Lanzarote, 2. Nov. 2008

Pünktlich um 18.00 Uhr ließ Kapitän Mario Moretta ablegen. Die Victoria nahm Kurs auf die Kanarischen Inseln, Lanzarote war unser nächstes Ziel. Ein Katzensprung, wenn man bedenkt, dass es gerade mal 184 Seemeilen (= 340,768km) von Agadir nach Lanzarote waren. Aber auf dem Atlantik spürt man den Wellengang oder sollte ich besser sagen, die Dünung, etwas stärker als im Mittelmeer. Es schaukelte immer wieder einmal, wenn auch nicht dramatisch und auch die Kellner hatten damit überhaupt keine Probleme. Dass bei der Ausfahrt aus den Häfen kein "Time to say goodbye" von Andrea Bocelli gespielt wurde und auch das Horn nur zaghaft betätigt wurde, war etwas schade. Aber vielleicht ist "Il Commandante" auch kein Romantiker, aber schön wäre es doch gewesen. Auf der Mediterranea haben wir diese Momente immer sehr genossen. Aber es blieb wie gesagt nicht viel Zeit, diesen Stimmungen nachzugehen, die Kanaren warteten. Auf dem obigen Titelbild ist schon etwas zu sehen von Arrecife, der Hauptstadt Lanzarotes. Sie wirkt zwar wie eine moderne, typische spanische Stadt, die immerhin eine neu gestaltete Promenade zu bieten hat, aber in erster Linie sind wir wegen der Landschaft gekommen. Die Feuerberge waren es, die unsere Fantasie beflügelten. Doch wir mussten uns noch gedulden, unser Ausflug sollte erst gegen Mittag starten. Bis dahin hatten wir also Zeit, uns Arrecife etwas näher anzusehen. Also unternahmen wir einen kleinen Bummel. Und siehe da: Arrecife selbst offeriert auch das eine oder andere Kleinod für den verwöhnten Kreuzfahrer.

Wer kleine weiße Fischerhäuser mag, wird sich im Viertel Charco da San Gines wohlfühlen. Sie sind leicht zu finden, alles ist in Sichtweite zum Meer und zum Hafen. Die Häuschen hätten sicher auch van Gogh oder Monet gefallen. Ich habe auf dem Titelbild lediglich ein bißchen versucht, diesen großen Impressionisten ins Handwerk zu pfuschen, was mir zugegeben nur mäßig gelungen ist. Aber für einen kleinen Eindruck mag es genügen. Ebenso wie die beiden folgenden Bilder, die sich wie immer nach einem Klick vergrößern:

In Arrecife leben heute übrigens etwa 40.000 Menschen und damit ca. 40% der gesamten Inselbevölkerung. Eine übersichtliche Angelegenheit also, auch für den Touristen, weil die Stadt nicht überlaufen ist. Auch wenn man die Insel nicht wegen ihrer Hauptstadt besucht, ist Arrecife doch einen Besuch wert, zumal es sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat. Das neue Prunkstück ist die Promenade Avenida La Marina. Ebenfalls sehenswert sind die Kirche San Gines und das Castillo de San Jose. Bis zum umstrittensten Gebäude Arrecifes, dem 17-stöckigen Gran Hotel haben wir es aus Zeitgründen leider nicht mehr geschafft, wegen unseres Ausflugs mussten wir zurück zum Schiff.

Nach einem kurzen Imbiss begaben wir uns ins Theater, wo meistens der Treffpunkt für die Ausflüge war. So auch diesmal. Aber als wir uns bei der Hostess meldeten, unseren Namen nannten und auf unsere Coupons sahen, wurden wir blass vor Schreck. Wir hatten nicht die Tour zum Nationalpark Timanfaya sondern eine "Besichtigung der Nordseite der Insel" gebucht. Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Ein Versehen, dabei hatten wir beide noch kontrolliert, dass die Kreuzchen ja an der richtigen Stelle sind, bevor wir das Formular abgegeben hatten. Es nützte nichts, wir hätten den Coupon überprüfen müssen, als er zusammen mit den anderen von Casablanca und Agadir auf unserer Kabine abgegeben wurde.

Aber wir hatten Glück im Unglück. Nachdem wir schon Blut und Wasser geschwitzt und uns in Grund und Boden geärgert hatten, waren doch tatsächlich noch zwei Plätze frei. Es kam zum Tausch. Wir mussten noch nicht einmal den einen Euro Differenz auf den Kaufpreis zahlen, der eigentlich fällig gewesen wäre. Wir waren buchstäblich die Letzten, die auf den Zug und später auf die Kamele aufsprangen. Welch Glück, hatten wir uns doch gerade auf Timanfaya besonders gefreut. Im vollbesetzten Bus begrüßte uns ein junger Lanzaroteno namens Bernardo. In bestem Deutsch gab er uns einen kurzen Überblick und machte immer wieder kleine Witzchen über den bevorstehenden Dromedarritt. Alles wäre natürlich im Preis von 47,00 Euro inbegriffen. Bevor wir aber das Kassenhäuschen zum Nationalpark erreichten, fuhren wir zur Echadero de los Camellos, der Kamelstation. Es war klar, dass wir nicht die Einzigen sein würden, aber wir hatten den Vorteil in einer Gruppe zu sein und so konnten wir uns gleich zu den Wüstenschiffen begeben, die schon sehr lange auf Lanzarote beheimatet sind. Da Afrika nicht weit ist, muss es uns übrigens nicht weiter wundern, in dieser Lava-Landschaft Dromedare, also einhöckrige Kamele anzutreffen. Die Einführung dieser Tiere geht auf den normannischen Abenteurer und Ritter Jean de Béthencourt zurück, der die Dromedare im Jahr 1406 von Marokko nach Lanzarote brachte. Dort wurden sie über Jahrhunderte als Last- und Nutztiere eingesetzt. Und natürlich dienen sie als besondere Attraktion für die Touristen. Selbst wenn man dieser Art Spektakel vielleicht etwas skeptisch gegenüber stehen mag, einen besonderen Reiz hat die Sache doch. Aber Vorsicht: sowohl beim Aufstehen als auch beim Niederknien schaukelt es doch beträchtlich, daher der Name "Wüstenschiff", und man tut gut daran sich  festzuhalten. Anschließend schaukelten wir auf die "Straße der Kamele" und genossen herrliche Ausblicke über eine atemberaubende Landschaft.

Die Führer der Karawane waren alle sehr freundlich und machten auch gerne Fotos von uns, ohne dass dafür gleich ein Trinkgeld erwartet wurde. Der kleine Ausritt mit Auf- und Absteigen dauerte insgesamt etwa 45 Minuten. Aber dann war es Zeit für Lanzarotes größte Attraktion, den "Parque Nacional de Timanfaya". Seit 1974 ist das Herzstück der Vulkane mit dem 517 Meter hohen Pico Partido Nationalpark. Das Logo das Parks, der kleine Teufel, wurde selbstredend von Cesar Manrique entworfen, der quasi im Alleingang das architektonische Gesicht der Insel geprägt hat.

Spätestens jetzt ist aber für den Betrachter unverkennbar, dass Lanzarote Vulkanland ist. Die Einheimischen nennen ihre Insel deshalb auch nicht ganz zu Unrecht "Isla del Fuego", also Feuerinsel. Der Name ist auch hier Programm, denn fast 300 Vulkankegel erheben sich auf den 795 Quadratkilometern, die Lanzarote umfasst, über einer Mondlandschaft. Und dieser Ausdruck trifft den Nagel auf den Kopf. Denn unwiikürlich fühlten wir uns beim Anblick solcher Bilder wie die Besatzung von Apollo 11, als sie mit ihrer Raumfähre am 20. Juli 1969 auf dem "Meer der Stille" aufsetzte.

Sieht dieses undefinierbare schwarze Etwas nicht auch wie ein Raumschiff aus? Wartet man nicht förmlich darauf, dass Kirk und Spock gleich auf einen zuspaziert kommen und rufen "Scotty, beam me up!". Und es ist ruhig, so ruhig, dass man es schon beinahe hören kann. Der Zauber dieser Vulkankegel und vermeintlichen "Geröllhalden" packt einen sofort. Es gbit aber auch Zeitgenossen, die diese Art Landschaft und die damit zusammenhängende Vegetation kalt läßt. Schwer vorstellbar, bei dem einzigartigen Farbenspiel, das die Feuerberge zeigen: je nach Lichteinfall bilden sich völlig neuartige Farbmischungen, von schwarz über grau, pink, purpurrot oder ockerfarben gibt die Palette des begnadeten Künstlers Natur, die dieses Farbenmeer geschaffen hat, alles her.

Natürlich hatten wir vor unserer Kreuzfahrt Reiseführer durchgeblättert und im Internet gestöbert, aber es ist dann doch ein riesengroßer Unterschied, wenn man plötzlich mittendrin steckt in diesem Farbtopf, förmlich eingekeilt von Vulkankegeln, die scheinbar für immer erloschen sind. Dabei bebt und brodelt es hier an jeder Ecke wie auf einem Herd, der nicht abgeschaltet worden ist. Wir sind mit unserem Bus auf der "Ruta de los Vulcanes" unterwegs, eine 14km lange Straße, die man nicht selbst befahren darf. Wenn also jemand mit dem Leihwagen unterwegs sein sollte, sollte er zunächst  zum zentralen Parkplatz bei "Islote de Hilario" fahren und dort in einen Touristenbus einsteigen, der im Parkeintritt enthalten ist. Unsere Busfahrt dauerte übrigens etwa 50 Minuten, der Fahrer machte zwischendurch immer wieder Fotopausen und wenn unser Guide Bernardo nicht gerade etwas erklärte, lauschten wir einer Art Hörspiel, in deren Verlauf viel über die Entstehung der Insel erläutert wurde. Alles in allem sehr beeindruckend.

Dass es auf Lanzarote unter den dünnen Gesteinskrusten heftig brodelt und kocht, erlebten wir unterhalb des von Manrique geschaffenen Restaurants "El Diablo", der oben schon beschriebenen "Raumstation". Mit simplen Experimenten, die von Parkrangern durchgeführt werden, wird gezeigt, dass die Insel lebt. So goss der Ranger Wasser in eine tief in die Erde gebohrte Eisenröhre, das kurz darauf mit einem lauten Knall als Wasserdampf nach oben schoss. Zum Glück wiederholte er das noch zweimal, sonst hätte es dieses Foto nicht gegeben:

In einer anderen Vertiefung fingen getrocknete Zweige, die er hinunter warf, sofort Feuer. Ein beeindruckendes Schauspiel. "El Diablo" hat noch mehr zu bieten, u.a. auch eine Art Naturgrill. Hier wird über einem Riss in der Erdkruste gegrillt, denn in nur sieben Metern Tiefe ist es bereits unvorstellbare 400 Grad heiß. Zur Probe ließ uns der Ranger auch eine handvoll Kies in die Hand nehmen. Aber nur kurz, die Steinchen waren wirklich sehr heiß. Die Hände durften wir uns dann auch noch in Gesteinsritzen wärmen, eine weitere ungewöhnliche Erfahrung.

Mit den Bildern der "Vulkanshow" im Kopf verließen wir Timanfaya schließlich. Die Rückfahrt nach Arrecife führte uns über "La Geria" und Yaiza. Bernardo zeigte uns noch, dass auf Lanzarote überraschenderweise auch Wein hervorragend gedeiht auf der Lava. Der Anblick von Tausenden Schutzmauern, die in einem Halbkreis erbaut werden, um die Reben vor dem Wind zu schützen, ist wirklich fesselnd. Der Kontrast von dem schwarzen Lavasand auf der einen und den grünen Pflanzen auf der anderen Seite ist ein sehr gutes Beispiel, um die Faszination, die von Lanzarote ausgeht, zu erklären. Es muss wirklich ein besonderer Boden sein, sonst könnten derart empfindliche Pflanzen kaum wachsen. Die typische Traube der Insel, die sich Malvasia nennt, kam übrigens im 18. Jahrhundert aus Kreta und macht 75% der Weinproduktion aus. Und um dem ungläubig staunenden Touristen diese Gegensätze auch zu beweisen, haben die Lanzarotenos in dieser Gegend viele Bodegas hingestellt. Dort darf man den köstlichen roten Tropfen dann kosten. Kosten tut es für Cosa-Urlauber nichts (na ja, bei dem Wortspiel konnte ich nicht widerstehen), das ist alles im Ausflugspreis von 47,00 Euro inbegriffen. Einen kleinen Snack gab es auch noch und die Aussichten auf diese wahrlich klinisch reinen Dörfer waren ebenfalls gratis, aber nicht weniger beeindruckend.

Dieses Yaiza wurde, wenn ich mich recht erinnere, dreimal in Folge zum schönsten Dorf der Kanaren gewählt. Auch hier ist er wieder deutlich zu sehen, dieser faszinierende Kontrast mit den dunklen Bergen im Hintergrund und den weißen Häusern vorne. Lanzarote war eine sehr schöne Erfahrung, ein weiteres Highlight unserer Kreuzfahrt. Das war jetzt der dritte Ausflug in Folge, den wir über Costa gebucht hatten. Jede Tour übertraf unsere Erwartungen, wir waren sowohl mit den Reiseleitern, die durchwegs sehr gut deutsch sprachen, sehr zufrieden als auch mit den angebotenen Zielen. Die Guides waren engagiert in ihrem Job und immer sehr bemüht, den Besuchern einen kleinen Teil ihrer Heimat näher zu bringen.

Um 18.00 Uhr verließen wir Lanzarote. Diesmal hatten wir noch genügend Zeit, um den Abend zu genießen, der wie immer seinen Anfang im Restaurant nahm, wo u.a. zum Nachtisch eine solche Köstlichkeit wie diese serviert wurde:

Für den unermüdlichen Leser unter meinen Besuchern gibt es Nachtisch nur in Form einer kleinen Fotoshow von Lanzarote. Wer Lust auf die "Faszination Timanfaya" hat, ist herzlich eingeladen, von den folgenden Links Gebrauch zu machen.

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