Landshut, 3. März 2010 - Savona, 4. März 2010

Wir hatten uns für die Busanreise entschieden, weil uns die Pkw-Fahrt nach den Erfahrungen im Jahr 2008 als zu anstrengend erschien. Außerdem würden wir diesmal zu viert reisen, so dass es alleine schon aus Kapazitätsgründen nicht möglich gewesen wäre, mit dem eigenen Pkw anzureisen. Ein Opel Meriva ist nunmal denkbar ungeeignet, wenn zwei Frauen beginnen, ihre Schuhe einzupacken. Ein Umzugswagen wäre sicher von Vorteil gewesen, so konnten wir auf die Dienste des Freundes unserer Tochter zurückgreifen, der uns den „Kälberanhänger“ seiner Eltern zur Verfügung stellte und uns mit seinem großen Audi nach Fröttmaning chauffierte. Der Anhänger, der, wie der Name schon vermuten lässt, grundsätzlich für andere Transporte eingesetzt wird, war in unserem Fall wirklich ein Segen, denn  die Kofferansammlung war doch ganz ansehnlich und wäre nie und nimmer in einem normalen Kofferraum unterzubringen gewesen.

Laut Vorabinformation von Costa sollte die Abfahrt ab Busterminal Fröttmaning gegen 0.45 Uhr erfolgen. Wir fuhren um 23.00 Uhr in Landshut los und waren etwa 45 Minuten später in Fröttmaning. Dann begannen allerdings die Schwierigkeiten, denn obwohl das Navi uns glaubhaft versicherte, das Ziel erreicht zu haben, war es uns dennoch nicht möglich, auf die Abbiegespur des Terminals zu wechseln. Grund war die von der Polizei vorgenommene Absperrung des Geländes. Just an diesem Abend spielte nämlich die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen Argentinien in der Allianz-Arena. Da waren außer uns noch etwa 75.000 Fußballanhänger unterwegs und in den Parkhäusern war der Teufel los. Nach Rückfrage bei einem Polizisten erfuhren wir dann, wie wir doch noch ans Ziel gelangen würden. Endlich waren wir an Ort und Stelle, zwar umzingelt von gefühlten tausenden Pkws, aber immer noch gut in der Zeit. Es war jetzt kurz vor Mitternacht. Wir verkrochen uns in einen zur Verfügung stehenden beheizten Warteraum. Draußen war es nämlich saukalt und wir hofften, dass der Bus pünktlich kommen würde. Bis dahin plauderten wir mit einem Hamburger Ehepaar, das schon vor uns hier war. Wenige Minuten vor 1.00 Uhr kam der „blaue Blitz“ von „Schmetterling“-Reisen mit seinem Anhänger um die Kurve gebogen. Das Timing stimmte schon mal optimistisch.

In Fröttmaning stiegen dann nach meiner Schätzung etwa insgesamt 20 Fahrgäste zu, denen das evtl. vorhandene Schnarchpotential naturgemäß nicht anzumerken war. Wir durften in einem modernen 4-Sterne-Bus Platz nehmen, der den allerneuesten technischen Anforderungen entsprach. Es war ein zweistöckiger Bus, in dem die meisten Gäste im ersten Stock saßen, die Toilette, die Bordküche und weitere ca. zehn Sitzplätze befanden sich unten. Neben zwei Busfahrern war auch eine „Stewardess“ dabei, die, falls gewünscht, die Passagiere mit Getränken und Snacks versorgte. Um diese Zeit verspürten wir alle aber nur einen Wunsch: schlafen!

Um kurz nach ein Uhr ging die Reise dann los. Der Fahrer stellte sich und sein Team vor, erklärte uns die Einrichtungen im Bus und gab ein paar Erläuterungen zur Route. Wir würden am Inntal-Dreieck und in Innsbruck noch weitere Passagiere aufnehmen, bevor es Nonstop Richtung Savona gehen würde. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf, Nachtbusfahrten sind nicht unbedingt der Hit, aber unumgänglich, wenn man Angst vorm Fliegen hat und die Anstrengungen einer eigenen Pkw-Fahrt scheut. Außerdem war der Preis für die Hin- und Rückfahrt mit 99,00 Euro wirklich verlockend.

Immer wieder wurde ich kurz wach, nickte ein, um eine halbe Stunde später wieder hochzuschrecken. Einige Zeitgenossen ignorierten darüber hinaus das Schlafbedürfnis der überwiegenden Mehrheit und quasselten sich einen Wolf. Ich bedauerte kurzzeitig, dass die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft wurde. Um 6.00 Uhr war die Nacht dann endgültig vorbei. Die Begleiterin namens Sammi machte ihre Runde, um uns mitzuteilen, dass der Kaffeeautomat seinen Dienst aufgegeben hätte und wir auf den coffeinhaltigen Muntermacher noch warten müssten. Die Stimmung passte sich dem Wetter an: es hatte zwischenzeitlich angefangen zu regnen und der Gardasee lag hinter uns. Wir verspeisten unsere mitgebrachten Wurstbrote und bekamen endlich auch den wärmenden Kaffee. Die Müdigkeit ignorierten wir, Vorfreude breitete sich langsam aus und auch die Tatsache, dass Sonjas Zahn Ruhe gab, stimmte uns optimistisch. Noch am Tag unserer Abreise war sie zweimal bei unserem Leib- und Magenzahnarzt. Der nahm noch eine Wurzelbehandlung an dem in Verdacht stehenden Übeltäter vor und hoffte mit uns auf einen „ruhigen“ Urlaub. Jetzt näherten wir uns der ligurischen Küste und wir kamen in das „Land der Tunnel“. Ich habe sie nicht gezählt, aber es müssen um die 40 Stück gewesen sein, die unser souveräner Fahrer mit seinem Bus zu bewältigen hatte. Links das Meer, rechts und vor uns Berge und Tunnel, eine aufregende Landschaft als Cocktail, der Lust auf „Meer“ machte.

Dann, gegen 11.00 Uhr erreichten wir Savona. Die Vorhersage des Fahrers passte fast auf die Minute. Die Leute haben anscheinend schon ihre Erfahrungen gesammelt. Die Fahrt dauerte also insgesamt 10 Stunden und das mit mehreren Pausen, da gibt es eigentlich keinen Grund zu meckern. Der Service war sehr gut, die Preise im Bus waren günstig und um unser Gepäck mussten wir uns schon ab dem Einstieg in Fröttmaning nicht mehr kümmern. Alles klappte bis dahin wie am  Schnürchen. An dieser Stelle schon mal ein Lob an „Schmetterling“-Reisen und ihr Team mit Thorsten, Rolf und Sammi.

Dann sahen wir endlich auch die Costa Pacifica (fast) aus der Nähe. Während 2008 die Costa Victoria fast vollständig vom Terminal verdeckt wurde, war das diesmal anders. Der stählerne Koloss drohte das im Vergleich dazu eher klein wirkende Hafengebäude zu erdrücken. Ich ahnte schon hier, was es bedeuten würde, mit dreieinhalb tausend Menschen die nächsten elf Tage zu verbringen.

Wir gingen ins Innere des Terminals. Unser Sohn Stefan, der die erste Kreuzfahrt noch vor sich hatte, machte keinen besonders aufgeregten Eindruck. Das war bei uns dreien anders. Dann bekamen wir auch schon die Einschiffungsnummer in die Hand gedrückt. Wir hatten Glück und erhielten die Nummer 4. Auch von der schon oft beschriebenen Costa-Hektik oder gar einem Chaos  bekamen wir nichts mit. Alles verlief ruhig und geordnet, die Menschen saßen oder standen im Terminal  und warteten bis der Gong ertönte, der den Hauptfilm ankündigt, pardon, natürlich das Einschiffen. Kurz nach 12.00 Uhr war es endlich so weit, die Kreuzfahrer stürmten die Pacifica. Nein, davon konnte nicht die Rede sein, denn auch das Einschiffen ging ruhig und diszipliniert über die Bühne. Drängeln nützt nichts. Die Prozedur je Einschiffungsnummer dauerte ca. 10 Minuten, so dass wir nach einer guten halben Stunde an der Reihe waren.

Kontrolliert wurden die Einschiffungspapiere und der Pass. Letzterer wurde auch gleich postwendend noch auf dem Weg zur Gangway einbehalten, das waren die Vorboten unseres Israel-Besuches. Auch einen Kurzfragebogen zu evtl. aufgetretenen Grippeanzeichen mussten wir ausfüllen, darüber hinaus wurden alle Passagiere auf ihre Körpertemperatur gemessen. Einen derartigen Aufwand hatten wir bis dahin noch nicht erlebt, aber unruhige Zeiten erfordern eben auch umfangreiche Gegenmaßnahmen. All das verzögerte unseren Weg zum Schiff aber nur unerheblich. Schließlich wurde auch noch das obligatorische Foto von uns vieren am Steuerrad gemacht. Sogar unser Sohn ließ sich zu einem angedeuteten Lächeln überreden. Wir anderen strahlten mit der zwischenzeitlich hinter den Wolken hervor gekrochenen Sonne um die Wette.

Dann verschluckte uns die „Costa Pacifica“, ein stählerner Gigant mit 290 Metern Länge und 114.000 Bruttoregistertonnen. Schon die schiere Größe kann einem Angst machen.

Das Betreten des Atriums auf Deck 3 löste erst einmal den schon zweimal erlebten „Aha“-Effekt aus: gläserne Aufzüge, davor ein Flügel, gegenüber eine halbkreisförmige Bar, darüber überdimensionierte Notenschlüssel in bunten Applikationen. Viele Lichter, die den Passagier blenden oder vielleicht erleuchten sollen. Da uns die Costa-Architektur mittlerweile geläufig ist, wissen wir all das einzuordnen, aber imposant ist die Pacifica allemal. Wir machten uns gleich auf den Weg zu unseren Kabinen auf Deck 6. Wir hatten eine Doppel-Innenkabine sowie zwei Einzel-Innenkabinen für unsere Kinder gebucht. Katrin ist sofort hellauf begeistert. Und in der Tat: sie hat eine Kabine für sich allein zur Verfügung, in der locker noch ein zweites Bett untergebracht werden könnte, auch Stefan ist zufrieden. In dieser Hinsicht ist er immer schon bescheiden gewesen. Unsere Doppelkabine ist etwas größer dimensioniert als jene auf der Costa Victoria, trotzdem ist sie meines Erachtens für zwei Leute zu klein, aber es ist zwecklos, zu jammern. Immerhin ist die Costa Pacifica auf dem allerneuesten Stand der Technik: ein Flachbildschirm ist vorhanden, der nicht nur zum Fernsehen gedacht ist. Man kann jederzeit seine über die Costa-Karte getätigten Ausgaben kontrollieren und auch das Buchen von Landausflügen ist mit der Fernbedienung möglich. Ein sehr praktischer Service.

Hier ein erster Blick auf unsere Kabinen:

Da wir Costa-Clubmitglieder sind, erwartet uns ein Obstkorb auf der Kabine, die im Übrigen gut ausgestattet ist. Ein Minisafe bietet reichlich Platz für Kameras und sonstige Vermögensgegenstände oder Papiere. Auch die Minibar ist schon gefüllt und eine Flasche Mineralwasser wurde bereit gestellt. Unter dem Bildschirm ist ein kleiner Schreibtisch, in diesen sind 4 Schubfächer integriert, der Kleiderschrank ist dreigeteilt und für zwei Personen ausreichend, bei den Kleiderbügeln hat Costa etwas gespart, aber wir haben sicherheitshalber ein paar in die Koffer gepackt. Ferner ist ein großer Spiegel zwischen Schrank und Fernseher vorhanden. Zwei Bilder zieren das Zimmer, Thema auch hier die Musik, die das gesamte Ambiente der Costa Pacifica bestimmt. Ein kleiner Beistelltisch sowie ein ebenso kleiner Nachttisch komplettieren die Kabine. Auch das Bad lässt insoweit keine Wünsche offen. Wasserabläufe von Dusche, Waschbecken und WC funktionieren einwandfrei. Dem Duschvorhang hält Costa gegen alle Trends weiterhin die Treue, in diesem Fall jedoch die Stange. Wir haben uns problemlos daran gewöhnt und empfanden ihn auch nicht als störend. Erfreulich sind die vielen Ablagemöglichkeiten im Bad, die sind nicht unbedingt selbstverständlich. Einziger Schwachpunkt aus unserer Sicht die Steckdosen. Davon gibt es in Bad und Kabine nur eine einzige. Weshalb hier derart gespart wird, hat sich uns nicht erschlossen. Es war in der Folge daher auch etwas schwierig, die diversen Geräte immer funktionsfähig zu halten. Schließlich hat heute jeder ein Handy, Akkus und dergleichen mehr. Fast schon als Provokation mag man daher den Hinweis empfinden, dass Mehrfachsteckdosen strengstens verboten sind. Immerhin könnte man sich darüber umgehend beim „Guest Service“ beschweren, dessen Nummer dankenswerterweise schon in das bereit stehende Telefon eingespeichert ist.

Trotzdem: der erste Eindruck der Costa Pacifica war durchaus positiv. Da die Koffer noch nicht angekommen waren, machten wir uns auf den Weg zum Buffet-Restaurant auf Deck 9. Hier, im Restaurant „La Paloma“ laden diverse Essensstationen zu einem größeren oder kleineren Snack ein. Uns erwarten die altebekannten Costa-Kaffee-Wasser- und Eis-Automaten. Es macht sich durchaus bezahlt, wenn man schon auf die eine oder andere Erfahrung zurückgreifen kann. Als etwas schrill empfanden wir die gewöhnungsbedürftige Innenarchitektur, die an ein überladenes China-Restaurant mit schreienden Gelb- und Rot-Tönen erinnerte. Da noch nicht viele Passagiere an Bord waren, konnte man zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, wie es zwei Tage später an gleicher Stelle sein würde.

Nach der Rückkehr in die Kabine waren auch unsere Koffer schon da. Wir machten uns sofort ans Auspacken, aber bereits hier graute uns schon vor dem Tag der Rückfahrt, der unweigerlich kommen würde. Ein Wahnsinn!! Es folgte ein erster kleiner Erkundungsgang auf dem Schiff. Wir hatten uns bereits damit abgefunden, dass wir uns hier noch öfter verlaufen würden als auf den beiden vorangegangen Cruises. Die Pacifica ist dermaßen groß, dass man noch nicht einmal mit Bestimmtheit sagen kann, ob sie überhaupt fährt. Um wenigstens darüber Gewissheit zu bekommen, begaben wir uns nach oben, um die Ausfahrt um 17.00 Uhr ab Savona mitzuerleben. Vorher warfen wir uns aber noch in Schale. Nein, nicht in Anzug und Krawatte, sondern in die Rettungsweste. Die Seenotrettungsübung stand nämlich noch auf dem Plan.

Sie dauerte eine knappe halbe Stunde und war so getimt, dass sie pünktlich vor dem Auslaufen beendet war. Auf dem „Schiff der Musik“ hatten wir schon erwartet, dass man ein spezielles Auslauflied spielen würde. Da hatten wir uns aber gründlich verrechnet, schlimmer noch, es ertönte noch nicht einmal das Horn. Darüber waren wir schon sehr enttäuscht. Welche Gründe mögen wohl dafür ausschlaggebend sein?

Die nächste, unangenehme, Überraschung erwartete uns im Restaurant zum Abendessen. Zwar klappte es mit der ersten Tischzeit, die wir gewünscht hatten, aber der Tisch selbst erinnerte eher an einen Abenteuerspielplatz. Der Maitre hatte uns unmittelbar am Eingang, direkt vor dem Empfang, platziert. Also dort, wo die Passagiere hinkommen, um nach ihrem Tisch zu fragen oder, was weit häufiger vorkommt, wie wir feststellen mussten, um sich zu beschweren. Die Leute fielen quasi wie ein Bienenschwarm über das Restaurant, über die Waiter und schließlich über den Maitre her. Dummerweise waren unser Tisch und wir dabei meistens im Weg. Es wurde entweder an den Lehnen, an den Stuhlbeinen oder gleich an der Schulter oder einem anderen Körperteil Kontakt aufgenommen. Eine Zumutung! Ich setzte mich daher umgehend mit dem Maitre in Verbindung, er stand ja ohnehin vor uns, und klagte ihm unser Leid. Emotionslos notierte er unseren Wunsch nach einem anderen, ruhigeren Tisch, und versprach für Abhilfe zu sorgen, so bald ein entsprechender Tisch frei würde. Man würde uns die geänderte Tischkarte auf die Kabine liefern.

Das allererste Abendessen versöhnte dann allerdings mit dem Ansturm der Ausgehungerten. Pasta, Hauptgerichte und Desserts waren auf den Punkt zubereitet, überraschend warm, liebevoll arrangiert und geschmacklich hervorragend. Einzig der Service ließ noch etwas zu wünschen übrig. Aber auch das sollte sich bessern. Nach diesem ersten Abendessen statteten wir dem Casino einen Premierenbesuch ab und verspielten ein paar Euro. Die Damen gingen dann zu Bett, Stefan und ich begaben uns noch ins Theater, wo wir allerdings keinen Sitzplatz mehr ergatterten. Um 21.35 Uhr kann man das freilich auch nicht erwarten. Der Magier Martin begeisterte dort mit einer Illusionsshow vom Feinsten, das war schon internationale Spitzenklasse, die hier geboten wurde. Mit diesen Eindrücken vom ersten Tag an Bord der „Costa Pacifica“ schliefen wir dann auch zum ersten Mal ein und ließen uns vom leichten Seegang in den Schlaf wiegen. Zuvor hatten wir allerdings noch die Gelegenheit einen Sonnenuntergang erleben zu dürfen. Er machte uns Hoffnung auf schönes Wetter, aber diese erwies sich im weiteren Verlauf leider als trügerisch. Aber dieses Bild ist trotzdem äußerst stimmungsvoll und zum Abschluss des heutigen Tagesberichts daher bestens geeignet:

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Seetag + Katakolon Start Reisebericht

Eine Fotoshow zur Anreise und zur Einschiffung gibt es hier:

Costa Pacifica - Savona

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