Auf dem diesem Teilstück lernen Sie ein Naturspektakel kennen, das die UNESCO erst im Jahr 2005 in die Weltkulturerbeliste aufgenommen hat. Dabei ist der Geirangerfjord sicher eines der bekanntesten Fotomotive Norwegens. Begleiten Sie uns auf der Fährüberfahrt von Hellesylt in den Ort Geiranger. Werden Sie Zeuge, wie es über schwindelerregende Serpentinen über die Adlerstraße nach oben geht oder begutachten Sie den Fjord aus fast 1.500 Meter Höhe! Außerdem erkunden wir ein weiteres Meisterwerk norwegischer Straßenbauer, den so genannten Trollstigen.

Zunächst aber, so wie Sie es schon gewöhnt sind, zum Einstieg eine Fotoshow:

Skandinavien 2009 - Teil VI

 

 

Donnerstag, 2. Juli 2009

Tagesziel: Geiranger, gefahrene Kilometer: 118, Übernachtung in "Fossen Camping", Preis für zwei Nächte: 144,00 Euro

 

 

 

 

6.45 Uhr Wecken. Wieder ein strahlend schöner Tag. Unseren wenig einladenden Campingplatz an der "E 39" in Orskog verlassen wir heute schon sehr zeitig gegen 8.00 Uhr. Wir hoffen auf gute Lichtverhältnisse im Geirangerfjord. Unsere Fahrt führt zunächst auf der Straße "650" durch mehrere Tunnel bis Ansok, wo wir pünktlich die Fähre nach Stranda (Preis: 80 NKr) erwischen. Davor wunderten wir uns über die norwegische Architektur, von der vermutlich Hundertwasser Anleihen übernommen hat.

Auch die eine oder andere Kirche am Straßenrand lädt zu einer kurzen Verweil- und Fotografierdauer ein. Es müssen ja nicht unbedingt Stabkirchen sein, auch andere Gotteshäuser sind durchaus reizvoll.

Die Überfahrt nach Stranda dauert nur wenige Minuten. Anschließend geht es weiter Richtung Hellesylt. Dort, am Sunnylfsfjord, startet die Fähre, die uns auf eine fantastische Reise mitnehmen wird. Es gibt zwar auch spezielle Ausflugsboote, die dieselbe Route zum Ort Geiranger fahren, aber mit der Fähre ist es mindestens genau so schön und vor allem deutlich preiswerter. Wir zahlen für unser Auto und 2 Erwachsene 370 NKr für eine Fahrt, die etwa eine Stunde dauert. Eine Stunde, die man nicht so schnell vergisst.

Bis es um 11.00 Uhr los geht, haben wir noch die Gelegenheit, den Ort zu erkunden. Wir schlendern ein wenig im Hafenbereich, der sehr übersichtlich ist und gönnen uns, welche Überraschung, wieder einmal eine dieser vorzüglichen Waffeln. In Norwegen sind wir zu wahren Waffelfans geworden. Vermutlich haben wir schon einen an derselben! Unser braver Opel Meriva steht in Reihe 1 an fünfter Stelle. Aber die zur Verfügung stehenden drei Reihen werden voll und der eine oder andere potentielle Fahrgast bleibt auf der Strecke. Man sollte daher schon etwa gegen 10.00 Uhr, also 60 Minuten vor der Überfahrt, an Ort und Stelle sein. Der Ort Hellesylt selbst ist übrigens durchaus sehenswert, wie das folgende Bild zeigt:

Was jetzt folgt ist ein Augenschmaus auf 7-Sterne-Niveau. Mindestens! Und auch die Sonne machte gute Miene zum noch besseren Spiel. Wenn ein Naturspektakel die für meine Begriffe reichlich späte Aufnahme in die Weltkulturerbeliste verdient hat, dann ist es ganz sicher der Geirangerfjord. Die Landschaft zwischen Hellesylt und dem kleinen Örtchen Geiranger, der im Sommer aus allen Nähten zu platzen droht, ist nicht umsonst eines der meistbesuchten Reiseziele Norwegens.

Unglaublich welch architektonische Meisterleistung Mutter Natur (wer ist eigentlich der Vater?) hier abgeliefert hat. Beeindruckend, wie sich "Die 7 Schwestern" um den spektakulärsten Fall nach unten streiten, um dem "Freier" auf der gegenüberliegenden Seite zu gefallen. Unvorstellbar, dass es hier Höfe gibt, die noch bis vor 50 Jahren bewirtschaftet wurden.

Dazu die Aussicht, das eine oder andere Kreuzfahrtschiff zu sehen, von dem sich Jahr für Jahr etwa 100 Exemplare im Fjord tummeln. In der Summe werden die Sinne von so viel Schön heit geradezu betäubt. Manche Menschen liegen sich vor Freude und Demut in den Armen, können nicht glauben, was sie sehen. Wir sind dankbar und glücklich, dass wir diesen Tag erleben dürfen. Ein Highlight der Extraklasse!

Natürlich ist die Fahrt viel zu schnell zu Ende, aber unsere Sinne kommen nicht zur Ruhe. In Geiranger steht, wie bestellt, die "Mein Schiff" des Touristikriesen TUI. Später gesellt sich auch noch die "Daphne Princess" dazu.

Mit der Ankunft in Geiranger war die heutige Erlebnisreise jedoch noch nicht zu Ende. Wir wollten hoch zum "Dalsnibba", einem Aussichtsberg, der es in sich hat. Ab Geiranger geht es zunächst noch gemächlich bergauf, dann nehmen die Steigungen zu, die Kehren werden steiler und häufiger. Busse schaukeln Kreuzfahrer nach oben, Motorradfahrer und Camper teilen sich mit Pkw-Fahrern die enger werdende Straße. Auf etwa 1.000 Meter Seehöhe wähnt man sich bereits am Ziel, die Fahrt ging bis dahin etwa 9 Kilometer. Hier oben lädt ein schönes Hotel-Restaurant zum Verweilen ein. Wir machen Pause und essen, erraten, Waffeln. Ein idyllischer Bergsee, der noch Reste des Wintereises auf seiner Oberfläche tanzen und spiegeln lässt, reizt ebenfalls zu einer Pause.

Nach der Waffelpause müssen wir dann die Geldbörse erneut zücken. Die letzten Kilometer sind mautpflichtig. Am Kassenhäuschen löhnen wir 80 NKr für eine platt gewalzte, aber zum Glück relativ breite Schotterpiste, allerdings zum Großteil ohne Leitplanken. Sie windet sich weitere 5 (!) Kilometer nach oben. Meine Frau hat wahre Todesängste ausgestanden, aber am Gipfel warten tiefverschneite Hänge, die den Schnee nur ungern abschmelzen lassen. Dutzende von Wasserfällen bilden sich zu eigenen kleinen Kunstwerken. Und dann der Blick von knapp 1.500 Meter auf den Geirangerfjord. Ein unvergessliches Erlebnis.

Derartige Anstrengungen verlangen nach Ruhe und Erholung. Also fahren wir in unser Quartier im Ort Geiranger. "Fossen Camping" ist unser Ziel und wir wussten nicht, was uns dort erwarten würde. Allein der Standort war schon abenteuerlich. Wir mussten wieder einen Teil der unteren Serpentinen Richtung Dalsnibba fahren. Beim Schild "Fossen-Camping" ging dann eine schmale Abzweigung weg. An der Rezeption drückte uns der wortkarge Chef einen Schlüssel mit der Hüttennummer 6 in die Hand und erklärte uns, wie wir dorthin gelangen würden. Das gestaltete sich dann noch einigermaßen abenteuerlich. Ein dem Berg abgerungener schmaler Feldweg mit derart tiefen Rippen und Mulden, dass der Meriva vor Schmerzen stöhnte. Dann mussten wir eine 160-Grad-Kurve fahren, die nicht in einem Rutsch zu bewältigen war. Auf der anderen Seite hoch, umgekehrt und in richtiger Fahrtrichtung stehend die letzten Meter in Angriff genommen. Dann standen wir vor ihr oder besser gesagt über ihr. Hütte Nr. 6, brandneu, das war zu sehen und zu riechen. Ein über die Längs- und Vorderseite laufender Balkon. Darunter? Der Geirangerfjord in seiner malerischsten Aussicht. Vor lauter Aufregung vergaßen wir beinahe, die Hütte zu inspizieren, die alles hatte, was man sich wünscht: getrennte Wohn-/Schlafräume, separate Küchenzeile, Dusche/WC, Kaffeemaschine, Kühlschrank, E-Herd, Geschirr und und und.

Wir beschließen zu grillen. Lachs wird noch schnell unten im Dorf gekauft und zur Feier des Tages gönne ich mir auch noch Dosenbier. Ein großartiger Tag, vielleicht der schönste der ganzen Reise, geht allmählich zu Ende. Während ich diese Zeilen schreibe, verabschiedet sich der Sonnenball um 22.00 Uhr hinter einem Gipfel "unseres" Fjordes. Aber nur für heute. Denn es gibt hoffentlich ein baldiges Wiedersehen!

Freitag, 3. Juli 2009

Schon wieder wurden wir durch die Sonnenstrahlen geweckt. Ein makelloser blauer Himmel lacht um 7.00 Uhr morgens mit uns um die Wette. Das gute Wetter wollten wir nutzen, um noch einmal nach Alesund, das nur 100 Kilometer von Geiranger entfernt ist, zu fahren. Mit dem Aussichtshügel Aksla hatten wir noch eine Rechnung offen! Wir verlassen den Ort Geiranger in nordöstlicher Richtung auf der "63" und klettern eine weitere Prachtstraße, den "Adlerserpentinenweg", hoch. 11 Serpentinen muss der Meriva bewältigen und Steigungen von bis zu 10% überwinden bis wir auf 624 Meter Seehöhe angelangt sind. Der Geirangerfjord bietet von allen zugänglichen Seiten einmalige Aussichten. Auf der Weiterfahrt nach Alesund dürfen wir auch wieder eine kurze Fährüberfahrt machen und zwar von Eidsdal nach Linge (81 NKr).

Während hier wettertechnisch noch alles in Ordnung schien, änderte sich das Bild dann aber doch schlagartig. Denn mit jedem Kilometer, den wir der "Stadt des Jahres 2007" in Norwegen näher kamen, wurde der aufziehende Nebel dichter. Wie eine bleierne Glocke lag er über der Stadt und wir entschlossen uns zur Umkehr. "Plan B" sah den Besuch der Stabkirche in Rodven vor.

Auf dem Weg zu den Trollstigen, die heute auf unserer "To do"-Liste standen, mussten wir zwar einen Umweg von 2 x 35 Kilometer machen, aber der Abstecher über die "64" über Isfjorden, Torvika in den Rodvenfjorden nach Rodven hat sich gelohnt. Die Stabkirche ist ebenso klein wie schön gestaltet. Das Hauptschiff stammt aus dem 14. Jahrhundert. Auf dem Friedhof entdeckten wir Gräber aus dem 18. Jahrhundert. Direkt gegenüber liegt die neue Kirche von Rodven. Ganz in Rot gehalten ist sie ebenfalls ein Schmuckstück und bildet mit der Stabkirche ein perfektes Ensemble. Der Eintritt kostet ca. 5,00 Euro.

Dann ging unsere Fahrt über die "64" zurück, um den Isfjorden herum Richtung Trollstigen. Der Nebeldunst hatte sich zum Glück verzogen, so dass wir guten Mutes Norwegens meistbesuchte Touristenstraße in Angriff nehmen konnten. Aber der Meriva und wir sind ja mittlerweile serpentinenerprobt, so dass keine Probleme zu erwarten waren.

11 Kurven und zum Teil ultraenge Asphaltbänder schlängeln sich durch eine atemberaubende Landschaft nach oben. Rechts von der Straße tost ein reißender Bach und wird schließlich zu einem faszinierenden Wasserfall, dem Stigfossen.

An der Stigfoss brua, wo man dem 320 Meter hohen Stigfossen ganz nahe ist, haben wir uns frech an den Rand der Straße gezwängt, um dem Tosen aus nächster Nähe zuzusehen. Schon von hier ist der Ausblick großartig. Am höchsten Punkt Stigrora (858 Meter) liegen dem Betrachter die Trollstigen zu Füßen. Kaum zu glauben, dass wir hier hoch geklettert sind!

Mittlerweile wird die ganze Strecke modernisiert. Oben hat man bereits eine neue Aussichtsplattform installiert, eine Art "Trollstigen-Skywalk", die dem Besucher das Gefühl vermittelt, über den Trollstigen und dem Stigfossen zu schweben.

Nachdem alle Fotos geschossen sind, machen wir uns auf den Rückweg nach Geiranger, wo wir noch die Atmosphäre am Fähranleger genießen und dem Treiben der Kreuzfahrer zusehen. Heute sind die "Bremen" von Hapag Lloyd und die "Clipper Adventure" in Geiranger zu Gast. Gegen 18.00 Uhr kehren wir in unsere einmalig gelegene Hütte am "Fossen Campingplatz" zurück, hören dem Rauschen der Wasserfälle zu und beobachten die Pkw's und Camper, wie sie die Serpentinen am Geirangerfjord hochklettern. Ein weiterer herrlicher Tag geht zu Ende, der uns auch gezeigt hat, dass Erdbeerfelder nicht nur in Deutschland aus dem Boden sprießen. Während der heutigen Fahrt sind wir nämlich u.a. auch an fußballfeldgroßen Erdbeerplantagen vorbei gekommen. Die Felder waren durch die Bank deutlich größer als bei uns daheim. Einem Bericht im norwegischen Fernsehen zufolge werden auch Pflückerinnen aus Vietnam eingesetzt. Es scheint also auch in Norwegen so zu sein, dass für bestimmte Tätigkeiten die einheimische Bevölkerung nicht zu begeistern ist (siehe Spargelstechen u.ä. in Deutschland!).

Mit sehr großer Wehmut denken wir daran, dass wir morgen unsere Zelte an diesem wunderbaren Ort wieder abbrechen müssen. Zwei unvergessliche Tage sind zu Ende gegangen und selten haben wir eine größere Verbundenheit mit der Natur gefühlt als hier.

 

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Teil V - Alesund, Trondheim Teil VII - Lillehammer, Oslo, Kopenhagen

 

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