Sonntag, 03.05.2015 (Mytilene - Lesbos, Griechenland)

In der Nach legte die Albatros lautlos Seemeile um Seemeile zurück, insgesamt 286. Bei derart ruhiger See schläft es sich natürlich hervorragend und wenn man auch noch ausschlafen kann wie an diesem Tag, um so besser. Die Ankunft im Hafen von Mytilene war nämlich erst gegen 12.00 Uhr, also kein Grund zur Eile.

Gegen halb neun schäle ich mich gemächlich aus den Federn und freue mich beim ersten Blick durch das Bullauge, blauen Himmel, Sonne und ruhige See zu erblicken. Wir beschließen daher, das Frühstück am Lido-Büffet im Freien einzunehmen. Es ist fast nichts los und ich lasse mir Kaffee, Spiegeleier und Semmeln schmecken.

Leider bleibt nur wenig Zeit, um sich an der griechischen Inselwelt zu erfreuen, weil Sonja's Halsschmerzen über Nacht zugenommen haben. Wir statten der Bordärztin daher einen Besuch ab und da ist es doch ganz praktisch, wenn sich das Hospital auf dem gleichen Gang wie unsere Kabine befindet. Die gute Nachricht: eine eitrige Entzündung liegt nicht vor, aber zwei drei Tage wird die Sache wohl dauern. Meditonsin und Neo Angin werden' schon richten. Mit ihren Beschwerden liegt sie übrigens "voll im Trend", denn in den letzten Tagen haben die Hustenattacken nicht nur bei meiner Frau, sondern bei diversen anderen betroffenen Passagieren zugenommen. Aber Hitze und Klimaanlagen waren in dieser Beziehung immer schon schlechte Partner.

Dann machen wir uns für den Ausflug bereit. Gegen 12.00 Uhr ankert die Albatros vor Mytilene, der Hauptstadt von Lesbos. Es wird wieder getendert. In dieser Ecke der Ägäis ist die Türkei zum Greifen nah, lediglich 15 Kilometer trennen die drittgrößte griechische Insel (nach Kreta und Euböa) hier vom türkischen Festland. Die Informationen im Reiseführer zu Lesbos lasen sich interessant, so bezeichneten die Türken die 1630 qkm große Insel als "Garten des Ägäischen Meeres".

Grund genug für uns, den Ausflug "Mytilene und Plomari" zum Preis von 43,00 Euro zu buchen. Das Tendern verläuft problemlos, im Bus werde wir dann von der Reiseleiterin auf Englisch begrüßt, die Begleiterin des Phoenix-Teams musste im Anschluss alles ins Deutsche übersetzen. Wir erfahren u.a., dass es auf Lesbos angeblich nur fünf Reiseleiter geben würde, die Deutsch sprechen. Wenn das das einzige Manko bleiben sollte, wäre dies kein Hindernis für einen gelungenen Ausflug. Aber es kam anders.

Aus dem geplanten Besuch des Kulturzentrums wurde nichts, weil es geschlossen war. Dafür erfuhren wir, dass auf Lesbos etwa 13 Millionen Olivenbäume wachsen. An einem Teil davon fuhren wir vorbei.

Davon abgesehen blieben die im Reiseführer beschriebenen "schönen Aussichten auf malerischer Strecke" Mangelware. Stattdessen sahen wir unzählige Autowracks am Straßenrand und mindestens so viele verfallene Häuser einschließlich der Ruinen ehemaliger Fabriken und Brennereien. Hier von "bemerkenswerter Architektur" zu sprechen, ist fast schon dreist. Nach über einer Stunde Fahrtzeit landeten wir in einer immerhin noch intakten Ouzo-Brennerei. Dort schenkte man uns doch glatt großzügigerweise ein Stamperl Ouzu zum Probieren ein.

 

Das war auf jeden Fall eine völlig neue Erfahrung für uns. Eine Stunde in der Pampa herum fahren, um einen Ouzo zu trinken, passiert aber zum Glück auch nicht alle Tage! So hofften wir denn, dass der Anschlussaufenthalt in Plomari, der zweitgrößten Stadt auf Lesbos unser Touristenherz noch etwas versöhnen würde. Allein, es blieb bei der Hoffnung. Die folgende 40-minütige "Freizeit" eröffnete uns Aussichten, auf die wir ganz gerne verzichtet hätten. Was auf den folgenden Bildern auf den ersten Blick vielleicht sogar "malerisch" aussehen mag, ist in Wirklichkeit alles andere als einladend. Die touristische Infrastruktur kann nur als dürftig beschrieben werden, alles macht einen herunter gekommenen und ungepflegten Eindruck. Kein Wunder, dass deutsche Urlauber hier nur selten anzutreffen sind. Aus purer Verzweiflung setzen wir uns in eine Bar und gönnen uns einen Frappe. Der schmeckte immerhin gut und erfrischte uns ein wenig.

Auch das geschulte Auge des erfahrenen Fotografen tut sich hier schwer, noch etwas wirklich Sehenswertes zu entdecken. Aus dem Bus heraus knipse ich im Vorbeifahren die alte Festung von Mytilene und schließlich bin ich dankbar, dass ich auch noch ein paar Blumen vor die Linse bekomme.

Um kurz vor fünf waren wir wieder zurück in Mytilene, wo wir uns umgehend von der Gruppe abseilten und noch einen Spaziergang durch die Inselhauptstadt machten. Bis auf die Kirche St. Therapon, die, passend zum heutigen Tag, auch noch geschlossen war, bildete noch einen kleinen Höhepunkt, wenn man das Wort in diesem Zusammenhang überhaupt gebrauchen will. Ansonsten herrschte auch vor allem eins: Tristesse!

Wenigstens fanden wir auch einen Souvenirladen, der Briefmarken verkauft (80 Cent benötigt man für eine Postkarte nach Deutschland, auf der Albatros nehmen sie dafür üppige 1,50 Euro!). Ein Briefkasten befand sich gleich um die Ecke, so dass wir unsere Urlaubsgrüße an Familie, Freunde und Bekannte gleich auf den Weg bringen konnten.

Auch Mytilene konnte uns nicht wirklich überzeugen, geschweige denn begeistern. Ähnlich wie in "Flopmari" sahen wir viele leerstehende Häuser oder verlassene Geschäfte, möglicherweise Zeichen des Schuldendramas um Griechenland. Für die Menschen, die hier leben (müssen), sicher eine schwierige Situation. Wir als Kreuzfahrturlauber haben es da wesentlich leichter, wir gehen einfach zurück an Bord und fahren weiter. Eine Wiederholung dieser nur mäßig unterhaltsamen Vorstellung ist nicht vorgesehen. Wir waren daher froh, dass uns der Tender wieder zur Albatros, die sich ebenfalls versteckt hatte, zurück brachte.

Dafür blieb uns der Wettergott weiterhin wohl gesonnen und wir nahmen das Abendessen daher ausnahmsweise am Lido-Büffet ein. Die Auswahl war gut, das Essen warm und schmackhaft. Und speisen unter freiem Himmel macht einfach Spaß. Den Abschied von Mytilene um 20.00 Uhr nahmen wir aber natürlich mit, so etwas gehört einfach zum Pflichtprogramm eines Kreuzfahrers.

Weil es noch nicht zu spät war und wir noch Appetit auf eine Nachspeise hatten, gingen wir aber schließlich doch noch ins Möwe, wo uns Nelberto einen warmen Mohnkuchen servierte, der raffiniert angerichtet und absolut frisch war. Da heißt es zurück lehnen und genießen:

Wir verratschten uns noch mit unseren Tischnachbarn und vergaßen fast die Zeit. So ging dieser Tag nach einem aus unserer Sicht verkorksten Ausflug auf der Albatros doch noch versöhnlich zu Ende. Morgen würde uns Kapitän Jarle Flatebo verlassen und seinen wohlverdienten Urlaub antreten. Für einen Urlaub war unser nächstes Ziel geradezu ideal. Nach den gemütlich anmutenden Städtchen im östlichen Mittelmeer würden wir nun in eine andere Welt eintauchen. Folgen Sie uns nach Istanbul!

 

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