Freitag, 01.05.2015 - Auf See

Wir haben wieder sehr gut geschlafen, das war auch nötig, denn in der Nacht wurden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Nachdem wir am Vortag erst spät in die Federn kamen und das Schlafbedürfnis daher groß war, fiel uns das Aufstehen schwer. Beim Frühstück im Möwe wurden wir dann sozusagen "musikalisch geweckt". Unsere rührigen Tischnachbarn sangen Sonja ein Ständchen zum Geburtstag. Das war doch schon mal ein gelungener Auftakt für einen erholsamen Seetag. MS Albatros war derweil in ruhigen Gewässern Richtung Souda Bay (Kreta) unterwegs.

Das Tagesprogramm sah dann ab 11.30 Uhr einen so genannten "Mai-Frühschoppen" vor. Da wurde natürlich Freibier ausgeschenkt und deftige Spezialitäten gab es auch. Dazu spielte das Duo "Abendrot" auf. Die Passagiere strahlten mit der Sonne um die Wette, auf dem  Pool-Deck herrschte eine fröhliche Stimmung. Die unsäglichen Bierzeltgarnituren wurden mit ansprechenden blauen (Tisch)-Decken  verschönert, so dass auch der äußere Rahmen passte.

Auf der Suche nach Freibier liefen wir auch unserem letztjährigen Waiter Florendo in die Arme, der uns jetzt in einer schmucken Uniform mit einem Streifen gegenüber stand. Die Begrüßung war herzlich und wir sollten uns in den kommenden Tagen noch öfter sehen. Florendo hat nichts von seiner unglaublich serviceorientierten Einstellung verloren, er liest seinen Gästen förmlich jeden Wunsch von den Augen ab.

Den Frühschoppen nutzte ich auch, um mich mit einer Besucherin meiner Homepage zu treffen. Sie war im Vorjahr ebenfalls auf der Albatros, hatte dann meinen Reisebericht gelesen und mit mir Kontakt aufgenommen. Unter diesen Umständen macht das Schreiben von solchen Berichten gleich noch mehr Spaß, wenn man auf derart sympathische Weise erfährt, dass sie hin und wieder sogar gelesen werden! Nachmittags machen wir einen Abstecher in die Pazifik-Lounge und versuchen unser Glück beim Bingo. Allein es bleibt beim Versuch, wir scheitern kläglich.

Dann heißt es "Aufhübschen" für den Begrüßungs-Cocktail und den "Willkommens-Gala-Abend". Zu unserer eigenen Überraschung sind wir die Ersten in der Reihe derer, die dem Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor die Hand schütteln dürfen.

In der Atlantik-Lounge ist "Full House", die Passagiere der Albatros können es kaum erwarten, mit Kapitän und Offizieren sowie dem Phoenix-Team anzustoßen. Neben Kapitän Flatebo ist auch sein Nachfolger Elmar Mühlebach dabei, der ab Istanbul das Kommando übernehmen wird und der ebenfalls einige Worte zur Begrüßung spricht. Dabei macht er einen ausgesprochen sympathischen Eindruck.

Der Hunger treibt uns dann zügig ins Möwe, wo das Gala-Dinner serviert wird. Wir lassen uns die Entenbrust bzw. das wunderbar zarte Entrecote schmecken.

Derart gestärkt konnten wir die musikalischen Darbietungen, die dann folgten, noch besser genießen. Gleich an fünf Tischen, die mit Luftschlangen und Luftballons geschmückt waren, gab es Geburtstagskinder zu feiern. Wir waren natürlich besonders gespannt, weil Sonja eines davon war. Dann sahen wir den Maitre mit seiner Mannschaft kommen. Fotoapparate und Videokameras waren natürlich in Stellung gebracht, die Vorstellung konnte beginnen. Die "Stimme der Albatros" legte dann auch gleich los. "Happy Birthday" kam Canada gewohnt locker und leicht über die Lippen und natürlich wurden auch noch einige andere Melodien zum Besten gegeben. Der Maitre überreicht meiner Frau eine Geburtstagskarte mit den Unterschriften von Kapitän und Kreuzfahrtdirektor und eine kleine Torte gibt es natürlich auch. Letztere wird unverzüglich unter den bestens gelaunten Tischnachbarn aufgeteilt und verzehrt.

Derart eingestimmt machen wir uns auf den Weg in die Atlantik-Lounge, wo an diesem Abend der schlagfertige Zauberer Wolf Stein seinen Soloauftritt hat. Mit kleinen Tricks und launigen Erklärungen versteht er es meisterhaft, das Publikum zu unterhalten.

Müde aber bester Laune gingen wir schließlich auf die Kabine und staunten nicht schlecht, als wir noch mit einem kulinarischen "Betthupferl" überrascht wurden. Unser Sohn hatte zum Geburtstag noch eine Käseplatte für seine Mutter geordert.

Nach ein paar Happen, die den Magen endgültig schlossen, baten wir unseren Kabinensteward den Rest in den Kühlschrank zu stellen. Damit ging ein abwechslungsreicher 1. Mai zu Ende. Die Albatros fuhr in weiterhin ruhigem Gewässer und nahm Kurs auf Souda Bay.

 

Samstag, 02.05.2015 (Souda Bay - Chania, Kreta, Griechenland)

Heute wurden wir wieder früh geweckt, um kurz vor sieben war die Nacht vorbei. Die Albatros hatte seit Valletta knapp 500 Seemeilen zurück gelegt und fuhr in die Bucht von Akrotiri ein. Der unansehnliche Hafen von Souda Bay wäre eigentlich keine weitere Erwähnung wert, aber da hier auch ein Marine-Stützpunkt der US Navy angesiedelt ist, kann nur ein Teil der Bucht von der zivilen Schifffahrt genutzt werden.  Souda gehört seit 2010 zu Chania und liegt etwa 6 Kilometer östlich davon.

Wir frühstücken im Möwe, denn draußen ist es einfach noch zu kühl, obwohl die Sonne schon wieder schwer auf dem Vormarsch ist. Anschließend folgt der schon obligatorische Gang in die Atlantik-Lounge, um die Busnummer in Empfang zu nehmen. Heute haben wir uns für den Ausflug "Agia Triada und Chania" entschieden, der viereinhalb Stunden dauern soll und uns noch genügend Zeit lässt, um die Nachmittagssonne auf der Albatros zu genießen.

Am Bus begrüßt uns Reiseleiterin Gabriella, die keine Zeit verliert und ihr Wissen über die Insel sofort an uns weiter gibt. So hören wir, dass auf Kreta etwa 13 Millionen Olivenbäume wachsen, die problemlos mehrere hundert Jahre alt werden. Klar, dass Olivenöl ein wichtiger Exportartikel ist. Wir lernen auch, dass den Kretern der Wonnemonat Mai herzlich egal ist und bei den Hochzeitsplanungen keine Rolle spielt. Allenfalls für die Esel wäre der Mai interessant, weil sie sich dann paaren würden. Dann wurde es aber wieder ernst, denn nach 30 Minuten Fahrzeit erreichten wir das etwa 300 Jahre alte Kloster Agia Triada.

Von hier hatten wir auch einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung und die Bucht, in der schon wie bestellt die Albatros ankerte.

Hier liegen die Gegensätze nah beieinander. Unten an der Küste herrschen schon sommerliche Temperaturen, während die Gipfel der umliegenden Berge noch von Schneehauben "behütet" sind. Während uns Gabriella vom Leben der Mönche erzählt, kommt uns auch schon einer entgegen. Bevor wir ihn fotografieren, holen wir natürlich erst seine Erlaubnis ein.

Im Innenhof des Klosters gibt es dann noch einen kleinen Exkurs in die griechisch-orthodoxe Religion, bevor wir uns auf dem Gelände umsehen und nach Herzenslust fotografieren dürfen.

Agia Triada wurde 1631 am südlichen Rand des nordöstlichen Gebirgszuges von Akrotiri erbaut, es ist der heiligen Dreifaltigkeit geweiht und geht auf venezianische Mönche zurück, die der orthodoxen Kirche beigetreten waren, den Brüdern Giancarolo. Die in Oliven- und Orangenhaine eingebetteten Gebäude sind in venezianischem Renaissance-Stil errichtet. Sie wurden im Jahre 1830 wieder aufgebaut, nachdem das Kloster 1821 durch die herrschenden Türken niedergebrannt wurde.

Die Innenansichten können hier betrachtet werden:

Sehr gut gefallen haben uns auch die eher "kleinen" Motive, also scheinbare Nebensächlichkeiten, die das Gesamtbild aber erfrischend abrunden:

Mit diesen schönen Bildern im Gedächtnis und auf der Chipkarte verlassen wir das Kloster Agia Triada und steigen wieder in unseren klimatisierten Bus. Auf dem Weg nach  Chania machten wir noch einen kurzen Stopp am Grabmal des Politikers Venzelos. Von der Grabstätte hatte man auch einen tollen Blick auf Chania.

Nach dieser kurzen Pause chauffierte uns Dimitrios weiter in die Hafenstandt Chania, das mit seinen etwa 55.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf Kreta ist. Zunächst gingen wir noch mit Gabriella mit, um später auch den Rückweg zum Bus alleine zu finden. Schon kurz nach dem Ausstieg kamen wir an der Markthalle vorbei.

Dann tauchten wir in das Gassengewirr von Chania ein und bekamen in der "Ledergasse" einen kleinen Einblick in das touristische Angebot dieser brodelnden Stadt. Als wir schließlich im Hafenbereich ankommen, lösen wir uns von der Gruppe und erkunden die nähere Umgebung auf eigene Faust.

Der venezianische Einfluss ist insbesondere hier am Hafen unverkennbar. Die alten Herrenhäuser wurden restauriert und man ist hier natürlich stolz darauf, in einer der ältesten Siedlungen Europas zu leben. In der Antike hieß die heutige Stadt Kydonia, die Venezianer machten daraus "La Canea". Uns gefällt es aber auch als Chania ausgesprochen gut. Der Leuchtturm im Osten an der Hafeneinfahrt wurde in den letzten Jahren aufwändig restauriert und ist ein schöner Blickfang.

 

Vom Hafen führen zahlreiche Gassen und Gässchen weg und man kann ein wenig in den Schatten flüchten, um in Läden zu stöbern oder, wie wir, eine Erfrischung zu sich zu nehmen.

Schließlich machen wir uns auf den Rückweg zum Bus und kommen dabei auch an der "Kathedrale der drei Märtyrer" vorbei.

Auch wenn es ab hier nicht mehr weit zu unserem Bus war, habe ich die Wirkung der "Ledergasse" unterschätzt.

Hier erlebe ich nämlich, dass nicht nur Frauen anfällig sind für Ablenkungen. Gürtel und Geldbörse habe ich zwar nicht gesucht, trotzdem welche gefunden und käuflich erworben. Auch eine Flasche Olivenöl erstehen wir in der neoklassizistischen Markthalle. Einfach ein "Muss", wenn man schon mal auf Kreta ist. Während die Augen vielleicht an einem Stand mit vielen Gewürzen hängen bleiben, wandert der Geruchssinn schon zum nächsten Geschäft, wo alle möglichen Teesorten auf Käufer warten. Hier wird sicher jeder fündig und das Schönste daran ist, dass man hier nicht zum Kauf gezwungen wird. Niemand drängt einem etwas auf, alles ist möglich, nichts muss!

Nachdem wir die Markthalle durchquert hatten, waren es nur noch wenige Meter zu unserem Bus. Erfreulich auch an diesem Ausflugstag war die Pünktlichkeit der anderen Reiseteilnehmer. Gegen 13.00 Uhr waren wir wieder zurück im Hafen von Souda Bay. Die Albatros erstrahlte im Sonnenlicht, schneidig wie eh und je, ganz so wie es sich für eine "Weiße Lady" gehört.

Auf unserer Kabine verputzten wir dann die Käseplatte, die unser Kabinensteward aus dem Kühlschrank "befreit" hatte. Eine willkommene Stärkung nach dem Ausflug. Im Anschluss gönnten wir uns dann noch Kaffee und Kuchen am Lido-Büffet. Am Nachmittag raffte ich mich sogar auf, um noch ein paar Kilometer auf dem Crosstrainer abzuspulen, das war bei den Temperaturen wahrlich schweißtreibend. Um 18.00 Uhr verließ die Albatros den Hafen von Souda Bay und nahm bei weiterhin schönem Wetter Kurs Richtung Lesbos.

Das Abendessen stand diesmal ganz im Zeichen der blau-weißen griechischen Flagge (Sie merken die Ähnlichkeit zu den bayerischen Farben!). Zum Auftakt wurden gefüllte Weinblätter serviert. Zum Hauptgericht konnte man zwischen Schweinefilet, Bifteki oder Moussake wählen.

Zu einem griechischen Essen gehört natürlich auch der entsprechende Verdauungsschnaps. In diesem Fall war der Ouzo also obligatorisch. Ein derart üppiges Abendessen schreit förmlich nach Bewegung. Wir gingen daher ein Deck höher auf Shoppingtour, wo ich im gut sortierten Bordshop ein Polohemd und ein Kurzarmhemd kaufte. Mir stand der Sinn nach bunten Farben und ich konnte einfach nicht an dem Laden vorbei gehen. Bei leicht bewegter See gingen wir dann auf die Kabine und ließen den ersten Tag in Griechenland noch einmal Revue passieren.  

Unser Premieren-Besuch auf Kreta ging damit zu Ende. Morgen wartete schon der nächste griechische Hafen in Mytilene (Lesbos).

 

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