Montag, 6. Mai 2013 (Tunis)

Heute Nacht wurde die Uhr wieder einmal um eine Stunde zurück gestellt. Die Stunde Schlaf können wir sicher gut brauchen, steht heute doch ein Ganztagesausflug auf dem Programm. Unser Ziel ist zunächst La Goulette. Die FTI.Berlin erreicht den nicht sehr aufregenden Hafen von Tunis gegen 8.00 Uhr. Die Kleiderempfehlung für den heutigen Tag ist erneut "leger", soll heißen kurz behost, Temperaturen um die 23 Grad, also ideal für Besichtigungen.

Natürlich frühstücken wir wieder auf unserem Lieblingsdeck im Freien und wir sind auch wieder bei den Ersten, die das Schiff verlassen. Heute stehen doch glatt vier Busse bereit, um ihre touristische Fracht aufzunehmen.

Wir werden von einem bulligen Tunesier in bestem Deutsch begrüßt. Etwas zu kumpelhaft wie ich fand. Der Typ, der sich später als Salam vorstellt, sollte uns noch gehörig nerven. Aber jetzt waren wir erst einmal auf die Busfahrt gespannt.

Unser erstes Ziel war das berühmte Bardo-Museum, das etwa vier Kilometer westlich des Stadtzentrums liegt. Vor uns lagen also noch ein paar interessante Impressionen der tunesischen Hauptstadt. Tunis zählt etwa 730.000 Einwohner und wir hatten bestimmt den geschwätzigsten mit dabei in Person unseres Reiseleiters. Er sprach nicht, er schrie, wenn er nicht gerade telefonierte.

Die Sehenswürdigkeiten hielten sich anfangs noch sehr in Grenzen, stattdessen sahen wir Taxen ohne Ende. In Tunis gibt es vermutlich mehr Taxis als Einwohner oder wie würden Sie das bewerten?

Trotz des hohen Verkehrsaufkommens kamen wir zügig voran und waren schon um 9.15 an Ort und Stelle. Viel sahen wir da auch jetzt noch nicht, denn das Bardo-Museum wirkt von außen doch ziemlich nüchtern und es erinnert eher an ein x-beliebiges Verwaltungsgebäude denn an ein Museum.

Unser umtriebiger Reiseleiter erklärte uns auch umgehend, dass das Bardo-Museum an diesem Montag nur für uns geöffnet hätte. Auch wenn ich ihm das nicht so ganz abgekauft habe, muss es wohl tatsächlich so gewesen sein, denn ich konnte nur Leute aus unserer Gruppe und einige Offizielle ausmachen. Das Bardo-Museum ist neben dem Ägyptischen Museum das bedeutendste in Nordafrika. Wahren Weltruhm hat sich das Bardo-Museum durch seine einzigartige Mosaikensammlung verdient. Das wird gleich in der Eingangshalle deutlich, wo wir vor diesem prächtigen Mosaik den Ausführungen unseres Guides lauschten.

Das riesige Mosaik zeigt Szenen der römischen Mythologie, u.a. den Meeresgott Poseidon, wie er mit einem Vierergespann aus den Wellen empor steigt. Die nächsten beiden Bilder zeigen Ausschnitte aus diesem Gesamtbild.

Bei den Exponaten im Bardo-Museum handelt es sich um die weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaiken. Wir konnten uns wirklich glücklich schätzen, diese einzigartigen Kunstgegenstände für uns allein zu haben.

Die folgenden Bilder zeigen übrigens auch Mosaike. Es handelt sich nicht um Wandteppiche, auch wenn das auf den ersten Blick so scheinen mag.

 

 

Als wir uns mit den Ausflügen für die Kreuzfahrt beschäftigt hatten, war uns nicht klar, was uns in diesem Museum erwarten würde. Die Bilderwucht, die Farbenpracht und die Detailgenauigkeit haben uns wirklich überrascht. Die Künstler der damaligen Zeit waren nach heutiger Einschätzung auch mutig genug, die Realität abzubilden. So sieht man z.B. den Hausherrn beim Würfelspiel wie er gerade schummelt.

Weitere Mosaike gibt's in der folgenden kleinen Fotoshow:

Im Ausflugsprogramm konnten wir nachlesen, dass das Museum zeitweise sehr überfüllt sein könnte. Wie eingangs bereits erwähnt, konnte davon nun wirklich keine Rede sein. Darüber hinaus dauerte die Besichtigung auch etwas mehr als zwei Stunden, also doppelt so lang wie beschrieben. Dieser erste Teil des Ausflugs sollte sich in der Tat als wahrer Glücksfall entpuppen. Daran konnte auch die Nervensäge in Person des Reiseleiters nichts mehr ändern. Neben den Mosaiken gibt es auch andere Artefakte, z.B. dieses Baptisterium (Taufbecken), zu bewundern:

Das Museum ist übrigens nicht eigens gebaut worden, vielmehr wurde es in einen schon bestehenden Gebäudetrakt integriert. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Palast des Beys von Tunis, also den Statthalter des Sultans. Vom einstigen Glanz der früheren Herrscher zeugen noch einige Ausstellungssäle, die über Decken aus Zedernholz mit kunstvollen Intarsien oder ein Kuppeldach mit Marmostuck verfügen.

 

Tip: Wer im Museum fotografieren wollte und das wollten praktisch alle, musste eine kleine Gebühr entrichten. Meines Wissens betrug diese gerade mal einen Euro. Wir ließen uns darüber hinaus von einem Aufseher fotografieren, der dafür natürlich auch die Hand aufhielt. Aber auch der gab sich mit einem Euro Trinkgeld zufrieden.

Erst gegen kurz vor 11.00 Uhr stiegen wir wieder in unseren Bus. Nach mehr als zweistündigem Aufenthalt verließen wir das Bardo-Museum und hofften jetzt auf eine stimmungsvolle Führung durch die Altstadt, die so genannte Medina von Tunis. Im Schweinsgalopp jagte uns Salam durch die Gassen der Altstadt. Wir wähnten uns mehr auf der Flucht als auf einer Besichtigungstour durch die tunesische Hauptstadt. Der Grund war wohl der übermäßig lange Aufenthalt im Bardo-Museum. Demonstranten vor den tunesischen Regierungsgebäuden sahen wir im Vorbeigehen, auch Panzer und Stacheldraht, Bilder, die wir in westlichen Demokratien nur vom Hörensagen kennen. Aber unser Ziel war die Medina, wo wir Einblicke in den tunesischen Alltag bekommen würden, so hofften wir. Es ging vorbei an der Sidi Youssef Moschee, deren Architektur insofern Maßstäbe gesetzt hat, als erstmals ein achteckiges Minarett gebaut wurde. Unser Weg führte durch die  "Rue du Chateau" in die angrenzenden Souks. Hier sahen wir die so typischen weißen Häuser mit den blauen Balkonen und den Gitterfenstern.

 

 

Von der verschachtelten Welt der Basare bekamen wir leider nicht viel mit. Salam schleppte uns in ein Geschäft mit "typischen Mitbringseln" aus Tunesien. Hier hatten wir dann 20 Minuten Zeit unser Geld auszugeben. Wir verzichteten dankend.

 

 

An dieser Stelle schnellte der Blutdruck der meisten aus unserer Gruppe zum ersten Mal in die Höhe. Eine verkappte Verkaufsveranstaltung! Das hatten wir uns doch eindeutig anders vorgestellt. Allein unseren guten Salam focht das nicht an. Er jagte uns weiter zu einem, man ahnt es, Teppichladen. Er wolle uns mit dem tunesischen Handwerk vertraut machen, so gaukelte uns der bauernschlaue Reiseleiter vor. Notgedrungen gingen wir mit, wir hatten Angst uns andernfalls im Gassengewirr zu verlaufen. Im Teppichladen konnten wir immerhin noch auf die Dachterrasse und ein paar Fotos von der Hammouda Pacha Moschee und der Kasbah Moschee schießen.

 

Nach der wenig erquicklichen Teppichschau, in deren Verlauf kein einziges Stück den Besitzer wechselte, dirigierte uns Salam zurück zum Bus. Im Ausflugspreis war auch ein Mittagessen enthalten und wir fuhren daher in ein außerhalb der Innenstadt gelegenes Restaurant. Es machte einen wirklich guten Eindruck, wenngleich das Essen diesen leider nicht bestätigen konnte. Immerhin wurde der gröbste Hunger gestillt.

Anschließend ging es weiter nach Karthago, das etwa 10 Kilometer östlich von Tunis liegt. Auch hier mussten wir wieder einen Euro löhnen, um fotografieren zu dürfen. Allerdings war die Ausbeute doch deutlich geringer als im Bardo-Muserum. Außer ein paar Ruinen von punischen Wohnhäusern auf dem Byrsa-Hügel gibt es nicht viel zu sehen. Immerhin hat man von hier oben auch einen herrlichen Blick auf die Bucht von Tunis. Sehr sehenswert hingegen ist die Kathedrale von Karthago, die dem heiligen Ludwig geweiht ist.

     

 

Meine Frau, die Karthago vor 33 Jahren bereits besucht hatte, hatte mich schon vorbereitet auf die Ausgrabungsstätten. Trotzdem hatte ich mir doch etwas mehr erwartet. Aber noch war der Ausflug ja nicht zu Ende. Vor der Weiterfahrt ins Künstlerdorf Sidi Bou Said machten wir noch einen kurzen Fotostop am Kinderfriedhof Tophet. Auf dem Weg dorthin kam uns auch noch diese Moschee vor die Linse.

 

Etwa 20 Kilometer nordöstlich von Tunis liegt malerisch auf einem Hügel der Künstlerort Sidi Bou Said. Der Ort ist ein Treffpunkt für junge Künstler und für Touristen aus aller Welt.

   

Die Architektur ist im maurischen Stil gehalten: weiße Häuser, blaue Fenster und Türen. Das erinnert an die griechischen Inseln Santorin, Mykonos usw. Tatsächlich kamen im 16. Jahrhundert die Mauren in diese Gegend, die noch heute von diesem Stil geprägt ist. Begleiten Sie uns auf einem Bummel durch ein Dorf aus tausendundeiner Nacht.

 

Eine knappe Stunde hatten wir nur Zeit, um den Ort mit den spektakulären Fotomotiven zu erkunden. Leider etwas wenig, hier wären wir gerne länger geblieben, doch die Zeit drängte, denn um 16.30 Uhr hieß es wieder "Alle an Bord". Das schafften wir zwar nicht ganz, aber das ist eben der Vorteil, wenn man an einem gebuchten Ausflug teilnimmt. Das Schiff wartet immer! Und die FTI.Berlin erstrahlte auch in La Goulette in schönstem Weiß.

Nach dem Ablegen konnten wir in der Ferne noch die weißen Häuser von Sidi Bou Said erblicken.

Dann war es auch schon wieder Zeit für das Abendessen und einen Cocktail im Yacht-Club. Tanz und Live-Musik in der Scirocco-Lounge verschmähten wir auch heute wieder, zumal die Uhren in dieser Nacht wieder eine Stunde vor gestellt wurden. Das bedeutete leider auch entsprechend weniger Schlaf. Und da die FTI.Berlin Cagliari am nächsten Tag bereits um 7.00 Uhr anlaufen würde, verzogen wir uns bald in die Federn. Wenn Sie die Hauptstadt Sardiniens kennenlernen möchten, folgen Sie uns mit dem nächsten Klick auf Cagliari.

Start Reisebericht Cagliari Valletta