Montag, 29. April 2013 (Korfu - Griechenland)

Die zweite Nacht auf der FTI.Berlin verlief ausgesprochen ruhig, dafür war sie etwas kurz. Um 02.00 Uhr wurde nämlich die selbige um eine Stunde vorgestellt. Der Sonne, die mich durch die Bullaugen morgens anstrahlte, war das aber egal.  

Gefrühstückt wurde heute im Freien auf dem Promenadendeck. Die Auswahl im Büffetrestaurant ist wirklich sehr reichlich, die Eierspeisen werden frisch zubereitet, der Kaffee "Made in Germany", ebenso wie die Brötchen. Alles wunderbar! Nicht zu vergessen der hervorragende Gorgonzola, von dem ein Passagier behauptete, das wäre der beste, den er jemals gegessen hätte. Der Mann muss es wissen, er ist Koch.  Auch meine Frau war mit ihrem Crepe mit Schokosoße glücklich, wie das folgende Bild zeigt:

Auch heute würden wir mit Korfu wieder einen Hafen anlaufen, den wir noch nicht kannten. Das sollte uns mit der FTI.Berlin noch öfter passieren, aber das war schließlich auch ein Grund für diese Reise. Für 12.00 Uhr war die Ankunft geplant und nachdem die See annähernd glatt war, konnte der Zeitplan, im Gegensatz zu gestern, auch eingehalten werden.

Kerkyra, wie Korfu auf griechisch heißt, ist mit etwa 585 Quadratkilometern die siebtgrößte Insel Griechenlands und die Heimat von 97.000 Einwohnern, die das besondere, mediterrane Klima genießen. Auch uns empfing die "grüne Insel", wie Korfu auch genannt wird, mit angenehmen bis heißen Temperaturen und einer Reiseleiterin, die im Schwarzwald aufgewachsen war. Christina hieß uns herzlich willkommen und stimmte uns auf den Ausflug ein. In knapp fünf Stunden hatten wir ein straffes Programm zu bewältigen. Zunächst führte unser Weg zu Kaiserin Sisi's "Achilleion", anschließend würden wir in die Hauptstadt Kerkyra fahren.

Christina gab ihr Wissen über Korfu, die griechische Geschichte und das Achilleion mit Charme, Witz und Überzeugung an ihre interessierten Zuhörer weiter. Eigentlich ist die ganze Insel eine einzige Sehenswürdigkeit. Allein die Tatsache, dass es hier vier Millionen Olivenbäume gibt und mehrere Dutzend Orchideenarten wachsen, zeigt, dass der Beiname "grüne Insel" nicht von ungefähr kommt. Wenn man aus dem Bus aussteigt, taucht man in eine Geruchswelt ein, von der auch Fernsehköche nur träumen können. Limonen, Zypressen oder Orangenbäume lassen die Nasenflügel vor Entzücken Sirtaki tanzen.

Nach etwa 25 Minuten Fahrtzeit steigen wir in Gastouri aus, hier steht das sagenumwobene Achilleion, von dem aus schon Roger Moore im Film "In tödlicher Mission" romantische Blicke Richtung Ionisches Meer warf. Viele Szenen des 1981 erschienen Kassenmagneten wurden hier gedreht.

 

Weit vor Roger Moore und seiner Filmcrew war allerdings eine andere berühmte Person hier: Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als Sissi oder Sisi.

 

Was auffiel waren zunächst die wenigen Besucher, da hatten wir wirklich Glück, denn das Achilleion wird im Regelfall von ganzen Busladungen von Touristen heimgesucht. Und dann erzählte uns Reiseleiterin Christina, dass Sisi auf allen Bildern aussieht wie ein junges Mädchen, immer gertenschlank, scheinbar makellos und vor allem alterslos. Unglücklich soll sie gewesen sein, ruhelos und reiselustig. So landete sie eines schönen Tages mit einem Schiff, das größer war als die FTI.Berlin auf Korfu.

Obwohl Kaiser und Gemahl Franz Joseph nicht mit den Plänen seiner Frau einverstanden war, ließ sich Sisi nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Inspiriert durch die Ausgrabungen Heinrich Schliemanns setzte Sisi ihren Kopf durch und erfüllte sich ihren Traum, von dem sie, kaum dass er Realität geworden war, aber abließ und feststellte: "Unsere Träume sind immer schöner, wenn wir sie nicht verwirklichen!"

 

Angesichts dieser Aussichten sind Sisi's Einsichten noch unverständlicher. Auf dem linken Bild sehen wir die Statue des sterbenden Achilles, jenen Helden der griechischen Mythologie, den Elisabeth so sehr verehrte. Achilles ist das Thema, das sich auch im Schloss selbst immer wieder entdecken lässt,  insbesondere bei diesem herrlichen Gemälde.

Nach dem Tod Sisi's erwarb Kaiser Wilhelm II. das Schloss, in dem er nicht nur wohnte, sondern es auch zu einem diplomatischen Zentrum ausbaute. Als Kaiser des Deutschen Reichs hatte Wilhelm auch andere Vorstellungen seiner Helden. Die mussten natürlich siegreich sein, stark und unfehlbar. Er versetzte daher Elisabeth's Statue kurzerhand und stellte "seinen" Achilles auf, dem er auch gleich noch den Meerblick dazu spendierte.

 

Im Achilleion selbst finden sich einige Möbel von Sisi, Kunstgegenstände, ein imposantes Treppenhaus oder eine sehr schön bemalte kleine Kapelle. Es darf nach Lust und Laune fotografiert werden und wenn man Glück hat, so wie wir, laufen auch nicht ständig andere Touristen durch's Bild.

    

 

Das Achilleion wurde im pompejischen Baustil errichtet. Nachdem es einige Jahre als Casino gedient hat, wurde es 2003 erneut vom griechischen Staat übernommen, der es vollständig restauriert hat. Heute erinnert es als Museum an die unglückliche Kaiserin Elisabeth von Österreich. Und wenn man die Statuen und Skulpturen der griechischen Mythologie im Garten des Achilleion länger betrachtet, wähnt man sich in Homer's Ilias oder Odyssee ... und jeden Augenblick kommt Achilles mit seinem Streitwagen um die Ecke gefahren.

  

 

Unser Besuch im Achilleion endete mit diesen letzten Bildern. Christina geleitete uns über den rückwärtigen Ausgang hinaus. Dort blieben noch ein paar Minuten, um sich in den unvermeidlichen Souvenirshops mit kleinen Erinnerungsgeschenken einzudecken oder ein Foto machen zu lassen. Da der Preis mit vier Euro günstig war, nahmen wir die nicht ganz so tolle Qualität in Kauf.

Anschließend brachte uns der Bus zurück nach Korfu-Stadt. Dort leben etwa 40.000 Einwohner. Bevor wir unseren Parkplatz an der alten Festung erreichten, fuhren wir noch an der Mäuseinsel vorbei, die ihren Namen ihrer ungewöhnlichen Form zu verdanken hat, die an eine Maus erinnern soll.

Am Fuße der Festung, die im 16. Jahrhundert von den Venezianern errichtet wurde, verließen wir den Bus und folgten unserer Reiseleiterin, die uns noch bis zur Esplanade und der St. Spiridon-Kirche begleitete.

 

 

Auch Korfu-Stadt ist zu Fuß gut zu bewältigen. Von der Festung zu den Esplanaden sind es nur wenige Meter. Die wunderschöne Arkaden-Galerie ("Liston") wurde von einem französischen Architekten erbaut. Deshalb erklärt sich auch die Ähnlichkeit mit dem berühmten Straßenzug an der Seine. Wer sich von den Strapazen des Sightseeings erholen möchte, kann sich hier in eines der Cafes setzen und bei einem Frappe entspannen.

Wir gingen mit Christina jedoch weiter zur St. Spiridon-Kirche, wo die Gebeine des Schutzpatrons von Korfu aufgebahrt sind. Da gerade eine Messe abgehalten wurde, wollten wir nicht weiter stören und haben deshalb auf Aufnahmen im Inneren der Kirche verzichtet.

Im Anschluss hatten wir noch etwas Freizeit und schlenderten durch die Gassen von Kerkyra. Hier gibt es alle erdenklichen Souvenirläden, aber auch Hobbyfotografen kommen auf ihre Kosten.

 

    

Kurz nach halb fünf endete unsere Ausflug, es ging mit dem Bus zurück zum Hafen. Die erste geführte Tour hatte großen Spaß gemacht und auch im Nachhinein stellte sich die Entscheidung als richtig heraus. Für einen Ausflug auf eigene Faust sind die Entfernungen doch zu groß, außerdem haben wir es auch mal ganz gerne, wenn etwas über Land und Leute erzählt wird, ohne dass man ständig im Reiseführer nachlesen muss.

Das Hafenterminal auf Korfu sorgte bereits am Vormittag für großes Gelächter unter den Beteiligten. Der Bus fuhr vor, die Besucher gingen ins Terminal hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus, wo sie wieder in ihr Transportmittel stiegen. Jetzt bei der Rückfahrt passierte das Ganze in umgekehrter Reihenfolge. Dabei hatten wir bis zum Abendessen nicht mehr all zu viel Zeit. Heute stand "Gala" auf dem Tagesprogramm. Das hieß schick machen, wir wollten uns ja nicht blamieren, wenn wir schon die Ehre haben sollten neben Kapitän Oleg Panchenco abgelichtet zu werden.

Sehr viele Damen mit Abendkleidern sah man nicht, das waren wir von unseren Kreuzfahrten mit Costa doch anders gewohnt, aber die meisten Passagiere waren immerhin etwas eleganter gekleidet als sonst. Das Essen präsentierte sich dessen ungeachtet wieder bodenständig, also ohne große kulinarische Aufreger. Aber wenn es schmeckt, ist das ja auch schon ein Kompliment für die Küche.

Heute wollten wir auch einmal testen, was unter der groß angekündigten "Gala-Show - Music Hall" zu verstehen ist, die um 20.45 in der Scirocco-Lounge auf dem Hauptdeck beginnen sollte.

Da wir nicht viel erwartet hatten, wurden wir auch nicht enttäuscht. Die Sängerin genügte zwar durchaus höheren Ansprüchen, aber für unseren Geschmack war der Auftritt zu Chanson-lastig und schon deutlich auf das französische Publikum zugeschnitten, das am 10.05.2013 ab Nizza die Kreuzfahrt mit der FTI.Berlin fortsetzen sollte. Die vier Tänzer waren als schmückendes Beiwerk fast zu viel des Guten, weil die Bühne, wenn man denn von einer solchen sprechen will, einfach zu klein ist. Auch dieser Punkt geht an Costa.

Da erfreuten wir uns dann doch lieber an dem Sonnenuntergang, mit dem wir den ersten Tag in Griechenland beschlossen.

Als wir auf die Kabine gingen, lag das Programm für den nächsten Tag schon auf dem Bett. Morgen würde es einen ganz besonderen Höhepunkt geben: die Passage durch den Kanal von Korinth. Mit der Vorfreude auf dieses Erlebnis schliefen wir ein. Wenn uns auch Sie bei dieser aufregenden Durchfahrt begleiten wollen, klicken Sie auf den entsprechenden Link.

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