Dienstag, 27.06.2017

Tagesziel: Runde, gefahrene Kilometer: 194, ÜN: Goksoyr Camping (215 NOK  = 22,80 Euro inkl. Strom), Fährüberfahrten: Eidsdal-Linge ((112 NOK = 11,90 Euro), Sulesund-Harreid (136 NOK =14,30 Euro)

 

 

 

 

 

Auch am nächsten Morgen werden wir vom Regen geweckt. Die Pausen sind jetzt zwar länger, aber unser Spaßfoto vom Flydalsjuvet haben wir mittlerweile abgehakt. Den Platz der Costa Favolosa hat zwischenzeitlich die MSC Fantasia eingenommen. Ein weiteres Hochhaus-Schiff.

Was das für uns bedeutet, sollten wir bald feststellen. Nach dem Frühstück machen wir aber doch einen kurzen Spaziergang vom Campingplatz, der zum Teil einer Lehmkuhle gleicht in den gut sortierten Souvenirshop.

Aus einem anderen Blickwinkel lichten wir die MSC Fantasia dann erneut ab und fragen uns dabei, wie die Verantwortlichen zulassen können, dass ein derart kleiner Ort wie Geiranger auf einen Schlag mit 4.000 Passagieren regelrecht geflutet wird. Von der Umweltbelastung einmal ganz zu schweigen. Man bleibt angesichts solcher Bilder sprachlos zurück. Aber solange es die Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen, werden alle weiteren kritischen Fragen einfach nicht gestellt.

Dabei sind wir selbst begeisterte Kreuzfahrer, bevorzugen aber in den letzten Jahren die Schiffe der Phoenix-Flotte, die deutlich weniger Passagiere befördern. Vor dem Souvenirshop steht immerhin noch der Monster-Troll, dem wir regelmäßig einen Besuch abstatten. So ein großes Exemplar erstehen wir natürlich nicht, dafür hätten wir nun wirklich keinen Platz, aber auch unser Troll kann sich sehen lassen, oder?

Wir marschieren durch den kleinen Ort, der um diese Zeit noch nicht von der Schiffsmeute heimgesucht wird und finden viele bekannte Motive, die auch schon bei unseren letzten Besuchen in Geiranger zu sehen waren.

Etwas ist aber doch neu und zwar dieser Laden mit den kleinen Elektromobilen. Mit so einem Teil werden wir nächstes Jahr, wenn wir mit MS Artania auf unserer Spitzbergen-Kreuzfahrt hier Station machen, zum Dalsnibba hochfahren.

Bei unverändert ungemütlichem Wetter spazieren wir zurück zum Campingplatz. Der Blick nach oben lässt nichts Gutes ahnen. Auch die Wassermassen des Wasserfalles, der mitten durch den Ort nach unten donnert, belegt die Regenfälle in den letzten Tagen.

Als wir am kleinen Supermarkt vorbei kommen, sehe ich eine Palette Bier. Und weil ich immer wieder nach den Preisen in Norwegen gefragt werde, halte ich das auch im Bild fest, denn 4,30 Euro für ein 0,33-Liter-Fläschchen würde hierzulande niemand zahlen. Bei dem Wetter steht mir der Sinn nach Bier allerdings ohnehin nicht, außerdem wollen wir schnell weiter.

Zurück auf dem Campingplatz verfolge ich gespannt wie ein Traktor ein im Morast festgefahrenes Wohnmobil herauszieht. Na hoffenlich bleibt uns das erspart! Aber glücklicherweise geht alles gut und wir verlassen Geiranger Camping. Trotzdem haben wir nicht lange Freude am Fahren, weil eine schier endlose Schlange von vielleicht 30 Bussen die schmale Straße 63 zu den Adlerkehren noch enger macht. Wir stehen und warten und plötzlich schert ein Bus aus und will uns zurückdrängen. Der Fahrer hat wirklich nicht alle Latten am Zaun. Mit Mühe und Not vermeide ich beim Rückwärtsfahren ein Touchieren der anderen Busse. Eine wirklich brenzlige Situation, die zum Glück ohne Folgen bleibt. Sonja und mich eint ein Gedanke: Nichts wie weg! Der Zauber der früheren Jahre ist unter diesen Umständen leider dahin und das hat jetzt mit dem schlechten Wetter rein gar nichts zu tun.

Ich kämpfe mich schließlich durch die Wand der Busse erfolgreich zu den Adlerkehren und ergattere zufällig auch einen Parkplatz, gerade rechtzeitig, bevor weitere Busse mit Horden spanischer und englischer Touristen eintreffen. Alle wollen vom Aussichtspunkt Fotos der "Sieben Schwestern" machen, dem berühmtesten aller Wasserfälle, und von den ankernden Kreuzfahrtschiffen.

Das Verkehrschaos am Aussichtspunkt nimmt zu und wir suchen schnell das Weite. Busse kommen im Minutentakt und spucken Nordlandfahrer aus aller Welt ohne Ende aus. Wir flüchten also zum zweiten Mal und checken zunächst den Wetterbericht. In Alesund könnte es heute Sonne geben, also fahren wir auf der 63 zügig weiter. In Eidsdal geht's mal wieder auf eine Fähre, die uns nach Linge bringt. Und zaghaft bessert sich auch das Wetter, so dass uns Landschaften wie diese doch gleich viel besser gefallen:

Gegen 13.00 Uhr erreichen wir Alesund, das etwa 47.000 Einwohner zählt und mit seinen einmaligen Sehenswürdigkeiten punkten kann. 2012 hatten wir hier kapituliert, weil wir keinen Parkplatz gefunden haben. Diesmal hatten wir schon im Vorfeld der Reise recherchiert und sind dabei auf den Parkplatz Hjelsetgarden Bobilparkering gestoßen. Der Platz liegt sehr zentrumsnah, natürlich nah am Wasser, kann sowohl als Parkplatz wie auch als Übernachtungsplatz genutzt werden. Der Preis für 2 Stunden beträgt 50 NOK und wird natürlich mit Kreditkarte am Automaten gezahlt.

Zwischenzeitlich hatten sich auch die letzten Wolken verabschiedet und Alesund präsentierte sich uns so, wie wir uns das erträumt haben. Wir spazieren an den vielen schönen Jugendstilhäusern vorbei, machen viele Fotos und gönnen uns auch noch eine Tasse Cappuccino in einem der zahlreichen Cafes. Was für ein Kontrast zu dem eher trostlosen Besuch in Geiranger.

 

Kaum dass wir den Cappuccino ausgetrunken haben, höre ich das Typhon eines Kreuzfahrtschiffes. Da ich weiß, dass heute die MS Deutschland in Alesund auftauchen soll, sprinte ich zum Hafen, der vielleicht drei-, vierhundert Meter entfernt von unserem Standort ist. Leider verpasse ich das frühere Traumschiff, treffe dafür auf die Seabourn Quest.

Als wir an einer Limosine vorbei gehen, überlegen wir, ob wir damit zum Aksla hochfahren sollen, lassen es aber dann doch bleiben. Alternativ könnte man natürlich auch zu Fuß gehen. Auch diese Möglichkeit verwerfen wir schnell. Der Weg ist steiler als es auf dem Foto aussieht.

Das schöne Wetter ist eine Steilvorlage für einen Besuch des berühmten Aussichtsberges Aksla. Es wäre geradezu fahrlässig, auf die folgenden herrlichen Bilder zu verzichten. So hatten wir Alesund noch nie erlebt und ein Gefühl der Dankbarkeit war nicht zu leugnen.

Auch wenn es schwerfällt, wir müssen den Aussichtsberg verlassen und uns aus Alesund verabschieden. Waren wir heute Vormittag in Geiranger noch froh, weg zu kommen, ist hier das glatte Gegenteil der Fall. Aber Aussichten wie die oben gezeigten sind auch wirklich nicht alltäglich. Von Alesund geht es zunächst Richtung Sulesund und dort auf die Fähre nach Hareid.

Die Fähren in Norwegen funktionieren alle ähnlich. Kurz vor dem Anlegen geht die Bugklappe nach oben und man fährt auf das schwimmende Womo-Taxi. In Fahrtrichtung fährt man dann auch wieder aus. Aber auch, wenn sich diese Vorgänge oft wiederholen, ist es doch immer wieder spannend, das Ganze zu verfolgen. Auch das gehört zu einer Reise nach Norwegen. Gleich nach der Abfahrt kommen wir an diesem schönen Haus vorbei.

Die letzten Kilometer vor Runde gehören dann aber wieder der großartigen Landschaft.

Als wir den Campingplatz von Knut Goksoyr erreichen, staunen wir nicht schlecht. Der Platz ist rappelvoll. Knut wies uns einen Stellplatz zu, der nahe an der Einfahrt liegt und so ohne großes Rangieren angefahren werden kann. Wir stehen zwar unmittelbar hinter einem anderen Wohnmobil, aber die Menschen kommen nach Runde, um die Vögel zu beobachten und nicht, um Party zu machen. Insofern ist es auch kein Problem, wenn man nah beieinander steht.

Während ich unter der Dusche stehe, deckt Sonja im Freien den Tisch, das Wetter ist endlich mal einladend genug. Dabei macht sie die Rechnung jedoch ohne eine dreiste Möwe. Die schnappt sich doch tatsächlich eine gerade geöffnete Büchse mit Ölsardinen, ohne auch nur ein Stück zu verlieren. Leider geht alles in Windeseile, so dass es davon kein Bildmaterial gibt.

Nach dem Abendessen machen wir uns dann auf den beschwerlichen Fußweg zum Vogelfelsen. An der Abzweigung, an der der Anstieg beginnt, sehen wir noch Hinweistafeln zu den Vögeln, die auf Runde brüten. Da sind wir noch optimistisch.

 

Aber es wird uns schnell klar, dass der Aufstieg kein Honigschlecken wird. Besonders für Sonja ist es außergewöhnlich anstrengend, sie muss mehrere Pausen einlegen. Man sollte wirklich körperlich fit sein, wenn man sich darauf einlässt. Wenn man bedenkt, dass sich die Brutplätze in etwa 250 Metern Höhe befinden, sollte es eigentlich klar sein, dass die Wanderung nach oben nicht in 20 Minuten zu schaffen ist, auch wenn uns natürlich immer wieder Touristen überholen, die sich scheinbar im Wettkampfmodus befinden.

Ziel unserer Begierde sind die lustigen Papageientaucher ("Puffins"), die durch ihre tolpatschig erscheinende Art viele Freunde gewonnen haben. Gut, dass wir Winterjacken, Schals und Mützen dabei haben, denn hier oben pfeift es vom Atlantik her beträchtlich und zwar aus allen Richtungen. Nach etwa einer Stunde Wegstrecke, die durch in den letzten Jahren ausgelegte Steinplatten und Holzstegen fast komfortabel geworden ist, stellen wir fest, dass die Bruthöhlen der Vögel für unsere Kompaktkameras zu weit entfernt sind. Anders als noch im Jahr 2012, wo die putzigen Vögel keine fünf Meter von uns entfernt waren, ist es diesmal ganz anders. Die Tiere haben ihren Standort verlegt, wir haben Mühe sie mit bloßem Auge zu erkennen und große Teleobjektive wie die meisten anderen Besucher hier oben haben wir nicht.

Dafür sind diesmal die Aussichten auf das offene Meer großartig. Insofern ist ein Besuch auf Runde natürlich immer lohnend.

Trotzdem sind wir einigermaßen enttäuscht, als wir gegen 22.30 Uhr den Rückweg antreten. Vorzeigbare Aufnahmen haben wir in diesem Jahr leider nicht im Gepäck. Links eine Aufnahme aus dem Jahr 2012, rechts ein aktuelles Bild. Was für ein Unterschied!

Immerhin bekamen wir dieses Exemplar vor die Linse, wenngleich das auch nur ein schwacher Trost war.

Nach dem Flop in Geiranger mussten wir auch in Runde feststellen, dass offensichtlich auch die Vögel vor dem zunehmenden Touristenstrom flüchten oder sich zumindest Brutstellen suchen, die ihnen einen sicheren Rückzugsort bieten. Jedenfalls lag es nicht nur an unserem für diese Zwecke mangelhaften Equipment, dass wir keine brauchbaren Fotos schießen konnten. Wenigstens wurden wir durch das anhaltend schöne Wetter trotzdem bei Laune gehalten.

Wenn Sie uns bei der Weiterfahrt, die über die Atlantikstraße führt, begleiten wollen, klicken Sie sich zum nächsten Tagesbericht.

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