In Teil 4 unserer Reise bewegen wir uns weiter nordwärts. Auf der 55 fahren wir über das Sognefjell, in Lom biegen wir auf die 15 ab. Bevor es zum Geiranger-Fjord geht, machen wir noch einen Abstecher zum Briksdalsbreen.

Sonntag, 25.06.2017

Tagesziel: Loen, gefahrene Kilometer: 292, ÜN: LoVik Camping (305 NOK = 32,40 Euro inkl. Strom)

 

 

 

Nach einem guten Frühstück mit Kaffee und getoastetem norwegischem Weißbrot, Käse und Marmelade machen wir uns wieder auf den Weg. Heute geht es über das Sognefjellet, dem höchsten Gebirspass Nord-Europas. Vorher wollen wir aber noch einen Abstecher zur ältesten Stabkirche der Welt nach Urnes machen. Dort spielt uns die Fähre jedoch einen Streich und fährt uns buchstäblich vor der Nase weg. Da wir keine Lust haben zu warten und wir die Kirche von unserem Besuch im Jahr 2012 bereits kennen, geht es zurück auf die 55 am Lustrafjord entlang. Wir sehen abwechslungsreiche Landschaften und glückliche Schafe.

Auch der heutige Tag wird wieder mit Höhepunkten gespickt sein. Obwohl wir auch diese Gegend um und auf dem Sognefjell schon kennen, ist es doch immer wieder etwas Besonderes, die 108 Kilometer lange Strecke zwischen Gaupne und Lom befahren zu dürfen.

Man hat das Gefühl, auf diesen 108 Fahrkilometern mehrere Klimazonen und unterschiedliche Regionen zu durchfahren. Das Wetter scheint hier noch norwegischer als anderswo zu sein, Wechsel von Sonne zu Regen sind völlig normal. Die Fahrt entlang des Sognefjords wird unterbrochen von mehreren Aussichtspunkten und einem Stopp mit einer längeren (Waffel)-Pause an der Sognefjellshytta. Die Hütte befindet sich auf dem höchsten Punkt 1.400 Meter ü.d.M. Seit unserem letzten Besuch gab es auch eine bauliche Veränderung. Der neue Salon, eine raffinierte Holz-Glas-Konstruktion, verbindet die beiden traditionellen Gebäude miteinander. Und in dem Ambiente aus althergebrachter Tradition und Moderne verspeisen wir unsere Waffeln mit Hochgenuss.

Drinnen, im gemütlichen Wohlfühlambiente, ist es angenehm warm, während draußen die Temperaturen eher winterlich sind. Und weil die Winter hier lang und schneereich sind, ist das Sognefjell auch ein beliebter Trainingsort der internationalen Skiverbände. Aber auch Touristen kommen hoch, um hier ihre Runden zu drehen.

Nach der Pause in der Sognefjellhütte machen wir uns wieder auf den Weg. Richtung Lom geht es sozusagen abwärts. Der Schneee wird weniger, bis er schließlich ganz verschwindet, die Wiesen werden grüner, das Wasser klarer, der Himmel leuchtender.

Eine kurze Filmsequenz gibt es auch noch:

Am Ende dieser abwechslungsreichen Landschaftsroute ist es angebracht, noch einmal kurz inne zu halten und dem lieben Gott dafür zu danken, dass er Orte wie diese geschaffen hat.

Als wir endlich in Lom ankommen, machen wir selbstverständlich einen Abstecher zur dortigen Stabkirche, die wir bereits 2009 besichtigt haben.

Aber Stabkirchen kann man immer besichtigen und natürlich auch mehrmals. sie gehören zu Norwegen wie die Wasserfälle oder die Fjorde. Es war spät geworden und wir brauchten noch einen Campingplatz. Also fahren wir auf der 15 weiter Richtung Grotli. Die Abzweigung nach Geiranger lassen wir rechts liegen und bleiben auf der 15. Da wir morgen zum Briksdalsbreen wollen, bevorzugen wir ein Quartier, das in etwa zentral liegt. Sonja lotst micht daher nach Loen zu Lo-Vik Camping.

Der Platz in Loen verfügt über eine schöne Lage, natürlich am Wasser, und hat auch vier Sterne. Aber im Vergleich zur gestrigen Unterkunft muss man schon relativieren und nach unserer Einschätzung hat dieser hier eher drei Sterne verdient. Aber auch hier sind die Sanitäranlagen nicht zu beanstanden und wir haben sehr viel Platz. Außer uns haben sich nur eine handvoll Camper in diese Ecke Norwegens verirrt. Und kaum dass wir unseren Parkplatz erreicht haben, ziehen die Wolken in Windeseile übers Land. Konnten wir in Lom noch die Sonne genießen, stürmt es jetzt und es beginnt in Strömen zu regnen.

Damit mussten wir das angedachte Grillen erneut verschieben, wir bleiben im warmen Womo und lassen den heutigen Tag noch einmal Revue passieren.

Montag, 26.06.2017

Tagesziel: Geiranger, gefahrene Kilometer: 145, ÜN: Geiranger Camping (285 NOK = 30 Euro inkl. Strom)

 

 

 

Der Tag beginnt wie der der gestrige endete: mit Regen. Aber auch heute vertrauen wir darauf, dass es, wenn es drauf ankommt, zumindest nicht regnen wird.

Nach dem Frühstück folgen die üblichen Routinen: Entleerung der chemischen Toilette, Ablassen des Schmutzwassers, Frischwasser aufnehmen. Die Abläufe sind nach sechs Tagen Norwegen wieder vertraut und laufen fast schon automatisch, der heimatliche "Luxus" (eigenes Bett, immer und überall Strom, stets verfügbare Dusche usw.) ist weit weg. Trotz Facebook und WhattsApp trennen uns vom "normalen Leben" mittlerweile Welten.

Aber auch die eingeübten Routinen können nicht darüber hinweg täuschen, dass der spezielle Weinsberg-Aufbau nicht auf uns zugeschnitten ist. Anders als vor fünf Jahren wurde die Sitzbank, die an die Dusche anschließt, um etwa 10cm verbreitert wurde. Das führte dazu, dass zwei Personen nicht mehr aneinander vorbei kommen, wenn einer vor der Küchenzeile steht. Es sei denn, beide sind gertenschlank. Ich gestehe, das nervt.

Vor der Abfahrt holen wir noch unsere Winterklamotten aus den Tiefen des Womos, also dicke Jacke, Mütze, Schal, Handschuhe. Wir wollen gewappnet sein für den Gletscher. Dann fahren wir auf der 15 bis Olden und biegen dort links ab auf die Fv 724. Es folgen gut 20 Kilometer auf zum Teil nur einspuriger Fahrbahn, die aber über ausreichend Auswechstellen verfügt. Ich habe keine Probleme.

Bei der Ankunft am Fuße des Briksdalsbreen, einem Seitenarm des Jostedalsbreen, der sich aus 1.200 Metern Seehöhe seinen Weg nach unten bahnt und Ziel von 300.000 Touristen im Jahr ist, regnet es immerhin nicht mehr. Es gilt weiterhin das im ersten Satz Gesagte! Ich stelle das Womo auf einem der zahlreichen Parkplätze ab und zahle am Automaten 50 NOK mit Kreditkarte.

Dann gehen wir nach oben zum Busparkplatz, wo schon eine ganze Armada von Bussen bereit steht, um mehrere hundert spanische Kreuzfahrtpassagiere aufzunehmen, die hierher einen Ausflug gebucht haben. Wir sind also nicht allein an diesem Tag. Da der etwa 3 Kilometer lange Schotterweg zum Gletscher von Sonja nicht zu bewältigen ist, kaufen wir Tickets für das "Troll-Auto", einem mit Diesel betriebenen Gefährt, das sieben Personen aufnehmen kann und 220 NOK für die Hin- und Rückfahrt kostet.

Das Troll-Auto bewältigt etwa 200 Höhenmeter und braucht dafür 15 Minuten. Für die restliche Gehstrecke zum Gletscher werden hin und zurück noch einmal 30 Minuten veranschlagt, so dass noch 15 Minuten bleiben, um Fotos vom Gletscher und der unmittelbaren Umgebung zu machen. Das mag auf den ersten Blick wenig sein, aber wie zu Beginn meines Berichts schon angedeutet sind wir keine Wanderer und versuchen stattdessen den Augenblick zu genießen, auch wenn er im Einzelfall kurz sein mag.

In diesem Fall hätten wir sogar ein "One-Way-Ticket" gebucht und wären zu Fuß zurück gegangen, aber nachdem ein solches nicht angeboten wird, stellte sich die Frage nach einem evtl. Fußmarsch erst gar nicht. Und ich möchte ergänzen: die Fahrt mit dem Troll-Auto war schon eine sehr spaßige Angelegenheit.

Wir können Fotos während der Fahrt machen und auf dem 15-minütigen Fußweg haben wir ausreichend Gelegenheit, den Gletscher und seine Umgebung zu genießen.

Ein Zusatz-Zuckerl, wenn man so will, ist die Vorbeifahrt am Kleivafossen, einem der vielen beeindruckenden Wasserfälle, denen man in Norwegen fast an jeder (Fjord)-Ecke begegnet.

In dem kurzen Film kommt das Fahrgefühl wie ich finde sehr gut zur Geltung. Besonders wenn es in die Kurve geht, sieht man sich als Passagier schon als "Klippenflieger", denn erst in letzter Sekunde wird eingelenkt und es entwickelt sich so eine Art "Achterbahn-Gefühl". Ein Riesenspaß!

 

Auf dem Weg zum Gletscher spechten wir immer wieder durch die Bäume und dann sehen wir ihn endlich, den Briksdalsbreen, einer von vielen Gletschern, die sich auf dem Rückzug befinden. Wir haben Glück und erwischen ihn noch rechtzeitig.

Eine ausführliche Wanderbeschreibung findet sich auf den sehr empfehlenswerten Seiten "Norwegenerlebnisse" von Joachim Beetz. Aber auch wenn wir nur das letzte Stück zu Fuß unterwegs waren, haben wir die Natur dort sehr genossen. Als wir den Gletschersee erreichen, haben wir dann endlich freien Blick auf dieses Naturschauspiel.

 

Und vom Gletscher selbst habe ich natürlich auch noch einen kleinen Film:

Wie schon erwähnt sind mit uns viele spanische Touristen vor Ort. Aber die Menschen eint hier die gemeinsame Freude, einem einzigartigen Naturspektakel beiwohnen zu können. Wer weiß, wie lange es diese Eisriesen noch gibt. Und weil wir diesen Augenblick im Bild festhalten wollten, hat sich ein Spanier spontan angeboten, folgendes Foto zu machen:

Auf dem Rückweg zum "Taxi-Standplatz" haben wir noch Gelegenheit, die Landschaft aus der entgegen gesetzten Richtung zu betrachten. Auch hier ergeben sich die einen oder anderen neuen Blickwinkel.

Zurück am Parkplatz stärken wir uns zunächst mit einer Waffel. Zum Abschied gibt es dann noch ein Foto mit unserer charmanten Taxifahrerin und im Laden mit den Trollen schauen wir natürlich auch vorbei.

Die Rückfahrt auf der 15 verläuft ruhig und vor allem ohne Regen. Am Nationalparkcenter Jostedalsbreen in Oppstryn machen wir eine kurze Pause. Grüne Dächer müssen einfach fotografiert werden.

Bei Langvatn biegen wir dann links auf die 63 Richtung Geiranger ab. Prompt wird das Wetter schlechter. Es geht jetzt wieder nach oben, den 1.476 Meter hohen Dalsnibba können wir zwar förmlich riechen, aber nicht mehr sehen. Die Verhältnisse sind unterirdisch: Graupelschauer, Nebel, Regen. Was man will! Die Fahrt hoch zum Dalsnibba können wir vergessen, die Sicht ist gleich Null. Was uns in Geiranger erwartet, wird nicht sehr viel besser sein. Bei nur noch sehr bescheidenen 2 Grad Celsius mache ich mir allmählich doch Sorgen, ob es nicht zu überfrierender Nässe kommt. Vor uns fährt u.a. ein überlanger Bus, der an jeder zweiten Kehre stehen bleibt, etwas zurück setzen muss und erst dann um die Kurve rumkommt. Als wir dann doch endlich in einem Gemisch aus Regen und Nebel den Fjord erblicken, wissen wir warum so große Busse zum Einsatz kommen. Die Costa Favolosa, die Silver Whisper und die Astoria parken am Ende des Fjords und verpesten mit ihren riesigen Schloten die Luft. Tausende von Menschen fluten Geiranger!

Da wir schon zweimal in Geiranger zu Gast waren und der Ort ja sehr übersichtlich ist, fahre ich ohne Umwege zum Campingplatz "Geiranger Camping", der sich unmittelbar vor dem Fjord befindet. Man parkt hier sozusagen in erster Reihe mit bestem Blick auf den Fjord und die Kreuzfahrtschiffe. Heute ist es aber selbst für einen kurzen Spaziergang zu ungemütlich. Bei jedem Schritt versinkt man im Dreck, auch der Gang zu den Sanitäranlagen ist kein Spaß. Und zu allem Überfluss lässt auch die Vorhersage für morgen nichts Besseres erwarten. Wir machen lediglich unsere Pflichtaufnahmen vom Fjord und verkrümeln uns dann ins Womo, wo wir mit Hilfe der Gasheizung in wohliger Wärme unser Abendessen einnehmen. Dabei überlegen wir, wie es weiter gehen soll. Wir beschließen, schon morgen nach Runde an den Atlantik zu fahren. Dort soll das Wetter viel besser sein.

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