In Teil 11 unserer Reise verlassen wir Stockholm und fahren über die E 4 in südwestlicher Richtung, vorbei an Nyköping und Norrköping, nach einem Sightseeingstop in Linköping wechseln wir auf die 34 bis nach Horn. Hier übernachten wir und fahren am nächsten Tag über Vimmerby weiter südlich, wechseln auf die 23, später auf die E 22, bei Kalmar fahren wir über die Brücke nach Öland.

Dienstag, 11.07.2017

Tagesziel: Horn, gefahrene Kilometer: 279, Übernachtung: Hornabergs Camping (270 SEK mit Strom = 28 Euro)

 

 

 

Wir verlassen Stockholm bei bedecktem Himmel. Das Timing ist wieder einmal nicht zu beanstanden, denn bekanntlich soll man ja immer fahren, wenn es am schönsten ist. Ursprünglich wollten wir heute einen Elchpark in Vimmerby besuchen, aber Sonja findet in der ADAC-Straßenkarte Infos zu einem historischen Dorf in Linköping. Für die knapp 200 Kilometer werden wir an die drei Stunden brauchen, aber auch auf Schwedens "Halb-Autobahnen" ist das Fahren einigermaßen stressfrei, zumal wir Stockholm ja hinter uns lassen.

Das Gelände des Freilichtmusesums "Gamla Linköping" ist leicht zu erreichen. Allerdings ist uns nicht ganz klar, wo wir unser Womo abstellen dürfen, die Verkehrszeichen, die am Straßenrand aufgestellt sind, verwirren uns etwas, also parken wir einfach hinter einem anderen Wohnmobilisten.

Das Museum der historischen Stadt ist sicher nicht alltäglich. Hier kann man eine Zeitreise unternehmen in eine schwedische Kleinstadt vor einhundert Jahren. In mehreren Stadtvierteln kann man historische Läden und Werkstätten besichtigen, an Führungen teilnehmen oder einfach in ein Cafe gehen und eine Tasse Kaffee trinken. Für uns war der Spaziergang über das Kopfsteinpflaser einfach nur gemütlich, denn man muss nicht auf vorbeifahrende Autos oder dergleichen aufpassen und kostenlos ist der Spaß auch noch.

Eine Übersichtskarte, die sich nach Klick vergrößert, gibt es hier:

Die folgenden Bilder entführen den Besucher in eine Welt, wie es sie heute (leider) nicht mehr gibt.

   

Gamla Linköping ist übrigens das größte Freilichtmuseum in ganz Schweden, also durchaus etwas Besonderes. Man kann etwa 100 Gebäude bewundern, z.B. Handerksgeschäfte oder eine Banke oder eine Seilerei (siehe oben). In der Bank wurden wurden wir auch von einer echten Schalterbeamten in historischem Gewand begrüßt. Bei bestem Wetter spazieren wir gut gelaunt durch das Dorf, noch ein letztes Foto von diesem herrlichen alten Fahrrad

und dann sagen wir "Auf Wiedersehen". Zeitreisen machen ja bekanntlich hungrig und so kam uns der große IKEA in Linköping gerade recht. Wir hatten Appetit auf Köttbullar und entschieden uns nach langem Anstehen für eine mittlere Portion mit 12 Hackfleischbällchen. Einfach köstlich!

Auf der 34 fahren wir südlich nach Horn zu "Hornabergs Camping". Für die knapp 80 Kilometer benötigen wir eine gute Stunde. Obwohl der Platz nur drei Sterne hat, ist er bestens ausgestattet, insbesondere mit einer brandneuen Hütte für die Sanitäranlagen und die Küche. Darüber hinaus ist er nicht so groß (50 Stellplätze), liegt natürlich auch am Wasser und er ist richtig gemütlich. Wir haben die freie Auswahl und stellen uns so hin, dass der Weg zu den Sanitäranlagen kurz ist. Das schöne Wetter nutzen wir zum Grillen unseres Kabeljaufilets. Morgen geht es weiter zum ersten Elchpark.

Mittwoch, 12.07.2017

Tagesziel: Köpingsvik (Öland), gefahrene Kilometer: 246, Übernachtung: Gröndals Camping (370 SEK inkl. Strom = 37 Euro)

 

 

 

Etwas wehmütig verlassen wir unseren schönen Platz in Horn, aber wir lassen uns heute Zeit, denn die Tage in Schweden sind nicht komplett mit Programm gefüllt und auch die zu fahrenden Strecken sind jetzt kürzer, was aber auch kein Wunder ist, denn mehr als 7.000 Kilometer haben wir bereits zurückgelegt.

Heute wollen wir zu Astrid Lindgren's Geburtshaus. Das liegt im nicht weit entfernten Vimmerby. Es dauert auch gar nicht lange bis wir die ersten Hinweisschilder zur Astrid Lindgren World und zu Astrid Lindgrens Näs sehen, ja wir werden geradezu bombardiert. Und weil uns die Tage in Schweden sozusagen in den Schoß gefallen sind, fahren wir aufs Geratewohl zu Astrid Lindgrens World und zahlen gleich mal 50 SEK für den Parkplatz, der bereits mit Pkws und anderen Fahrzeugen geflutet ist. Als wir dann an der Kasse feststellen, dass hier für ein Tagesticket mehr als 40 Euro zu löhnen sind, wissen wir, dass wir an dieser Stelle falsch sind. In den Geschichten- und Figurenpark von Astrid Lindgren wollen wir nicht, uns interessiert eher ihr Elternhaus, von dem wir jetzt wissen, dass es unter dem Stichwort "Näs" zu finden ist. 

Das heutige Kulturzentrum machen wir denn auch schnell ausfindig. Hier sind deutlich weniger Touristen und Parkplätze gibt es auch genug. Es liegt im Übrigen etwa einen Kilometer vom Zentrum Vimmerby's entfernt. Allerdings dauert unser Aufenthalt auch hier nicht lange, denn wir sind nicht bereit, für einen Blick in das Geburtshaus der Autorin 18,00 Euro zu zahlen. Also klemme ich mich erneut hinters Lenkrad und wir verabschieden uns aus Vimmerby. Auch mit Fotos kann ich an dieser Stelle nicht dienen, lediglich einen Schnappschuss mit dem Smartphone aus der Innenstandt in der Nähe der Tourist-Info kann ich anbieten.

Von diesen kleinen Häuschen gibt es in Astid Lindgrens World übrigens jede Menge. Von diesem "kleinen Reinfall" lassen wir uns aber nicht weiter aus der Ruhe bringen, denn die Richtung stimmt, wir wollten nämlich ursprünglich ohnehin in einen Elchpark hier ganz in der Nähe. Doch irgendwie scheint heute der Wurm drin zu sein. Unser Navi kann mit der auf der Homepage www.virummoosepark.se angegebenen Adresse "Virum Tuna 520" nichts anfangen. Aber zum Glück gibt es ja noch Google und das weiß bekanntlich alles. Schon beim ersten Versuch lande ich einen Treffer: Össebo 520 lautet die richtige Straße und schon kann es losgehen.

Nach etwa 30 Kilometern Fahrt erreichen wir den Virum Älgpark. Wenn die Straße schmäler und kurviger wird und man gar nicht mehr damit rechnet, ist man goldrichtig. Wir kaufen ein Ticket und schon 15 Minuten später sitzen wir auf einem von sechs Safariwägen, die von einem schweren Traktor gezogen werden. Das sieht dann so aus wie in dem folgenden kurzen Film.

Nach einer kurzen Einweisung durch den Parkchef geht es auch schon los. Gemächlich tuckert der Safarzug durch den Park, vorbei an einem Pulk mit Graugänsen und einem Rudel Damwild.

Die Elche befinden sich in einem acht Hektar großen Gehege, aber als der Zug kommt, scheint es so, als würden sie auf die Besucher warten. Wir wurden mit Apfelscheiben und Weidenzweigen versorgt, dem Lieblingsfutter der Elche. Und dann kammen sie alle, etwa acht oder neun Stück: Bullen, Weibchen und auch ein paar Kälber sind dabei.

Die Tiere kommen ganz nah ran und freundlicherweise fotografiert uns der Chef auch als wir eines dieser für unsere Augen ungewöhnlichen Tiere füttern dürfen.

Seit heute wissen wir auch, woher der Spruch "Ich glaub' mich knutscht ein Elch!" kommt. Einfach eine Apfelscheibe in den Mund stecken und los geht's. Vor allem für die Kinder ein Riesenspaß, aber auch wir Erwachsene haben unsere helle Freude.

Nachdem alle abgeknutscht sind, geht es bestens gelaunt zurück. Der ganze Spaß hat etwa eine Stunde gedauert und ist aus unserer Sicht jede Krone wert. Wir stärken uns noch mit einer Tasse Kaffee und einem Süßen Teilchen, bevor wir uns vom Virum Elchpark verabschieden.

Wir fahren zunächst auf der 34 und später auf der E 22 Richtung Kalmar. Von hier führt die Ölandbrücke über 6.072 Meter von Kalmar auf die Insel Öland.

Als die Brücke im September 1972 eingeweiht wurde, war sie die längste in Europa, heute ist es immerhin noch die längste Brücke Schwedens. Und erfreulicherweise ist die Überfahrt kostenlos! Öland ist übrigens die zweitgrößte Insel Schwedens, etwa 25.000 Menschen leben hier. Wir kommen vor allem wegen der weißen Strände und der Windmühlen. Eine Inselrundfahrt ist für die nächsten Tage geplant, für heute haben wir genug gesehen und steuern den Gröndals Campingplatz in Köpingsvik an. Wir sind froh, überhaupt ein Plätzchen ergattert zu haben, auch wenn der Pfreis für einen Drei-Sterne-Platz mit 370 SEK ganz schön happig ist. Aber die Nachfrage bestimmt eben den Preis.

Und außerdem: wer fragt bei einem solchen Sonnenuntergang schon nach dem Preis!

Ab morgen erkunden wir Öland dann eingehend von Norden nach Süden und umgekehrt und außerdem wartet in Teil 12 der Reise noch ein Highlight der besonderen Art. Wenn Sie neugierig sind, klicken Sie einfach den entsprechenden Link.

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