Die Spinne im rechten Bild steht auch im folgenden Krimi im Mittelpunkt. Mehr wird an dieser Stelle jedoch nicht verraten. Ich freue mich jedenfalls, Ihnen die Story "Auf Klara ist Verlass" hier kostenlos präsentieren zu können. Dieser Kurz-Krimi wurde in der Freizeit-Revue veröffentlicht, einer Zeitschrift mit Millionen-Auflage!

 

Auf Klara ist Verlass

„Mistkerl!", fluchte Leonie vor sich hin und warf den Abschiedsbrief in den eleganten weißen Briefkasten. Dann torkelte sie wie in Trance zu ihrem flotten Zweisitzer. Obwohl es mittlerweile zu regnen begonnen hatte, fuhr sie unverdrossen mit offenem Verdeck. Sie brauchte jetzt eine Abkühlung.

Was würde Alexander wohl sagen, wenn sie plötzlich wieder zuhause in der herrschaftlichen Villa auftauchen würde?

Eine Frage, auf die sie keine Antwort wusste. Plötzlich fühlte sie ein merkwürdiges Kribbeln an ihrem linken Bein. Automatisch griff Leonie mit einer Hand nach unten und zuckte zurück. Ein erschreckter Blick, ein Schrei, dann verlor sie die Kontrolle über den Wagen. Ungebremst raste das Cabrio in der nächsten Kurve geradeaus, Leonie wurde hinaus geschleudert. Sie war auf der Stelle tot.

„Seit wann werden wir bei normalen Verkehrsunfällen nachts um drei aus dem Bett geklingelt?" Hauptkommissar Florian Beck war wütend, verschlafen und durchnässt. Es goss immer noch wie aus Kannen. Er wartete jedoch die Antwort nicht ab, denn als er die Unfallstelle sah, war ihm klar, dass hier etwas faul war. Warum war die Frau ungebremst über die Böschung gerast? Dann sah er sich das Wrack genauer an, schüttelte immer wieder den Kopf und gab schließlich den Leuten von der Spurensicherung Anweisung, jeden Quadratzentimeter genau zu durchsuchen. Beck selbst hatte keine Zeit mehr, einer musste den Hinterbliebenen ja die traurige Nachricht übermitteln.

„Ich habe eine traurige Mitteilung für Sie, Herr Osterthun", begann Beck unsicher, denn er hasste solche Auftritte. Der Polizist und der Industrielle gingen gemeinsam ins Haus.

„Es tut mir wirklich sehr leid, Herr Osterthun. Ihre Frau ist tot. Sie kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Aber es sind Zweifel aufgetaucht."

Der großgewachsene Mann starrte Beck ausdruckslos an: „Was haben Sie da gesagt? Verkehrsunfall? Vergessen Sie’s. Er hat sie umgebracht. Ihr Liebhaber. Finden Sie den Kerl, dann haben Sie auch den Mörder", schrie Osterthun plötzlich aufgebracht. Nein, dieser Mann hatte mit dem Tod seiner Frau nicht das Geringste zu tun. Aber dass es ein Mord war, dessen war sich auch Beck jetzt ganz sicher. Leider konnte ihm Osterthun keine weiteren Einzelheiten nennen. Wäre ja auch zu schön gewesen, dachte Beck, der sich kurz darauf verabschiedete, um wenigstens noch ein paar Stunden Schlaf zu erhaschen.

„Morgen, Freiholz. Wissen wir schon was von der Toten", begrüßte er seinen Assistenten kurz angebunden.

„Und ob, Chef. Leonie Osterthun ist vor acht Wochen aus der ehelichen Villa ausgezogen. Allein, ohne ihre beiden Kinder, aber den Liebhaber kennen wir nicht. Brauchen wir auch gar nicht, Osterthun hatte auf seine Frau nämlich eine Lebensversicherung abgeschlossen. Zwei Millionen Euro! Ein besseres Motiv gibt’s doch gar nicht" , sprudelte es aus Freiholz nur so heraus. Ging es nur nach ihm, wäre der Fall schon geklärt.

„Vergessen Sie’s, Freiholz, das hat Osterthun doch in der Portokasse. Viel wahrscheinlicher ist ein Mord aus Eifersucht. Bringen Sie mir den Liebhaber! Ich fahre jetzt erst einmal in die Fabrik und sehe mich dort ein wenig um. Und am Nachmittag haben wir hoffentlich schon was von der Spurensicherung."

Ohne die Vorzimmertippse auch nur eines Blickes zu würdigen, stürmte Beck in das Büro des Prokuristen, Alexander Lerchenberg.

„Gehört Ihnen der schwarze Porsche vor dem Haupteingang", platzte Beck wenig höflich, aber um so direkter heraus. Wer schnelle Flitzer fährt, neigt auch zu schnellen Liebschaften, überlegte der Kriminaler. So ganz nebenbei begutachtete er die Einrichtung des Prokuristen.

„Was fällt Ihnen eigentlich ein. Einfach hier herein zu platzen", erwiderte Lerchenberg. Die Antwort sollte resolut klingen, aber Beck bemerkte doch ein leichtes Zittern in der Stimme. Auch wenn er für den Augenblick keine weiteren Einzelheiten aus dem Mann herausbringen würde, er stand jedenfalls ganz oben auf der Liste der Verdächtigen.

„Und Freiholz, was gibt’s Neues von der Spurensicherung?" fragte Beck seinen Assistenten, als er wieder in das Präsidium zurück gekehrt war. Er war unrasiert, unausgeschlafen und er hatte immer noch nichts zu bieten außer einem unguten Gefühl. Er studierte den Bericht, der vordergründig auf einen Unfall hindeutete, ein Genickbruch war die Todesursache. Doch dann stutzte Beck plötzlich. Im Fußraum des Fahrzeugs wurden Haare einer seltenen Vogelspinnenart gefunden.

„Na, bitte", stellte Beck lakonisch fest, „da haben wir’s doch. Freiholz, ich fahre zurück in die Firma, der Fall ist geklärt." Der Assistent blickte seinem Chef mit offenem Mund nach und schüttelte ungläubig den Kopf.

„Tag, Herr Lerchenberg. Ich verhafte Sie wegen Mordes an Frau Leonie Osterthun. War keine schlechte Idee mit der Vogelspinne", sagte der Kommissar dem überraschten Prokuristen auf den Kopf zu. Beck war schon bei seinem ersten Besuch das leere Terrarium aufgefallen.

„Leider haben Sie nicht bedacht, dass wir in der Lage sind, auch kleinste Spuren ausfindig zu machen. Und auch Haare von Vogelspinnen lassen sich relativ leicht nachweisen, mein Lieber."

Endlich spürte auch Lerchenberg, dass ihn Beck durchschaut hatte und er legte ein umfassendes Geständnis ab.

„Ich wusste, dass Leonie eine Heidenangst vor Vogelspinnen hatte. Aber deswegen hätte sie mich doch nicht verlassen müssen. Haben Sie Klara übrigens gefunden? Regenwetter mögen diese Tiere nämlich ganz und gar nicht."

Beck, der hartgesottene Kripomann, hatte genug gehört.

„Kommen Sie", sagte er daher nur kurz, „vielleicht vertragen Sie Regenwetter ja besser!"

 

Ich hoffe, Sie hatten Spaß mit Klara. Wenn ja, geht's hier zum nächsten Kurzkrimi oder hier zurück zum "Lesestoff"!