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Aegypten Reiseführer

Donnerstag, 11. März 2010

Auch an diesem Tag mussten wir früh raus aus den Federn. Gegen 6.30 Uhr erreichten wir den Hafen von Port Said (Ägypten), Sonnenaufgang war um 6.08 Uhr und die Sonne knallte gnadenlos auf die Costa Pacifica. Nach dem obligatorischen Frühstück im "New York" begaben wir uns zügig auf Deck 5 in die "Grand Bar Rhapsody", um unsere Busnummern in Empfang zu nehmen. Dann verloren wir keine Zeit, fuhren mit dem Aufzug auf Deck "0" und suchten in der schier endlosen Schlange nach unserem Bus. Klar, es war einer der letzten. Wir hatten den Eindruck, als ob alle Passagiere heute auf dem Weg zu den Pyramiden unterwegs sein würden. Nach unseren Informationen waren es tatsächlich um die 70 Busse, die auf ihre menschliche Fracht warteten. Um 6.50 Uhr nahmen wir im hinteren Bereich des klimatisierten Busses Platz und warteten. Dem Leser dieser Zeilen wird das Warten mit folgenden Eindrücken verkürzt:

 

Wir warteten also weiter im Bus unter sengender Sonne. Laut "Today" sollte die Abfahrt um 7.00 Uhr erfolgen. Ein frommer Wunsch! Es wurde 7.15 Uhr, 7.30 Uhr, Unruhe machte sich breit. Draußen auf den Straßen tat sich nichts. Die ägyptische Reiseleiterin paffte einen Glimmstengel nach dem anderen, Erklärungen für die Verspätung gab es nicht. Endlich, um 8.05 Uhr, nach geschlagenen 75 Minuten Wartezeit, setzte sich der Costa-Konvoi endlich in Bewegung. Wir haben nie erfahren, weshalb es zu dieser indiskutablen Verspätung kam. Ein ärgerlicher Auftakt des heutigen Ausflugs, den wir uns so ganz anders vorgestellt hatten.

Wir hatten den Ausflug Nr. 1418 "Kairo, Gizeh, Sakkara, Memphis" gebucht und dafür 111,00 Euro gezahlt. Laut Programm sollten wir zunächst die Pyramiden besichtigen, aber die verspätete Abfahrt brachte den gesamten Zeitplan durcheinander. In Port Said hatten wir im wahrsten Sinne des Wortes noch "freie Fahrt", weil sämtliche Zufahrtstraßen gesperrt waren. Extra für den Bus-Konvoi! Ein ziemlich hoher Aufwand, der hier betrieben wurde. Überhaupt wird auch in Ägypten die Sicherheit groß geschrieben. Neben dem Busfahrer und der Reiseleiterin Maha war noch ein Security-Mann im Bus. In unserem Fall handelte es sich um den Ägypter Jamal, eine stattliche Erscheinung, der mit seinem großkalibrigen Revolver hinter dem Busfahrer saß und der noch sehr wertvoll für uns werden sollte.

Nachdem sich unser Bus endlich in Bewegung gesetzt hatte, stellte sich auch schon die Reiseleiterin vor. Es handelte sich um eine attraktive Mittdreißigerin namens Maha, die Ägyptologie studiert hatte und sich wirklich als ausgewiesene Ägypten-Exptertin präsentierte. Sie fütterte uns unablässig mit Infos zu Land, Leuten und insbesondere den Ausgrabungsstätten. Schon bald ließen wir Port Said hinter uns und näherten uns den Ausläufern der ägyptischen Hauptstadt Kairo. Niemand vermag wohl eindeutig zu sagen, wieviele Menschen hier eigentlich leben. Im Großraum gehen Schätzungen von sage und schreibe 25 Millionen aus, das würde etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung entsprechen. Während wir den Schilderungen von Maha lauschten, wanderten die Blicke immer wieder raus auf die Straßen. Obwohl bereits vor Beginn des Ausfluges klar war, dass wir die meiste Zeit lediglich im Bus sitzen würden, bekam man doch einen (kleinen) Einblick. Was wir sahen, war jedoch nicht dazu angetan, Freudentänze aufzuführen: Seelenlose, unverputzte Wolkenkratzer reihten sich aneinander, Autos, die in Europa längst auf dem Schrottplatz gelandet wären, Menschen, die irgendwo im Schatten lagen, schliefen, aßen und Dreck: Müllhalden, Plastiktütengebirge, Abfall und dazwischen Menschen, für die dies alles offenbar vollkommen normal ist. Mit diesen Bildern musste man zwar rechnen, trotzdem ist man nicht nur überrascht, sondern auch schockiert, wenn man mit der Realität eins zu eins konfrontiert wird.

Dann sahen wir hinter einem weiteren Heer von Wohnblöcken die Spitzen der Pyramiden. Aber wie schon an anderer Stelle erwähnt, sah der Programmablauf anderes vor. Zunächst mussten wir uns also mit einem bescheidenen Bild der Pyramiden aus dem fahrenden Bus begnügen.

Die erste Station unseres Ausfluges war nämlich Sakkara, das unglaubliche 3000 Jahre als Begräbnisstätte diente. Eine Fundgrube für Archäologen, denn die Anlagen sind zum überwiegenden Teil noch gar nicht ausgegraben. In unserem Fokus stand des berühmteste Bauwerk, die Stufenpyramide des Djoser. Sie wurde von dem wohl bekanntesten Architekten Imhotep um 2665 v.Chr. errichtet. Es handelt sich dabei um ein so genanntes Mastabagrab, das damals erstmals aus Steinen und nicht mit den zu dieser Zeit gebräuchlichen Lehmziegeln erbaut wurde. Die Pyramide ist etwa 60 Meter hoch und verfügt über sechs Stufen, die Basismaße: 121 Meter (Ost-West-Ausdehnung) und 109 Meter (Nord-Süd-Ausdehnung). Daneben beeindruckt noch ein erhaben wirkender Säulenkorridor, in dem sich die Hitze staute. Nach Aussage der Reiseleiterin hatten wir an diesem Tag Temperaturen von ca. 45-50 Grad.

Das war für manche Mitreisende möglicherweise der Grund, den klimatisierten Bus erst gar nicht zu verlassen. Erschwerend kam hinzu, dass uns vielleicht gerade mal eine knappe Dreiviertelstunde Zeit blieb, um all das zu entdecken, was jahrtausendelang im Wüstensand versteckt war. Ein Ding der Unmöglichkeit. Viele der über 70-jährigen fühlten sich hier überfordert.

Weiter ging die Hatz durch die aufgeheizte Wüste. Ziel 2 der strapaziösen Tour war Memphis, die antike Hauptstadt Ägyptens. Viel erinnert nicht mehr an den einstigen Glanz des religiösen Zentrums, man wähnt sich eher in einem Palmengarten, der allerdings ist erheblich "aufgehübscht" mit Sphinxen. Vor lauter Hektik wären wir beinahe am Museum vorbei und wieder zurück zum Bus gerannt (die engen Zeitvorgaben!), als ich es mir doch anders überlegte, auf dem Absatz umkehrte und in das Innere des Museums lief. Da erwartete uns dann aber noch ein Highlight: die Kolossalstatue Ramses II., die 1962 bei Aushubarbeiten entdeckt wurde. Natürlich ist auch der Alabaster-Sphinx im Skulpturenpark ausgesprochen sehenswert.

 

Bevor die Fahrt weiter zum Höhepunkt des heutigen Tages, den Pyramiden von Gizeh, ging, legten wir eine Rast ein und verzehrten den Inhalt unserer von Costa großzügig vorbereiteten Lunchpakete. Auch zwei 0,5-Liter-Flaschen Mineralwasser waren dabei, die wir allerdings schon vorher leer getrunken hatten. Der Flüssigkeitsbedarf bei diesen für uns Mitteleuropäer ungewöhnlichen Temperaturen ist enorm. Der Platz für die Pause war gut gewählt, es war schattig und einigermaßen kühl. Einzig bei der Benutzung der Toiletten glaubten einige Mädchen, dass sie gleich mehrfach die Hand aufhalten müssten. 

Dann krochen wir wieder in unseren Bus, die Pyramiden warteten. Viele Menschen träumen ja davon, diese gigantischen Monumentalbauten wenigstens einmal im Leben zu Gesicht zu bekommen. Für uns sollte dieser Traum heute in Erfüllung gehen. Dabei konnten wir auch auf die Hilfe unseres "persönlichen" Security-Mannes Jamal zählen. Er war schon in Sakkara und Memphis immer in unserer Nähe, weil wir, vermutlich wegen unseres Alters, ziemlich flott unterwegs waren und uns dabei stets am weitesten von der Gruppe entfernt hatten. Er passte deshalb auf, wann es Zeit war, zum Bus zurückzukehren und er machte auch immer wieder Fotos von uns vieren. Da er ein paar Brocken Englisch konnte, war auch ein kleiner Smalltalk mit Jamal möglich.

Jetzt, an den Pyramiden, waren seine Dienste noch willkommener. Er scheuchte die unvermeidlichen Souvenirverkäufer, sobald sie auch nur in unsere Nähe kamen, sofort weiter, und er ging mit uns zu Stellen, an denen, nach seiner Meinung, besonders gute Fotos möglich waren. Allerdings war es auch mit seiner Hilfe unmöglich, ein Foto zu schießen, auf dem alle drei Pyramiden zu sehen sind. Wir waren wieder bei unserem Zeitproblem! Es gibt wohl einen etwas höher gelegenen Parkplatz, von dem aus solche Bilder machbar sind, allerdings hechelten wir immer noch den verlorenen 75 Minuten hinterher, so dass wir uns mit dem begnügen mussten, was wir vorfanden.

Auf den ersten Blick erscheint die Cheops-Pyramide, auch die "Große Pyramide" genannt, kleiner als die Chefren-Pyramide. Das liegt daran, dass die Chefren-Pyramide auf einem Plateau erbraut wurde; sie ist 136,4 Meter hoch, während die Cheops-Pyramide heute noch 137,00 Meter misst (von ursprünglich 146,6 Meter).

Auf dem linken Bild sehen wir also die vermeintlich kleinere Cheops-Pyramide, die sich aus sage und schreibe 2,3 Millionen (!) Steinblöcken zusammen setzt. Ein einzelner von diesen Steinkolossen wiegt durchschnittlich 2,5 Tonnen, einige auch bis zu 15 Tonnen. Cheops war der zweite König der 4. Dynastie und herrschte von 2589 - 2566 v.Chr. Das rechte Bild zeigt die Chefren-Pyramide. Der Namensgeber war der Sohn des Cheops und regierte von 2558 - 2532 v.Chr. Jamal hetzte uns etwas weiter weg von den Pyramiden, weil er ein Familienfoto von uns machen wollte, einem Wunsch, dem wir nur allzu bereitwillig folgten.

Wir sehen hier schon einigermaßen abgekämpft aus, aber das war angesichts der Hitze und des mitunter wahnwitzigen Ausflugstempos nicht weiter verwunderlich. Später sahen wir, dass viele den Bus aus besagten Gründen gar nicht erst verlassen haben. Wir können aber immerhin sagen, die Pyramiden gesehen zu haben, auch wenn die reine Besichtigung natürlich viel zu kurz kam. Leider! Auf folgendem Bild ist übrigens gut die Nähe der Pyramiden zu Kairo zu erkennen. Auch der Bus-Parkplatz an dieser Stelle zeigt, wie viele Menschenmassen hier täglich durchgeschleust werden. Da helfen die gutgemeinten Tipps in den Reiseführern, wonach die beste "Besuchs"-Zeit für die Pyramiden der Vormittag ist, herzlich wenig. Wir konnten uns das ebenso wenig aussuchen wie die meisten anderen. Trotzdem war das "Erlebnis Pyramiden" auch für uns durchaus beeindruckend!

Seit mehr als viereinhalbtausend Jahren sorgt die (oder der) Sphinx (selbst bei der Wahl des Artikels herrscht Uneinigkeit) für Rätsel. Die gewaltige Figur (sie ist 73,5 Meter lang, 6 Meter breit und etwa 20 Meter hoch) aus Kalkstein war unser letzter Fotostop. Die wenigen Meter vom "Pyramiden-Parkplatz" fuhren wir mit dem Bus. An der letzten Station stiegen außer uns nur noch wenige Mitreisende aus, die meisten waren einfach zu kaputt. Hohe Temperaturen und unzählige Touristen forderten ihren Tribut. Aber natürlich wollten wir auch  noch die sagenumwobene Sphinx, ein liegender Löwe mit Menschenkopf, aus nächster Nähe sehen. Und wieder sorgte Jamal für freien, ungehinderten Zugang und natürlich machte er auch wieder diverse Fotos.

Mit diesen letzten Fotos endete unser anstrengender Ausflug nach Ägypten. Aber nur fast. Denn natürlich stand noch ein obligatorischer Ausflug in einer Papyrusfabrik nebst Schmuckgeschäft an. Bereits am Vormittag während der Hinfahrt ging die Reiseleiterin, die selbst mit umfangreichen Schmuckmustern behängt war, durch die Stuhlreihen und nahm die Bestellungen auf. Man konnte Ketten und Anhänger sowie Polohemden mit Hieroglyphen-Aufdrucken vorbestellen und dann im Geschäft abholen. Wie sich nun herausstellte, waren wir die einzigen von etwa 50 Reiseteilnehmern, die überhaupt etwas bestellt hatten. Das war natürlich eine alles andere als glückliche Situation für uns, denn es wurde offensichtlich erwartet, dass wir, kaum, dass wir den Bus verlassen hatten, wieder zurück kehren. Doch das war eine logistische Unmöglichkeit. Unsere Reiseleiterin beruhigte uns auch immer wieder und meinte, dass die nicht von uns verschuldete Verspätung von den anderen hinzunehmen wäre. Das sahen freilich nur die wenigsten so, denn bei unserer Rückkehr nach etwa 40 Minuten, wurden wir zum Teil auch beschimpft. Eine unangenehme Situation, die wir zwar nicht zu verantworten, aber auszubaden hatten. Dabei war die Vorführung über die Herstellung von Papyrus durchaus interessant und aufschlussreich. Einen kleinen Eindruck vermittelt das folgende Bild:

Die Auswahl an großen und kleinen Papyrus-Bildern im Laden war geradezu unüberschaubar, auch das Schmuckangebot war mehr als reichlich. Wir hatten uns bereits vor der Abreise in Deutschland über vergleichbare Ketten und Anhänger (Skarabäen u.ä.) informiert und wussten daher, was wir (auch finanziell) zu erwarten hatten. Wer ernsthaftes Interesse am Kauf von Schmuck und Papyrus hat, sollte sich schon im Vorfeld informieren, dann bleiben unangenehme Überraschungen sicher die Ausnahme!

Nachdem wir den Spießrutenlauf im Bus überstanden hatten, ging es an die Rückfahrt. Die Costa Pacifica hatte während des Tages den Hafen von Port Said verlassen und war nach Alexandria weiter gefahren, wo sie bereits auf uns wartete. Die Busfahrt bot aber noch den einen oder anderen Einblick in die ägyptische "Verkehrsmentalität". Es war zwischenzeitlich dunkel geworden und so konnte man bei jedem Überholmanöver auf der Autobahn beobachten, was die Fahrer der jetzt noch unterwegs befindlichen Lkw's hinter dem Steuer so alles treiben. Das war gut zu erkennen, denn anders als bei uns, fährt man in Ägypten gerne auch mit wahrer Festbeleuchtung im Führerhaus. Maha, die Reiseleiterin erzählte uns, dass es auch vorkomme, dass mit ausgeschaltetem Fernlicht gefahren würde, einfach um zu vermeiden, dass die Scheiben nicht mit Insekten verdreckt würden. Unglaublich! Auch wir hatten noch ein Erlebnis der anderen Art. Unser Fahrer verpasste die Abfahrt zum Hafen und merkte das erst nach etwa 200 Metern. Dann legte er eine Vollbremsung hin, die Maha beinahe durch die Windschutzscheibe befördert hätte, und fuhr rückwärts (!) bis zur Abzweigung. Es herrschte übrigens äußerst reger Verkehr, aber es kam nicht zum von uns schon erwarteten Crash. Die Ägypter sind derlei Manöver offenbar gewohnt!

Gegen ca. 19.00 Uhr erreichten wir den Hafen von Alexandria, wo das folgende Foto entstand:

Ein äußerst stressiger, aber auch sehr interessanter und aufregender Ausflugstag ging zu Ende. Wir verabschiedeten uns herzlich von Maha und Jamal, denen wir für ihre Dienste auch noch einige Euro zusteckten. Leider ist es nicht selbstverständlich, dass Reisebegleiter und/oder Busfahrer auch Trinkgeld bekommen. Hier hätten wir uns von dem einen oder anderen Mitreisenden etwas mehr Gespür gewünscht.

Zum Abendessen, das heute erneut in "legerer" Kleidung eingenommen wurde, kamen wir sogar fast noch pünktlich. Das Essen war wieder ganz ausgezeichnet und wir ließen uns auch Zeit, denn heute gab es im Theater keine Vorstellung, die uns interessiert hätte. Nach einem kleinen "Absacker" im Atrium gingen wir früh zu Bett. Endlich hatten wir jetzt Muse, das Schiff ausgiebig kennenzulernen, denn es kamen jetzt zwei Seetage. Schon in ein paar Tagen würde die Reise wieder zu Ende sein. Der heutige Teilbericht endet mit einem Bild der Sphinx und der Chefren-Pyramide. An dieser Stelle auch noch einmal der Hinweis, dass sich alle Vorschaubilder im Reisebericht nach Klick vergrößern.

Weitere Bilder des Ägypten-Ausfluges können interessierte Leser im folgenden Webalbum betrachten:

Ägypten 2010
Start Reisebericht Civitavecchia Israel