Freitag, 12. März 2010

Nach der Abfahrt aus Alexandria nahm die Costa Pacifica nordwestlichen Kurs. Bis zur Straße von Messina waren 800 Seemeilen zurückzulegen, die See sollte lediglich leicht bewegt sein und auch die Temperaturen versprachen angenehm zu bleiben. Die kommenden zwei Tage würden wir auf See verbringen, auch das war ein Anreiz für diese Reise, denn in der Regel hat man bei den klassischen 8-Tages-Routen nur einen Seetag zur Verfügung. Jetzt würde also Zeit bleiben, die bisherige Reise noch einmal in aller Ruhe Revue passieren zu lassen. Wir hatten bis dahin weiß Gott viel erlebt, nicht immer nur Angenehmes. Ab sofort würden wir der Heimat also wieder stündlich näher kommen.

Das "Today" enthielt denn auch gleich auf Seite 1 den Hinweis auf eine Informationsveranstaltung zum Ausschiffungsvorgang. Diesen Termin schenkten wir uns, wir waren mit dem Prozedere bereits vertraut. Im Vorfeld der Reise hatten wir im KF-Forum u.a. auch darüber diskutiert, ob so genannte "Happy Hours" die Möglichkeit boten, evtl. verbilligte Getränke zu erhalten. Heute gab es im "Today" tatsächlich einmal einen Satz zu einer "Paulaner-Promotion". Hier würde ein Bier für 4,00 Euro plus 15% Bedienungsgeld ausgeschenkt werden. Der Preisvorteil hält sich hier also auch eher in Grenzen und weil wir sowieso nicht die großen Biertrinker sind, verzichteten wir auf dieses "spezielle Angebot". Viel interessanter war da schon der Verweis auf den "Gala-Abend". Davon gab es während dieser Reise insgesamt drei Stück. Und auch wenn das Essen ohnehin immer sehr gut war, sind diese Abende für meine Frau und mich doch immer etwas Besonderes. 

Wir verbrachten daher einen ruhigen Tag, während die Costa Pacifica durch das östliche Mittelmeer kreuzte. Land bekamen wir den ganzen Tag über nicht zu sehen. Dafür hatten wir reichlich Gelegenheit, das Schiff ausgiebig zu erkunden oder einfach nur zu relaxen. Für den Gala-Abend warfen wir uns einmal mehr in Schale und auch unseren Sohn konnten wir überreden, den Anzug anzuziehen. Nach mehreren Scheingefechten willigte er schließlich ein und wir hatten, wie das folgende Foto zeigt, wieder viel Spaß:

Während das Essen erneut ausgezeichnet mundete, nahmen die Kellner ihre Position ein. Wer noch nie mit Costa unterwegs war, wird das nun Folgende möglicherweise etwas merkwürdig finden, lästig oder gar lächerlich. Nun, wir teilen diese Auffassung nicht. Schließlich ist Costa eine italienische Reederei, mit entsprechenden Ritualen ist also immer zu rechnen. Das Licht im Restaurant wurde herunter gedimmt, aus den Lautsprechern war plötzlich der fabelhafte Andrea Bocelli zu hören, die Passagiere schwenkten dazu ihre Servietten im Takt. Unsere deutschen Nachbarn am Tisch nebenan sahen etwas verwirrt drein, wir nahmen das eher belustigt zur Kenntnis. Das ist eben italienisches Kreuzfahrt-Feeling, wie es uns gefällt.

Nach dem unterhaltsamen Aufenthalt im "My Way" ging es dann wie immer zunächst ins Casino, wo ich auch an diesem Abend keine Methode entdeckte, um den Roulette-Automaten zu knacken. Anschließend hofften wir im Theater auf gute Unterhaltung. Leider waren die großspurig angekündigten Künstler allenfalls unterer Durchschnitt, aber dies blieb nur eine Momentaufnahme, denn glücklicherweise bietet ein derart großes Schiff wie die Costa Pacifica Abwechslung jedweder Art, so dass sich immer irgendwo ein Plätzchen findet, wo auch anständige Musik geboten wird. Das Mitternachts-Buffet, das diesmal mit "Süßen Fantasien" lockte, wurde wieder ohne unsere Mithilfe abgeräumt, da lagen wir schon in den Federn.

Samstag, 13. März 2010

Auch heute konnten wir wieder ausschlafen. Herrlich! Kein Ausflug, der dich zwingt, um 6.00 Uhr morgens aufzustehen. Einfach Seele baumeln und sich treiben lassen. So stellt man sich einen entspannten Seetag vor. Das "Today" informierte über die touristische Navigation, die uns heute durch die "Straße von Messina" führen sollte, eine Meerenge zwischen Sizilien und Kalabrien, die einen Lotsen erforderlich machte. Das Wetter und die Sicht waren schlecht, so dass sich das "Seh"-Erlebnis in Grenzen hielt.

Davon ließen wir uns jedoch nicht beeindrucken, denn die Costa Pacifica bietet durchaus viel Abwechslung und so kommt Langeweile erst gar nicht auf. Dem "Today" entnahm ich u.a. die Information, dass in der "Around the Clock"-Bar um  17.15. Uhr eine Heilige Messe mit "Erneuerung des Eheversprechens" abgehalten werden würde. Das wäre doch, zumal auf einer derart turbulenten Reise, eine gute Gelegenheit, den Bund der Ehe erneut zu bekräftigen. Allerdings kamen wir ein paar Minuten zu spät und fanden keinen Platz mehr in der Bar, die derart proppenvoll war, dass die Demut des Augenblicks ohnehin verloren gegangen wäre, so dass wir uns entschlossen, die Ehe auch ohne "Erneuerung" fortzusetzen.

Stattdessen studierten wir noch den Reiseführer "Rom" und diskutierten über den morgigen bevorstehenden letzten Ausflug. Das Ende der Reise nahte. Immerhin hatte Sonja schon seit ein paar Tagen keine Zahnschmerzen mehr, so dass wir den weiteren Ereignissen zunehmend gelassen entgegen sehen konnten. Heute nahmen wir auch die Schokoladenbar genauer unter die Lupe und versuchten ein paar dieser kalorienreichen Köstlichkeiten.

Die Teile sehen nicht nur gut aus, die schmecken auch gut. Dazu den einen oder anderen leckeren Cocktail und schon lässt sich auch schlechtes Wetter gut ertragen. Den Abend im Theater ließen wir diesmal aus, denn das groß angekündigte Finale des "C-Talents" ist nichts weiter als "DSDS" für Arme. Costa macht es sich zum Teil etwas leicht, wenn man auf die Verpflichtung professioneller Künstler verzichtet und stattdessen die Passagiere ihr eigenes Programm machen lässt. In der Form haben wir das bei den bisherigen Kreuzfahrten nicht erlebt, vielleicht ein weiteres Indiz für ein neues Marketing-Konzept? Wir ließen den Abend in der Welcome-Bar auf Deck 3 ausklingen. Hier kann man bei guter Musik Gespräche in angenehmer Atmosphäre führen, es ist nicht zu laut und der Service, wie überall, sehr zuvorkommend und flott!

Sonntag, 14. März 2010

Treffpunkt war heute um 8.00 Uhr in der Grand Bar Rhapsody, dort würden wir die Sticker für unseren Ausflug "ins Herz von Rom" bekommen. Nach langem Hin und Her hatten wir uns für eine Fahrt mit dem "Roma Express" entschieden, einem, laut Beschreibung, modernen Zug für Kreuzfahrttouristen. Die Fahrt kostete satte 45,00 Euro, aber dafür sollten wir "nützliche Informationen von einem erfahrenen lokalen Guide" erhalten. Es kam leider ganz anders!

Zusammen mit einer größeren Gruppe marschierten wir vom Hafen Civitavecchia Richtung Bahnhof. Das war in in etwa 20 Minuten erledigt. Dort angekommen stand er bereits vor uns, der groß angekündigte ""Roma Express".

Von außen machte er einen ganz guten Eindruck, leider setzte sich dieser innen nicht fort. Die Bestuhlung erwies sich als extrem eng und die angekündigten nützlichen Informationen wollten sich einfach nicht einstellen.

Stattdessen huschten permanent überforderte junge Damen, als Reiseleiterinnen getarnt, an uns vorbei und suchten nach älteren Damen und/oder Herren, denen die Partner/-innen abhanden gekommen waren. Irgendwann setzte sich der Zug dann tatsächlich in Bewegung und wir erhielten endlich unsere teuer bezahlten Infos in Form eines Stadtplans. Was sich Costa dabei gedacht hat, erschloss sich uns bis zuletzt nicht. Da wir aber aufgrund früherer Besuche und guter Reiselektüre einigermaßen auf die "Ewige Stadt" vorbereitet waren, konnten wir diese Nullnummer verkraften. Ärgerlich blieb einzig der durch nichts zu rechtfertigende unverschämt hohe Preis, was wir Costa gegenüber nach Ende der Kreuzfahrt auch zum Ausdruck gebracht haben.

Nach knapp einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir dann den Bahnhof "St. Pietro", ein Steinwurf vom Petersdom entfernt. Wir verabschiedeten uns schnellstens von "unserer" Gruppe und dem nicht vorhandenen Guide und marschierten zum Petersplatz. Wer Rom zu Fuß erobern will, sollte keine Zeit verlieren, die Entfernungen sind zum Teil ziemlich heftig.

Die berühmteste Kirche der christlichen Welt ließen wir links liegen, wir wollten zur Engelsburg. Und weil es noch zeitiger Vormittag war, entschlossen wir uns zu einer Besichtigung. Der Eintritt kostet 8,00 Euro und ein Besuch ist absolut zu empfehlen, besonders wegen der herrlichen Aussichten von der oberen großen Terrasse. An einem Sonnentag, wie wir ihn erleben durften, kann man tolle Bilder der unmittelbar vor der Engelsburg liegenden Brücken machen: z.B. Ponte Umberto oder natürlich die Ponte Sant' Angelo selbst. Und auch der Blick auf die Peterskirche ist nicht zu verachten. Im Eifer des Gefechts vergaß ich meinen Spirallo-Reiseführer auf einer der mächtigen Mauern der Engelsburg. Aber wir hatten ja noch einen Stadtplan und einen weiteren Reiseführer im Gepäck, so dass wir den Verlust verschmerzen konnten.

Da wir unsere Kondition nicht überstrapazieren wollten, sah unser Plan eine kurze Busfahrt zum nächsten Ziel, dem "Fontana di Trevi", vor. Allerdings sind Fahrpläne in Rom (und nicht nur dort) nicht so bierernst zu nehmen. Wir standen und standen .... und wenn wir nicht zu Fuß weiter gegangen wären, stünden wir noch heute. Irgendwie klappte das mit dem öffentlichen Personennahverkehr nicht so hundertprozentig. Trotzdem haben wir uns zu dem berühmtesten aller römischen Brunnen durchgefragt. Anita Ekberg haben wir nicht mehr angetroffen, dafür einige hundert, oder waren es gar tausend, Touristen, die fleißig Münzen über die linke und rechte Schulter warfen. An die 200.000,00 Euro sollen auf diese Art jährlich in die leeren römischen Haushaltskassen fließen. Von uns waren auch wieder ein paar Münzen dabei.

Stichwort Münzen! Wir brauchten unbedingt Bargeld, weil mit dem Bezahlen des Eintritts für die Engelsburg unser Münzvorrat aufgebraucht war. Wir hatten das etwas unterschätzt, auch deshalb, weil die letzten Ausflüge alle unter Costa-Regie abliefen und wir uns um nichts kümmern mussten. Die Kreditkarte von Sonja wurde an zwei Automaten aus unerfindlichen Gründen zurückgewiesen, glücklicherweise hatte Stefan insgesamt drei Karten Plastikgeld dabei, die Visa-Card wurde schließlich akzeptiert.

Vom Trevi-Brunnen zum Colosseum war es für einen Fußmarsch eindeutig zu weit. Wir stiegen daher auf die U-Bahn um, die, oberflächlich betrachtet, durchaus mit dem "Freilicht"-Museum Rom mithalten kann:

Aber am Ende zählt nur der Zweck, der bekanntlich die Mittel heiligt. Die U-Bahn war im Vergleich zum Bus immerhin pünktlich und beförderte uns auch schnell von "A" nach "B". Hier, am Colosseum, schlägt das historische Herz Roms. Auf engstem Raum kann man hier viele der wichtigsten noch erhaltenen Baudenkmäler besichtigen: Colosseum, Circus Maximus oder das Forum Romanum. Letzteres wurde erst nach Abtragen einer 15 Meter dicken Schuttschicht freigelegt. Wer nur einen Tag zur Verfügung hat, muss die Besichtigungen zwangsläufig auf das Wesentliche reduzieren. So blieb z.B. für die Besichtigung des Colosseums keine Zeit, hier mussten die Bilder von außen genügen. Aber auch so sind die fotografischen Erinnerungen beeindruckend genug. Wir hatten ja eine Münze in den Trevi-Brunnen geworfen, so dass man davon ausgehen kann, irgendwann in diese einzigartige Stadt zurückkehren zu dürfen. Appetit darauf machen Bilder wie die folgenden:

Anschließend stellten sich erste Konditionsschwierigkeiten ein. Besonders meiner Frau machte der Fußmarsch zu schaffen. Zu allem Überfluss verloren wir kurzzeitig die Orientierung und standen plötzlich an der "Schreibmaschine", dem Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II, das zwar nicht herausragend schön oder gar historisch wertvoll wäre, aber ob seiner schieren Größe schon nicht zu übersehen ist.

Vom dortigen Verkehrsknotenpunkt fragten wir uns zur richtigen Bushaltestelle durch. Leider habe ich mir die Busnummer nicht gemerkt, die uns zum Petersplatz zurückgebracht hat. Jedenfalls hatten wir noch reichlich Zeit, um den Petersdom auch von innen zu besichtigen. Nach Durchqueren der Sicherheitsschleusen, die sich rechter Hand an den Kolonnaden befinden, steht einer Besichtigung des Doms nichts mehr im Weg. Das machen im Übrigen, glaubt man entsprechenden Schilderungen, etwa 20.000 Pilger täglich. Wir befanden uns also in guter Gesellschaft. Ob man nun religiös ist oder nicht, am Petersdom, kommt man in Rom nicht vorbei. Das Bauwerk, dessen Grundstein am 18. April 1506 gelegt wurde, ist so gewaltig, dass es einfach zum Pflichtprogramm eines Rom-Besuchs gehört. Allein die Kolonnaden erwecken den Eindruck, als wollten sie den Besucher und noch 100.000 andere dazu umarmen. In 120 Jahren Bauzeit entstand ein Bauwerk für die Ewigkeit, das drei Stilepochen (Renaissance, Manierismus und Barock) in sich vereinigt. Es ist daher nur folgerichtig, wenn wir uns mit den folgenden Bildern von unserem letzten Ausflug nach Rom verabschieden:

Die Eindrücke des Petersdoms sind die letzten unserer zu Ende gehenden Kreuzfahrt. Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, wo schon der "Roma-Express" auf uns wartete und schnell nach Civitavecchia zurück brachte. Der Ärger über den viel zu hohen Reisepreis war verflogen, man fährt schließlich in Urlaub, um sich zu erholen und zu amüsieren.

Um 18.30 Uhr hieß es ein letztes Mal "Alle an Bord!", ein langer Ausflugstag ging zu Ende und wir mussten uns fast schon ein wenig sputen, um rechtzeitig im Restaurant zu sein. Das letzte Abendessen wollten wir schließlich noch einmal so richtig genießen, gingen wir doch davon aus, dass es ruhiger werden würde, als an den Abenden davor, weil ein Teil der Passagiere, die in Civitavecchia von Bord gingen, bereits am Vorabend verabschiedet worden war. Doch da hatten wir falsch kalkuliert. Für Nachschub war nämlich schon gesorgt. Das "My Way" wurde von ganzen Hundertschaften asiatischer Passagiere förmlich überrannt. Es war ein sehr merkwürdiges Schauspiel, das sich uns bot. Auch unsere beiden Waiter und die gesamte Service-Crew wirkten in dem Ameisenhaufen der Neuankömmlinge sichtlich nervös und beunruhigt. Die neuen Passagiere machten sich nicht nur auf den Tischen breit, sie belegten auch gleich die Service-Theken der Waiter und packten mitgebrachte Süßigkeiten (Chips, Erdnüsse usw.) aus. Ein schier unglaublicher Vorgang, zumal gerade dieses ausdrücklich verboten ist!

Nachdem sich auch diese Aufregung gelegt hatte, genossen wir aber dann doch das letzte Abendessen und verabschiedeten uns, nicht ohne unsere beiden Waiter mit Trinkgeld versorgt zu haben, vom "My Way". Es folgten ein letzter Casino-Besuch und ein letzter Gang ins Theater, wo zum Abschied noch eine ordentliche Variete-Show geboten wurde. Bereits um 19.00 Uhr hatte die Costa Pacifica Kurs auf Savona und die letzten 197 Seemeilen in Angriff genommen.

Wie immer können Sie über den folgenden Link in ein Foto-Album gelangen, das weitere Aus- und Einsichten zur "Ewigen Stadt" bietet:

Rom, 14. März 2010

Die Kreuzfahrt und damit dieser Reisebericht enden in Savona. Klicken Sie auf den entsprechenden Zielhafen oder einen Link Ihrer Wahl:

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