Der folgende Reisebericht befasst sich mit der hessischen Kurstadt Bad Orb. Schon an dieser Stelle möchte ich die Ungeduldigen unter den Lesern auf die Fotoshow zu diesem Bericht hinweisen. Sie sollen sich nicht erst lange durch einen Text quälen müssen, der sie möglicherweise nicht interessiert. Daher wünsche ich diesen Gästen schon vorab bei der "Fotoshow Bad Orb". Alle anderen sind herzlich eingeladen weiter zu lesen!

Bad Orb - die Stadt im Park

Zu meinem 50. Geburtstag bekam ich von meiner Tochter und deren Freund einen Gutschein für einen dreitägigen Aufenthalt in Bad Orb geschenkt. "Bad Orb" - Ich rümpfte erst einmal die Nase, denn für einen Aufenthalt in einer Kurstadt hielt ich mich denn doch zu jung. Aber wie immer bei bevorstehenden Reisen half auch hier ein Blick ins Internet schnell weiter. Und siehe da: Bad Orb hat wirklich jede Menge zu bieten. Das Auge, und nicht nur das, kann hier spazierengehen und nach jeder Ecke Neues entdecken.

Aber der Reihe nach. Das Kurstädtchen Bad Orb mit seinen 9.910 Einwohnern liegt im Spessart, etwa zwischen dem Dreieck Würzburg, Frankfurt und Fulda. Erstmalig wird die Stadt im Jahre 1059 erwähnt, erste Hinweise auf die Salzquellen finden sich 1064. Letztere waren wohl auch der Grund für die Besiedelung. Die Salzgewinnung machte Orb zu einer reichen Stadt, erst im 18./19. Jahrhundert führte die Konkurrenz mit der Steinsalzproduktion zur zunehmenden Verarmung. Schließlich wurde die Salzgewinnung im Jahre 1899 eingestellt und der Ausbau zum modernen Heilbad begann.

Heute ist Bad Orb eines der bedeutendsten Heilbäder Hessens und man ist stolz auf seine modernen Kurmitteleinrichtungen. Besonders interessant ist Bad Orb jedoch auch wegen seines historischen Stadtkerns, der mit vielen prächtigen Fachwerkhäusern glänzen kann.

Als wir das beschauliche Städtchen erreichten, wurden wir zwar nicht mit Kaiserwetter begrüßt, der Himmel war eher bedeckt und es war ziemlich kalt. Trotzdem wurden wir sofort von dem Zauber gefangen, der von der "Stadt im Park", wie sich Bad Orb in seinem Logo nennt, ausgeht. Wenn man über die Frankfurter Straße (L 3199) kommend auf den "Burgring" fährt und sich an den Parkplatzschildern orientiert, kann man sich gar nicht verfahren. Kurz hintereinander in die Straße eingelassene Portale erinnern den Autofahrer daran, dass man hier nur 30km/h fahren sollte. Wir hatten den Eindruck, dass diese Hinweise fast unnötig sind, denn hier gehen die Uhren von Haus aus etwas langsamer. Das liegt nicht nur an den Touristen und Kurgästen, sondern auch an der Ausstrahlung der Stadt. Man muss alles auf sich wirken lassen. Und das braucht seine Zeit.

Wir stellten das Auto in der Nähe des alten Rathauses ab. Von hier hat man die Möglichkeit, sich entweder sofort auf den Weg in den historischen Stadtkern zu machen oder zunächst den Kurpark aufzusuchen. Wir wollten die Fachwerkhäuser besichtigen, von denen es in Bad Orb sehr viele gibt. In der Kirchgasse befindet sich das oben gezeigte "Kleinstes Haus". Es misst an seiner schmalsten Stelle nur 1,58 Meter in der Breite und ist damit das kleinste Fachwerkhaus Hessens. Trotzdem ist es noch bewohnt und zwar von dem Künstler Helmut Jahn, einem Vertreter des abstrakten Expressionismus. Letzterer hat uns weniger interessiert, wohl aber die Liebe zum Detail, die in diese architektonisch einmaligen Häuser gesteckt wurde. Zum Teil kann man in Bad Orb Häuser aus dem 17. Jahrhundert bewundern.

Diese wunderbaren Fachwerkhäuser findet man im historischen Kern Bad Orbs zwischen Burgring und Würzburger Straße. Hier kann man in aller Ruhe schlendern, sein Auto auf einem der zahlreichen Parkplätze abstellen und sich auf den Weg machen, um die Patrizierhäuser in der Hauptstraße, die Häuser "Alt-Orb", das "Salzgrafenhaus" oder das "Henkershaus" zu besichtigen. Ein "historischer Stadtrundgang" lädt den interessierten Spaziergänger ein, 33 Stationen zu besichtigen. Es geht aber auch einfacher. Sehen Sie selbst:

Den ganzen Stadtrundgang und viele Fachwerkhäuser liefert aber auch die Fotoshow Bad Orb!

Bad Orb hat aber noch jede Menge mehr an Sehenswürdigkeiten zu bieten. So kann man im Kurpark rechter Hand ein Bauwerk bewundern, das die Fernsehzuschauer des Hessischen Rundfunks im Jahr 2007 auf den zweiten Platz der Liste der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Hessens gewählt haben: das Gradierwerk aus dem Jahre 1806. Es ist imposante 156 Meter lang und 18 Meter hoch und dient heute als Inhalatorium. Dieses Technikdenkmal ist als einziges von ehemals 10 Gradierwerken erhalten geblieben und gehört auf die "Must see"-Liste eines jeden Besuchers.

Der riesige Kurpark wurde 1900 von den berühmten Gartenbauern Siesmayer (Frankfurter Palmengarten) im Stile eines englischen Landschaftsparks angelegt, 8 ha groß (eingezäunter Teil), mit altem Baumbestand, seltenen Sträuchern, Bäumen, Schwanenteich, Gradierwerk, Konzerthalle, Lehr-Kräutergarten, Kneipp-Anlage und Barfußpfad. Besonders gut gelungen ist der Teich mit einem eigenen kleinen Fachwerkhaus für die Enten. Das passende Bild dazu gibt es in der Fotoshow. Wer Bad Orb "auf's Dach" steigen will, kann das am Mokenberg in 293 Metern Seehöhe machen. Schwindlig wird einem hier sicher nicht, aber vom dortigen 9m hohen Wartturm hat man einen schönen Ausblick auf Bad Orb, den Spessart und den Vogelsberg.

Sehenswert sind darüber hinaus der Brunnentempel der Philipps- und der Ludwigsquelle, die Kirche St. Martin und der Wildpark, der nur einen Katzensprung entfernt vor den Toren der Stadt liegt. Wir haben uns in Bad Orb sehr wohl gefühlt und können einen Besuch daher nur empfehlen.

Die Rückreise haben wir u.a. dazu genutzt, den Safaripark Stukenbrock zu besichtigen. Über einen Reiseführer sind wir auf diesen Freizeitpark aufmerksam geworden und weil wir wussten, dass dort weiße Tiger und Löwen zu sehen sind, haben wir den kleinen Umweg in Kauf genommen. Dort angekommen wussten wir aber nicht so recht, ob wir uns über die Tiere freuen oder ob wir sie bedauern sollen. Für uns nicht nachvollziehbar war z.B. die Tatsache, dass die weißen Löwen und Tiger von so genannten Tierpflegern in vergitterten Autos scheinbar willkürlich durch die Gegend gescheucht wurden. Die Tiere reagierten verängstigt und wussten nicht, in welche Richtung sie denn laufen sollten. Die Gehege, insbesondere das der Affen machte zum Teil doch einen recht erbärmlichen Eindruck. Recherchen haben denn auch ergeben, dass der Safaripark durchaus umstritten ist. Wer hierzu nähere Infos möchte, dem sei diese Seite ans Herz gelegt: Zoo AG Bielefeld.

Mit dem Abstecher in den Safaripark endete unser dreitägiger Kurztrip nach Hessen. Auch wenn das Wetter "für die Jahreszeit zu kalt war", wie der Meteorologe sagen würde, wurde uns beim Besichtigen der Sehenswürdigkeiten in der Kustadt Bad Orb doch warm um's Herz. Ich hoffe, dass ich diese Eindrücke mit meinem Bericht und den dazugehörigen Bildern auch vermitteln konnte.

wünscht viel Spaß und gute Unterhaltung!

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