Der Lago Maggiore ist bekannt für seine malerischen Inseln, unberührte Natur, spektakuläre Panoramen und .... botanische Gärten. Wer die Isola Bella und die Isola Madre erleben durfte, wer Zeuge dieser verspielten, ja verträumten Gartenarchitektur war, muss noch nicht die Heimreise antreten. 

Nur ein paar Kilometer von Stresa entfernt, Richtung Norden, in Pallanza hat sich der Schotte Neil Boyd Mc Eacharn seinen botanischen Traum erfüllt: die Gärten der "Villa Taranto".

Die Anlage umfasst ein kaum überschaubares Areal von 16 Hektar mit 20.000 Pflanzenarten. “Ein schöner Garten muss nicht groβ sein, er soll vielmehr die Verwirklichung eines Traumes darstellen, auch wenn dieser sich auf einem Balkon befindet und nicht mehr als ein paar Quadratmeter umfaβt.” Dieses Leitmotiv des Captains passt so gar nicht zu dem wundervollen Erbe, das er dem italienischen Staat und damit der Öffentlichkeit hinterlassen hat. Aber dieser Satz zeigt auch die große Leidenschaft von McEacharn, der keine eigenen Nachkommen hatte und vielleicht deshalb seine ganze Kraft und Energie dem Garten widmete. 

Der Eingang der Gärten liegt übrigens direkt an der Schiffsanlegestelle "Villa Taranto" bzw. der  Verbindungsstraße zwischen Pallanza und Intra. Geöffnet ist die Anlage vom 25. März bis zum 1. November, der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 9,50 Euro. 

Italienische Spielereien wie Statuen, Terrassen oder Wasserfälle findet man hier zwar auch, die geradezu verschwenderische Üppigkeit einer Isola Bella sucht man aber jedoch vergeblich. Stattdessen findet der Betrachter einen herrlichen Garten, angelegt nach englischem Vorbild mit Sträuchern, Bäumen, Blumenbeeten oder einem Seerosenteich.

Wer mit offenen Augen durch den Garten spaziert und sich ein paar Stunden Zeit nimmt, wird bald gefangen sein von der Farbenpracht und der Artenvielfalt, die McEacharn, der ein studierter Biologe war, hier zusammen getragen hat. Die Villa, die im Bild rechts unten, ansatzweise zu sehen ist, kann nicht besichtigt werden. Sie ist seit 1996 Sitz der Präfektur Verbano-Cusio-Ossola.

Das ist zum Glück leicht zu verschmerzen, denn der Gartenliebhaber kommt ja in der Regel, um sich auf eine Reise zu begeben, die durch das Reich von Ahorn, Eukalyptus, Zitronen, Azaleen, Lilien und Oleander führt. Wozu braucht man da noch Häuser? Die Pflanzen sind Sehenswürdigkeit genug.

Ein Highlight sind sicher die Terrassengärten in der Villa Taranto, ein Zugeständnis an die Italiener, die dem Captain die Erlaubnis erteilten, sich in einem Mausoleum im Park bestatten zu lassen.

Hier in den Terrassengärten findet der Besucher all die "Zutaten" der italienischen Gärten, die wir Mitteleuropäer so lieben, als da wären kleine Kanäle, Wasserfontänen oder eine Bronzestatue. Bevor wir die Gärten der Villa Taranto verlassen, wollen wir noch einen Blick auf die Farbenpracht und die Artenvielfalt werfen.

Mit einem Blick auf die Büste des am 18. April 1964 verstorbenen Neil Boyd Mc Eacharn verabschieden wir uns von einem einzigartigen Ort, dem Wirklichkeit gewordenen Traum eines Schotten, der sein Glück am Lago Maggiore gefunden hat. Jetzt machen wir noch einen kleinen Ausflug an den "Lago d'Orta", der, durch eine hohe Hügelkette vom Lago Maggiore getrennt, westlich von seinem großen Bruder liegt.

Wem die Touristenströme am Lago Maggiore zu groß sind, wer es gerne etwas ruhiger, etwas gemächlicher, etwas überschaubarer mag, der sollte seinen Blick nach Westen richten. Der Mottarone,  immerhin 1.491 Meter hoch, trennt Stresa von Omegna oder den Lago Maggiore vom Lago d'Orta. Der Orta-See erstreckt sich über eine Fläche von ca. 18 qkm, ist aber mindestens so malerisch wie sein großer Bruder auf der anderen Seite des Mottarone.

Wir haben uns für einen kurzen Streifzug durch das kleine Städtchen Orta San Giulio entschieden, das idyllisch am Ostufer des Sees gelegen und für eine kleine Erholungspause geradezu ideal ist. Der Ort ist autofrei, aber es stehen reichlich Parkplätze am Ortseingang zur Verfügung. Hat man seinen Wagen geparkt, führt der Fußweg über kleine, schmale Gassen und Gässchen hinunter an den See. Währenddessen kann man den Blick schweifen lassen, landet aber unwillkürlich immer in der Mitte des Lago d'Orta, der Isola San Giulio. 

Die eindrucksvolle Silhouette der Insel wird beherrscht von der Basilica di San Giulio, die im 9. Jahrhundert erbaut worden ist.

Bevor wir die verwinkelten Gassen von Orta San Giulio erobern, sichern wir uns ein Plätzchen in einer Pizzeria, direkt gegenüber von Isola San Giulio gelegen. Wir lassen uns die Pizza schmecken und genießen den Ausblick auf den 143 Meter tiefen See. Dann wird es Zeit, sich den Ort, in dem 1.400 Menschen leben, genauer anzusehen. Mittelpunkt ist die "Piazza Motta", ein großzügiger, sehr gepflegter Platz mit Restaurants, Pizzerien, der Schiffsanlegestelle und dem Palazzo della Comunitá, dem ehemaligen Rathaus, das im 16. Jahrhundert erbaut wurde.

Die Piazza Motta selbst klotzt mit vielen interessanten Fotoobjekten, u.a. mit ehemaligen Herrenhäusern, die bemalt sind. Wer sich durch die malerischen Gassen zwängt, findet viele weitere interessante Motive. Barocke Häuser, die noch nicht von Touristenmassen umstellt sind, erfreuen das Auge des Betrachters.

Mit diesen letzten Eindrücken verlassen wir den beschaulichen Lago d'Orta. Unsere Rundreise zu den schönsten oberitalienischen Seen geht allmählich zu Ende. Zwischendurch findet sich aber vielleicht doch noch ein kleines Zeitfenster, um den Lago Maggiore in südlicher Richtung zu erkunden. Am Südwestufer erwartet Sie dort das interessante Städtchen Arona, dessen bekannteste Sehenswürdigkeit sicher die imposante Kolossalstatue des San Carlo  Borromeo ist, die auf einem 14 Meter hohen Sockel thront und stolze 23 Meter misst.

Den Abschluss unserer Kurzreise an den Lago Maggiore bildet eine kleine Bootstour auf dem drittgrößten See dieser Region, dem Lago di Como. Begleiten Sie uns doch einfach!

Mit seinen 145 Quadratkilometern ist der Lago die Como der drittgrößte italienische See. Bereits das Titelbild zeigt die außergewöhnliche Anziehungskraft, die von diesem See ausgeht: herrliche Panoramen mit romantischen Berglandschaften, herrschaftliche Villen, Schlösser und die immer wieder faszinierende üppige Vegetation. Lassen Sie sich also kein "U" für ein Ypsilon vormachen. Der Comer See ähnelt nämlich einem auf dem Kopf stehenden Ypsilon und nicht nur die Form ist markant, auch das Drumherum.

Como ist die Hauptstadt der Lombardei und zählt etwa 85.000 Einwohner. Interessant ist vor allem das Wahrzeichen der Metropole: der Dom.

Nach dem Besuch des Doms, dessen Fassade Ende des 15. Jahrhunderts fertiggestellt wurde, spazieren wir weiter Richtung See. Von der Piazza Cavu aus sehen wir schon die Schiffsanlegestellen.

In regelmäßigen Abständen fahren hier kleine und große Schiffe um den ganzen See oder bieten Fahrten zu Teilbereichen an. Weitere Infos hierzu finden Sie hier! Wir haben uns für ein eher kleineres, aber gemütlicheres Boot entschieden und sind auf eine etwa 90 Minuten dauernde Rundfahrt um den Lago di Como gegangen. Ein paar Eindrücke dazu bieten die folgenden Bilder, die sich wie immer auf Klick vergößern lassen:

Herrliche Aussichten am Lago di Como

Fünf wunderbare Tage mit meist sonnigem Wetter liegen hinter uns. Mit vielen Eindrücken im Gedächtnis und noch mehr Bildern auf den Speicherkarten verlassen wir Como und fahren Richtung niederbayerische Heimat.

Ich würde mich freuen, wenn ich mit diesem Bericht das evtl. vorhandene Interesse an dieser Region angefacht oder gesteigert habe. Abschließend danke ich an dieser Stelle wie immer für die Ausdauer der Leserinnen und Leser und hoffe, dass Sie bei Gelegenheit wieder auf einen oder zwei Klicks bei "Kurzgeschichten und Meer" vorbei schauen.

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