Bevor die Reise beginnt, werden Sie von Kapitän Hansen in seiner typischen Art begrüßt. Klicken Sie auf den eingefügten MP3-Player!

Sonntag, 27.04.2014 (Venedig, Italien)

Um 6.30 Uhr ist die vorerst letzte Nacht im heimischen Landshut vorbei. Mit dem Auto geht es zunächst nach München zum zentralen Busbahnhof in der Nähe des Hauptbahnhofes. Es regnet immer wieder mal, es ist kalt und ungemütlich und allein schon deshalb gibt es keinen Grund, in Bayern zu bleiben. Auf dem Busbahnhof kommen  permanent Reisebusse aus aller Herren Länder an: wir sehen alte und uralte Busse aus Kroatien oder der Slowakei und aus der Türkei. Männer, Frauen und Kinder, oft bepackt mit Unmengen von Plastiktüten, entsteigen den altertümlichen Gefährten, die wohl noch nie einen TÜV aus der Nähe gesehen haben. Gegen 8.00 Uhr  erspähen wir dann ein ungleich moderneres Fahrzeug der Marke „Setra“. Ein Fernreisebus der Firma Hebbel-Reisen.

Prakischerweise mit Anhänger, so dass wir auch unsere vier Koffer problemlos unterbringen. Mit uns steigen noch etwa 35 weitere Reisende aus dem süddeutschen Raum ein. Mit etwas Verspätung brechen wir gegen 8.30 Uhr auf, um nach Rosenheim zu fahren, wo weitere 38 Gäste zusteigen. Vor dem Hotel in Rosenheim beginnen dann die ersten Revierkämpfe, denn die meisten Plätze waren schon am Vortag von den nord- und ostdeutschen Gästen, die in Rosenheim übernachteten, in Beschlag genommen worden. Jetzt saßen und standen 75 Personen unorganisiert in der Gegend herum und der Busfahrer hatte alle Hände voll zu tun, um die Meute einigermaßen in Schach zu halten. Da wurde schon mal ein 90-jähriger von einem 85-jährigen angeblafft, als ob es kein Morgen gäbe. Unsere heutige Rentnergeneration verfügt augenscheinlich über ein ausgesprochen ausgeprägtes Anspruchsdenken.

Nachdem diese Grabenkämpfe ausgefochten waren und jeder seinen Platz gefunden hatte, konnte die Fahrt losgehen. Die Route führte uns über Innsbruck, Matrei, Brenner, Gardasee, Padua und Mestre nach Venedig. Mit zunehmender Fahrtzeit wurde das Wetter immer schlechter, es begann zu regnen und aus dem Regen entwickelten sich nicht enden wollende Gewitter, die Unmengen von Wasser nach unten schickten. Trotzdem war die Fahrt ganz angenehm, der nimmermüde Sven, der für das Catering zuständig war, wuselte ständig zwischen den beiden Passagierdecks umher und versorgte die Gäste mit Getränken und kleinen Snacks.

Endlich, um 16.30 Uhr, erreichten wir Venedig. Die „Serenissima“ zeigte sich bewölkt, aber immerhin ohne Regen. Die Costa Magica parkte vor der MS Albatros, von der wir zunächst nur den türkisfarbenen Schornstein zu Gesicht bekamen. Auf der gegenüberliegenden Seite ankerte die MSC Fantasia, auch so ein Riesenschiff, das einem Angst machen kann.

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Ein angenehmer Nebeneffekt unserer etwa halbstündigen Verspätung war die Tatsache, dass wir die einzigen Passagiere waren, die zu diesem Zeitpunkt eincheckten. Das Zoll-Prozedere, das einige als überflüssige Schikane empfanden, war schnell erledigt. Da unsere Koffer als letzte im Anhänger verstaut wurden, bekamen wir sie auch als Erste wieder in die Hand und damit waren wir auch die ersten im Terminal. Mehrere Check-In-Schalter von Phoenix warteten auf Kundschaft, alle Mitarbeiter waren hier gezwungenermaßen tatenlos. Wir kamen zu einer freundlichen und hilfsbereiten Rezeptionistin namens Sabina, die unsere Voucher und Pässe in Empfang nahm, ein Foto für die Boarding-Card machte und uns gute Reise wünschte. Ein perfekter Check-In, in dieser Geschwindigkeit für uns ein Novum.

Anschließend erwarteten uns die obligatorischen Fotografen am Steuerrad. Das Begrüßungsfoto ist für uns keine lästige Pflichtübung, wir freuen uns schon immer auf die Bilder und da die Preise bei Phoenix, pro Bild 5,50 Euro, im Gegensatz zu Costa mehr als moderat sind, kann man sich hier durchaus das eine oder andere Teil leisten.

Jetzt sahen wir die Albatros schon, aber ein gutes Foto war nicht möglich, weil das Schiff für eine brauchbare Aufnahme viel zu nah war.

Aber wir sollten sie in den kommenden zwei Wochen ja noch öfter zu Gesicht bekommen. Am Eingang der Albatros wurden wir schon von Kreuzfahrtdirektor Joe Liemberger willkommen geheißen. Genau so wie wir es bislang nur aus der Fernsehdoku „Verrückt nach Meer“ kannten.

Von Innen machte die Albatros, die immerhin schon stolze 41 Jahre auf dem Buckel hat, einen vorzüglichen Eindruck. Gepflegte Teppichböden, zum Teil wohl erst kürzlich erneuert, geschmackvolles Interieur und überall freundlich lächelnde Mitarbeiter. Wir begaben uns auf Deck 6, wo man uns gleich ein Gläschen Sekt in die Hand drückte, dann machten wir noch einen Abstecher zum Maitre, wo schon die ersten Passagiere wegen der Tischreservierungen vorsprachen. Wir hatten bereits vorab per Email um einen Tisch am Fenster gebeten und wollten uns nur erkundigen, ob unserem Wunsch entsprochen werden konnte. Da es sich um einen Achtertisch handelt, galt auch hier: wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wir mussten also frühzeitig beim Abendessen sein, um in den Genuss des Fensterplatzes zu kommen.

Jetzt führte uns unser Weg zum Neptundeck, hier war unsere Außenkabine mit der Nummer 3.012. Der erste Koffer war auch schon da und nur Minuten später hatte sich ein ganzes Heer freundlicher Crewmitglieder auf die übrigen Gepäckstücke gestürzt und sie in die Kabine gebracht. Einer der Arbeiter meinte dann noch, ob das denn jetzt der letzte wäre. Wir merkten sehr schnell, dass die Stauräume in der Kabine zwar relativ großzügig bemessen sind, aber trotzdem auch begrenzt. Irgendwie sind wir beim Packen aus unerfindlichen Gründen von einer vierwöchigen Reisedauer ausgegangen.

Da auch Kofferauspacken richtig an Arbeit grenzt, entschieden wir uns, eine Pause zu machen und im Restaurant Möwe einen kleinen Snack zu uns zu nehmen. Hier bekamen wir einen ersten Eindruck von den kulinarischen Möglichkeiten, die die Albatros bieten sollte. Das Restaurant gefiel uns auf Anhieb. Die in lila Farben gehaltenen Stühle harmonierten sehr schön mit dem Teppichboden. An den großen Panoramafenstern standen 8er-Tische und in der Mitte des Restaurants war ein Büffet mit zwei Menü-Straßen aufgebaut.

Viel Zeit blieb uns jedoch nicht, denn schon um 18.15 Uhr war die Rettungsübung angesetzt. Bei Phoenix verliert man hier offensichtlich keine Zeit. Wir fanden uns mit den Rettungswesten am Sammelplatz ein, legten sie vorschriftsgemäß an und marschierten dann gemeinsam zu unserer Musterstation bei Rettungsboot 1.

Dann dauerte es auch nicht lange, bis wir Kapitän Morten Hansen zum ersten Mal zu Gesicht bekamen. Er kontrollierte tatsächlich jede Gruppe einzeln und hielt einen kurzen Vortrag über das Thema Sicherheit auf der Albatros. Der macht das also wirklich und nicht nur für die Fernsehzuschauer! dachten wir.

Das Timing für die Rettungsübung war, gewollt oder ungewollt, perfekt. Um 19.00 Uhr hieß es nämlich „Leinen los!“ - MS Albatros verabschiedet sich aus Venedig und nimmt Kurs auf Gallipoli. Die Melodie „Conquest of Paradise“ von Vangelis ertönte und langsam setzte sich die Albatros in Bewegung.

Leider begann es nun doch zu regnen und so war es uns wieder nicht vergönnt, die malerische Ausfahrt bei Sonnenschein erleben zu dürfen. Trotzdem war die Ausfahrt mit der Albatros ein Erlebnis.

Pünktlich kamen wir dann zum Abendessen ins Restaurant Möwe auf dem Salon-Deck (Deck 6) etwa mittschiffs. Wir waren zeitig dran und kamen so in den Genuss von zwei Fensterplätzen. Vier Reisebegleiter der kommenden zwei Wochen saßen bereits und auch die restlichen zwei Herrschaften stießen kurz darauf zu uns. Derweil fragten die aufmerksamen Kellner schon nach den Getränkewünschen und wir inspizierten die erste Menükarte. Die Auswahl war reichlich, der Service excellent und die erste Meerbarbe an Bord der Albatros mundete vorzüglich. Auch der kostenlos servierte rote Hauswein schmeckte uns. Zum Wein tranken wir Mineralwasser, das uns regelmäßig von Mary-Jane serviert wurde, die aus den Flaschen regelrechte kleine Kunstwerke zauberte.

Trotzdem verabschiedeten wir uns, wie die meisten, an diesem ersten Abend frühzeitig. Der Tag war lang und anstrengend.

Zurück auf der Kabine, die mit einer gesonderten Schlüsselkarte zu öffnen ist, fanden wir neben dem Tagesprogramm

auch noch einige Kuverts vor. Wir staunten nicht schlecht, als wir die Kabinenpräsente unseres Sohnes und unserer Schwiegertochter in Händen hielten. Ausflugsgutscheine, Bordguthaben und Sekt hatten sie uns zu den bevorstehenden Geburtstagen spendiert. Auch die Ausflugstickets, die wir zuhause über das Internet gebucht hatten, lagen schon bereit und ein weiteres Kuvert erregte unsere Aufmerksamkeit. Es enthielt eine Einladung an den Kapitänstisch für den nächsten Abend, da stand die Willkommens-Gala auf dem Programm.

Voller Vorfreude auf den nächsten Tag fielen wir hundemüde in die Federn!

 

Montag, 28.04.2014 (Seetag)

Die erste Nacht an Bord der Albatros verlief ruhig, die See war nicht einmal leicht bewegt. Einzig und allein ein ausdauerndes nerviges Geräusch, das angeblich mit den Stabilisatoren zu tun hätte, störte uns etwas. Aber mit der Zeit gewöhnten wir uns daran und ignorierten es schließlich! Gegen 8.00 Uhr wurden wir vom Kreuzfahrtdirektor Peter Liemberger, einem smarten 42-jährigen Österreicher, über Lautsprecher geweckt. Er gab uns gleich einen kurzen Tagesüberblick über die an Bord geplanten Aktivitäten.

Unser erstes Frühstück nahmen wir im "Moewe" ein, draußen war es doch noch etwas kühl, aber immerhin ließ sich die Sonne schon hin und wieder sehen. Kaffee und Orangensaft, die von den umtriebigen Kellnern sofort serviert werden, bringen den Gute-Laune-Pegel gleich in die richtige Stellung und das Frühstücksbüffet ließ keine Wünsche offen. Ich bin glücklich, wenn ich meine Rühreier mit crossem Speck bekomme und davon gibt es hier reichlich. Wir trinken mehrere Tassen Kaffee und unterhalten uns mit unseren Tischnachbarn, die aus Hagen kommen, angeregt.

Dann unternehmen wir eine erste „Orientierungwanderung“ auf der Albatros. Wo ist was? Rezeption, Phoenix-Schalter, Fotoshop. Auf der 205 Meter langen „Weißen Lady“ finden wir uns schnell zurecht und auch die ersten Bilder von der Einschiffung lassen nicht lange auf sich warten. Mit einem Bildpreis von 5,50 Euro können wir gut leben und wir freuen uns auf eine weitere Bildersammlung einer spannenden Kreuzfahrt.

Den um 11.30 Uhr beginnenden Frühschoppen verfolgen wir aus sicherer Entfernung vom Promenadendeck. Es gibt Schunkelmusik und Weizenbier für 2,50 Euro. Aber man kann ja nicht ständig essen, nicht wahr.

Daher gehen wir auch erst wieder um 13.00 ins Möwe und lassen uns an einem schön gedeckten Tisch bedienen. Wir entscheiden uns für ein Flunderfilet und werden nicht enttäuscht. Die Kulinarik, so viel lässt sich jetzt schon sagen, ist hier deutlich besser als auf den Costa-Schiffen und auch die FTI.Berlin konnte mit dem hier Gebotenen nicht mithalten.

Das Wetter wird immer besser und die letzten Wolken verabschieden sich bald, so dass ich den Besuch des Fitness-Centers streiche und mir stattdessen ein gemütliches Plätzchen auf dem Promenadendeck (Deck 7) suche. Hier befindet sich jeweils an der linken und rechten Seite am Heck ein schmaler Ausleger, der mit Stühlen bestückt ist. Dem Meer ist man hier noch näher und man hat einen prima Blick auf das darunter liegende Pooldeck. Ein Ort, an dem man es aushalten kann!

Wir blieben natürlich bis zur Kaffeestunde, die um 16.00 Uhr begann. Das umfangreiche Essensangebot kann man schließlich erst beurteilen, wenn auch der letzte Kuchen probiert worden ist. Auch die Konditoren auf der Albatros verstehen ihr Handwerk, es wurde u.a. eine Erdbeer-Himbeer-Torte angeboten und dazu noch kleine Köstlichkeiten sowie Snacks.

Dann mussten wir uns schick machen für den Gala-Abend. Um 18.30 Uhr reihten wir uns in die Schar der festlich gekleideten Passagiere vor der Atlantik-Lounge ein. Fast alle wollten ein Foto mit Kapitän Hansen. Obwohl der urige Norweger zu diesem Zeitpunkt schon ein paar hundert Hände geschüttelt hatte, war er immer noch bester Laune. Ich war überrascht von seinem starken Händedruck, ein echter Seebär!

Auch mit dem Kreuzfahrtdirektor stellten wir uns in Positur und so ging es Schlag auf Schlag. In der Atlantik-Lounge suchten wir uns in einer der vorderen Reihen ein Plätzchen, schlürften den dargebotenen Sekt und die vorzüglichen Häppchen und dann marschierte „Morten I.“ mit seinen Offizieren und dem Phoenix-Team ein. In seinem lustigen Kauderwelsch aus  Deutsch und seiner von ihm kreierten Phantasiesprache (Temperatür, Kültür, Organisatschjon, Verständniskeit um nur einige Wortschöpfungen zu nennen) trug er sofort zu einer guten Grundstimmung bei. Der Mann weiß, was seine Fans von ihm erwarten.

Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei und unter freundlich-begeistertem Rhythmusklatschen verließ der strahlende Held die Bühne. Wir folgten ihm und gingen ein Deck höher zur Casablanca-Bar, wo uns der Kreuzfahrtdirektor und der Kapitän schon erwarteten. Wir lernten die übrigen Gäste des Abends kennen, plauderten uns ein wenig locker und tranken ein Schlückchen Sekt zur Entkrampfung. Dann gingen wir, vorbei an zum Teil staunenden Passagieren, ins Restaurant Pelikan, wo ein geradezu fürstlich eingedeckter Tisch auf die 12 Gäste des heutigen Abends wartete. Ein herrlicher Anblick bot sich uns: sehr edles Geschirr in Ockerfarben, dazu mehrere Gläser für Wein und Wasser, schweres Besteck und 12 (!) Kellner. Zum Auftakt gab es erst einmal ein Gruppenfoto. Ich durfte neben dem Hoteldirektor Platz nehmen, Sonja saß neben Joe Liemberger, schräg gegenüber thronte der Kapitän und schließlich war noch ein offizieller Vertreter von Phoenix, Kreuzfahrtdirektor Christian Adlmaier, mit am Tisch, dazu acht Gäste der Albatros. Wie wir es in diesen erlauchten Kreis geschafft haben, weiß ich nicht, nur so viel ist bekannt, dass unser Sohn mehrere Emails an Phoenix geschickt hat und darauf hinwies, dass meine Frau einen runden und ich während der Kreuzfahrt ebenfalls Geburtstag feiern würde. Vielleicht hat das am Ende überzeugt, ich weiß es nicht, aber das war letzten Endes auch egal. Jetzt saßen wir schließlich auch hier und freuten uns einfach.

Das Gala-Dinner verdiente seinen Namen wirklich. Schon die Vorspeisen waren raffiniert zubereitet und geschmacklich exzellent. Die Krönung war jedoch das Hauptgericht: Tournedos vom Rinderfilet, butterweich und auf den Punkt gebraten.

Zwischendurch gab es noch ein Zitronensorbet mit Schnaps und am Ende ein Dessert, das derart aufwändig zubereitet war, dass man es gar nicht verspeisen wollte. Zur Verdauung kredenzte man uns dann noch den Lieblingsaquavit des Captains, der schon den Äquator überquert hat und für einen Kümmelschnaps relativ gut verträglich schmeckte. Aber jeden Tag brauche ich ihn nicht. Das Heer der Kellner war permanent am wuseln, nachschenken, nachfragen, abräumen. Das Hauptgericht wurde allen Gästen gleichzeitig serviert.  Wie auf ein geheimes Kommando wurden alle Hauben gleichzeitig angehoben und die Gerichte wurden dem staunenden Publikum präsentiert! Eine tolle Show, die uns hier geboten wurde. Vergleichbares gibt es vielleicht in einem Sternelokal, aber das hier war schon etwas ganz Besonderes.

Nach mehr als zweieinhalb Stunden, um 22.00 Uhr, verabschiedeten sich Kapitän Hansen und die Jungs von der Albatros. Wir standen noch ein paar Minuten und plauderten mit den anderen Gästen, bevor auch wir, immer noch überwältigt von dem gerade Erlebten, das „Pelikan“ verließen und unsere Kabine aufsuchten. Da wir am Dienstag früh aus den Federn mussten, legten wir uns zeitig schlafen.

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