anderen Straßenseite stand schon ein Hop on-Hop off-Bus von "City Sightseeing" bereit. Ärgerlich! Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns für den "Hoppel-Bus" und zahlten zähneknirschend 22,00 Euro. Aber Vorsicht: Dänemark gehört noch nicht zur Euro-Zone. Es empfiehlt sich daher, etwas dänsiches Geld zu wechseln. Im Bus nahmen sie zwar auch Euro, aber bei größeren Scheinen läuft man immer Gefahr, beim Wechselkurs über den Tisch gezogen zu werden. Weil wir nicht wussten, wo genau der Shuttlebus überhaupt hält und wir einige Highlights unbedingt sehen wollten, hakten wir die 20,00 Costa-Euro unter "Erfahrung" ab. Im Urlaub soll man bekanntlich jeden Ärger vermeiden.

Nachdem noch einige andere Costa-Passagiere zur Mitfahrt überredet wurden, ging es los. Sehr weit kamen wir mit unserem schönen roten Bus, der mit sehr guten Kopfhörern ausgerüstet war, aber nicht. Es war Sonntag und am Kreuzfahrtterminal "Langelinie" lagen gleich zwei Schiffe: eine AIDA und eines von der MSC-Flotte.

Es dauerte ewig, bis unser roter Hoppel-Bus sich hier durch den wuseligen Touristenverkehr gekämpft hatte. Der nächste Halt war dann bei der kleinen Meerjungfrau. Hier stiegen wir jedoch nicht aus, denn der Bus wäre wenig später schon wieder gefahren, das Motiv wollten wir uns daher für die Rückfahrt aufheben. Es ist wirklich schade, dass Costa in Kopenhagen derart weit vor der Stadt liegt mit seinen Kreuzfahrtschiffen. Aber das war nun nicht zu ändern und wir machten das Beste daraus. Im Churchill-Park, der sicher nicht zu den touristischen Attraktionen zählt, kann die Sankt-Albans-Kirche und dem davor liegenden Gefion-Brunnen aber durchaus glänzen. Die Lage ist hervorragend, man wähnt sich in einem großen Park, fernab jeglicher Großstadthektik. Aber sehen Sie selbst:

Einige Schnappschüsse und 15 Minuten später ging die Fahrt auch schon wieder weiter. Es war wirklich mächtig was los an diesem Sonntag in Kopenhagen. Wir beschlossen daher, eine Weile im Bus zu bleiben und uns über die Kopfhörer berieseln zu lassen. Irgendwann mussten wir dann umsteigen, weil wir die Route zu Schloss Rosenborg fahren wollten, in der Hoffnung, hier auf weniger Menschenmassen zu treffen. Die Idee war auch goldrichtig. Der Bus hielt unmittelbar vor dem Lieblingsschloss von Christian IV., das mit seinen Türmen und Türmchen wirklich märchenhaft aussieht.

Im Park vor Schloss Rosenborg liegen viele Besucher im Gras, spielen mit ihrem Hund oder tollen mit ihren Kindern. Ein beliebter Treffpunkt der Kopenhagener, die sich das Areal aber natürlich mit vielen Touristen teilen müssen. Zum Glück ist die Parkanlage wirklich sehr weitläufig und ein Besuch absolut empfehlenswert. Wir wollten das gute Wetter nutzen und Dänemarks Hauptstadt zu Fuß erkunden. Zwischendurch besserten wir in einem Supermarkt (ALDI ist auch hier zu finden!) unseren Getränkevorrat auf. Dann schlenderten wir weiter  über Kongens Nytor (Neuer Königsplatz, wo im Mittelalter der Galgen stand) nach Nyhavn. Zwischendurch taten wir noch ein gutes Werk und schenkten einem älteren (Touristen)-Ehepaar ein paar Kronen, damit sie sich bei Aldi etwas zu trinken kaufen konnten. Es ist nie verkehrt, wenn man sich vor Antritt einer Reise auch erkundigt, ob man nicht für das eine oder andere Land Fremdwährungen mitnehmen sollte!

Die bunt gestrichenen Kaufmannshäuser bringen den Zeigefinger an der Digitalkamera in ordentliche Wallung. Ein herrliches Bild: Häuser in allen denkbaren Farben, links und rechts liegen kleine und große Boote im Hafen und am Straßenrand locken Restaurants die hungrigen Sparziergänger und Touristen. Ganz billig ist der Spaß hier jedoch nicht, wir haben uns daher eine Rast verkniffen. Überdies kann man sich an den unzähligen Fotomotiven in Nyhavn ohnehin nicht satt sehen.

Ursprünglich war eine Fahrt mit einem dieser Ausflugsboote geplant. Aber im Laufe des Tages frischte der Wind doch so stark auf, dass wir darauf verzichteten. Ähnliches hatten wir ja im Jahr 2009 genießen dürfen, der Verzicht wog daher nicht so schwer.

Allein in Nyhavn könnte man einen ganzen Tag verbringen. Hier wird dem verwöhnten Touristenauge so viel Abwechslung geboten, wie das eben nur in einer europäischen Metropole möglich ist. Von Nyhavn führte uns der Weg am Wasser entlang Richtung Schloss Amalienborg.

Das Bild zeigt das "Palais Chistians IX.", hier ist die Stadtresidenz von Dänemarks Königin Margrethe II. Die Standarte am Dach weist darauf hin, dass die Monarchin anwesend ist. Aus unerfindlichen Gründen hatte sie jedoch keine Zeit für uns. Jeden Tag um 12.00 Uhr findet die Wachablösung statt, wenn die königliche Familie im Palast ist. Wir waren leider zu spät dran und konnten das Spektakel daher nicht verfolgen.

Die so genannte "Goldene Achse", auf der Marmorkirche und Amalienborg liegen, wurde um die neue Oper, die ein architektonsiches Glanzlicht der Neuzeit ist, erweitert. Dankenswerterweise haben die Erbauer schon an die Touristen gedacht, die all das einmal fotografieren wollen. In diesem Bereich ist Kopenhagen einmal mehr die Stadt der Fußgänger. Autofahrer haben es hier schwer und man kann eigentlich nur allen raten, die Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden.

Das Opernhaus wurde im Januar 2005 eröffnet. Es bietet 1.700 Zuschauern Platz und ist u.a. mit 100.000 Stück Blattgold bedeckt. Wir müssen uns mit einem Blick von "Toldbodgade"  zum Ufer des Holmen begnügen.

Wir wenden uns von der Oper ab und machen uns auf den Weg zur Marmorkirche. Die Kuppel ist dem Petersdom nachempfunden und hat 31 beeindruckende Meter Durchmesser zu bieten, damit ist sie eine der größten Europas. Das folgende Bild darf daher auch in keinem Reiseführer und erst recht nicht in meinem Bericht fehlen.

Von der Marmorkirche nur einen halben Steinwurf entfernt ist die Alexander-Newski-Kathedrale. Hierbei handelt es sich um eine russisch-orthodoxe Kirche, die 1884 erbaut wurde und mit ihren vergoldeten drei Zwiebeltürmen ein markantes Ausrufezeichen setzt. Die Kirche ist nicht so ohne weiteres zu besichtigen. Wir haben unser Glück einfach versucht und siehe da: die Tür war offen. Wir sind in den ersten Stock, wo sich die eigentliche Kirche befindet und wurden Zeuge einer russisch-orthodoxen Kindstaufe. Etwa 30 bis 40 Gläubige in festlichen Gewändern hatten sich eingefunden, mittendrin ein Baby. Eine sehr schöne, ja fröhliche Zeremonie, spielte sich hier vor unseren Augen ab. Wir spürten aber sehr schnell, dass wir hier im Grunde nichts verloren hatten und haben die Kirche daher nach wenigen Minuten wieder verlassen.

Am Himmel waren zwischenzeitlich größere Wolkenfelder aufgezogen, der Sommer schien sich zu verabschieden. War etwa eine Schlechtwetterfront im Anmarsch? Diese Ahnung sollte sich leider noch bewahrheiten. Jetzt gingen wir aber erst einmal zur Haltestelle des Hoppel-Busses, die in unmittelbarer Nähe zur Marmorkirche lag. Wir hatten schließlich noch ein Fotoshooting mit dem bekanntesten Modell Kopenhages auf unserer "To do"-Liste stehen. "Die Kleine Meerjungfrau" ist glücklicherweise nicht so launisch wie ihre menschlichen Geschlechtsgenossinnen, sie verändert ihren Standort nicht, ist immer gut gelaunt und sie spricht alle Sprachen dieser Welt:

Als der Bildhauer Edvard Eriksen die Bronzestatue im Jahr 1913 im Auftrag der Carlsberg-Brauerei schuf, war ihm sicher nicht bewusst, dass er da gerade das berühmteste Wahrzeichen Kopenhagens aus der Taufe hob. Trotz ihrer allgemeinen Beliebtheit musste die Kleine Meerjungfrau schon zahlreiche hinterhältige Anschläge über sich ergehen lassen. Vermutlich hat ihr da der "Ausflug" zur Expo im Jahr 2010 ganz gut getan. Jetzt strahlt sie wieder in die Fotoobjektive der unzähligen Besucher. 

Mit dem Besuch bei der Kleinen Meerjungfrau beendeten wir unseren mehrstündigen Aufenthalt in Kopenhagen. Wir fuhren mit dem "Kreuzfahrt-Shuttle-Service", der im Preis inbegriffen war, zurück zur Costa Atlantica. Um 17.30 Uhr hieß es "Alle an Bord". Für diese Zeit war auch die obligatorische Seenotrettungsübung angesagt. Wir legten die Schwimmwesten an, nahmen die Costa Card mit und die "Emergency Drill Card", die jeder Passagier neuerdings mitführen muss und die die Kontrolle erleichtern soll.

Um 19.30 Uhr waren wir pünktlich beim Abendessen und freuten uns auf ein mehrgängies Menü in angenehmer Runde und erstklassigem Service. Waiter Ruel, ein sehr emsiger, ausgesprochen höflicher und zurückhaltender Mittdreißiger von den Philippinen, verwöhnte uns nach allen Regeln der (Koch)-Kunst. Unterstützt wurde er dabei von der bezaubernden Lorelyn, einer Landsfrau, die so zierlich war, dass sie uns an die "Kleine Meerjungfrau" erinnerte.

An diesem Abend freuten wir uns auf die ersten Darbietungen im Theater Caruso. "Solid gold" stand auf dem Programm, präsentiert von der österreichischen Kreuzfahrtdirektorin Petra. Die Choreografin Karen Langford ließ ihre englische Tanztruppe um die Bühne wirbeln, dass es eine wahre Pracht war. Da fiel es kaum ins Gewicht, dass der irische Sänger David O'Leary noch nicht einmal Mittelmaß war. Die Tänzer der Costa Atlantica boten jedenfalls ein sehr vielversprechendes Programm und diese Truppe sollte uns noch öfter begeistern.

Am Montag konnten wir es ruhiger angehen lassen. Der erste Seetag stand auf dem Programm, das bedeutete, dass wir ausschlafen konnten. Wenn Sie noch nicht schlafen möchten, sondern Lust auf "mehr Kopenhagen" bekommen haben, klicken Sie auf folgendes Vorschaubild. Anschließend gelangen Sie in ein weiteres Fotoalbum, das noch weitere Bilder von unserem Tagesaufenthalt in der dänischen Hauptstadt bereit hält. Wenn Sie im Reisebericht fortfahren möchten, klicken Sie auf den Link "Southampton".

Kopenhagen 2011

 

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