Im historischen Zentrum Verona's gibt es ingesamt sieben Brücken, die über die Etsch führen, die wir am Ende der Via Nizza sahen. 1946 wurde die Ponte Nuovo, vor der wir jetzt standen, in der jetzigen Form fertig gestellt.

Hier konnten wir endlich etwas durchatmen, die Touristenströme lagen hinter uns, und der Blick auf die Etsch, die Brücke und die dahinter liegende Kirche San Tomaso, gaben ein schönes Fotomotiv ab. Wir lenkten unsere Schritte nach links und sahen schon bald die größte Kirche Verona's, die Sant' Anastasia, vor uns, deren Turm so hoch ist, dass man ihn ohnehin nur von Ferne fotografieren kann.

Bei der großen Anzahl an Kirchen war es schwierig eine Auswahl zu treffen. An einem Tag sollte man sich auch nicht zu viel zumuten und so eine Stadtbesichtigung soll ja auch nicht an eine Flucht erinnern. Insofern ließen wir es ruhig angehen, zumal wir ja noch Einiges vor uns hatten. Die Sant' Anastasia liegt etwas nördlich der Scaliger-Gräber. Ein schneller Blick auf die Fassade zeigt, dass der 1290 begonnene Bau nie vollendet wurde, aber wie so oft im Leben, kommt es auch hier auf die "inneren Werte" an.

Schon anhand dieser drei Fotos mag der Leser beurteilen können, wie schwierig es ist, das gesamte Gotteshaus abzulichten. Die Basilika besteht aus drei großen Schiffen, die von 12 mächtigeSäulen aus rotem Marmor aus Verona getragen werden. Wenn man die Kirche betritt (der Eintritt kostet übrigens 2,50 Euro), wird einem auch schnell klar, weshalb der Bau der Basilika weit mehr als 200 Jahre gedauert hat.

Nahe am Eingang stößt man gleich auf zwei Weihwasserbecken, die nicht alltäglich sind:

Das rechte Weihwasserbecken entstand 1495 und wird von einem Buckligen getragen, der bei den Gläubigen Reaktionen von Aberglauben auslöste. Die linke Skulptur, Pasquino genannt, entstand etwa 100 Jahre später, ist daher auch viel filigraner gearbeitet und steht auf dem Original-Fußboden aus dem Jahr 1462.

Aber jetzt ist es an der Zeit für einen kleinen Besichtigungsrundgang:

Die Basilika, die ein wunderbares Beispiel für die italienische Gotik ist, ist ein wahre Schatzkammer. So findet man z.B. ein bedeutendes Fresko von Altichiero oder eine berühmte Arbeit von Pisanello.  Die Kapellen der Kirche sind übersät mit Gemälden und fein gearbeiteten Altären. Wer noch mehr über die St. Anastasia wissen möchte, dem sei ein Klick auf diese ausführliche Broschüre empfohlen.

Wir verlassen die größte Kirche Verona's, nicht wissend, dass wir sie später noch einmal aus anderer Perspektive zu Gesicht bekommen sollten. Die Etsch im Rücken orientieren wir uns wieder in Richtung Stadtmitte. Die Entfernungen sind hier kurz und wie an anderer Stelle schon erwähnt, sollte man sich vor Beginn der Tour in etwa überlegen, was man besichtigen möchte, die Gefahr der Verzettelung ist sonst einfach zu groß. Unser nächstes Ziel ist der Palazzo della Ragione an der Piazza dei Signori.

Die auffallenden roten Ziegel und weißen (Tuffstein)-Streifen sind typisch für veronesische Gebäude des 12. und 13. Jahrhunderts. Rechts auf dem Bild sieht man die reich geschmückte zweiläufrige Außentreppe, die einst zum Gerichtssaal führte und daher auch "Scala della Ragione" (Treppe des Rechts) genannt wurde. Über diesen Treppen sieht man schon die Torre dei Lamberti:

Auch der Bau dieses Turmes dauerte eine halbe Ewigkeit. Begonnen wurde bereits im Jahr 1172, doch es vergingen weitere 300 Jahre bis er vollendet war. Vom Hof des Palazzo della Ragione führt ein Lift auf den 84 Meter hohen Turm. Dafür muss man zwar 8,00 Euro Eintritt bezahlen, aber das ist gut angelegtes Geld, denn die Aussichten von dort oben sind wirklich großartig. Außerdem war die Anzahl der Touristen, die sich in diese Ecke der Stadt verirrten, sehr überschaubar, kein Vergleich zu den Menschenmassen bei Julia's Haus.

1464 wurde das achtecktige Turmgeschoss erweitert und mit den beiden Glocken "Rengo" und "Marangona" versehen. Wir sind aber natürlich in erster Linie wegen der fantastischen Aussichten nach oben gefahren. Hier pfeift zwar ein strammes Lüftchen, aber das Betrachten von Fotografien führt bekanntlich nicht zu Erkältungen.

Und, habe ich zu viel versprochen? Ich denke nicht, denn von hier oben sieht man alles, was Verona ausmacht. In der ersten Reihe links sehen wir neben dem 44 Meter hohen Torre del Gardello den Palazzo Maffei, dessen obere Balustrade von den griechischen Göttern Herkules, Jupiter, Venus, Merkur, Apoll und Minerva gekrönt wird. Davor wacht der venezianische Löwe und beobachtet das muntere Treiben auf der Piazza Erbe. In der zweiten Reihe rechts ist dieses Ensemble noch besser zu sehen. In der dritten Reihe links ist der Dom von Verona mit dem markanten weißen Campanile zu sehen und rechts schließlich die von uns besuchte Kirche St. Anastasia, die hier im schönsten Licht erstrahlt.

Nach der geradezu paradiesischen Ruhe auf dem Torre dei Lamberti stürzten wir uns in das Getümmel der Piazza Erbe. Bevor wir die vielen Ecken des Platzes genauer unter die Lupe nahmen, gönnten wir uns aber erst einmal eine Pause in einem Ristorante unmittelbar an der Piazza Erbe. Den Namen habe ich leider vergessen, aber die Spaghetti Carbonara und die Pizza meiner Frau haben geschmeckt und auch der Preis war angesichts der tollen Lage in Ofrdnung. Schließlich gilt auch hier: Leute beobachten macht besonders dann viel Spaß, wenn man "in der ersten Reihe" sitzt.

Das unregelmäßige Rechteck des Platzes passt gut zur hier herrschenden Ordnung oder sollte ich besser sagen Unordnung. Man muss zu jeder Sekunde aufpassen, in welche Richtung man seine Schritte lenkt, denn entweder stolpert man über den Stuhl einer Pizzeria, die Plane eines Verkaufsstandes oder man steht unvermutet in einer Gruppe japanischer Touristen. Trotzdem haben wir natürlich noch das eine oder andere Gebäude, das wir zuvor aus der Vogelperspektive gesehen haben, aus nächster Nähe fotografiert.

Am späten Nachmittag machen wir uns dann über die Via Mazzini auf den Rückweg. Der führte uns wieder an der Arena vorbei und am Liston, jenem Platz, wo sich viele weitere Restaurants befinden und wo man sich nach einer Opernaufführung noch auf ein Glas Rotwein treffen kann. An den dann folgenden eindrucksvollen Doppel-Rundbögen, den Portoni della Bra, schwenkten wir nach links, dort kamen wir an der Tourist-Info vorbei und von hier sind es nur noch wenige Meter zum Parkhaus an der Piazza Cittadella, wo wir unseren Wagen abgestellt hatten.

Nach diesem langen Sightseeing-Tag kehrten wir vollgepackt mit neuen Eindrücken nach Bardolino in unser schönes Hotel Caesius zurück.

 

Reiseseiten Verona - Teil 1 Hotel Caesius - Bardolino