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Konditorin sucht Sahnehäubchen

Inhaltsangabe:

Die gut aussehende Isabella führt nach dem Tod des Vaters die Konditorei weiter und eröffnet das In-Cafe ‚Isi’s Kaffeekanne’. Das Kaffee mausert sich innerhalb kurzer Zeit zu einem gern besuchten Treff, ist aber auch mit viel Arbeit verbunden. Das Privatleben bleibt auf der Strecke und da es finanziell auch immer schwerer wird, wünscht sich Isabella einen Mann an ihrer Seite. Der taucht eines schönen Tages auch in Person von Bodo Hauser auf. Er ist Geschäftsführer einer Kette von mehreren Kaffeehäusern.

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Isabella war mit Leib und Seele Konditorin. Schon als kleines Mädchen sah sie ihrem Vater begeistert über die Schulter, wenn er liebevoll die Torten verzierte. Nach seinem Tod übernahm sie die Leitung des Geschäfts, ihre Mutter half ihr dabei, so gut sie konnte. Und Isabella war nicht nur fleißig, sie hatte auch gute Ideen. Torten backen oder Pralinen kreieren, reichten ihr bald nicht mehr. Sie erweiterte den bescheidenen Laden der Eltern um ein ganz besonderes Schmuckstück, das sich innerhalb kürzester Zeit in der ganzen Stadt einen blendenden Ruf erwarb: „Isi’s Kaffeekanne" war ein kleines aber feines Cafe, eingerichtet mit viel Liebe zum Detail, gemütlich, aber nicht kitschig. Eigentlich wäre alles perfekt gewesen, bis auf das Sahnehäubchen. Einen Mann an Isi’s Seite gab es nämlich nicht.

„Dein Vater wäre stolz auf dich, Kind", sagte ihre Mutter gerne, wenn sie sich im vollbesetzten Cafe umsah.

„Ach, Mutsch, ohne euch hätte ich das alles doch nicht geschafft", antwortete sie dann.

Aber der Erfolg hatte auch seinen Preis. Isabella war von früh bis spät auf den Beinen. Wenn der letzte Gast die Tür hinter sich geschlossen hatte, war für sie noch lange nicht Feierabend. Der Backzettel für den nächsten Tag musste geschrieben, die Maschinen mussten gesäubert werden und schließlich war da noch die Buchhaltung. Trotz der Mithilfe ihrer Mutter und eines Konditors wuchs ihr die Arbeit allmählich über den Kopf.

In diesen Situationen wünschte sie sich manchmal den kräftigen Arm eines Mannes. Jemand, der auch einmal zärtlich zu ihr war, der ihr sagte, wie toll sie doch aussieht. Aber solche gedankliche Abwege gönnte sie sich nur selten. Auch ihrer Mutter blieb natürlich nicht verborgen, daß sich Isi mehr und mehr von der Außenwelt abkapselte.

„Du musst mal raus, Kind. Mach’ dir doch mal einen schönen Abend. Geh ins Kino oder in ein Restaurant", ermunterte sie ihre Tochter.

„Gute Idee, Mutsch. Glaubst du wirklich, es macht mir Spaß, mich alleine ins Kino zu setzen und ‚Titanic’ anzusehen. Nein, lass mal", antwortete sie mit einem Anflug von Resignation.

Das nicht vorhandene Liebesleben war es freilich nicht allein, das Isabella Sorgen bereitete. Der Ausbau der ‚Kaffeekanne’ war nur mit Krediten zu bewältigen gewesen. Der Laden brummte zwar, warf aber immer noch zu wenig ab, um rentabel zu sein. Ein finanzkräftiger Partner musste her, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. Von diesen Problemen erzählte sie ihrer Mutter allerdings nichts. Sie wollte sie nicht beunruhigen.

Am Freitagvormittag betrat ein gut aussehender Mann die Kaffeekanne. Isi schätzte ihn auf Anfang dreißig. Da um diese Zeit noch nicht viel los war, hatte sie Gelegenheit, dieses Exemplar der anderen Gattung ausgiebig zu studieren. Sein dichtes schwarzes Haar hätte sich blendend für eine Shampoowerbung geeignet. Eine Frisur konnte sie nicht erkennen, aber irgendwie passte das zu dem ganzen Typ. Er wirkte frisch wie ein Pfefferminzkaugummi und unkonventionell, trug ein labbriges T-Shirt und eine ausgewaschene Jeans.

„Hallo, träumst du", fragte ihre Mutter plötzlich mit gespieltem Ernst, „Tisch drei wartet schon geschlagene fünf Minuten auf eine Bedienung."

Ungewollt lief Isabella rot an wie eine Tomate. Es war ihr peinlich. Aber warum eigentlich, fragte sie sich. Außerdem habe ich für so was ohnehin keine Zeit, redete sie sich ein. Dienstbeflissen eilte sie zum Labber-T-Shirt und wollte die Bestellung aufnehmen.

„Haben Sie schon gewählt, mein Herr?"

„Wie bitte? Äh, Verzeihung, ich warte noch auf meine Begleitung", stotterte der Fremde.

„Natürlich, ganz wie Sie wünschen", erwiderte Isabella ein bisschen zu kühl. War ja klar, dass so ein Traumboy nicht solo durch die Gegend turnt, dachte sie und spürte dabei, wie sich ihr Herz ein wenig zusammen zog. War da etwa so etwas wie die Andeutung eines Gefühls zu spüren?

Sie schob diesen Gedanken bei Seite und versuchte, sich wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Aber sie ertappte sich dabei, wie sie ein ums andere Mal zu Tisch drei hinüber starrte. Das Labber-T-Shirt war nun auch nicht mehr allein.

Eine blendend aussehende junge Frau, bestimmt fünf Jahre jünger als er, hatte sich zu ihm gesetzt. Sie trug ein elegantes Kostüm in frischen Frühlingsfarben, der Rock gerade lang genug, dass noch Platz für Spekulationen blieb. Isabella schluckte ihre Enttäuschung hinunter, nahm professionell die Bestellung auf und kehrte zur Kuchentheke zurück.

„Was bist du denn so nervös? Hat er dich etwa angemacht", fragte Isi’s Mutter, der nicht entgangen war, dass ihre Tochter plötzlich fahrig und unaufmerksam war.

„Unsinn, was du gleich wieder denkst", blaffte Isi zurück, die über ihre harsche Reaktion selbst erschrocken war.

Als der Postbote am Samstagmorgen vorbei kam, hatte Isi das Erlebnis vom Vortag schon fast vergessen. Glaubte sie wenigstens. Außerdem erregte ein Brief ihre Aufmerksamkeit, dessen mausgrauer Umschlag nichts Gutes erwarten ließ. Es war ein Schreiben ihrer Hausbank, die auf die Rückzahlung des Kredites drängte. Isabella hatte insgeheim schon damit gerechnet, Banken hatten schließlich nichts zu verschenken. Seit zwei Wochen bastelte sie bereits an einem Konzept für die Rückzahlung, aber sie drehte sich mit ihren Überlegungen im Kreis. Wenn sie überleben wollte, musste sie ihren Konditor entlassen. Das hätte gleichzeitig eine Schließung des Cafes zur Folge. Umgekehrt war eine weitere Expandierung nur mit neuen, noch höheren Krediten möglich. Jetzt hatte sie noch vier Wochen Zeit, um eine Lösung zu finden. Aber sie war eine Kämpfernatur, ihr würde bestimmt etwas einfallen, hoffte sie.

Sie räumte den Brief, der ihre Zukunft zu zerstören drohte, schnell weg. Ihre Mutter sollte nichts von dem drohenden Kollaps mitbekommen. Vor dem ersten Gästeansturm blätterte Isi noch hastig das Anzeigenblatt durch.

„Neueröffnung" sprang ihr da in großen Lettern entgegen. Dieser Bodo Hauser hatte also schon wieder ein Kaffeehaus platt gemacht und seiner Kette einverleibt, dachte sie verärgert, als sie die Vorankündigung las. „Bodo’s Kaffeeklatsch" nannte sich das Unternehmen der Hauser GmbH und es war schon das vierte seiner Art in der Stadt. Isabellas Laune verschlechterte sich noch an diesem Tag. Bedingt durch die Neueröffnung bei diesem Bodo Hauser, blieb es bei ihnen heute ruhig. Wenn das so weiter geht, kann ich den Laden bald zusperren, befürchtete Isi.

In den nächsten Tagen war die Stimmung in der Kaffeekanne gedämpft. Die Auswirkungen der Neueröffnung von diesem Hauser, dachte Isi. Komischerweise war sie diesem Raffhals auf einmal gar nicht mehr so böse. Immerhin hatte sie es eigentlich ihm zu verdanken, dass sie es endlich wieder ruhiger angehen lassen konnten. Vielleicht wäre eine Zusammenarbeit mit der Hauser GmbH ja auch die Rettung für sie, sinnierte sie plötzlich. Sie war gerade dabei, Gefallen an diesem Gedanken zu finden, als ein Mann die Kaffeekanne betrat. Das Labber-T-

Shirt! schoss es Isabella durch den Kopf. Er sah nun allerdings völlig verändert aus, deshalb dauerte es auch eine Weile, ehe sie ihn erkannte. Sein konservativer dunkelblauer Zweireiher mit Weste und Krawatte schmeckte überhaupt nicht mehr nach Pfefferminzkaugummi. Aber er war immer noch umwerfend attraktiv, wie Isi fand.

„Guten Tag, der Herr, Sie wünschen", hörte sie sich sagen und blickte dem Fremden an Tisch drei verunsichert in die Augen.

„Bringen Sie mir doch bitte ein Kännchen Kaffee. Und wenn Sie ein paar Minuten für mich erübrigen könnten, würde ich gerne mit Ihnen etwas Geschäftliches besprechen. Mein Name ist Hauser. Bodo Hauser", stellte sich der Mann vor. Isabella hätte vor Schreck beinahe ihren Block mit den Bestellungen fallen lassen. Sie stand mit offenem Mund da und wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken. Dem scheinbar so coolen Geschäftsmann ging es ähnlich. Nervös spielte er mit der Getränkekarte und lächelte verlegen.

Zwei Minuten später servierte Isabella den Kaffee. Sie hatte sich wieder einigermaßen gefangen und war gespannt, was ihr dieser Bodo Hauser wohl erzählen würde.

„Wissen Sie", begann er vorsichtig, „ich war vor kurzem schon mit meiner Prokuristin hier ..."

„Mit Ihrer, äh, Prokuristin", fiel ihm Isi beinahe erleichtert ins Wort.

„Wie gesagt. Wir haben uns Ihr Cafe angesehen und es hat uns sehr imponiert, was Sie hier auf die Beine gestellt haben. Ich wollte Sie deshalb fragen, ob Sie sich vorstellen können, Ihr Geschäft unter dem Dach der Hauser GmbH fortzuführen", schlug ihr Bodo Hauser vor und Isi wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen. Sie konnte sich nämlich noch ganz andere Dinge vorstellen, als eine rein geschäftliche Verbindung. Seitdem Isabella Platz genommen hatte, ließ Bodo das Kännchen mit dem frisch gebrühten Kaffee stehen. Er hatte nur noch Augen für Isabella, die ihr Sahnehäubchen endlich gefunden hatte.

Happy End
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