Heute steht ein weiterer Höhepunkt der Reise an: die Walsafari in Andenes auf den Vesteralen. Begleiten Sie uns auf der Weiterfahrt nach Bognes, wo wir mit der Fähre nach Lodingen auf die Lofoten übersetzen. Dort orientierten wir uns Richtung Norden. Zunächst geht es auf der "85" nach Strand, dort biegen wir rechts ab auf die "82" und wir fahren weiter nordwärts bis wir die Lofoten verlassen und auf die Vesteralen wechseln, um nach Andenes zu gelangen. Dort begeben wir uns auf die (Foto)-Jagd nach "Moby Dick". Im Anschluss fahren wir wieder Richtung Süden bis Stokmarknes, bevor wir am nächsten Tag mit der Fähre wieder auf die Lofoten übersetzen.

Donnerstag, 12. Juli 2012 (Tag 15)

Tagesziel: Stokmarknes, gefahrene Kilometer Lodingen - Andenes - Stokmarknes: 349, Kosten für Übernachtung: 190,00 NKl (= ca. 25,00 Euro inkl. Strom)

 

 

 

Unbarmherzig werden wir vom Handy um 7.00 Uhr geweckt. Urlaub hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt: mit Ausschlafen, Faulenzen usw. Aber dann darf man nicht nach Norwegen fahren. Also flott gefrühstückt und ab hinters Lenkrad. Die Fahrt nach Bognes ist kurz, so dass nicht viel Zeit bleibt, um die schöne Landschaft zu genießen.

In Bognes sind wir sehr zeitig dran und müssen uns in die Warteschlange einreihen. So können wir auch gleich noch ein Foto von der ankommenden Fähre schießen.

Schon während der Überfahrt auf einer diesmal top-gepflegten Fähre ließ sich die Sonne immer wieder mal blicken. Da schmeckten die Waffeln mit Erdbeermarmelade doch gleich doppelt gut. Von Lodingen ging es dann zügig weiter nach Andenes, das auf den Vesteralen liegt, einer Inselgruppe, die im Norden an die Lofoten grenzt. Selbst mit guten Straßenkarten ist es hier schwierig, den Überblick zu behalten, zu verschachtelt sind die einzelnen Eilande. 

Sehr zeitig, gegen 12.00 Uhr kommen wir in Andenes an. Gerade noch rechtzeitig, um die letzten Nebelschwaden zu verabschieden, die uns schon etwas Angst gemacht haben. Aber dann präsentierte sich uns ein Himmel, an dessen Blau keine Software der Welt etwas auszusetzen hätte.

Wir parken unser Womo in fußläufiger Entfernung zum Walsafaricenter. Also immer noch weit genug weg, um neben diesen großen Kisten nicht negativ aufzufallen. Mitten unter diesen riesigen "Gefangenentransportwagen" hätte ich nämlich Komplexe bekommen.

Im Center informierte man uns dann, dass unsere Safari wohl erst gegen etwa 17.00 Uhr starten würde. Später erfuhren wir, dass unsere Vorgänger so lange auf ihr "Seh"-Erlebnis warten mussten. Eine Tour dauert zwischen zwei und fünf Stunden. Je nachdem! Manchmal verstecken sich die Pottwale, das kommt eben vor in der Natur. Uns wurde aber nicht langweilig, weil es hier viel zu sehen gab. Man konnte in Prospekten schmökern, einen Kaffee trinken, Souvenirs kaufen und eine Präsentation besuchen, in deren Rahmen wir über die Biologie der Wale und über den aktuellen Stand der Forschung informiert wurden. Die Führung durch das Walcenter übernehmen Forscher und Studierende, die später auch die Safari selbst begleiten.

Auf der linken Schautafel sind man die Fluken von Pottwalen, die vor Andenes gesichtet wurden. Das rechte Bild zeigt einen Riesenkraken. Dazu muss man sich vorstellen, dass der Raum völlig verdunkelt ist und dieses "Ergebnis" erst mit Hilfe des Blitzlichts zustande kam. Eine spannende Angelegenheit, die noch dazu kostenlos ist, vorausgesetzt man hat hat Tickets für die Walsafari erstanden!

Das Walzentrum befindet sich im Untergeschoss des Gebäudes. Hier wird auch der größte "Schatz" ausgestellt: ein Skelett von einem im Jahr 1994 gestrandeten Pottwal, der über eine stattliche Länge von etwa 20 Metern verfügte.

Im Anschluss an diese hochinteressante Führung (Näheres kann man auch hier nachlesen!) begaben wir uns dann zur Anlegestelle und probierten schon mal die Gangway.

Endlich, um 16.30 Uhr, läuft die MS Reine in den Hafen ein. Oder besser gesagt sie gleitet, ganz langsam nähert sie sich der Anlegestelle und unsere Vorfreude kennt keine Grenzen. Das Abenteuer Walsafari kann beginnen.

Es dauert dann aber trotzdem noch eine Stunde bis die Safari schließlich beginnt. Wir mussten noch auf ein paar Nachzügler warten, aber an einem solchen Tag spielte auch das keine Rolle. Es befanden sich nach meiner Schätzung ca. 70-80 Passagiere an Bord, die Einweisung erfolgte "international" in Englisch und Deutsch. Schon bevor wir an Bord der MS Reine gingen, schluckten wir brav unsere Reisetabletten. Denn obwohl wir kreuzfahrterfahren sind, ist es ein großer Unterschied, ob man sich auf einem Luxusliner oder einem vergleichsweise kleinen Expeditionsschiff befindet. Selbst bei glatter See schaukelt der Pott wie verrückt. Das liegt auch daran, dass die Wale nicht immer dort sind, wo man sie vermutet. Oft ist ein Zick-zack-Kurs nötig mit schnellen Richtungswechseln. Auch gut festhalten sollte man sich, die Reling ist nicht besonders hoch. Ein Franzose, der offensichtlich keine Tablette genommen hatte, hing während der gesamten Fahrt (ca. drei Stunden!) völlig fertig in den Seilen. Auch daran sollte man also denken, wenn man eine derartige Tour bucht. Wer sich aber an die Spielregeln hält, kann die Fotojagd genießen. Sogar Kaffee und ein paar trockene Kekse werden serviert.

Die folgenden Aufnahmen zeigen die Größe der MS Reine. Bei einer ausgebuchten Tour hat man zwar nicht viel Platz, aber die Gäste sind in der Regel alle rücksichtsvoll. Die Reine ist ca. 28 Meter lang und bis zu 9 Knoten schnell.

Das rechte Bild zeigt ein Besatzungsmitglied, das nach unserer Einschätzung schon etwa 80 Jahre alt war. Erstaunlich, was der Mann hier ablieferte. Er hielt Ausschau nach einem Pottwal und er erspähte tatsächlich einen. Außer der Reine war auch die "Maan Dolphin" im Einsatz, die zum ersten Mal im Sommer 2009 Walbeobachter beförderte. Das machte die Navigation natürlich nicht einfacher.

Im Vergleich zu diesem modernen Schiff ist die Reine natürlich nicht mehr zeitgemäß. Aber auf Komfort kommt es hier nicht an. Wichtig sind die Hydrofone, also die Unterwasserschallempfänger, über die beide Schiffe verfügen und mit denen man die für die Wale typischen Klicklaute und damit die Tiere selbst orten kann. Wir hatten Glück. Nach etwa 30 Minuten sichteten wir mit "Glenn" den ersten Pottwal. 

Aufgrund der angebrachten Hydrofone sind die Fahrten zu 95% erfolgreich. Wir gehörten jetzt ebenfalls zu den Glücklichen, die einen leibhaftigen Pottwal zu Gesicht bekamen. Nach Informationen der uns begleitenden Forscher handelte es sich immer um denselben Wal, ein Tier namens "Glenn".

Glenn kann 80 Jahre alt werden und ein Gewicht von unglaublichen 75 Tonnen erreichen. Wir waren jedenfalls sehr glücklich, dass unser zweiter Versuch im Jahr 2012 von Erfolg gekrönt war. Diese Tiere haben etwas Majestätisches und allein die schiere Größe macht einen demütig. Wir genossen die Fahrt unter blauem Himmel und waren mit uns und der Welt im Reinen.

Bei der Rückkehr in den Hafen von Andenes waren wir immer noch voller Euphorie. Es hatte einfach alles gepasst: tolles Wetter, herrliche See und drei Walbegegnungen!

Das gute Wetter wollten wir denn auch nutzen, um noch ein paar Landschaftsfotos zu schießen. In den letzten Tagen war von unserer Lieblingsfarbe ja leider nicht so viel zu sehen. Außerdem geht in dieser Region die Sonne nicht unter, so dass wir tolle Lichtverhältnisse haben würden. Wir fuhren auf der "82" südwärts und wechselten bei Sortland auf die "820". Für unsere Ausdauer wurden wir mit Bildern wie diesen belohnt.

Vor lauter Euphorie hätten wir fast übersehen, einen Campingplatz zu suchen. Bei Stokmarknes wurden wir dann auch noch fündig. Wobei hier an unsere Toleranz schon große Anforderungen gestellt wurden. Der Platz war mit Abstand der schäbigste während unserer gesamten Reise. Schon die Anfahrt war abenteuerlich: keine Hinweistafeln, es ging im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein und ich war froh, dass wir keinen Achsbruch erlitten. Aber all das konnte die Erinnerungen an diesen großartigen Tag auch nicht verwässern. Immerhin war der Preis mit 190,00 NKr akzeptabel.

An diesem Abend hatten wir noch Gelegenheit mit zwei Wohnmobilisten aus Dachau zu sprechen. Sie waren mit einem schon sehr alten VW-Bus unterwegs und mussten alles erst mühsam für die Nacht herrichten. Hier sahen wir einmal aus erster Hand wie es ist, wenn das "fahrende Bett" etwas klein geraten ist. Damit ging ein Tag mit einem Sack voller Erinnerungen zu Ende. Er entschädigte für den einen oder anderen Regentag und wir freuten uns auf morgen. Dann würden wir mit der Fähre von Melbu nach Fiskebul (Lofoten) übersetzen. Kommen Sie doch einfach mit!

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