Donnerstag, 19.09.2013 (Anreise Passau, Check-In, Auslaufen)

Die Koffer hatten wir am Vorabend in aller Ruhe eingepackt. Schon bei den Vorbereitungen zeigten sich wesentliche Unterschiede zu einer Hochsee-Kreufahrt. Die Strecke Landshut - Passau ist nur 140 Kilometer lang und in nicht einmal zwei Stunden zu bewältigen, man muss nicht erst zu einem Busbahnhof fahren und sich dann zehn Stunden oder länger in enge Sitzreihen quälen. Ein Vorteil!

Gegen 12.30 Uhr verabschiedeten wir uns dann von unserem Haus und fuhren auf die Autobahn, zunächst nach Deggendorf, dann weiter Richtung Passau. Um kurz vor drei erreichten wir die Messestraße, wo die Parkhäuser der Globus Group stehen. Hier wurde uns sofort das Gepäck abgenommen, eine freundliche Dame am Schalter gab mir die Nummer des Parkplatzes, ich zahlte 69,00 Euro für einen Garagenstellplatz für sieben Nächte und dann fuhr ich in das Parkhaus und stellte den Wagen ab. Eine halbe Stunde später kam der Shuttle-Bus und holte uns und weitere Passagiere der MS Primadonna ab. Die Schiffsanlegestelle Passau-Lindau liegt etwas außerhalb und ist gut mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erreichen. 

Die MS Primadonna liegt eingekeilt da zwischen dem Fünf-Sterne-Schiff MS Heidelberg und der unappetitlich daher kommenden Donaustar, beides Schiffe von Nicko-Tours.

Wir müssen uns noch ein wenig gedulden, bevor wir um 15.45 Uhr an Bord der sehr ansprechend gestalteten MS Primadonna dürfen. die Koffer sind schon auf unserer Kabine mit der Nummer 110 auf dem Hauptdeck. In der WDR-Sendung "Wunderschön" hatten wir einen flüchtigen Blick in die Kabine gestattet bekommen, wir waren daher weder überrascht noch schockiert. 11 qm sind nicht gerade viel, aber für uns durchaus ausreichend. Einzelheiten zur Ausstattung können auf der Unterseite Primadonna nachgelesen werden.

Für die Frauen besonders wichtig: der Kleiderschrank. Wir hatten derer gleich vier Stück zur Auswahl, weil unsere Kabine neben dem Bett und dem Sofabett noch über zwei herunter klappbare Oberbetten verfügte. Wir wollten uns aber nicht vorstellen, wie es wäre, wenn sich hier vier Personen gegenseitig auf die Zehen steigen. Eine Flasche Mineralwasser stand als Begrüßungsgetränk bereit und schon um 16.00 Uhr lud Kreuzfahrtleiterin Susanne Lukacsi in die Lounge ein. Dort serviert Chefkoch Uwe Winkler persönlich eine schmackhafte Bohnensuppe. 

Nachdem der erste kleine Hunger gestillt war, melden wir uns beim Maitre und äußern unseren Tischwunsch. Wir haben Glück und bekommen einen prima Fensterplatz, zusammen mit einem Ehepaar aus Potsdam, mit dem wir sofort ins Gespräch komen.

Kaum an Bord geht es Schlag auf Schlag. Gegen 17.30 Uhr legt die MS Primadonna ab und nimmt Kurs Richtung Wien. Das Wetter ist nicht gerade vielversprechend und die finsteren Wolken am Horizont lassen nichts Gutes ahnen.

 

Wir haben aber keine Zeit, lange über das Wetter zu philosophieren, denn um 18.00 Uhr versammelt die umtriebige Kreuzfahrtleiterin ihre Schäfchen, es sind insgesamt 140, im Salon. Wir bekommen die ersten Infos rund um unser schwimmendes Zuhause und die Ausflüge nach Melk und Wien werden vorgestellt. Es wurde bereits im Vorfeld ein Ausflugspaket für 159,00 Euro angeboten. Das haben wir jedoch nicht gebucht, denn ein Grund für diese  Flusskreuzfahrt war auch die Nähe der Ziele zum Wasser. Viele Anlegestellen liegen in unmittelbarer Nähe zur Schiffsanlegestelle. In Melk ist der Weg etwas weiter, wir buchen daher einen Ausflug zum weltberühmten Klosterstift. Der Preis ist mit 25,00 Euro sehr moderat. Während der Präsentation erhalte ich eine SMS unseres Sohnes mit der Nachricht, dass für Passau eine Hochwasserwarnung der Stufe 1 bestehen würde. Das geht ja schon wieder gut los!

Schon um 19.00 Uhr haben wir den nächsten Pflichttermin. Das erste Abendessen steht auf dem prall gefüllten Tagesprogramm. Es war kaum Zeit, sich umzuziehen und frisch zu machen. Gleich am ersten Abend werden wir mit einem hervorragenden Schweinekrustenbraten mit Serviettenknödeln und Bayrisch Kraut verwöhnt. Die Speisekarte liest sich vielversprechend und es schmeckt auch wirklich prima.

Die Speisen sind liebevoll angerichtet und auf den Punkt gebraten. Der erste Eindruck der Küche ist schon mal gut! Das Franziskaner Weißbier kostet 4,50 Euro und schmeckt "wia dahoam". Dann kündigt Susanne eine Änderung des Zeitplans an. Eine Flutwelle ist von Wien nach Melk unterwegs, das bedeutet, dass die MS Primadonna in Enns (Oberösterreich) "übernachten" wird. Für uns heißt das leider weniger Schlaf. Das Frühstück wird bereits um 6.30 Uhr serviert. Eine kurze und unruhige Nacht mit vielen Schleusendurchfahrten steht uns bevor.

Allein zwischen Passau und Wien sind neun Schleusen zu bewältigen. Eine Tatsache, über die ich mir im Vorfeld überhaupt keine Gedanken gemacht hatte. Aber ich muss gestehen, dass diese Durchfahrten, besonders nachts, durchaus schlafraubend sein können. Man hört permanent irgendwelche Geräusche von zu- oder abfließendem Wasser, dann sind die Schleusenanlagen auch hell erleuchtet und der Lichtschein dringt selbst bei einigermaßen blickdichten Vorhängen in die Kabine. Wir schlafen daher nicht besonders gut, aber jammern nützt ja auch nichts.

 

Freitag, 20 September 2013 (Melk - Österreich)

Um 6.30 Uhr wandern meine Augen zum Bullauge und ich bin überrascht. Es ist nichts zu sehen. Erst allmählich begreife ich, warum. Wir "parken" neben einem anderen Schiff, der MS Heidelberg.

Das erste Frühstück nehmen wir um 7.00 Uhr ein. Sehr früh, aber es schmeckt trotzdem. Der erste Eindruck des Abendessens bestätigt sich: große Wurstauswahl, ein sehr guter Kaffee, Orangensaft, Obst, Müsli, Eierspeisen, frische Brötchen. Alles bestens!

Ich wäre gern noch sitzen geblieben, aber um 8.30 Uhr mussten wir zu den Bussen ausrücken, von denen drei Stück für den Ausflug nach Melk bereit standen. Die Anfahrt dauerte ca. 45 Minuten und hin und wieder blinzelte die Sonne durch das hartnäckige Dauergrau. Ein Lichtblick!

Ausgestattet mit diesen neuen, höchst praktischen Audio-Guides ging es dann auf eine eindrucksvolle Führung durch das Benediktinerstift Melk.

Gerade noch rechtzeitig ließ sich auch die Sonne blicken und das Stift erstrahlte, zumindest zeitweise, in diesem herrlich frischen Gelbton, der die Abtei weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Wir gehen durch das Portal in den Innenhof und treffen auf viele Touristen, die sich das Stift ebenfalls genauer ansehen wollen.

Insgesamt verfügt das Stift über unglaubliche 492 Zimmer, von denen wir aber nur eine kleine Auswahl sehen werden. Wir betreten die Abtei auf der linken Seite und gelangen dann zur Kaiserstiege.

Über diese kommen wir in den ersten Stock zum Kaisergang, der eine imponierende Länge von 196 Metern vorweisen kann und fast die ganze Südfront durchzieht.

Unser Weg führt uns nun zu den Kaiserzimmern, in denen ein Museum eingerichtet wurde. Die Ausstellung "Unterwegs vom Gestern ins Heute" liefert interessante Einblicke in die Geschichte des Stifts Melk. Außerdem werden auch einige der berühmten Kunstschätze des prächtigen Barockbaus präsentiert.

   

Im Museum kann man nicht nur wertvolle Kunstschätze, sondern auch wahre Raritäten bewundern, deren Sinn sich nicht gleich auf den ersten Blick erschließt. So ist der so genannte "Sparsarg" (siehe Foto zweite Reihe rechts) auf ein Dekret Joseph's II. zurückzuführen. Dieser Sarg konnte mehrfach verwendet werden, weil an der Unterseite eine Klappe angebracht war. Nach dem Öffnen dieser Klappe fiel der Leichnam in das ausgehobene Grab und der Sarg konnte erneut benutzt werden.

Ein besonderer Schatz ist der große Crucifixus. Dieser stammt zwar nicht aus Melk, sondern aus der Ruprechtskirche in Wien. Im 19. Jahrhundert wurde er dem Stift geschenkt.

Von den Kaiserzimmern geht es weiter in den Marmorsaal, dessen reich verziertes Deckendekor von Paul Troger den Betrachter in Staunen versetzt. Mit einem Trick gelang es ihm, die Decke höher erschein zu lassen, als sie tatsächlich ist.

Leider ist der Blick vom Balkon der Altane über das Donautal nur eingeschränkt möglich, weil Baugerüste die Aussicht beeinträchtigen. Ich begnüge mich daher mit einem Foto der Stiftskirche, die auch von außen beeindruckend ist.

Der Rundgang im Kloster Melk ist aufgebaut wie der Spannungsbogen eines Krimis. Die Pracht nimmt mit dem Fortgang der Führung zu. In der Bibliothek, in der man leider nicht fotografiern darf, befinden sich etwa 100.000 Bücher und annähernd 1.900 kostbare Handschriften aus dem Mittelalter. Die älteste stammt aus dem Jahr 830.

Den Abschluss und Höhepunkt bildet jedoch die geradezu verschwenderisch ausgestattete Stiftskirche.

 

 

Benebelt von soviel barockem Prunk verlassen wir die Stiftskirche und verharren kurz an der Wendeltreppe, die uns erneut schwindelig werden lässt.

Eine Besichtigung des Stiftsparks war aus Zeitgründen leider nicht mehr möglich, wir begnügten uns daher mit einem Foto des Gartenpavillions. Da sich endlich auch die Sonne blicken ließ, war das ein schöner Abschluss dieses Ausflugs in die Geschichte der Benediktinerabtei. 

Gut gelaunt und hungrig verlassen wir eines der prächtigsten Klöster Österreichs und kehren zurück zum Schiff, das in Marbach auf uns wartet.

Um 16.00 Uhr werden die Passagiere in den Salon gerufen, die Sicherheitsübung steht auf dem Programm. Nach 9 Minuten sind alle vollzählig versammelt, Kreuzfahrtleiterin und Kapitän sind zufrieden. Gleich anschließend erhalten wir die Informationen zu den Ausflügen in Wien und Budapest und wir entschließen uns spontan zur Buchung des Ausflugs zum Donauknie, der mit viereinhalb Stunden veranschlagt ist und 36,00 Euro pro Person kostet.

Dann dürfen wir kurz mit dem Kapitän, dem Hotelmanager und der Reiseleiterin anstoßen, bevor wir den Standort wechseln und ins Restaurant gehen. Die Ankunft in Wien, die eigentlich für 19.30 Uhr geplant war, verzögert sich. Uns stört das nicht weiter, weil wir uns für diesen Abend nichts mehr vorgenommen haben. 

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