Wer noch nie in Norwegen gewesen ist, wird mit dem Begriff "Stabkirche" nichts anfangen können. Da wir im Rahmen unserer beiden Reisen in den Jahren 2009 und 2012 schon mehrere Stabkirchen besichtigt haben, möchte ich dem Thema eine eigene Seite widmen.

Das Christentum wurde in Norwegen etwa um das Jahr 1000 eingeführt. Da Holz in Norwegen im Mittelalter das übliche Baumaterial war, entwickelte sich im Kirchenbau die so genannte Stabbauweise. Die Wikinger mit ihren Booten war dabei so etwas wie die Vorreiter dieser speziellen Bauart. Und die Norweger waren fleißig. Man schätzt, dass  bis etwa Mitte des 16. Jahrhunderts ca. 2000 Stabkirchen gebaut wurden. 28 davon sind bis heute erhalten geblieben und sie zählen daher zu den unersetzlichen Kulturgütern. Die Stabkirche von Urnes steht dabei sogar auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Was ist nun unter einer "Stabkirche" zu verstehen?

Die vertikalen (senkrechten) Pfosten, also die "Stäbe", sind elementare Konstruktionsteile. Das Stabwerk besteht dabei aus Rahmen, die aus dicken Saumbalken, Stäben und Dachbalken errichtet sind. Diese Rahmen wurden mit Wandbrettern ausgefüllt, so dass eine steife Konstrukution entstanden ist. Ein weiteres entscheidendes Merkmal der norwegischen Stabkirchen ist die Erhebung der gesamten Konstruktion über dem Erdboden. 

Weitere detaillierte Informationen zu den Stabkirchen, ihrer Konstruktion und der Geschichte finden sich u.a. bei Wikipedia.

  

Rodven

Zu erreichen über die Straße 64: Isfjorden, Torvika, Rodvenfjorden. Die kleine, schön gestaltete Stabkirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Sie liegt idyllisch über dem Rodvenfjorden und bei schönem Wetter bieten sich herrliche Ausblicke. In Rodven sahen wir unsere erste Stabkirche, deren Interieur stark vom 17. und 18. Jahrhundert geprägt ist; in diesem Zeitraum wurden der ursprüngliche Chorraum und die Außengänge abgerissen.

 

Lom

Etwa sechzig Kilometer westlich von Otta befindet sich die Stabkirche von Lom. Drachenköpfe zieren die Giebel der Kirche, mit deren Bau schon im 12. Jahrhundert begonnen wurde. Das heutige Erscheinungsbild ist jedoch auf Bauarbeiten im 17. Jahrhundert zurückzuführen. Die Kirche ist u.a. auch deshalb besonders sehenswert, weil sie zu den wenigen gehört, bei der Teile eines mittelalterlichen Dachrisses mit Drachenkopf erhalten sind, der ebenfalls aus dem Mittelalter stammt.

Ringebu

Die Kirche liegt direkt an der "E 62" und ist die einzige Stabkirche in Gudbrandsdal. Die im so genannten Borgund-Stil gebaute Kirche gehört zu den größten ihrer Art. Der älteste Teil dieser schönen Stabkirche stammt aus dem Jahr 1220. Man betritt das Areal des Gotteshauses durch ein auffälliges Holzportal. In der Kirche selbst befindet sich u.a. ein Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert.

 

 

  

Heddal

Die größte norwegische Stabkirche liegt wenige Kilometer außerhalb von Notodden an der E 134. In der Regel stehen hier viele Touristenbusse, denn Heddal ist eine der berühmtesten Sehenswür-digkeiten ihrer Art. Erbaut wurde diese herrliche "Gotische Kathedrale aus Holz" in den Jahren von 1142 bis 1247, erstmals erwähnt wird Heddal in einer schriftlichen Quelle des Jahres 1315. In der Kirche werden unverändert Gottesdienste abgehalten, man sollte sich daher ggf. auf Wartezeiten einstellen, wenn man das Kircheninnere besichtigen möchte.

Hopperstad

In Vikoyri (Gemeinde Vik am Sognefjord) liegt idyllisch auf einem Hügel die Stabkirche von Hopperstad. Dieses wirklich malerische Kirchlein, das im Jahr 1130 erbaut wurde, beeindruckt mit den Drachenköpfen und einer Konstruktion aus 16 Masten. Die Stabkirche ist nicht nur wegen ihrer Lage in die Kategorie "einzigartig" einzuordnen. Da das Holzfundament auf einem steinernen Sockel errichtet wurde, kommt die empfindliche Konstruktion nicht mit dem feuchten Waldboden in Berührung. So überdauert das Bauwerk hoffentlich noch viele Generationen. Auch das Kircheninnere mit Chor und Altar ist sehenswert.

Borgund

An der E 16 zwischen Fagernes und Sognedal, unweit des Laerdaltunnels begrüßen die Drachenköpfe den Besucher der Stabkirche von Borgund. Diese "Pagode des Nordens" wird allgemein als die besterhaltene von allen bezeichnet, dabei stammt auch sie aus dem späten 12. Jahrhundert, hat also schon ein paar Jahre auf dem geteerten Buckel. Originaldachschindeln kann man übrigens im Besucher-zentrum bewundern.

Kaupanger

Direkt an der RV 5 gelegen, nur etwa 10 Kilometer von Sogndal entfernt, findet man in erhöhter Lage diese etwa gegen Ende des 12. Jahrhunderts erbaute Stabkirche. Sie wurde im so genannten Borgund-Stil errichtet, das heißt, dass sowohl das Schiff als auch der Chor über einen angehobenen Mittelplatz verfügen.

Urnes

Am östlichen Ufer des Lustrafjords liegt die älteste Stabkirche der Welt. Wir erreichten das kleine Kirchlein mit der Fähre von Solvorn. Die Kirche wurde 1979 in die Weltkultu-rerbeliste der UNESCO aufgenommen. Urnes ist nicht nur für seine Schnitz- kunst berühmt sondern auch für seine Wandplanken, den Altar und das großartige Kreuz. All das macht die Stabkirche zu Urnes zu einem einzigartigen Kunstwerk.

Damit endet die Übersicht zu den Stabkirchen. Vielleicht konnte ich mit meinen kurzen Beschreibungen bei dem einen oder anderen Leser Interesse wecken. Ob diese Liste eine Fortsetzung findet, wird die Zukunft zeigen. Wenn Sie wieder zu einem Reisebericht zurückkehren möchten, klicken Sie auf einen der folgenden Links.

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