Samstag, 10. Mai 2014 (Hamburg)

Sonnenaufgang war um 5.55 Uhr. So stand es zumindest im Tagesprogramm, aber auch wenn heute ein besonderer Tag war, ließen wir es doch gemütlich angehen. Schließlich mussten wir die Albatros ja leider schon morgen verlassen, da wollte ich mir doch noch gerne eine Riesenportion Rühreier gönnen. Und Kaffee. Und Orangensaft! Und ein paar Geschenke gab es auch, denn nicht nur Hamburg feierte am 10. Mai seinen Hafengeburtstag, ich beging auch mein 57. Wiegenfest. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Sogar die Sonne hatte ein Einsehen, vermutlich hat sie im Kalender nachgesehen, und prompt eine Portion Strahlen gen Erde geschickt. Da wir uns die Fahrt auf dem Unterlauf der Elbe nicht entgehen lassen wollten, suchten wir uns geeignete Plätze zum Fotografieren. Von der so genannten Ansteuerungstonne Elbe bis in den Hamburger Hafen musste die Albatros etwa 130 Kilometer zurücklegen. Bis dahin konnten wir die Blicke links und rechts schweifen lassen. Es gab hier schon jede Menge zu sehen.

Diesen 10. Mai werde ich ganz sicher so schnell nicht vergessen. Offiziell begrüßt wurde die Albatros gegen 10.15 Uhr. Da glitt sie majestätisch an "Willkomm Höft", der einzigartigen Schiffsbegrüßungsanlage vorbei. Die über Lautsprecher weiter gegebenen Informationen konnten wir akustisch leider nicht verstehen, dafür hörten wir die Nationalhymne der Bahamas umso besser. Der Heimathafen der Albatros ist bekanntlich Nassau. Wer sich für die "Traumschiffe" auf der Elbe interessiert, findet hier eine PDF-Übersicht.

Von jetzt an ging es wirklich Schlag auf Schlag. Auch wenn Schiffsbegegnungen für viele alltäglich sein mögen, die folgende war für uns doch etwas Besonderes. Kaum hatten wir Willkomm Höft passiert, näherte sich uns ein Frachtschiff. Es handelte sich um die legendäre "Cap San Diego", das größte fahrtüchtige Museumsfachtschiff der Welt. Wer schon einmal in Hamburg war, kommt an der Cap San Diego zwangsläufig vorbei, sie gehört zum "Tor der Welt" wie die Reeperbahn oder die Landungsbrücken.

Die Fahrt auf dem Unterlauf der Elbe machte wirklich Spaß, wir machten Bild auf Bild und kamen allmählich in den "Speckgürtel" der Hansestadt. Hier wohnen die Reichen und Superreichen, manchmal etwas versteckt wie hier:

Oder offen und für jedermann sichtbar wie auf dem folgenden Bild:

Die Besiedlung wurde allmählich immer dichter, das galt auch für den Schiffsverkehr vor, hinter und neben der Albatros. Obwohl wir im Jahr 2011 mit der Costa Atlantica in Rostock schon Ähnliches erlebt hatten, war das, was wir heute zu sehen und zu hören bekamen, noch einmal eine deutliche Steigerung.

Auf unserer erlebnisreichen Fahrt begegnete uns dann auch das Segelschiff Alexander von Humboldt II. Der 65 Meter lange Großsegler, der 15 Millionen Euro an Baukosten verschlungen hat, dient als Jugend- und Ausbildungsschiff.

Kaum hatten wir die Alexander von Humboldt II aus den Augen verloren, verlagerte sich unsere Aufmerksamkeit plötzlich nach hinten. Die Artania oder die "Grand Lady", ebenfalls aus der Phoenix-Flotte, schickte sich an, zusammen mit der Albatros in den Hamburger Hafen einzulaufen.

Als ich bei obigem Bild auf den Auflöser drückte, hatte ich Glück, dass genau in dem Moment ein so genannter "Beluga", das größte Frachtflugzeug der Welt, scheinbar um Haaresbreite an der Artania vorbei flog. Tja, wie lautet doch der abgewandelte Werbeslogan: Irgendwann landet jeder bei Phoenix!

Während wir mit dem Fotografieren kaum mitkamen, werkelte die Crew, um die Albatros "geburtstagstauglich" aufzuhübschen. Unmengen von Luftballons wurden an den Aussichtsdecks festgemacht.

Kleine und große Segelschiffe begegneten uns bei der Einfahrt in Hamburgs "Gute Stube". Und je näher die Albatros den Landungsbrücken kam, um so stärker wurde der Schiffsverkehr. 

Die Begeisterung der Menschen aus allen Ecken Deutschlands und aus dem Ausland kennt keine Grenzen, wenn Hamburg seinen Hafengeburtstag feiert. Auch die Albatros wurde von einer "Schiffsverrückten" fotografiert, die ihren eigenen Blog auch mit unterhaltsamen Texten hinterlegt, die sicher einen Klick wert sind.  Bilder vom Hafengeburtstag gibt es hier! Herzlichen Dank an dieser Stelle für die freundliche Überlassung der Aufnahmen.  

Auf den folgenden Bildern sehen wir die Artania und die Albatros, auf dem letzten Bild bin ich selbst zu erkennen und zwar unter dem Brückendeck, auf dem Reiseleiterin Elke steht und winkt. Ich bin der Herr auf dem darunter liegenden Deck mit der roten Jacke und der Kapuze, der gerade am Fotoapparat fummelt.

Weitere Teilnehmer der Schiffsparade zum Hafengeburtstag, wie die "Mein Schiff 1" oder die "AIDAsol" waren bereits vor Ort.

Die AIDAsol und die Albatros lieferten sich bei ihrer Begegnung ein heftiges Hupkonzert. Entscheiden Sie selbst, wer gewonnen hat.

Aber natürlich hat sich auch noch das neue Wahrzeichen Hamburgs in den Mittelpunkt gedrängt: die Dauerbaustelle der Neuen Philharmonie. Aber egal, ob fertig oder halbfertig, ein Blickfang ist dieser Bau in jedem Fall.

Leider wurde das Wetter jetzt, da wir unserem "Parkplatz" näher kamen, immer schlechter. Aber in Hamburg gibt es bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung. Kapitän Hansen hatte sich ebenfalls warm angezogen, als er zufrieden von der Nock auf die "Weiße Lady" blickte, die er wie immer souverän eingeparkt hatte.

Eigentlich hatten wir geplant, der Artania einen Besuch abzustatten und uns dieses Phoenix-Schiff einmal genauer anzusehen. Dann klärte man uns aber darüber auf, dass wir da mindestens einen halbstündigen Fußmarsch hinlegen müssten und nachdem es zwischenzeitlich auch noch angefangen hatte zu regnen und der Wind starkt auffrischte, verzichteten wir auf diesen konditionsträchtigen Weg. Stattdessen verließen wir die Albatros nur ganz kurz, um eine Aussichtsplattform zu besteigen und von dort ein Foto von der Artania zu machen.

Nach diesem windigen und ungemütlichen Abstecher gingen wir umgehend wieder zurück auf unsere Albatros, die wir ja leider morgen notgedrungen verlassen mussten. Es waren immer noch die Koffer zu packen und da eine Wetterbesserung nicht in Sicht war, nutzten wir die Zeit, um diese ungeliebte Aufgabe zu erledigen. Um 19.00 Uhr wurde dann das ultimativ letzte Abendessen serviert und dann bekam ich mein Geburtstagsständchen und viele Geschenke, u.a. eine üppige Torte und einen Malteser Aquavit ... und ein Tänzchen mit einer Kellnerin. Die Stimmung war wieder großartig und wie diese Geburtstage bei Phoenix gestaltet werden ist wirklich sehr persönlich und bleibt in Erinnerung.

 

Und weil es so schön war gingen wir im Anschluss zur "Party an Deck", wo wir die Aussicht auf den Hamburger Hafen genießen sollten. Aber weil das Wetter unverändert ungemütlich war, hielten sich die Passagiere mit ihrem Besuch an Deck zurück. Die Menschenmenge war überschaubar, so dass wir einen Platz sozusagen in der ersten Reihe hatten, wo wir nach Herzenslust fotografieren und filmen konnten. Bei den Nachtaufnahmen steht die Stimmung im Vordergrund und da spielt es auch keine Rolle, ob es regnet oder stürmisch ist.

Angesichts des miesen Wetters zogen viele die Live-Übertragung des "Eurovion Song Contests" vor, was uns völlig unverständlich war. Den Abschluss des leider doch ziemlich verregneten Hafengeburtstages bildete ein stimmungsvolles Feuerwerk. Es konnte naturgemäß nicht mit dem grandiosen Spektakel in Valletta mithalten, aber schön war es doch und außerdem bekam das Ganze durch meinen eigenen Geburtstag auch noch eine sehr persönliche Note.

Die Albatros verließ gegen 22.30 Uhr langsam den Hafen, früher als ursprünglich geplant. Auch hier verfolgten wir noch das Dahingleiten auf der Elbe, vorbei an den Kreuzfahrtschiffen, wie der Artania oder der "Mein Schiff 1".

Den Late Night Snack verschmähten wir, es war spät geworden und morgen hieß es wieder früh aufstehen. Ein toller Geburtstag mit vielen schönen Erinnerungen begleitete mich in meinen Träumen. Die Albatros nahm derweil die letzten 127 Seemeilen nach Bremerhaven in Angriff.

 

Sonntag, 11. Mai 2014 (Bremerhaven)

Zum Abschluss gab es heute noch ein Lachs-Frühstück, den Sekt schenkten wir uns. Zu früh für Alkohol. Dann begann das Abschiedsprocedere. Unsere liebgewonnenen sechs Tischnachbarn kamen zum Großteil aus dem "hohen Norden", das bedeutete eine relativ kurze Rückfahrt. Uns hingegen stand noch eine 12-stündige Busfahrt nach München bevor. Vorher sagten wir auch noch unserem guten Geist Florendo Adieu, der ebenfalls mit uns das Schiff verließ, um zu seiner Familie auf die Philippinen zu fliegen. Vielleicht sehen wir ihn ja eines Tages wieder. Gegen 10.00 Uhr hieß es auch für uns "Und tschüss!"

Der Check-out klappte reibungslos, auch unsere Koffer fanden wir schnell und schließlich sahen wir auch den schon bereit stehenden Bus Nr. 6 der Rheinland Touristik. Wir hätten da eigentlich schon starten können, aber ein Mitfahrer der zeitgleich angekommenen Artania wartete auf seinen Koffer. Das Warten dauerte mehr als eine Stunde und es war leider auch vergeblich. Dann machte sich der Bus endlich auf die lange Rückfahrt, die dann aber reibungslos verlief. In München am Busbahnhof wurden wir schließlich von unserer Tochter und ihrem Freund erwartet und gemeinsam fuhren wir noch die etwa 70 Kilometer in die niederbayerische Heimat zurück. Um 00.30 Uhr hatten wir es geschafft, wir fielen nur noch müde in unsere Betten und träumten von einer tollen Kreuzfahrt, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Fazit

 

 

Auf die Albatros aufmerksam wurden wir duch die Fernseh-Doku "Verrückt nach Meer", die bereits seit einigen Jahren erfolgreich in der ARD und den Dritten Programmen läuft. Mannschaft, Reiseleiter-Team und natürlich der unvergleichliche Morten Hansen haben uns dabei derart begeistert, dass wir unbedingt einmal mit der betagten "Weißen Lady" fahren wollten.

Während im Vorjahr die Route ausschlaggebend für die Buchung war, hatte diese für uns diesmal keine Priorität. Wir suchten vielmehr nach einer Kreuzfahrt, während der wir beide unsere Geburtstage an Bord feiern konnten. Dass es dabei auch noch einen schönen Rabatt gab, erleichterte uns dann die Buchungs-Entscheidung doch sehr. Aber im Vordergrund stand diesmal eindeutig das "Erlebnis Albatros".

Obwohl die Albatros schon 41 Jahre alt ist, sieht man ihr das wirklich nicht an. Im Gegenteil, in allen Bereichen ist für den Passagier erkennbar, dass Phoenix viel Geld in die Renovierung dieses klassischen Kreuzfahrtschiffes gesteckt hat. Kaum hatten wir  das Schiff betreten, fühlten wir uns tatsächlich wie Zuhause. Die Herzlichkeit des gesamten Personals hat uns sehr beeindruckt und die Zeit verging natürlich viel zu schnell. Dass wir dabei auch noch das Glück hatten, gleich am zweiten Abend am Kapitänstisch sitzen und dinieren zu dürfen, war ein Highlight, das wir nie vergessen werden. Derartige Erlebnisse gab es aber noch viel mehr, so sei beispielhaft an die Brückenführung oder den Aufenthalt in Valletta erinnert. Sicher hätten wir vielleicht gerne den einen oder anderen Hafen mehr anlaufen wollen, aber selbst rückblickend betrachtet haben auch die Seetage ihren Reiz, zumal es auf der Albatros, nicht zuletzt dank der umtriebigen Planungen der Phoenix-Truppe, selten oder nie langweilig wird.

Auch diese Reise hat uns wieder in unserer Meinung bestärkt, dass feste Tischzeiten unserer Vorstellung einer gelungenen Kreuzfahrt am nächsten kommen. Auch möchten wir nicht jeden Tag mit anderen Mitpassagieren an einem Tisch sitzen, eine gewisse Grundordnung liegt uns da doch am Herzen. Hervorzuheben sind natürlich auch das vorzügliche Essen und der Service, den wir in dieser Form noch nie erleben durften.

Die moderate Preisgestaltung bei den Getränken und bei den übrigen Nebenkosten ist ebenfalls hervorzuheben. Der Erwerb eines Getränkepakets ist hier weder vorgesehen noch erforderlich, die ausgeschenkten Hausweine zu den Hauptmahlzeiten sind nicht nur trinkbar sondern schmecken sogar. Auch die Preise für die Ausflüge bewegen sich in einem überschaubaren Rahmen, so dass man bei Vergleichen mit anderen Veranstaltern also durchaus relativieren muss. Manches erscheint nämlich dann auf den zweiten Blick doch nicht mehr gar so teuer, wenngleich eine solche Reise naturgemäß nicht zu einem Schnäppchenpreis zu haben ist. 

Weitere Einzelheiten zur Albatros können auf der Unterseite "Infos zum Schiff" nachgelesen werden.

Sicher war auch auf der Albatros nicht alles "super", Kleinigkeiten, die man verbessern könnte, gibt es immer. Wir gehören jedoch nicht zu den Urlaubern, die sich noch während der Reise auf "Mängelsuche" begeben, um hinterher evtl. Schadenersatz zu verlangen. Es liegt letzten Endes immer an einem selbst, ob man den Urlaub genießen möchte oder nicht.

Damit endet nun der Reisebericht über die Kreuzfahrt "Von der venezianischen Lagune zum Hafengeburtstag". Ich bedanke mich für das Interesse und verabschiede mich mit einem Routenbild dieser unvergesslichen Reise.

 

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Einen Artikel über unsere Reise mit der Albatros kann man auch auf der Seite von "Der Kreuzfahrttester" lesen. Klicken Sie dazu bei Interesse einfach auf den folgenden Banner: